2.665  An Claes Schepen.

Die ewige Gnade und Friede von Gott, unserm himmlischen Vater, die Barmherzigkeit und Liebe seines Sohnes, wie auch die Gemeinschaft und Trost des Heiligen Geistes sei mit euch, mein lieber B. und S. in dem Herrn, zum freundlichen Gruße und ewigen Abschiede in dieser Zeit. Der Herr gebe seine Gnade, daß wir dermaleinst in der Ewigkeit einander sehen mögen, Amen.

Nebst vielem freundlichem Gruße und liebreicher Ehrerbietung an eure Liebe. Beliebet zu wissen, daß mein Gemüt noch unverändert steht, den Herrn nach meinem schwachen Vermögen zu bekennen, und Ihm mein ganzes Leben hindurch zu dienen; dasselbe gute Vertrauen habe ich auch zu eurer Liebe, das ich zum Teil daraus entnehme, was ihr mir in eurem Briefe geschrieben habt, wodurch ich getröstet worden bin, als ich ihn lesen hörte. Der Herr wolle allezeit eure Liebe darin aufwachsen, stark werden und sich vermehren lassen, zu seinem Preise und eurer Seelen Heil, Amen. Weiter, lieber B. und S. in dem Herrn, lasse ich euch wissen, wie es mir in meinen Banden geht, nämlich, daß ich wohl zufrieden bin; dem Herrn sei für seine große Gnade gedankt; der Herr tröstet und stärkt mich so und macht meine Bande so leicht, daß ich bisweilen kaum weiß, daß ich gefangen bin; Er nimmt meine Furcht hinweg, macht mein Herz fröhlich, und giebt mir neue Kräfte, und obgleich die falschen Propheten ihre tötlichen Pfeile auf mich schießen, so bewahrt mich doch der Herr so treulich, daß es mir keinen Schaden tut, sondern daß es mich mehr erfreut, wiewohl sie mir mit vielen schönen Worten sehr listig nachgestellt haben; ich habe sehr viel Widerstand leisten und von meinem Vater, und Lieven de Krook, Maeyken Moeye, unserem Vetter Pieter und Daniel de Keyser, der mich fing, vieles anhören müssen; diesselben waren auf Aschermittwoch bei mir; sie führten mich auf einen hohen Berg, und boten mir so viele schöne, jedoch gehaltlose Verheißungen an, wenn ich ihnen hätte Gehör geben wollen, aber, Gott sei gedankt, der uns allezeit das Feld erhalten hilft, ja, sie sagten mir so viel, daß mich dünkt, vier Bogen Papier würden es nicht fassen können, Lieven de Krook sagte zunächst, daß ich eine Menge Teufel in mir hätte, und daß er sie auf meinen Schultern sitzen sähe, worauf ich erwiderte: Nehmt mir doch einen ab; auch kam es mir vor, sie hätten mich betrunken machen wollen, aber ich wollte nicht trinken, wiewohl sie mich sehr dazu nötigten, denn der Herr gab mir Kraft, solchem zu widerstehen.

Ferner lasse ich euch, Geliebte, wissen, daß mein Vater heute abermals allein bei mir gewesen ist; er quälte mich sehr; ich aber sagte ihm, er sollte zufrieden sein, denn ich wollte den Herrn unter keinen Bedingung verlassen; er sagte mir auch, daß ihr eures Gutes beraubt und davon verjagt wäret, was mich sehr betrübte, als ich es hörte; aber mein lieber B. und S. in dem Herrn, seid doch geduldig und getrost in eurer Trübsal und Leiden, denn das sollen wir wissen, daß uns nicht allein gegeben ist, an Christum zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden; auch sagt Christus selbst: Wer nicht Alles verläßt um meines Namens willen, der kann nicht mein Jünger sein, und wer etwas lieber hat als mich, der ist meiner nicht wert. Darum, meine sehr geliebten Freunde, denkt an Tobias Reden, der um des Herrn willen so arm geworden ist: Mein Kind, sagte er, wir sind wohl arm, aber sei getrost, wir werden viel Güter haben, wenn wir Gott fürchten, Gutes tun, die Sünde meiden. Ja, werte und in Gott geliebte Freunde, wir sind Kinder der Heiligen, und hoffen auf ein Leben, welches Gott denen geben wird, die für ihn stehen, und fest im Glauben bleiben. Darum werdet nicht müde auf dem Wege des Herrn, und lasset nicht ab um der Trübsal willen, sondern haltet steif an, bis ihr hinweggenommen werdet.

Ferner vernehme ich aus eurem Schreiben, daß ihr im Sinne habt, fort zu ziehen; ich selbst bitte euch, ihr wollet das tun, denn sie trachten sehr nach eurem Leben, und fragen mich oft nach euch; Maeyken Moeye sagte, es wäre eure Schuld, daß ich hierher gekommen wäre, aber ich sagte nein. Ferner, lieber B. und S. bitte ich eure Liebe, daß ihr meiner in eurem Gebete zu Gott mit brünstigem Herzen gedenken wollt, damit ich einen guten Kampf kämpfen und meinen Lauf zu meiner Seele Seligkeit vollenden möge; dasselbe hoffe ich auch für euch zu tun, und daß euch der Herr eine glückliche Reise verleihen wolle, nach Seele und Leib. So nehme ich denn nun von eurer Liebe, mein werter und in Gott geliebter B. und S. in dem Herrn, einen herzlichen und ewigen Abschied. Dieser große, alles vermögende und allmächtige Gott, der Jakob geleitete, als er fliehen mußte, wolle euch auch geleiten und in die ewige Ruhe bringen, Amen. Gute Nacht, gehabt euch wohl, zum Abschiede, gute Nacht.

Ich, Raphel von dem Felde (der Schreiber dieses), lasse euch Geliebte auch sehr herzlich grüßen mit des Herrn Frieden. Die Liebe überwindet alles. Hieronymus Schepens, euer lieber schwacher Bruder.