2.681  Andreas Pirchner, 1584.

Den 26. Tag Mai im Jahre 1584 ist Andreas Pirchner zu Laitsch in Finsgau, in seinem Vaterlande, in Verhaft genommen und von da nach Soltrain geführt worden, wo er dreimal auf die Folter gebracht und sehr gepeinigt wurde. Als sie nun von ihm wissen wollten, wo er seine Wohnung und mit wem er Umgang gehabt hätte, und daß er diese angeben sollte, hat er geantwortet, er wollte kein Judas sein und diejenigen, die ihm Gutes getan hätten, verraten, daß ihnen dadurch irgendein Leid widerfahren sollte; er wollte lieber Leib und Leben, ja, ein Glied nach dem andern verlieren; auch wären das keine Sachen, die den Glauben oder Artikel desselben beträfen; aber was den Glauben anbelangt, denselben wolle er willig und gern bezeugen, und sein Tun und Lassen nicht verschweigen; er hätte Gott im Himmel in der christlichen Taufe ein Versprechen getan, dabei wolle er bleiben und vor Gott kein Lügner sein; darüber wolle er (wenn es anders nicht sein könnte) den Tod geduldig leiden und wolle auch nichts anders begehren, als daß er durch sein Blut und Leiden einigen armen Seelen Veranlassung zur Besserung und Erkenntnis der Wahrheit werden möchte.

Darauf hat man die Pfaffen zu ihm gesandt, daß sie mit ihm disputieren und handeln sollten, aber sie haben, was sie auch mit ihm anfingen, dennoch nichts ausgerichtet, denn er hat ihnen sofort ihr sündhaftes und liederliches Leben vorgeworfen und ihnen gesagt, daß sie niemanden zu einem tugendhaften Leben anführen, noch darin unterrichten könnten, weil sie selbst blind wären; weiter sprach er, sie sollten selbst ihr Tun und Lassen betrachten und von ihrem sündhaften Leben abstehen; auch hat er ihnen einige Reden oder Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament vorgehalten, sodass sie nach ihrem Willen mit ihm nichts ausrichten konnten, sondern er ist allezeit in seinem Glauben standhaft geblieben. Er ist auch von vielen sehr eindringlich ermahnt und gebeten worden, sowohl privatim als auch öffentlich, er möge doch von seinem Glauben abstehen, denn er sähe ja wohl, daß es mit ihm sonst nicht anders sein könnte, als daß er sterben müsste. Darauf antwortete er: Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden, wie die Schrift sagt; hierbei will ich bleiben und bitte täglich Gott, meinen himmlischen Vater, daß sein Wille geschehen möge; ist es nun Gottes Wille, so kann er es wohl fügen, daß ich frei werde; ist es aber nicht sein Wille, so will ich geduldig sterben. Sie baten ihn, er möge doch einmal abstehen und widerrufen, so würde man ihn ziehen lassen, er könnte seinen Glauben ja doch wieder annehmen; aber er antwortete: Nein, das kann und mag nicht sein, Gott behüte mich davor, daß ich mein Versprechen brechen und vor Ihm als Lügner erscheinen sollte, denn alsdann wäre ich wie ein Hund, der das wieder auffrisst, was er einmal ausgespien hat, ebenso würde es mir auch gehen; ich müsste das widerrufen und zu Lügen machen, was ich doch lange für die Wahrheit und den Willen Gottes bekannt und ausgegeben habe; dann könnte ich in langer Zeit keine rechte Buße tun, und wer weiß, ob ich überhaupt Buße tun und Gnade erlangen könnte. Darum will, kann und mag ich es nicht tun, und will lieber sterben, hoffe auch mit Gottes Hilfe ein lebendiger Märtyrer um seiner Wahrheit willen zu werden. Hiernächst hat man ihn von Soltrain nach Schlanders geführt und dort nach dem erlassenen fürstlichen und alten kaiserlichen Befehl und Gebot zum Tode verurteilt und dem Scharfrichter übergeben, der ihn nach dem Richtplatz geführt hat.

Als man ihn nun hinausführte, hat er mit fröhlichem Gemüt gesagt: Gott sei gelobt, daß es mit mir so nahe ans Ende gekommen ist, und weil es so sein Wille ist, so will ich auch geduldig sterben, und so verehrte er sein Ende mit vielen Danksagungen und christlichen Lehren und Reden zu dem Volk. Sodann ist er niedergekniet, und obgleich es den ganzen Tag bis auf jene Stunde dunkles Wetter gewesen war, so fing doch damals die Sonne an klar und hell zu scheinen und schien ihm ins Angesicht, worüber er sich freute und sagte: Gott sei gelobt, daß Er mir seine klare Sonne noch vor meinem Ende zeigt.

Als der Scharfrichter das Schwert entblößt hatte und den Streich tun wollte, rief man ihm zu, er sollte einhalten; sodann bat man den Bruder sehr ernstlich, er möge doch abstehen, dann wollte man ihm das Leben schenken, aber er wollte nicht und hielt sein Haupt tapfer in die Höhe, hiernächst hat ihn der Scharfrichter enthauptet, und er hat seinen Geist gottselig aufgeopfert; sodann wurde sein Leib mit Stroh und ein wenig Feuer versengt.

Dieses ist den 19. Oktober des vergangenen Jahres geschehen, als er zwei und zwanzig Wochen gefangen gesessen hatte.