2.680  Melchior Platser, 1583.

Im Jahre 1583, am Freitag nach Pfingsten, ist Melchior Platser, der ein Apotheker war, in dem Dorf Ranckweil, in der Feldkircher Vogtei, um des Glaubens willen gefangen genommen worden. Man hat ihn dort in eiserne Bande geschlossen, nach Feldkirch ins Schloss geführt und daselbst in einem tiefen Turm gefangen gesetzt, wo er einige Male vor die Obrigkeit und die Pfaffen geführt worden ist. Er war allezeit bereit, wegen seines Glaubens Bescheid und Antwort zu geben und ihrer falschen Lehre zu widerstehen.

Da wurde aus der Stadt Pregits ein Pfaffe zu ihm gebracht, den sie für sehr weise und gelehrt hielten; dieser nahm sich vor, mit dem Bruder Melchior öffentlich zu disputieren, in der Hoffnung, er würde Ehre und Ruhm damit erjagen; aber er wurde bald zu Schanden, sodass er selbst sagte: Hat mich der Teufel um deswillen hierher gebracht, daß ich von einem Täufer überwunden werden sollte? Als sie nun ihm nichts abgewinnen konnten, haben sie (weil daselbst alles papistisch ist) nach lutherischen Pfaffen gesandt und dieselben zu ihm gebracht, ob sie ihn belehren könnten; aber sie galten ebenso viel bei ihm; er überzeugte sie, daß sie beide in der Ungerechtigkeit ständen, und ihre Lehre mit Unrecht unterhielten und verteidigten; weshalb es gegenwärtig in der Welt mit allen Sünden, Lastern und der Abgötterei so übel stände, weil ja die Pfaffen selbst die größten Schälke und Buben wären.

Als sie ihn nun weder verführen noch betrügen konnten, haben sie ihn der Obrigkeit übergeben und als einen Verräter angeklagt, der den Tod verdient hätte; aber zuvor boten sie ihm noch an, wenn er Gnade begehrte und einen Eid schwören wollte, daß er aus ihrem Land und Gebiet ziehen wollte, so wollten sie ihn leben und fortziehen lassen; er antwortete jedoch, ehe er abstehen und solchen Eidschwur leisten würde, wollte er lieber erwarten, was Gott ihnen mit ihm zu tun zulassen würde, und sollte es ihn auch Leib und Leben kosten. Er sagte ihnen auch, ihre Bedrohungen erschreckten ihn nicht, es gelte ihm gleichviel, denn er müsste doch einmal sterben.

Da ward der Landvogt zu Feldkirch gerührt und bat, daß sie ihn wieder nach Rankweil führen wollten, in dasselbe Dorf, wo sie ihn gefangen hatten, als ob er damit seine Hände von ihm hätte waschen und an seinem Blute unschuldig sein wollen.

Als sie nun nach Rankweil kamen, hielten sie Gericht über ihn nach dem Befehl des großen Hannibals, dem er von dem Fürsten zu Innsbruck übergeben war, um damit nach seinem Belieben zu handeln; da haben sie das Urteil gefällt, daß man ihn sogleich vom Leben zum Tode bringen sollte.

Als der Bruder hörte, daß er aus dieser Welt scheiden sollte, hat er Gott, dem himmlischen Vater, treulich gedankt und sich erfreut, daß ihn Gott würdigen wollte, die Wahrheit mit seinem Blut zu bezeugen, was er für eine große Wohltat Gottes hielte.

Kurz darauf wurde er dem Scharfrichter in die Hände gegeben, der ihn auf den gewöhnlichen Richtplatz führte; das Volk war sehr betrübt und mitleidend, aber der Bruder Melchior fing an mit großem Eifer zu dem Volk zu reden und ermahnte sie, ihres gottlosen Lebens, worin sie lägen, eingedenk zu sein, und daß sie sich nicht länger so unbillig des Christentums rühmen sollten. Ach, welch ein Weh (sagte er) und ewiges Leiden wird über solche Menschen kommen, die so unschuldig den töten und um das Leben bringen, der sich von dem gottlosen, schändlichen Leben der Welt abgesondert und abgewandt hat! Doch ich will solches Gott im Himmel anbefehlen (sagte er), der solchen Maulchristen wohl ihren Lohn geben wird. Die Pfaffen wandten sich auch zu ihm, als man ihn hinausführte, und wollten ihn trösten, aber er sprach: Ihr Pfaffen seid wie die Schlangen und Skorpione (vor welchen uns Christus gewarnt hat), die voll Gräuel und Verderben stecken. Darauf hießen sie ihn schweigen, wenn er ihnen so trotzig begegnen wollte. Hiernächst fing er an mit heller Stimme zu singen, bis er auf den Platz kam, wo man ihn richten sollte. Darnach warnte er das Volk abermals, daß sie sich vor den falschen Propheten hüten sollten, die sie in der Ungerechtigkeit unterhielten, trösteten und stärkten, und ihnen dabei Freiheit und Leben zusagten, damit sie desto weniger von der Bosheit abstehen möchten; so ernstlich und viel redete er zum Volk, daß der Schweiß ihm über das Angesicht lief. Der Scharfrichter trocknete ihm das Angesicht und sagte: Rede frei, ich will dich nicht übereilen. Kurz darauf sprach der Scharfrichter zu ihm: Wenn du dich bequemen und nach des Landvogts Sinne handeln und ihr Tun als recht erkennen willst, so hat man mir Vollmacht gegeben, dich freizulassen. Melchior antwortete: Das tue ich nicht! Darum fahre nur fort und tue, was dir befohlen ist. Darauf hat der Scharfrichter ihn sofort mit dem Schwert gerichtet und ihm das Haupt schnell abgeschlagen. Nicht weit davon lagen aufgerichtete Holzhaufen; auf diese legte er seinen Leib und verbrannte ihn, nachdem er sechs und zwanzig Wochen lang gefangen gesessen hatte. Also hat er die bekannte Wahrheit behalten, solange er im Leben war und einen Atemzug in sich hatte.