2.691  Noch ein Brief von Christian Rycen,

geschrieben an einen Bruder, daß er seinem Weib beförderlich sein wolle, und daß er, wenn er getötet werden sollte, ihr nach Holland helfen möchte, nebst mehreren anderen tröstlichen Reden.

Die ewige, unvergängliche Weisheit des Vaters, die Liebe des Sohnes und die Erleuchtung des Heiligen Geistes wünsche ich meinem lieben und sehr werten Bruder N. zum freundlichen Gruße in dem Herrn, Amen.

Nebst dem Gruße lasse ich meinen lieben und sehr werten B. wissen, daß ich dem Fleische nach noch ziemlich wohlauf bin; dem Geiste nach aber ist es mein Vorsatz, bei dem Herrn zu bleiben, solange ich lebe, durch die Hilfe der göttlichen Güte.

Weiter, mein geliebter Bruder, habe ich gehört, daß meine Kinder in deinem Hause seien, daß du sie bewahren wirst, bis mein Weib nach Hause kommt; du beweisest mir eine große Freundschaft, daß du das getan hast; auch bitte ich dich, mein lieber Bruder, wenn du eine kleine Kammer hast, die du entbehren kannst, du wollest mein Weib auch bei dir wohnen lassen, bis es der Herr mit mir verändert. Sollte man mir aber das Leben nehmen, so wollte ich, daß du ihr behilflich wärest, nach Brügge zu reisen, damit sie daselbst ihr Brot verdienen möchte, oder daß sie nach Holland zurückkehre, wenn es ihr gefiele, denn, mein geliebter Bruder, Weiber, die in solchen Umständen sind, haben Hilfe und Trost sehr nötig; darum bitte ich dich, tue hierin das Beste; bedenke, was Jakobus sagt, daß es ein rechter Gottesdienst sei, Witwen und Waisen in ihrer Trübsal zu besuchen, und sich selbst von der Welt unbefleckt zu halten. Mein lieber Bruder, muss ich gleich um des Herrn willen etwas leiden, lass dich solches nicht abschrecken, dem Herrn nachzufolgen, sondern wende um desto mehr Fleiß an, das Haus auf den Felsen fest zu bauen, damit (wenn dergleichen Sturmwinde kommen) das Haus stehen bleiben möge. Unterlasst auch nicht, einander mit den Gaben zu ermahnen, die der Herr euch gegeben hat, damit niemand durch Betrug der Sünden verhärtet werde, sondern erweckt einander in der Liebe und guten Werken, damit, wenn es morgen oder übermorgen geschehe, daß jemand von euch in Bande käme, ihr alsdann stark sein mögt, durch den Herrn und durch die Macht seiner Stärke, allen zu widerstehen, die sich wider die Erkenntnis Jesu Christi erheben; denn Paulus gibt zu erkennen, wie man sich mit dem Harnisch Gottes wappnen müsse, und sagt, daß die Lenden mit der Wahrheit umgürtet sein müssten, und daß die Brust mit der Gerechtigkeit bedeckt und gestiefelt an den Füßen sein müsste, damit sie bereit sein möchten, das Evangelium des Friedens zu verkündigen, und ergreift das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist. Vor allen Dingen aber zieht den Schild des Glaubens an, damit ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen könnt. Also, mein geliebter Bruder, dienen solche Waffen denen, die heimgesucht werden, wie ich nun heimgesucht werde.

Darum bitte ich dich, mein lieber Bruder, bitte doch den Herrn für mich, daß ich alles überwinden möge, und stehe auch, statt meiner, meinem Weibe und Kindern bei, darum bitte ich dich, und grüße mir N. N., insbesondere aber deine Hausfrau. Geschrieben den 17. Januar, von mir, Christian Rycen.