2.652  Ein Brief von Jacques de Somere, gesandt an seine Mutter zu Gent.

Ehrwürdige und geliebte Mutter, nebst aller demütigen Empfehlung lasse ich dich wissen, daß wir, Gott sei gelobt, noch wohlauf sind; wie wir denn aus des Vaters Schreiben (nicht ohne große Freude) ersehen haben, daß ihr euch ebenso befindet. Ich berichte, daß ich keinen Brief von meinem Vater ohne Angst und Furcht lese, bis ich aus dem Schlusse desselben von eurer Gesundheit Versicherung habe, denn weil mir die Krankheit und Schwachheit eurer Natur bekannt ist, so bin ich allezeit besorgt, ihr möchtet etwa in eine schwere Krankheit gefallen sein, was mir mehr Betrübnis verursachen würde, als wenn ich selbst in der größten Not und Pein wäre.

Aber Gott sei für seine Güte gelobt, daß Er euch nicht schwerer heimsucht, noch euch eine größere Last aufbürdet, als ihr (durch seine Hilfe, und den Trost seines Wortes, wie auch durch die Hoffnung des zukünftigen Lebens) ertragen könnt, und daß Er mich die besondere Freude genießen lässt, die ein gutes Kind auf dieser Welt sich wünschen möchte, nämlich zu sehen, daß mein Vater und meine Mutter zu gutem Alter kommen, und solche Sorge, Liebe und Gunst zu mir tragen, wie ich von den sorgfältigsten und gütigsten Eltern erwarten dürfte, wofür euch in Ewigkeit gedankt sein müsse.

Ein fernerer Zweck dieses Schreibens, meine geliebte Mutter, ist der, euch über die besonderen Umstände der Hinrichtung der Wiedertäufer Nachricht zu geben, wiewohl ich nicht bezweifle, du werdest aus dem Bericht anderer Leute bereits viel davon gehört haben, wie ich denn auch nicht gern von einer Sache schreibe, woran ich selbst niemals ohne große Betrübnis denken kann. Weil du aber solches von nur begehrst, und ich vielleicht der Umstände auch mehr kundig bin, als der gemeine Mann, indem ich oft bei ihnen gewesen bin, und von allem Nachricht eingezogen habe, so habe ich nicht unterlassen wollen, so viel Bericht abzustatten, als ich von der Sache weiß, wobei ich auch einige Abschriften von ihrem Bekenntnis, worauf sie gestorben sind, und noch einige gefangen liegen, mitsende, sowie auch nebst einer Bittschrift, die sie Ihrer Majestät überreichten, welche aber nicht angenommen wurde.

Es hat sich nämlich auf Ostern im Jahre 1575 den 3. April zugetragen, daß in einem Hause bei Alegeto (wo man nach dem Spiegelshofe geht) dreißig Wiedertäufer, sowohl Männer als Weiber, in einer Versammlung beieinander waren, um sich miteinander zu ermahnen und ihr Gebet zu tun, welche, als sie von den Nachbarn auskundschaftet waren, fast sämtlich von da nach dem Gefängnis gebracht worden sind, jedoch mit so wenigen Dienern, daß wohl einige derselben hätten entfliehen können, wenn sie in ihrem Gewissen Freiheit gehabt hätten, davon zu gehen. Als sie nun in der Obrigkeit Hände gefallen waren, hat man sie in das Haus des Bischofs von London gebracht, um von ihm (doch durch den Mund der deutschen und französischen Prediger, weil der Bischof die Sprache nicht verstand) über ihren Glauben verhört zu werden, welchen sie schriftlich übergaben, und der so aufgesetzt war, daß nichts darin enthalten war, was ich nicht hätte unterzeichnen dürfen, nur allein den Artikel vom Eide ausgenommen, worin sie öffentlich bekannten, daß sie glaubten, daß man unter keinen Umständen schwören möge.

Als nun der Bischof mit diesem Bekenntnis nicht zufrieden war, hat er ihnen vier Artikel vorgelegt, die sie unterzeichnen sollten, widrigenfalls sie, wenn sie hartnäckig blieben, lebendig verbrannt werden sollten, wobei er hinzufügte, daß er diesen Auftrag vom Hofe empfangen habe.

