2.701  Der zweite Brief von Joost Zöllner.

Ich wünsche euch, meine herzlich geliebten und werten Brüder und Schwestern in dem Herrn (welche als Fremdlinge in allen Ländern zerstreut, verjagt und verfolgt sind von ihren Ländern, Städten, Häusern und Gütern, und das um des Zeugnisses Jesu Christi willen) Gnade, Frieden, Barmherzigkeit von Gott, unserm himmlischen Vater, durch Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unserm Herrn und Heiland, durch welchen wir der gottseligen Verheißungen teilhaftig geworden sind, in seinem heiligen Namen. Denn Er hat uns gereinigt durch das Bad der Wiedergeburt in seinem heiligen Blut, und hat uns auserwählt aus allen Geschlechtern der Erde zum heiligen Priestertum, um geistige Opfer zu opfern, die Gott angenehm sind, durch Christum. Derselbe wolle meine werten und in Gott geliebten Brüder und Schwestern stark und kräftig machen durch seinen Heiligen Geist an dem inwendigen Menschen zum Preise und zur Verherrlichung des großen, unüberwindlichen Gottes des Himmels und der Erde, damit ihr als glänzende Lichter unter den heidnischen Völkern leuchten mögt, unter denen ihr als zerstreute Fremdlinge wohnt, damit viele Tausende euch beim Zipfel ergreifen möchten und sagen: Liebe, wir wollen mit euch gehen, denn wir sehen, daß der Herr mit euch ist. Dazu wolle euch der Herr den Segen geben, zum Lobe, Preise und zur Ehre seines heiligen anbetungswürdigen großen Namens.

Nebst Anwünschung eines christlichen Grußes an euch, meine werten und in Gott geliebten B. und S. in dem Herrn, habe ich bei unsern letzten Verhören, welche den 23. und 28. März stattgefunden, vernommen, daß die Zeit unserer Wallfahrt bald am Ende sein möchte. Deshalb bin ich gedrungen worden aus brüderlicher und herzlicher Liebe, euch meinen lieben Freunden ein wenig zu schreiben, wobei ich euch eine fröhliche Botschaft verkündige, nämlich, daß ich mit meinen Mitgefangenen noch guten Mutes bin, der Seele und dem Leibe nach, durch des Herrn Gnade, um bei der heiligen Wahrheit zu bleiben, solange wir einen lebendigen Atemzug in uns haben, auch daß es unser Wille ist, sowohl unsern Leib, als unsere Seele in Gottes kräftigen Verwahr zu geben, was euch allen angenehm zu hören, uns aber ein seliger Teil ist; Gott wolle uns aus Gnaden geben, daß wir, als unwürdige Knechte, seines Leidens teilhaftig sein möchten. Ich erfreue mich aber im Geiste von ganzem Herzen, daß mich Gott zu solcher Gnade berufen hat, wozu die ganze Welt wegen ihres Unglaubens unwürdig ist.

Weiter, meine werten und herzlich geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn, ist unsere herzliche Bitte an alle Auserwählten, die Gott von Herzen fürchten, mit einem aufrichtigen, brünstigen Herzen, in einem heiligen Glauben, der durch die Liebe tätig ist, daß ihr die Knie eures Herzens vor dem allmächtigen Gott, dem Vater unseres Herrn Jesu Christi beugen und für uns Gefangene als Mitgefangene bitten wollt, die wir in Ungemach sind, als die ihr selbst auch noch im Leibe seid, damit wir das Ende unseres Glaubens (welchen wir durch Gottes Gnade bekannt haben) vor diesem bösen und argen Geschlecht, welche Feinde des Kreuzes Christi sind, ehrlich erreichen, und unsern Leib zum Opfer übergeben mögen, das Gott angenehm sei, durch Jesum Christum, zum Preis des großen Gottes, zu unseres Nächsten Erbauung, und zum Licht der Welt, das ist unser aller Bitte.

