2.673  Noch ein Brief von Hans Bret, geschrieben an Hans C., einen von den Brüdern in der Gemeinde.

Die große unaussprechliche Gnade und der Friede von Gott, unserm himmlischen Vater, der ein Vater voller Gnade und Wahrheit ist, ein Gott des Trostes und des Friedens, reich und überfließend in seiner Barmherzigkeit und unermesslich in seiner Gnade und Güte, die Er an uns durch seinen eingeborenen Sohn Jesum Christum, unsern Erlöser und Seligmacher, erwiesen hat, der uns von der Gewalt des Satans, dessen Sklaven und Dienstknechte wir durch unsere Sünden und Ungerechtigkeiten waren, erlöste; aber Er hat uns geliebt, sagt der heilige Johannes, und hat uns gereinigt und uns in seinem Blut von allen unsern Sünden und Ungerechtigkeiten gewaschen, womit wir beschwert und beladen waren, und hat uns zu Königen und Priestern vor Gott, seinem Vater, gemacht, und die unüberwindliche Kraft des Heiligen Geistes stärke deinen inwendigen Menschen, damit du im Glauben der Wahrheit aufwachsen und zunehmen mögest, welche dir der gute Gott durch seine unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit offenbart hat, damit du mit Josua und Kaleb und allen Frommen Gottes das Land der Verheißung, nämlich das ewige Leben, einnehmen mögest; das wünsche ich von ganzem Herzen dir, meinem Bruder in Christo Jesu, zu deiner Seele Heil, Amen.

Mein geliebter Bruder in Christo Jesu, geheiligt und gereinigt und von Gott erwählt, ich grüße dich mit diesem meinem Briefe, den ich an dich hier in meinen Banden aus christlicher Liebe schreibe, damit du wissen mögest, wie es mit mir steht, wofür ich dem guten Gott nicht genug Lob und Dank sagen kann, der mir Unwürdigen in allen meinen Anfechtungen beigestanden hat, sodass ich mit dem Propheten David sagen kann: Wo ist solch ein Gott wie unser Gott, der den nimmermehr verlässt, der auf Ihn traut, denn wer auf den Herrn vertraut, soll nicht zu Schanden werden, indem der Prophet sagt: Wer auf den Herrn vertraut, wird nicht fallen, sondern stehen bleiben, wie der Berg Zion. Also, lieber Bruder, setze ich mein Vertrauen allein auf den Herrn, dem ja alle Frommen vertraut haben von Anfang der Welt her; sie sind auch nicht zu Schanden geworden, sondern in aller Trübsal und jeder Angst ist der Herr ihr Helfer gewesen, hat nach seiner Verheißung ihnen beigestanden und sie in Wasser und Feuer bewahrt, wie wir davon viele Exempel in der Schrift zu unserem Unterricht finden, wenn wir ansehen, wie Gott die Kinder Israel durchs rote Meer trocknen Fußes führte, und sie dadurch von der Hand des grausamen Pharao erlöste, der sie verfolgte und es auch versuchte, durchs Meer zu gehen; aber sie kamen sämtlich um. Daraus kannst du merken, wie der Herr den erlöse, der auf Ihn vertraut; ebenso kannst du den heiligen frommen Daniel betrachten, der ohne Speise in der Löwengrube lag; sieh, der Herr hat ihn nicht verlassen, sondern durch den Propheten Habakuk gespeist.