Die Artikel waren: Erstens, daß sie alle Irrtümer, Spaltungen und Ketzereien der verdammten Sekte der Wiedertäufer verlassen und widerrufen und bekennen sollten, daß sie vom Teufel betrogen und dazu verführt worden seien; ferner, daß sie mit Herz und Mund glauben und bekennen sollten, daß Christus sein Fleisch und Blut aus dem Wesen des Fleisches und Blutes Maria angenommen habe. Zweitens, daß man die jungen Kindlein taufen müsse. Drittens, daß ein Christ wohl das obrigkeitliche Amt bedienen möge. Viertens, daß ein Christ wohl einen Eid leisten dürfe.

Darauf antworteten sie, daß in ihrem Gewissen nichts dafür spräche und daß sie es mit ihrem ersten Bekenntnis hielten, deshalb sind sie abermals von da nach dem Gefängnis geführt worden; aber auf dem Weg sind von ihnen zehn oder zwölf entlaufen (weil sie sahen, in welcher Gefahr sie waren, und daß sie gute Gelegenheit hätten zu entfliehen, weil nur einer oder zwei Diener mitgingen), welche sich aber alle freiwillig in den nächsten Tagen wieder eingestellt haben, teils, um ihre Bürgen zu befreien, welche für hundert Pfund verbunden waren, teils aber, weil der Bischof, als ein Mann von Ehre, ihnen mit einem Eid verhieß, er wollte sie alle, wenn sie wiederkämen, innerhalb vier oder fünf Tagen auf freien Fuß setzen, im andern Falle aber sollten die andern wohl bis Lichtmess gefangen liegen.

Bald darauf sind fünf von den Männern (durch das viele Disputieren der Niederländer, die von der Gemeinde waren) bekehrt worden, ehe man sie als Ketzer verdammt hatte, und dessen ungeachtet, hat man sie damals in St. Paulus Kirchhofe in der vollen Versammlung vieler tausend Engländer vor die Kanzel gestellt (merkt) und einem jeden derselben ein Bündlein Reiser auf die Schultern gegeben, als ein Zeichen, daß sie das Feuer verdient hätten, wobei man ihnen noch vielen andern Schaden und große Schmach zugefügt hat, wiewohl der Bischof ihnen verheißen hatte, daß er sie sofort jeder Strafe überheben und sie ohne weitere Umstände in Freiheit setzen wolle, wenn sie nur die vier Artikel unterzeichnen wollten; aber das Gegenteil hat sich wohl erwiesen. Dieses ist den 25. Mai, im Jahre 1575 geschehen.

Einige Tage darauf, als der Bischof sah, daß die übrigen von ihrem Glauben nicht abfallen wollten, hat er sie auf dem geistlichen Richthause in St. Paulus Kirche (wie der papistische Bischof zu der Königin Maria Zeiten, welche die Christen zum Tode zu verurteilen pflegte) sämtlich zum Tode verurteilt und dem weltlichen Richter übergeben; darauf hat man die Frauen, Hand an Hand gebunden, nach Nieugeet (welches das Gefängnis für diejenigen ist, die auf den Tod angeklagt sind) geführt, sowie einen von den Männern, den sie unter ihnen für den jüngsten und unschuldigsten hielten; aber die übrigen Männer wurden abermals nach ihrem alten bischöflichen Gefängnisse gebracht, weshalb man meinte, es würden die Frauen zuerst hingerichtet werden; wie man denn auch täglich kam, ihnen zu drohen und den Tod vor Augen zu halten, wenn sie nicht abfallen wollten. Deshalb haben sie fünf oder sechs Tage große Angst und Anfechtung erlitten, und sie meinten von Tag zu Tag, sie würden verbrannt werden, ja, selbst noch an dem Tag, als das Urteil ihrer Landesverweisung vom Hof angekommen war; denn der Schultheiß kam mit seinen Dienern des Abends um zehn Uhr in das Gefängnis, um alle ihre Güter aufzuschreiben, wobei er ihnen andeutete, sich auf den folgenden Tag zum Tode bereit zu machen, was er nur tat, um zu sehen, ob von ihnen niemand aus Furcht abfallen würde. Als er aber sah, daß sie alle standhaft blieben, kündigte er ihnen an, daß ihnen die Königin Gnade erwiesen, und sie nur des Landes verwiesen, den Jüngling aber hinter einem Karren auspeitschen lassen wollte.