Weiter, liebe Freunde, finde ich in diesem meinem Druck, Leiden, Banden und Schmach, die um der Gerechtigkeit Gottes willen über mich Unwürdigen gekommen sind, daß Gott in allen seinen Verheißungen getreu ist; der uns nicht über unser Vermögen versucht werden lässt, sondern nebst der Versuchung ein Auskommen gibt. Er lässt die Seinen nicht als Waisen; Er wird uns mit seinem Geist vor Königen und Fürsten verteidigen, so viel uns dann nötig sein wird. Er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen; darum will ich mich auf den Herrn verlassen, und mich nicht fürchten, was mir ein Mensch tun möchte, denn, wenn sie auch hier das irdische Haus dieser Wohnung zerbrechen, so wissen wir doch gewiss, daß den Gerechten eine Wohnung im Himmel bereitet sei, die nicht mit Händen gemacht, sondern ewig ist, nach welcher Behausung meine Seele ein herzliches Verlangen hat.

Aber, Freunde, es entsteht großer Streit, sowohl auswendig, als inwendig, denn inwendig beweist Fleisch und Blut seine Art, welchem durch den Glauben widerstanden werden muss; auswendig gegen die weltliche Hoffart, die falschen Propheten und die Geister der Lügen, mit welchen man ritterlich fechten muss, mit dem Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist.

Ach, Freunde, ich habe es schon zur Genüge erfahren, denn ich bin zwölf Mal von ihnen angefochten worden; sechs Mal von der weltlichen Obrigkeit und sechs Mal von den falschen Propheten. Die Obrigkeit sagte zu mir, ich hätte einen stolzen, hoffärtigen Geist in mir, und machte noch mehr dergleichen üble Äußerungen und meinte, daß ich um deswillen mich nicht bewegen lassen wollte; ich fragte sie, ob das eine große Hoffart wäre, daß ich mich alles meines Gutes, meines Weibes und Kindes berauben ließe, und zuletzt allen Menschen ein Schauspiel sein müsste, welche mich an einem Pfahle verbrennen lassen und mein Fleisch den Tieren und Vögeln des Himmels zur Speise geben würden. Sie sagten noch einmal: Ja, eben darin seid ihr stolz; ich sagte, das wären wir, aber wir freuten uns weil wir des Leidens Christi teilhaftig geworden wären; ich warnte sie, sie sollten zusehen, und die Hände nicht an diejenigen legen, die im Frieden nach ihrem Glauben zu leben suchten, die weder euch noch den eurigen irgendein Leid zufügen. Sie sagten, wir wären Aufrührer und Meuterer, verführten und zögen viele einfältige Herzen zu unserm Glauben, und daß wir eine größere Strafe verdient hätten, als Diebe und Räuber; ich erwiderte: Wir verführen keine Seelen, sondern eure falschen Propheten verführen viele tausend Seelen durch ihre Lehre und ihren falschen Gottesdienst, den sie unter dem Schein der Heiligkeit verrichten. Sie sahen mich scharf an. Es fielen auch noch viele Reden vor, die ich der Beschreibung nicht wert halte. Was dasjenige betrifft, daß sie mich nach meinem Alter fragten, und wie lange ich im Glauben gewesen wäre, auch wegen meines Dieneramtes, davon habe ich in meinem vorigen Briefe geschrieben, der von einigen unter euch gelesen worden ist, wie ich aus dem Inhalt eines Briefes ersehe, den ich gestern empfangen habe; er war mir von Herzen lieb, denn, Freunde, es tut wohl, wenn einige Briefe voll Trost und Warnung kommen; es ist viel angenehmer als viele Goldstücke, denn, Freunde, eine Zeile von Freundeshand schmeckt viel besser, als wenn man zehn Mal mehr in sich selbst trüge.

