2.667  Hans Bret, im Jahre 1576.

Hans Bret, ungefähr ein und zwanzig Jahre alt, dessen Vater Thomas Bret hieß, ein Engländer, war sehr fleißig (neben seiner täglichen Arbeit, die er in seines Meisters Dienst verrichtete) mit des Herrn Wort beschäftigt, worin er sich beständig des Morgens und Abends übte, auch sehr oft diejenigen, mit denen er umging, mit erbaulichen nützlichen und lehrreichen Sprüchen der heiligen Schrift zu einem tugendhaften und gottseligen Leben ermahnte; auch hat er den Sonntag nicht müßig zubringen wollen, sondern hat denselben recht geheiligt und gefeiert, und hat häufig einige Ankömmlinge zu versammeln gesucht, zu welchen er sich fleißig in aller Freundlichkeit hielt und ihnen in der Furcht Gottes einige erbauliche Fragen aus der Schrift aufgab, wodurch er sie zur Buße und Absage ihres sündhaften Lebens ermahnte und ihnen die Ungnade zeigte, die Gott über die Kinder des Unglaubens und der Ungerechtigkeit ausgießen wird, und die gnädigen Verheißungen der Seligkeit, die in dem ewigen Leben den bußfertigen Kindern des Glaubens zugesagt sind. Diese seine Ermahnung hat er mit solchem feierlichen Ernste und auf erbauliche Weise ausgegossen, daß viele bei ihm zu sein suchten, und in ihm das kräftige Werk Gottes und das Wachstum in der Erkenntnis Christi wahrnahmen, womit er in seinen jungen Jahren so reichlich erfüllt war, was er auch nicht allein für sich behielt, sondern zu seines Nächsten Nutzen und Vorteil ohne Scheu mitteilte und ausströmen ließ.

Aber der Teufel, der ein Feind der Gerechtigkeit und ein Beneider des Wachstums der Tugend und der Gemeinde Christi ist, hat dieses nicht lange ertragen und dulden können, denn weil er an diesem Knechte den gottseligen Eifer in der Wahrheit und den Fleiß, die Irrenden zu bekehren, bemerkte, so hat er durch seine Werkzeuge (die blutdürstigen Menschen, die allezeit Gottes Tempel geschändet, seine Schafe ermordet, seine Heiligen getötet, ihr Blut vergossen, und ihr Fleisch den Tieren des Feldes zur Speise gegeben haben,) diesen Knecht Gottes mit Leiden zu beschweren und die Klarheit seines Lichtes zu verhindern gesucht, was ihm auch teilweise gelungen ist, denn ungefähr zwei Monate, nachdem er auf sein Glaubensbekenntnis, nach dem Befehle Christi im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft war, ist den sechsten Tag im Mai des Jahres 1576, Abends um neun Uhr, der Schultheiß von Antwerpen mit vielen Dienern nach dem Hause des Meisters von Hans Bret gekommen, welcher mit seinem ganzen Hausgesinde verraten war. Dieses Haus, welches zwei Ausgänge hatte, haben sie sowohl an der vordern Seite, als auch an der hintern Seite mit bewaffneten Männern und Knechten scharf besetzt, und sodann an die Türe des Vorderhauses geklopft, welcher Hans Bret entgegengegangen ist um sie zu öffnen (denn er wußte nicht, daß diejenigen, die nach seines Meisters und seiner Hausgenossen Blut dürsteten, davor standen) und fragte, wer da wäre; sie erwiderten: Mache auf! und stellten sich so, als ob sie etwas hätten kaufen wollen; unterdessen hörte er, daß sie mit einem Werkzeuge an der Türe waren, um sie von außen zu öffnen, was ihn auf den Gedanken brachte, daß es die Wölfe und Tyrannen wären, die gekommen seien, um die unschuldigen Schafe Christi zu verschlingen; darum hat er ihnen die Tür nicht geöffnet, sondern sie haben sie von außen erbrochen. Als solches Hans Bret gewahr wurde, ist er ins Haus zurückgelaufen, wo sein Meister mit seiner Frau und noch einigen Weibern sich am Eßtische befanden, und hat sie gewarnt; als sie alle in der größten Eile zur Hintertüre liefen, in der Meinung (wie auch Hans Bret), durch diese die Flucht zu nehmen, zeigten sich beim Oeffnen derselben des Schulzen Dienern mit großer Grausamkeit; griffen auch schnell zu und nahmen so viele gefangen, als ihnen Gott zuließ, worunter dieser Knecht Gottes auch war; sein Meister aber und noch einige mit ihm, wurden wunderbar durch Gottes Hand und Beistand bewahrt und gerettet. Sehet, so ist dieses unschuldige Schaf Christi den Wölfen in die Hände gekommen und ins Gefängnis gesperrt worden, allein um des Glaubens willen an die Lehre unseres Herrn Jesu Christi, und weil er dieselbe belebte.

