2.697  Christian Rycen lässt seine Hausfrau wissen,

daß er das Urteil erwarte, und daß er das Eisen an seinem Bein achtzehn oder neunzehn Tage gehabt und während dieser Zeit auf Stroh gelegen habe, aber er habe nun wieder etwas mehr Trost.

Ich muss dir, meine liebe Frau, noch etwas berichten, daß ich die vergangene Woche allezeit gehofft habe, das Urteil werde mir gefällt werden, aber es ist nicht geschehen; mich hat indessen darnach umso mehr verlangt, weil ich täglich auf Trost wartete, und derselbe doch nicht erfolgt ist, wie ich denn denke, meine liebe Frau, daß du auch getan haben wirst. Nun aber habe ich es dem Herrn anbefohlen, und hoffe in Geduld den Tag zu erwarten, bei uns trösten wird; darum bitte ich meine liebe Frau, auch ein Gleiches zu tun. Ferner lasse ich meine liebe Frau wissen, wie ich an achtzehn oder neunzehn Tage mit einem Eisen an meinem Beine auf Stroh gelegen und allezeit in meinen Kleidern zugebracht habe, was wohl unbequem war; aber der Herr sei gelobt, es hat mich nicht verdrossen, sondern ich dachte, daß man dem Herrn in Mangel und Ungemach nachfolgen müsste, wie die Heiligen vorgewandelt sind, nun aber habe ich guten Trost und bin dem Leibe nach sehr wohl; der Joost beweist mir große Freundschaft, mehr als ich ihm vergüten kann. Ich bitte dich, meine Frau, du wollest mit denen von Honschote so wenig Worte machen, als du kannst, damit nicht die Obrigkeit, wenn sie es bemerken sollte, daß du da wärest, es denen von Bergen mitteilen möchte. Kannst du aber mit N. reden, so tue es, er kommt oft nach Bergen. Wenn du aber, meine liebe Frau, mir etwas mitzuteilen hast, so sage es dem N. oder R., die werden mir wohl die Botschaft bringen, und unterlasse nicht, mir zu schreiben, wie es mit dir und den Kindern steht und was ihr macht. Für jetzt nichts weiter, als bleibe dem Herrn empfohlen und dem reichen Worte seiner Gnade, Amen. Von mir, Christian Rycen, deinem Manne.