Weiter, Freunde, zehn oder zwölf Tage nachher sandte die Obrigkeit zwei Gelehrte, den Pfarrpfaffen von St. Jan und noch einen Domherrn; dieser machte auch viele Worte, und brachte ein langes Geschwätz vor; zuletzt fragte er mich, warum ich von der Mutter, der römisch-katholischen Kirche abgefallen wäre; ich erwiderte ganz kurz, daß ich sie nicht für die rechte heilige Kirche hielte. Sie fragten: Warum? Ich sagte: Um deswillen, weil man sonst nichts tut, als einen falschen, erdichteten Gottesdienst treiben. Das nahmen sie sehr übel auf, es fielen auch sehr viel Reden vor, nach der Weise, wie es unseren Freunden in früheren Zeiten ergangen ist.

Ungefähr zehn oder zwölf Tage darauf kamen dieselben noch einmal, und brachten den Pfaffen Michelken mit, welcher ein Abtrünniger und seit der Zeit ein Pfaffe geworden ist. Da sagte der Pfarrpfaffe, Namens Herr Jan von Dale zu mir: Kennst du wohl den Herrn Michelken? Ich sagte: Ja. Er sagte: Warum bekehrst du dich denn auch nicht von der Ketzerei, wie Herr Michelken getan hat; wäre euer Glaube gut, er wäre von eurem Glauben nicht abgewichen und zu der Mutter, der heiligen Kirche, umgekehrt. Ich antwortete: Er wäre von der heiligen Gemeinde Gottes zum Götzendienst und zur Lehre der Teufel übergegangen. Sie fragten: Was ist Abgötterei in unserer Kirche? Ich erwiderte: Zunächst alle Bilder, die darin stehen, vor welchen ihr Lichter brennt, opfert und die Knie beugt. Sie sagten: Die Bilder wären die Bücher für ungelehrte Leute, die Messe aber, und das Opfer, das sie täten, wären lauter heilige Gebete. Ich antwortete: Wäre es gut, wie ihr sagt, ihr würdet es wohl in flämischer oder deutscher Sprache verrichten, damit die einfachen Menschen gelehrt werden möchten; überdies habt ihr das Evangeliumbuch, das mögt ihr lehren; aber ihr fürchtet, die Menschen möchten deutliche Begriffe daraus fassen. Überhaupt wechselten wir auch sehr viele Worte von der Sendung der Prediger und von der Kindertaufe miteinander, aber viel davon zu schreiben, dünkt mich unnötig zu sein, denn es geht alles darauf hinaus, wie es im Opferbuch steht. Sollte ich alles schreiben, es wären wohl sieben oder acht Bogen Papier nicht genug dazu; auch habe ich viel vergessen, denn es ist gar zu viel vorgefallen.