So sind denn innerhalb fünf oder sechs Tagen ungefähr vierzehn Frauen von dem Gefängnisse, das bei St. Martins Kirche steht, bis nach St. Catharina in das Schiff von den Gerichtsdienern geführt worden; den Jüngling aber hat man an einem Karren, der vor ihnen herging, ausgepeitscht, und so sind sie sämtlich bei Leibesstrafe des Landes verwiesen worden, und wohnen gegenwärtig in Holland und Seeland.

Einige Tage darauf sind die fünf Männer, die in des Bischofs Gefängnis noch saßen, gleichfalls vom Bischof zum Tode verurteilt und nach Nieugeet gebracht worden, wo einer unter ihnen um der Armut und schweren Bande willen im Gefängnis gestorben ist, die Übrigen aber fürchteten, man möchte an ihnen die schwerste Strafe vollziehen, weil man sogar mit den Frauen so sehr nach der Strenge gehandelt hatte. Sie haben auch gehört, daß die Königin und der ganze Rat so sehr über sie erzürnt wären, daß auch niemand für sie eine Bittschrift überreichen dürfe, weil aus bösem Munde das Gerücht sich verbreitet hatte, daß sie Gott und Christum verleugnen, und jede Regierung und das Ansehen des Magistrats und der Obrigkeiten als ungöttlich und unchristlich verwürfen.

Darum haben sie eine Bittschrift nebst ihrem Bekenntnis von den vier Artikeln, die ihnen vorgelegt waren, wovon ich hier die Abschriften sende, an Ihre Majestät abgehen lassen, welche aber so sehr über sie erzürnt war, daß sie dieselbe nicht annehmen wollte, sondern die Hofdamen sehr schalt, die sie ihr überreichten, wie diese denen berichteten, welche ihnen die Bittschrift eingehändigt hatten.

Als sie solches sahen, haben sie diese Artikel, sowie die Bittschrift, die etwas verändert war, dem Herrn von Bodley übergeben, welcher als er die Sache bei dem Bischof angebracht hatte, ihnen am andern Tage zur Antwort gegeben hat, daß er um ihretwillen sehr betrübt sei; aber es sei durchaus keine Hoffnung der Gnade vorhanden, es sei denn, daß sie die Artikel unterzeichneten und ihre Ketzerei abschwören wollten. Unterdessen hat der Bischof im Namen ihrer Majestät einige Artikel erlassen, unter welchen auch der war, daß eine christliche Obrigkeit die halsstarrigen Ketzer wohl mit dein Schwerte strafen dürfte, und gebot allen Fremdlingen, dieselben zu unterzeichnen, oder aber genügende Bürgschaft zu stellen, daß sie, wenn es dem Bischof gefallen würde, vor ihm und der Königin Verordneten erscheinen wollten, um ausführlicher verhört und nach Befinden der Umstände gestraft zu werden; also haben fast alle Fremdlinge, doch mehr aus Furcht als aus andern Gründen unterschrieben, einige ausgenommen, die lieber Gefahr laufen, als wider ihr Gewissen durch ihre Unterschrift das Töten der armen Leute billigen wollten; wie es aber solchen noch ergehen werde, weiß man noch nicht.

Bald darauf ist vom Hofe aus an den Scheriff oder Schultheißen zu London der Befehl ergangen, daß er die beiden Ältesten nach Maßgabe ihres Urteils hinrichten lassen sollte; der eine von ihnen, Jan Pieterß, war ein armer Mann, über fünfzig Jahre alt, der neun Kinder hatte, dessen erste Frau in früherer Zeit zu Gent, in Flandern, um der Religion willen verbrannt worden war, und welcher nun eine Frau geheiratet hatte, deren erster Mann gleichfalls früher um der Religion willen zu Gent verbrannt worden war. Sie sind aber beide um der Verfolgung willen nach England geflüchtet, in der Meinung, sie könnten dort ohne Gefahr in der Freiheit ihres Gewissens leben, was er dem Bischof zuvorderst vorstellte und Gnade begehrte, um mit Weib und Kindern aus dem Land zu ziehen, aber er konnte es nicht erreichen.