Was sich nun mit ihm in seinen Banden zugetragen hat, wie sie ihn durch List und Drangsal, durch schöne Verheißungen und scharfe Bedrohungen um seiner Seele Seligkeit zu bringen und sie ihm zu rauben gesucht, und wie sie ihn (weil er einige Briefe an seine Brüder und Freunde geschrieben hatte) in ein garstiges Loch geworfen haben, sowie seine Disputationen, die er mit den Pfaffen und Seelenverführern gehalten hatte, auch wie er ihnen geantwortet, und wie freimütig er durch Gottes Hilfe sich gezeigt hat, findet ihr in seinen nachfolgenden Briefen zur Genüge erzählt.

Als er nun beinahe acht Monate lang gefangen gelegen hatte, haben die Tyrannen endlich alle ihre Kräfte bei diesem Knechte Gottes und getreuen Nachfolger Christi aufgeboten, und haben ihn des Freitags vor Dertien Avond im Jahre 1577 vor Gericht bringen lassen, wohin er sehr freimütig gegangen ist, denn er war nicht um irgend einer Missetat oder wegen einer Ungerechtigkeit, sondern um der Lehre seines Herrn und Meisters Jesu Christi, um der Gerechtigkeit und Wahrheit willen in Banden, in Folge dessen die Kinder Gottes allezeit sehr viel haben leiden müssen, welche geholfen haben, Christi Kreuz zu einem wahren Feldzeichen zu tragen, damit sie Christi Knechte, Jünger und Nachfolger seien.

Als er nun vor die Herren und Richter gebracht wurde, haben sie ihn gefragt, ob er sich hatte auf seinen Glauben taufen lassen, was er endlich bekannt und gestanden hat, denn er schämte sich dessen nicht, was er auf Befehl seines Herrn und Meisters Jesu Christi getan hatte, wiewohl er gewiß wußte, daß sie ihn nicht fragten, um von ihm belehrt zu werden, sondern nur, daß sie ein Wort aus seinem Munde hören möchten, auf dessen Grund sie ihn zum Tode verurteilen könnten. Als die Herren und Blutrichter dieses christliche Bekenntnis angehört hatten, sind sie fortgegangen, um ihn zum Tode zu verurteilen, und als sie von ihrer argen Beratschlagung wieder zurückkamen, haben sie ihr Urteil über diesen Knecht Gottes gefällt, daß man ihn öffentlich lebendig an einem Pfahle mit Feuer umbringen und verbrennen sollte.

Nachdem er nun sein Urteil empfangen hatte, ist er wieder nach dem Gefängnisse gebracht worden, wobei er unerschrocken und guten Muts gewesen, da er ohne Zweifel eine mit der Schrift übereinstimmende Rede an das gemeine Volk gehalten und demselben mitgeteilt haben wird, daß die Veranlassung zu seiner Gefangenschaft und seines Leidens nicht durch eine Missetat herbeigeführt sei, sondern daß der Glaube der reinen und seligmachenden Wahrheit, welche die Welt nicht leiden kann, das Motiv davon gewesen ist.

Er ist sodann vom Gerichte wieder ins Gefängnis gebracht, und bis den folgenden Tag, einem Samstag, dort eingeschlossen und verwahrt worden. Hiernächst kam der Scharfrichter des Morgens ins Gefängnis zu ihm, damit er dem Hans Bret die Zunge festschrauben, den Mund verschließen und ihn dadurch am Sprechen verhindern möchte. O, ein elendes Werk! den Mördern und ärgsten Uebeltätern wird die Rede vergönnt und zugelassen um sie in Freiheit zu gebrauchen, aber betrachtet hier einen Nachfolger Christi, ein Kind Gottes, einen Knecht des Glaubens, einen Abgesonderten von der Welt, in welchem Gerechtigkeit wohnt, und bei welchem keine todeswürdige Handlung aufzufinden ist; sehet diesen an, wie er sich mit verschlossenem Munde und gebrannter Zunge zum Tode bereit macht, damit nicht die Wahrheit verkündigt, die Gerechtigkeit gehört, oder von dem Namen Christi ein Zeugnis gegeben werden möchte. O, Christe! sieh hernieder und steh’ deinen Heiligen bei.

Als nun der Scharfrichter zu ihm kam, hat er ihm befohlen, seine Zunge herauszustrecken, was dieser treue und fromme Knecht Gottes willig getan hat, denn er hatte kein Glied an seinem Leibe, welches er nicht um des Namens Christi willen zum Leiden übergeben hätte, indem er versichert war, daß alles Leiden dieser Zeit nicht mit der Freude und Herrlichkeit zu vergleichen ist, die Gott den Ueberwindern verheißen und zugesagt hat.