Zuletzt kam der Stadtschreiber Schockmann mit seinem Sohn, welcher Schreiber des Blutgerichts ist; dieser befahl uns, daß ich und Michael Buyse mitkommen sollten, um mit ihm zu reden. Darum bat ich den Herrn, daß Er mich nach seiner Verheißung bewahren wolle. Darauf ging ich die Treppe hinunter, und als ich und Michael zu ihm kamen, grüßten wir ihn ehrerbietig, und er sagte uns auch guten Abend. Da fragte er uns sämtlich, ob wir nicht verdrießlich wären, so gefangen zu sitzen. Antwort: Wir müssen darin geduldig sein. Ja, sagte er, es ist eure Schuld, und ihr tut es euch selbst; würdet ihr euch nur bewegen lassen, so würden wohl alle Dinge gut werden. Wenn ihr nur von eurer Meinung ablassen wolltet, denn (sagte er) es ist nur Ruhmsüchtigkeit und ein hoffärtiger Geist, der dich dazu treibt; ich sagte ihm, wie ich zuvor erzählt habe, daß solches keine Hoffart wäre, wenn es sich um Leib und Gut handelt. Er verteidigte das römische Reich sehr, und machte viel Wesens von der Kirche der Pfaffen, weil sie von der Apostel Zeit an bis hierher gewesen sei; auch zählte er viel Gründe auf, die weder schriftgemäß, noch der Mitteilung wert sind. Ferner (sagte er), sind auch einige Missbrauche vorhanden, um deswillen ist der Glaube nicht schlechter. Ich weiß wohl (sagte er), daß Pfaffen sind, die tugendsamer leben könnten, aber man soll nicht auf ihre Werke sehen, sondern ihren Worten gehorchen. Michael sagte: Ein guter Baum bringt gute Früchte, was ein böser Baum nicht tut. Aber (sagte ich) meine Herren, wir haben die Wahrheit, ich hoffe, daß wir durch des Herrn Gnade bis ans Ende dabei bleiben werden. Er redete viel, und sagte unter anderem, er wäre aus Mitleiden zu ums gekommen, und obgleich ihr (sagte er) den Geistlichen nicht Gehör geben wollt, so komme ich aus eigenem Antrieb und finde mich dazu gedrungen, in der Hoffnung, ihr werdet mir mehr Gehör geben, denn (sagte er und schlug auf seine Brust) wäre es nicht durch ihn geschehen, so wäre es schon längst mit uns getan gewesen, aber er hätte es verhindert; wie wir denn auch wissen, daß er sehr hoch angesehen ist, sowohl bei Hofe, als bei den Herren der Stadt, denn im Stadtregiment geht es in vielen Sachen nach seinem Rat. Zuletzt sagte er (und schlug noch einmal auf seine Brust) wir müssten sterben, denn (sagte er) es ist bei den Herren des Rates von Flandern, bei dem hohen Rate beschlossen, und ferner sagte er, auch bei Hofe und bei seiner Hoheit, dem Prinzen von Parma, sei dieser Beschluss gefasst. Darauf antwortete ich freudig: Des Herrn Wille müsse über uns geschehen; wir sind geboren, um einmal zu sterben. Ja, (sagte er) das Sterben ist ein geringes Werk, aber du wirst nachher in die Verdammnis gehen, wie er uns denn zuvor oft verdammt hatte. Michael antwortete darauf, das Urteil käme Gott zu; er aber sagte: Ihr solltet wohl sagen, daß wir verdammt seien? Darauf sagte ich, daß wir diejenigen, die außer uns sind, nicht richten; Gott wird sie richten.

Ja, Freunde, es ist ein stolzes, aufgeblasenes Volk, und sie lästern ohne alle Furcht Gott und seinen heiligen Tempel. Weiter sagte er: Wenn wir abstehen wollten, wollte er bei Seiner Hoheit sein Bestes tun, und sollte er auch selbst nach Hofe reisen müssen, was ihn viel kosten würde. Es scheint demnach, Freunde, wie wir hören, daß wir gleichwohl in Lebensgefahr wären, wenn wir auch vom Glauben abfielen. In solcher Weise ist er zuletzt von uns geschieden und hat uns gebeten, an seine Worte zu denken; ich hoffe, sagte er, der Heilige Geist wird es in dir wirken. Aber wir hatten eine andere Hoffnung, daß Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, uns durch seinen Geist stärken werde, in der Wahrheit bis ans Ende unseres Lebens zu beharren.

Freunde, wir waren bei ihm länger als zwei Stunden. Wir redeten wenig; nur hin und wieder, wenn etwas vorkam, was eine Verantwortung nötig machte, verteidigten wir uns; das viele Reden gilt hier nichts, denn sie sagen, sie seien gekommen uns zu lehren; aber wir wollten von ihnen nicht gelehrt sein. Das haben die Pfaffen zu mir allein gesagt, denn wir waren im Verhör voneinander abgesondert, das letzte Mal ausgenommen.

Fünf oder sechs Tage darauf hat er uns seinen Sohn noch einmal gesandt, der uns fragte, ob wir auf diese Sache Achtung gegeben und uns bedacht hätten; wir sagten darauf, wir begehrten bei dem Glauben an Jesum Christum zu bleiben, wie wir im Anfang bekannt hätten. Nach diesen Worten ist er von uns geschieden, was den 28. März geschah.