Der andere, Hendrik Terwort, war ein schöner ansehnlicher Mann von fünf oder sechsundzwanzig Jahren, seiner Hantierung nach ein Goldschmied, der erst acht oder zehn Wochen verheiratet war, als er gefangen genommen wurde.

Diese beiden, nachdem sie die deutschen und französischen Prediger durch Disputieren nicht zum Unterzeichnen der Artikel bringen konnten, sondern sie vielmehr in ihrer Meinung durch die Grausamkeit und das unchristliche Verfahren derer, die sich des Evangeliums und des wahren Glaubens rühmen, gestärkt wurden, sind, obgleich viele Engländer und Deutsche Fürbitten für sie einlegten, um ihnen Gnade zu erwirken, dennoch den 22. Juli, des Morgens um 6 Uhr, auf dem Smitsfelde, wo man in früheren Zeiten die Leute von unserer Religion zu verbrennen pflegte, an einem Pfahle, ohne sie zu würgen und ohne Pulver, sehr jämmerlich nach des Landes Weise lebendig zu Asche verbrannt worden. Dieses Urteil ist am Freitag vollzogen worden, nachdem der Pfahl schon den Dienstag zuvor gesetzt war. Ich zweifle nicht, die Königin ist ungern daran gegangen, aber sie ist von einigen Papisten oder andern verkehrten Menschen und Beneidern der Wahrheit, deren es hier viele gibt, dazu überredet worden, welche derselben vorgestellt haben, daß die Wiedertäufer, deren Religion diesem Volk unbekannt ist, nicht allein Gott und Christum leugnen, und folglich die Seligkeit der Seelen umstießen, sondern auch, daß sie alle weltliche Polizei, Rechte und Obrigkeiten verwürfen, und das Volk zur Meuterei und zum Aufruhr anreizten, indem sie lehrten, daß das obrigkeitliche Amt ungöttlich und unchristlich sei, weshalb sie, wie ich nicht zweifle, am meisten über dieselben erzürnt gewesen ist, sodass sie auch ihre Bittschrift nicht hat annehmen wollen.

Der Herr wolle es denen vergeben, die hiervon die Urheber und Anstifter gewesen sind, und die armen Leute vor Ihrer Majestät so sehr verleumdet haben, wie du aus diesem ihrem Bekenntnis, das sie bei mir eigenhändig unterzeichnet haben, beurteilen kannst, denn obgleich ich demselben nicht in allem beistimme, und auch versichert bin, daß sie in Ansehung des Punktes von der ersten Empfängnis Christi und der Herkunft seines Fleisches eine irrige Ansicht haben, übrigens aber mit ausdrücklichen Worten christlich bekannten, und oft in meiner Gegenwart mündlich bekannt haben, daß Christus wahrer Gott und Mensch sei, der uns in Fleisch und Blut und allen andern Dingen gleich sei, ausgenommen die Sünde, so sei es fern von mir, sie der Todesstrafe schuldig zu erkennen, sondern ich möchte sie vielmehr für Brüder erkennen und zweifle nicht an ihrer Seligkeit, wenn sie anders den Herrn gefürchtet haben und in einem guten Gewissen vor Ihm gewandelt sind; denn unser Gott ist ein barmherziger und gnädiger Gott, der die Menschen um dieses oder jenes Missverständnisses und Irrtumes willen nicht verdammt, sondern vielmehr ihrer Schwachheit und Krankheit um seines Sohnes Christi Jesu willen gnädig vergibt, wenn es anders aus keiner Hartnäckigkeit, sondern aus reiner Unwissenheit herkommt, wie Paulus selbst von sich sagt, daß er bei Gott Gnade gefunden habe, weil er unwissentlich gesündigt hatte, wie denn der Irrtum nicht den Grund des Glaubens, sondern nur die Umstände desselben berührt, gleichwie diese Wiedertäufer tun.