Ebenso, lieber Bruder, speist auch der Herr diejenigen, die ein festes Vertrauen zu Ihm haben, mit einer geistigen Speise, nämlich mit seinem heiligen Wort, welches Er uns zur Speise unserer Seelen gegeben hat, denn Christus sagt deutlich, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebe, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund des Herrn kommt, denn wie der Mensch durch Brot gespeist und unterhalten wird, so wird der innere Mensch durch das Wort des Herrn gespeist und ernährt, und wie ein Mensch, wenn ihm seine Nahrung, womit er sich unterhält, entzogen wird, stirbt, so auch, Geliebte, wenn dem innerlichen Menschen, nämlich der Seele, ihre Speise vorenthalten wird, nämlich das Wort Gottes, wodurch sie gespeist und unterhalten wird, so vergeht sie. Darum ist es nötig, daß wir einander ermahnen, wie der Apostel Paulus sagt, so lange es heute heißt, die Gebote Gottes zu halten, damit der innerliche Mensch von Tag zu Tag gespeist und ernährt werde, und dadurch aufwachse und stark werde, denn der Apostel Petrus sagt: Ich achte es für angemessen, solange ich in dieser Hütte bin, euch zu ermahnen, wiewohl ihr in der gegenwärtigen Wahrheit gestärkt seid, damit, wie Paulus sagt, niemand durch Betrug der Sünde verführt oder verhärtet werde. Darum, mein lieber Bruder, sei der Worte Paulus eingedenk, wo er sagt: Ermahnt die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen und seid langmütig und gegen alle Menschen geduldig.

Ach, mein geliebtester Bruder, werde nicht müde in den Wegen des Herrn, noch schwach in der Unterhaltung der Gebote Gottes; habe daran deine Lust Tag und Nacht, mit allen Frommen Gottes, und sage mit dem Propheten David: Herr, dein Wort tröstet und erfreut mich mehr, als alle Schätze und Reichtümer dieser Welt, und abermals, dein Wort, Herr, ist mir lieber, als viel Gold und Silber.

Betrachte, wie sich alle Frommen Gottes mit dem Worte des Herrn getröstet haben, so tröste du dich denn auch damit, denke daran dein lebelang, lass es in deiner Seele gepflanzt sein, daß es dich selig machen möge.

So sage ich denn dir, mein vielgeliebter Bruder Hans, gute Nacht, gute Nacht, wenn dies das letzte Schreiben sein sollte; ich bitte dich, Geliebter, halte auch steif an im Ermahnen, Unterweisen und Lehren, nach der Gabe, die dir Gott aus seiner unaussprechlichen Gnade gegeben hat. Hast du viel empfangen, so teile reichlich mit, hast du wenig, so teile auch von dem Wenigen mit. Sei allezeit zur Verantwortung bereit gegen jedermann, der Rechenschaft fordert von der Hoffnung, die in dir ist. Suche mit dem, was du empfangen hast, viel zu gewinnen, damit der Herr zu dir sagen möge: Komm, du getreuer Knecht, über wenig bist du getreu gewesen, ich will dich über viel setzen. Bedenke, lieber Bruder, daß der Herr den nicht unbelohnt lassen werde, der Ihm getreu ist. Darum sagt Gott in der Offenbarung Johannes: Wer getreu bleibt, soll die Krone des ewigen Lebens empfangen. So bleibe denn, mein allerliebster Bruder, getreu, damit du mit allen Frommen Gottes mit der Krone des ewigen Lebens gekrönt werden mögest; darin wolle dich der gute Gott stärken, Amen.

Mein lieber Bruder H., mein Herz und Gemüt wollte dir wohl mehr schreiben, nach der kleinen Gabe, die ich Unwürdiger von dem Herrn empfangen habe, aber es mangelt mir an Papier, und ich bin besorgt, daß du dieses kaum wirst lesen können, weil das Papier sehr durchschlägt. Ach, danke dir sehr herzlich für das, was du mir so treulich gesandt hast; ich kann dir nicht schreiben, wie es mich erfreut hat, denn ich habe in langer Zeit nichts von euch gehört. Ich bitte dich, danke unserm Bruder H. in meinem Namen sehr herzlich für seinen Brief, den ich, nicht ohne Weinen, habe lesen können, um seiner tröstlichen Ermahnungen willen; er schreibt mir, ich sollte A., H. und B. einen Brief schreiben; ach, Brüder, wie gern täte ich das, lieber als Essen; aber die Feinde der Wahrheit haben mich daran verhindert, sodass ich nicht weiß, wie ich sie euch senden soll; ich weiß nicht, wie ich diesen Brief hinaussenden soll; ich habe ihn auf Hoffnung geschrieben, ob unser lieber Herr ein Mittel geben möchte, und wenn ich auch mehr schreiben wollte, so habe ich kein Papier mehr. Dieses habe ich mit ein wenig Saft von Krakebeeren geschrieben; ich hoffe, du werdest mir, wenn es dem Herrn gefällt, noch etwas Gerätschaft zur Arbeit senden, denn ich bin hier müßig, damit ich meine Zeit angemessen zubringen könne. Dieses sei für dieses Mal genug, mein lieber Bruder.