So erwarten wir denn, meine herzgründlich geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn, jeden Tag den Tag unserer Erlösung, daß wir unser Opfer tun mögen. Ich hätte beinahe das vergessen, was der Stadtschreiber uns gesagt hatte, ihr möchtet vielleicht wohl einmal Nachts überfallen werden, wenn ihr solches am wenigsten vermutet; was sie im Sinne haben, ist Gott bekannt. Sie haben über uns keine Macht, es sei denn, daß es ihnen der Herr zulässt. Gott ist unsere Stärke und Kraft, und das Schwert unseres Sieges, und obgleich wir um seinetwillen leiden müssen, so müssen wir doch unsere Seelen in Geduld fassen, und dessen eingedenk sein, was der Apostel sagt, daß es Gnade bei Gott sei, um des Wohltuns willen zu leiden; wiewohl, liebe Brüder und Schwestern in dem Herrn, die Welt es für keine Gnade achtet; denn 1Kor 1,18 steht, daß das Wort vom Kreuz denen eine Torheit sei, die verloren gehen, aber uns, die wir selig werden, ist es eine Kraft Gottes, welche Kraft Gottes durch seinen Geist zum Trost und zur Stärkung ihres Gemüts wirkt.

Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, wacht, steht im Glauben, seid männlich, seid stark, und lasst alle eure Dinge in der Liebe geschehen, damit ihr aufwachst und zunehmt, und nicht schwach werdet in der Liebe, in der Hoffnung, im Glauben, welches ein köstlicher Schatz ist, den wir durch den Heiligen Geist in unsere irdischen Gefäße empfangen haben. Bewahrt doch denselben fleißig, mit großer Sorgfalt; denn einige von uns haben lange darum gearbeitet, aber durch eine leichtsinnige Unachtsamkeit wird er so leicht geraubt; dann ist alle Arbeit verloren, die darum getan worden ist; denn wenn der Gerechte weicht (sagt der Herr), so soll meine Seele an ihm keinen Gefallen haben. Er verlässt die Quellader des lebendigen Wassers, und die Abtrünnigen werden in die Erde geschrieben, ihr Name wird auch nicht im Buch des Lebens gefunden werden. Darum wacht im Glauben, und lasst uns für unsern geistigen Schatz, den wir durch den Glauben an Christum Jesum aus Gnaden empfangen haben, eine so große Fürsorge tragen, als wohl mancher Mensch für seinen vergänglichen Schatz trägt, dem die Diebe und Räuber nachstellen, wie es bisweilen vorkommt, wie z. B. bei mir und Michael, meinem Mitgefangenen; denn sie haben uns fast alles geraubt, und viele sind so gesinnt, daß sie gern zeitlich reich werden wollen, jedoch sie bedenken nicht in der Kraft, was Paulus spricht, daß solche in Versuchung und in große Stricke, und in Geiz fallen, welchen Paulus Abgötterei nennt; derselbe hat einen langen Mantel, daß man nicht leicht an ihn kommen kann; und sie sammeln ihren Kindern große Schätze. Es ist ihnen eine weite Türe aufgetan, ihre Kinder in die Welt zu führen, aber der beste Schatz, den man den Kindern hinterlassen kann, ist der, daß man sie von Jugend auf in der Gottesfurcht unterrichte und ihnen das Wort des Herrn vorhalte, so deutlich und verständlich, als ihr Verstand fassen und begreifen kann; wie denn die Altväter ihr Kinder gelehrt haben Gott zu fürchten, die Sünde meiden und Gutes tun, wovon Abraham ein Exempel ist, welcher seinen Kindern Befehl gab nach ihm; desgleichen Susanna und der alte Tobias, der seinen Sohn lehrte von Jugend auf Gott fürchten, wie auch Sarah, Raguels Tochter. Freunde, forscht fleißig in der Schrift, sie wird euch zur Genüge unterrichten. Lasst uns allezeit dem Guten nachfolgen, einander ermahnen und in guten Werken erwecken, damit wir darin die Vornehmsten sein mögen. Darum schreibe ich noch einmal, wie früher; denn die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt; alle Bäume, die nicht gute Früchte bringen, werden abgehauen und ins Feuer geworfen, und damit wir nicht den fünf törichten Jungfrauen gleich sein mögen, wenn der Bräutigam kommt, daß wir alsdann nicht schläfrig sein mögen und das Öl zum Brennen in der Lampe nicht erst kaufen müssen. Darum wird der Glaube, der durch die Liebe tätig ist, herrlich leuchten vor dem Herrn, denn es werden nicht alle, die Herr! Herr! rufen, ins Reich Gottes kommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist.

