2.675  Lorenz Janß Noodruft von Delft, 1577.

Nach mancherlei Verfolgung, Würgen und Brennen der wahren Nachfolger Christi ist auch ein frommer Bruder, Namens Lorenz Janß gewesen, seines Handwerks ein Schuhmacher, dieser hat lieber erwählt, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzlichkeit der Sünden mit den Ungläubigen zu haben, in der Hoffnung, dereinst mit allen wahren Kindern Gottes den Himmelsraum zu genießen, und lieber hier eine kurze Zeit seinem Fleisch und den Wollüsten dieser Welt abzusterben, als es dereinst mit ewigem Wehklagen in des höllischen Feuers Pein bezahlen zu müssen. Daher ist er von den Verfolgern und Feinden der Wahrheit im Jahre 1576, im Monat August, zu Antwerpen gefangen genommen worden, wo er (durch Gottes Gnade) eine schwere Gefangenschaft ertragen und vielen Anfechtungen widerstanden hat. Als er nun keineswegs zum Abfall gebracht werden konnte (sondern auf Christum fest gegründet war), haben ihn die Herren und Regenten dieser Welt, die durch die Pfaffen und Mönche angetrieben wurden, vom Leben zum Tode verurteilt. Also ist er im Jahre 1577, im Monat Januar, an gemeldetem Orte lebendig verbrannt worden, und hat den rechtschaffenen Glauben der Wahrheit mit seinem Tod und Blut bezeugt und befestigt, weshalb er für sein zerbrochenes, irdisches Haus einen Bau von Gott aus Gnaden erlangt hat, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, sondern das ewig währen wird im Himmel.

Weil aber dieser Freund Christi keine Gerätschaft zum Schreiben hat erlangen können, so hat er seinen geliebten Freunden die Empfindungen seines zugeneigten Gemütes auf zwei zinnerne Löffel mit einer Stecknadel geschrieben und zu erkennen gegeben.

Auf dem einen Löffel stand: Ich wünsche allen meinen Brüdern und Schwestern viel Gnade von Gott, unserm Vater, und den Frieden unseres Herrn Jesu Christi, der allen Verstand übersteigt, derselbe werde Meister von euer aller Herzen, und die Liebe Gottes, die alle Erkenntnis übersteigt, vermehre sich bei euch allen, damit ihr in dem Werke des Herrn überfließend und standhaft sein und bleiben mögt. Ach, meine lieben Freunde, nehmt doch eurer selbst wohl wahr; darum bitte ich euch, ich unwürdig Gefangener in dem Herrn.

Auf dem andern Löffel stand: Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesu Christo, sei mit dir, meine sehr werte und herzgründlich und in Gott geliebte Schwester in dem Herrn, Weyndelken und deiner Tochter M., das wünsche ich dir aus meines Herzens Grunde vor Gott, der Herzen und Nieren prüft, daß du vor Ihm unbeschädigt und ohne Hindernis in seiner Wahrheit wandeln mögest, wozu Er dich berufen hat, und sieh allezeit auf Christum und auf alle Frommen. Gute Nacht in dieser Zeit, gute Nacht. Lorenz Janß Noodruft von Delft.