2.67  Hieronymus Kels, Michael Seifsieder, Hans Oberacker, im Jahre 1536.

Im Anfange des Jahres 1536 wurde Hieronymus Kels von Kufstein mit Michael Seifsieder von Wald aus Böhmen und Hans Oberacker aus Etschland, ausgesandt, um nach der Grafschaft Tyrol zu reisen. Als sie aber zu Wien in Österreich ankamen, sind sie von dem Wirte, wo sie herbergten, auf folgende Weise verraten und gefänglich eingezogen worden. Als sie nämlich die Abendmahlzeit hielten, wurden sie von den Anwesenden aufgefordert, mit ihnen zu trinken, als sie nun merkten, dass sie keinen Bescheid tun wollten, ließ der Wirt Papier holen, und schrieb einen lateinischen Brief, welcher unter andern Worten in Deutsch also lautete: Hier sind drei Personen, welche mir Wiedertäufer zu sein scheinen. Er wusste aber nicht, dass der Bruder Hieronymus Latein verstand. Hierauf sagte der Bruder Hieronymus zu den andern Brüdern, es möchte geschehen, wie es dem lieben Gott gefiele, sie wollten sämtlich darauf warten. Nach zwei Stunden kamen des Richters Knechte und führten sie gebunden vor den Richter; als man sie verhört hatte, brachte man sie ins Gefängnis.

Nach acht Tagen forderte sie der Richter vor sich und seine Beisitzer, wo man ihnen sagte, sie sollten widerrufen. Der Bruder Hieronymus sagte: Sie sollten selbst von ihrem Unglauben abweichen und den Namen Gottes oder Christi nicht missbrauchen. Der Richter aber ist hierüber sehr in Zorn geraten, und weil Hieronymus ferner sagte, dass sie keine Christen wären, so sprach der Richter: Du bist ein verzweifelt böser Bube; gleichwohl hat Hieronymus, nachdem er wohl zehnmal darüber befragt worden, sein voriges Bekenntnis stets wiederholt. Darauf sagten die Beisitzer: Dieser heillose Mensch ist nicht wert, dass sich deine Weisheit über ihn erzürne; sie haben sich aber heftig über ihn und seine Brüder erzürnt, und sie wieder ins Gefängnis führen lassen. Nach acht Tagen hat sie der Richter alle drei wieder vor sich gefordert, und hat drei auserlesene arge Pfaffen zu sich genommen. Als nun dieselben mit Hieronymus reden wollten, dabei unsere Berufung verachteten, und unsern Glauben lästerten und vorgaben, sie wären gesandt, um sie wegen ihrer Irrtümer zu belehren, sagte er zu ihnen freimütig und unerschrocken: Wir sind auf dem rechten Wege, unser Ruf ist von Gott, auch hat uns Christus gelehrt, dass wir keiner fremden Stimme gehorchen sollten; auch fügte er hinzu: Wir sind willig allen Menschen Rechenschaft und Beweis von dem Grund unserer Hoffnung zu geben, aber mit Mönchen und Pfaffen, welche vom Papste, dem Antichristen, ausgesandt sind, begehren wir nicht zu reden, denn sie sind große Buben, Hurer, Meineidige, Schalke und Verführer, wie auch diese.

Darauf sagte der Richter: Mein guter Hieronymus, du kennst die guten Herren noch nicht. Hieronymus sagte: Gott ist mein Herr, sie aber keineswegs; dann hat er ihnen auf ihre Fragen wegen der Messe, der Erbsünde, der Kindertaufe, der Berufung und des grausamen abgöttischen Sakramentes geantwortet, was länger als zwei Stunden gedauert hat. Hierauf haben sie ihm zu Gemüte geführt, dass er doch sein liebes Leben, sein Weib und Kind, und dabei ihre treue Zusage, zu Herzen nehmen und zu Gott bitten möge, und dass auch sie bitten wollten; er aber sagte, dass sie die Wahrheit hätten und dabei bleiben wollten, man möchte tun, was man wollte; als sie nun auch die übrigen Brüder mit ihrem Gifte nicht anstecken konnten, hat sie der Richter wieder ins Gefängnis legen lassen, worin sie einander trostreiche Lieder zugesungen haben und fröhlich in Gott gewesen sind; und weil sie einander im Gefängnisse hören konnten, haben sie einander zugerufen und sich getröstet und gestärkt; auch haben sie ihr Glaubensbekenntnis mit vielen Beweisgründen aus der heiligen Schrift den Herren zu Wien und dem Richter schriftlich übergeben.

Dem gedachten Bruder Hans Oberacker ist des Herrn Tag dreimal erschienen, wie er uns aus dem Gefängnisse hat wissen lassen, und er hat solche Dinge (die er nicht aussprechen konnte) mit den innerlichen Augen des Herzens und auch mit seinen leiblichen Äugen gesehen, denn er sah den Zustand der Kinder Gottes, und welche große Gnade sie von Gott empfangen hatten, dagegen aber auch, wie gewaltig und schrecklich dieser Tag den Gottlosen sei, so dass er auch bat, Gott wolle ihn nimmermehr in solches Gericht fallen lassen, welches über die Bosheit so groß und schrecklich sei.

Nachdem man nun diese Brüder auf mancherlei Weise versucht hatte, und sie gleichwohl, als tapfere Ritter und Liebhaber Gottes, im Glauben standhaft blieben, sind sie von den Pilatuskindern zum Tode verurteilt und den Freitag vor Judica in der Fasten des gedachten Jahres in Wien zu Asche verbrannt worden.