Als er seine Zunge herausstreckte, hat der Scharfrichter dieselbe mit einem Eisen festgelegt und mit einer Schraube sehr stark zugeschraubt, hiernächst aber dieselbe mit einem heißen Eisen bestrichen, damit sie aufschwellen und nicht aus der Schraube schlüpfen möchte. O bittere Grausamkeit und große Tyrannei.

Nachdem sie ihm nun den Mund so geschlossen und die Zunge zugeschraubt hatten, auch das Feuer, worin er sein Opfer tun sollte, auf dem Markte schon bereit war, haben sie ihn mit zusammengebundenen Händen aus dem Gefängnisse geführt, auf einen Wagen gesetzt und auf den Markt gebracht, wo seine Aufopferung um des Wortes der Wahrheit willen geschehen sollte.

Man sagt, sie hätten sich deshalb des Wagens bedient, weil man um der abgebrannten Häuser willen den Weg, der vom Gefängnisse nach dem Markte führt, nicht gut hätte gehen können, und daß diese Häuser bei der Einnahme von Antwerpen zu Gunsten der Spanier angesteckt worden sind.

Als er auf den Wagen kam, sah er verschiedene Bekannte, die er freimütig und fröhlich angesehen hat, wie er denn überhaupt durch sein Betragen das Verlangen zu erkennen gab, an den Ort zu kommen, wo sein Opfer geschehen sollte; er hat das Haupt freundlich gebeugt und mehrere Leute gegrüßt, und seine Standhaftigkeit durch seine ganze Haltung ausgedrückt und bezeugt, alles Gott zum Preise, der solche Kraft und Stärke in seine Heiligen ausgießt, indem er ihr Beschützer, ihre Zuflucht, Hülfe, Kraft, Stärke und ihr festes Bollwerk in aller Not, Trübsal und Leiden ist, das ihnen von der Welt um des wahren seligmachenden Glaubens an Jesum Christum willen angetan wird.

Als er nun auf den Markt zu dem Pfahle und an das Feuer gebracht wurde, hat er sich selbst in die Höhe gerichtet, ist, wie mit einer göttlichen Klarheit angetan, vom Wagen gestiegen, und hat in Gott wohlgemut, stark im Glauben und standhaft im Streite seine Hände gefaltet, ist auf seine Kniee gefallen und hat seine Augen demütig gen Himmel gewandt; in solcher Weise hat er sich bereitet, seinen Herrn und Gott anzubeten und sich selbst ihm anzubefehlen, wie solches allen Christgläubigen zukommt. Als aber dieses die blutdürstigen Menschen sahen, haben sie es nicht ertragen noch dulden können (was sie doch den Uebeltätern vergönnen, die um ihrer bösen Werke willen zum Tode gebracht werden), sondern sie haben ihn schnell von der Erde aufgehoben, haben ihn mit großer Grausamkeit nach dem Pfahle geführt, und haben es nicht zugelassen, daß er Gott auf seinen Knieen angerufen hätte. Dann hat er, um solches alles zu leiden, sich in das Häuslein (welches von Stroh und Holz zubereitet war) verfügt, und sanft und demütig hineingetreten, wo sie ihn an einen Pfahl gestellt, ihm Ketten um seinen Leib geschlagen und angekettet haben, was er alles mit großer Standhaftigkeit um des Wortes Christi und der Wahrheit willen ertragen hat. Als er nun in dem Häuslein an dem Pfahle stand, haben sie endlich das Feuer angezündet und dieses Schäflein lebendig durch Feuer verbrannt und verschlungen; nun ist zwar dessen Leib verbrannt, aber seine Seele ist ins Paradies, in die Freude und selige Ruhe aufgenommen, weil er Christum bekannte, der den Standhaften die Seligkeit zugesagt hat.

Auf solche Weise hat dieser junge fromme Christ, ungefähr 21 Jahre alt, sein Leben geendigt, und seinen Leib um des Wortes Gottes willen im Jahre 1577 auf den Dertien Avond übergeben und aufgeopfert. Also ist er ein Zeuge unter den Zeugen Jesu geworden, ein Bekenner unter den Bekennern Christi, ein christlicher Ueberwinder unter des Herrn Streitern, und eine Seele unter den Seelen Christi, die unter dem Altare ruhen, ein getreuer Knecht unter den Knechten Christi, deren Belohnung die Krone des ewigen unvergänglichen Lebens ist.

Hier folgen einige Briefe, die Hans Bret im Gefängnisse geschrieben hat.