Darum sagt Christus: Selig sind, die Gottes Wort halten und bewahren; selig ist der, welcher die Worte der Propheten hört und liest, und das hält, was darin geschrieben ist, denn die Zeit ist nahe. Lasst uns in der Lehre Christi bleiben, so werden wir auch seine Jünger sein und ewig bleiben.

Weiter, meine herzgründlich geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn, finden wir in allen Schriften, daß alle heiligen Altväter, Propheten und Apostel getrieben worden seien, und uns zum Frieden, zur Liebe und Einigkeit gelehrt und ermahnt haben; denn der Apostel sagt: Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu; Petrus sagt: Zu einer rechten, ungefärbten Bruderliebe, und habt einander lieb aus reinem Herzen, als die wiedergeboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem Worte Gottes, das ewig bleibt. Ach, Freunde, wo Liebe, Friede und Einigkeit in der Gemeinde ist, da ist ein übergroßer Reichtum. Wohl recht sagt der Psalmist: Wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen, wie der köstliche Balsam ist; denn wo Unfriede ist, da müssen die Herzen jämmerlich übereinander seufzen und das Brot mit Trauern essen. Also werden die Festtage (wo man das Brot des Herrn in seiner Gemeinde zum Andenken der überschwänglichen Wohltaten des Herrn brechen sollte) in Trauertage verwandelt, was die Einfältigen mit großem Leidwesen sehen müssen, wie es denn leider unter Tränen zu beklagen ist, daß die Gemeinde zu Harlem und einige andere Gemeinden mit solchen Seuchen behaftet sind, was mir und mehreren andern in unsern Landen betrübt zu hören ist, dem Herrn im hohen Himmel sei es geklagt.

Ach, daß Gott Gnade gäbe, daß sie einander in der Liebe ertragen könnten, und daß die Häupter sich unter die starke Hand Gottes beugen und sich selbst um des Herrn heiligen Namen und seiner Gemeinde willen verleugnen möchten! Ich hätte Hoffnung, solches würde ihnen kein böses Gewissen machen, wenn sie es um des Friedens willen über sich ergehen ließen, und ein jeder klein in seinen Augen wäre, wie gut würde es gehen, und wie bald würde alles im Frieden sein! Ach, Freunde, lasst uns die Knie unseres Herzens vor dem Herrn beugen, daß eine christliche Eintracht untereinander über das geistige Israel kommen möge, damit eine triumphierende Danksagung mit Freude und Wonne im Geiste in allen Gemeinden gehalten werden möge. Darum strebt nach dem Frieden und jagt ihm nach; bedenkt euch über das Wort jagt, denn wonach man jagt, das erreicht man in Eile. Ach, Freunde, es ist Zeit über Zeit, daß ihr Frieden und Einigkeit macht, denn es möchte etwa der Herr mit Zorn strafen. Es ist niemand versichert, daß im Lande immer Freiheit sein werde; vielleicht gibt es dort im Lande auch Veränderungen, wie es in Flandern und Brabant der Fall ist.