Hiermit sage ich gute Nacht, gute Nacht, mein Bruder, gute Nacht; der Gott des Trostes und des Friedens, der Gott Jakobs und Israels bewahre dich in dem Glauben der Wahrheit; Er sei ewig mit dir, Amen.

Ich grüße dich, lieber B., mit einem heiligen Kuss des Friedens, grüße mir meine Mutter sehr herzlich, auch alle meine Schwestern, unsern B. H., meinen Meister, und sage, daß ich ihr neulich einen Brief gesandt hätte, weiß aber nicht, ob sie denselben erhalten habe. Grüße mir alle Heiligen; Gnade und Friede sei mit euch allen, Amen.

Von mir, deinem schwachen Bruder Hans Bret, gegenwärtig in Banden um des Evangeliums willen, welches allen denen eine Kraft Gottes ist, die daran glauben.

Als auf diese große Hitze der Verfolgung, welche die Papisten überall, so weit sich ihr Gebiet erstreckte, erregt hatten, in einigen Städten in Holland, Seeland, und besonders in der Stadt Middelburg, wo der Prinz von Oranien, Wilhelm der Erste hochlöbl. Gedächtn., sowohl den Taufgesinnten, als anderen, Gewissensfreiheit vergönnt hatte, eine Kühle erfolgte, weshalb sich viele der unschuldigen und wehrlosen Schafe Christi dort niederließen und in der Stille mit dankbarem Herzen Gott dienten, so haben einige von den Einwohnern dieser Stadt, wiewohl sie zuvor selbst unter dem Druck des päpstlichen Joches lebten, solches beneidet, und bei der dortigen Obrigkeit so viel bewirkt, daß den Taufgesinnten, die sich dort aufhielten, angesagt wurde, daß sie in Form eines Eides der Stadt Treue schwören, und überdies mit äußerlichen Waffen sich, wie andere Bürger, um dem Feinde Widerstand zu tun, rüsten müssten, und wenn sie das nicht tun würden, sollten sie verbunden sein, ihre Handwerke, Gewerbe und Hantierungen, welche zu des Leibes Unterhalt gehörten, aufzugeben, ihre Häuser zuzuschließen.

Als solches den Taufgesinnten angekündigt wurde, haben sie (weil sie sich weder zu einem Eidschwur bequemen, noch mit äußerlichen Waffen rüsten konnten) ihre Zuflucht zu dem vorgemeldeten Prinzen von Oranien genommen und ihn demütig ersucht, er wolle sie Gewissensfreiheit in der Belebung ihres Glaubens genießen lassen, daß sie jedoch alle bürgerlichen Lasten, Schätzungen und dergleichen, treulich aufbringen wollen; daß man ihnen bei Ja und Nein, statt eines Eides, glauben möchte, und daß sie solches aufrichtig ohne Ausflüchte, Schalkheit oder List unterhalten wollten.

Diese Bitte hat ihnen der Prinz zugestanden und der dortigen Obrigkeit befohlen, diese Leute mit vorgemeldeter Auflage zu verschonen und mit dergleichen Lasten die Gewissen nicht zu beschweren. Nachdem wir hierüber zuverlässigen Bericht erlangt haben, halten wir es für nützlich und dienlich (zum Lob des fürstlichen Hauses Nassau) solches hier anzuführen, in der Hoffnung, es möchte andern Obrigkeiten zur Richtschnur dienen.