Darum, meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, bitte ich euch gemeinschaftlich mit meinem Mitgefangenen, und das mit gebogenen Knien und wehmütigem Herzen im Namen unsers Herrn Jesu Christi (vor welchem sich alle Knie beugen müssen, der auch ohne Ansehen der Personen einem jeden vergelten wird, je nachdem er getan hat, es sei gut oder böse), daß ihr mit dem Herrn Frieden und Eintracht aufrichtet; denn selig sind die Friedenmacher, sagt Christus, denn sie werden das Himmelreich ererben; damit der lustige Berg des Herrn und die heilige Stadt Jerusalem in einer herrlichen Gestalt erfunden werden möge, nebst allen ihren lieblichen Brunnen, aus welchen die Wasser des Heiligen Geistes im Überfluss entspringen in die Herzen der auserwählten heiligen Bürger und Hausgenossen Gottes, die festgegründet stehen auf dem Grund der Propheten und Apostel, von denen Christus Jesus der wahre Eckstein ist.

Hiermit will ich, meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, einen ewigen und christlichen Abschied von euch nehmen und euch gute Nacht sagen, bis wir dahin kommen, wo kein Scheiden mehr sein wird, ich meine in dem neuen himmlischen Jerusalem, wo der König aller Könige mit dem Zepter seines ewigen unvergänglichen Reiches ewig regieren wird. Hiermit empfehle ich euch dem Herrn und dem tröstlichen reichen Worte seiner Gnade, durch welches Wort wir im Frieden berufen sind zur Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens, und haltet euch tapfer bei der Wahrheit; bittet auch den Herrn für uns, wir hoffen dasselbe für euch zu tun nach unserem schwachen Vermögen. Ich hoffe, der Herr werde uns bis ans Ende unseres Lebens bewahren. Ach Freunde, mich verlangt von Herzen nach dem Tage meiner Erlösung, daß ich unter dem Altar Christi Jesu bei allen unsern lieben Brüdern und Schwestern ruhen möge, die für uns um des Zeugnisses Jesu Christi willen getötet worden sind, die ihres Lebens nicht geschont, sondern es freiwillig um seines heiligen Namens willen übergeben haben. Also, meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, eilt auch und begebt eure Herzen unter die Blutfahne Jesu Christi, seine Schmach bei dem Heerlager des Herrn tragen zu helfen, und das aus reiner Liebe ohne Furcht, denn wer sich fürchtet, der hat Pein; aber die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Ach, Freunde, wo solche Liebe ist, da ist die Liebe stärker, als der Tod, und der Eifer fest, wie die Hölle; ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen können. Darum lasst alle eure Dinge in der Liebe geschehen, und bleibt standhaft und unbeweglich, und überfließend in den Werken des Herrn, und wisst, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Ich bitte euch auch demütig, ihr wollt mein einfaches Schreiben mir zugute halten, wiewohl es schlecht abgefasst ist, denn, Freunde, das sei fern von mir, daß ich mich zum Ermahnen tüchtig halten sollte, sondern ich bedarf der Ermahnung, indem ich mich in allem miteinschließe, was ich hier geschrieben habe, weil es aus aufrichtiger, brüderlicher Liebe geschehen ist, das weiß der Herr, und ich hoffe auch, es durch Gottes Gnade mit meinem Tod zu befestigen, wie es den Anschein gewinnt. Der Herr wolle uns in unserer letzten Not mit seinem Geist stärken, der ein Nothelfer ist.

Endlich, meine lieben Brüder, freut euch; seid vollkommen; tröstet euch; habt einerlei Sinn; seid friedsam, dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Wacht im Glauben.

Von mir, Joost Zöllner, einem schwachen Bruder und zarten Glied an dem Leibe Christi, der aller Barmherzigkeit Gottes und seiner Gnade zu gering und des Leidens unwürdig ist. O Herr, mache mich Unwürdigen würdig. Michael Buysen und Syntgen Wens lassen euch mit dem Frieden des Herrn herzlich grüßen.