Was die beiden jungen Mannspersonen betrifft, die noch übriggeblieben sind, so beharren dieselben gleichwohl noch fest und standhaft bei ihrem Bekenntnis, und sind auch täglich derselben Strafe gewärtig.

Wir, Lukas und ich, suchten ihnen, wenn es möglich gewesen wäre, aus dem Gefängnis zu helfen (vier Tage später, als die andern hingerichtet waren), sie sind auch durch vieles Überreden so weit gebracht worden, daß sie das Bekenntnis (wovon ich euch hier eine Abschrift sende) unterzeichnet haben, in der Hoffnung, der Bischof werde damit zufrieden sein; dieser aber, nachdem er dasselbe gelesen, hat es zwar für gut befunden, will es aber gleichwohl in Gnaden nicht aufnehmen, es sei denn, daß sie die vier ersten Artikel ohne irgendeinen Widerspruch unterzeichnen und sich zu der deutschen Gemeinde begeben, wozu sie sich jedoch nicht verstehen wollen, weil, wie sie sagen, wenn sie auch ganz in der Lehre mit uns einig wären, sie dadurch die beiden Hingerichteten und alle ihre anderen Mitgenossen (die in demselben Glauben gestorben sind oder noch leben) verdammen und bekennen müssten, daß sie vom Teufel, dem Geiste der Lügen und des Irrtums, zu dieser verdammlichen Ketzerei verführt worden seien, von der sie sagten, daß sie keineswegs in ihrem Gewissen überzeugt seien, sondern daß sie vielmehr von ihrer Seligkeit in Christo, dem wahren Gott und wahren Menschen, versichert wären; darum würden sie Gott, wie sie sagten, aufs Höchste erzürnen, wenn sie gegen das Zeugnis ihres Gewissens reden würden. Aus diesen Gründen kann man nicht anders annehmen, als daß sie eben dieselbe Strafe werden leiden müssen, die auch ihre Mitgesellen gelitten haben, und das umso mehr, weil sie versucht haben, aus dem Gefängnis zu brechen, indem sie ein Eisen von den Fenstern abfeilten; darum liegen sie auch jetzt in Banden viel strenger geschlossen, als jemals zuvor, und möchten sich wohl glückselig schätzen, wenn sie je eher je lieber durch den Tod von der großen Armut und dem Elend des Gefängnisses befreit werden könnten, denn sie liegen beide voneinander abgesondert, sodass sie einander nicht trösten können, und es darf niemand mit ihnen reden, bei Strafe, selbst festgesetzt zu werden.

Hier hast du, geliebte Mutter, die betrübte Geschichte der gefangenen, bekehrten, vertriebenen und hingerichteten Wiedertäufer von Anfang bis zu Ende, die dir unglaublich und unnatürlich erschienen sein wird, und worüber du sehr betrübt gewesen sein wirst, weil diejenigen, die hier in früheren Zeiten Verfolgung erlitten haben, jetzt andere Leute um ihrer Religion willen verfolgen, und anderer Leute Gewissen mit Feuer und Schwert bezwingen, da sie doch zuvor selbst gelehrt haben (was auch die Wahrheit ist), daß es keinem Menschen zukomme, über eines andern Gewissen zu herrschen, und daß der Glaube eine besondere Gabe Gottes sei, und in den Menschen nicht durch irgendeine leibliche Gewalt, sondern durch das Wort Gottes und die Erleuchtung des Heiligen Geistes gepflanzt werde, sowie, daß die Ketzerei keine fleischliche, sondern geistige Missetat sei, die Gott allein strafen müsse, und daß man die Lügen nicht mit Gewalt, sondern mit der Wahrheit überwinden müsse, daß es der Kinder Gottes Teil sei, nicht andere um des Glaubens willen zu töten, sondern selbst um des Zeugnisses der Wahrheit willen getötet zu werden, endlich, daß das Blutvergießen um der Religion willen ein gewisses Kennzeichen des Antichristen sei, der sich selbst dadurch an Gottes statt auf seinen Richterstuhl setzt, und sich selbst die Herrschaft über die Gewissen (die doch Gott allein zukommt) zuschreibt.

Ebenso sage ich, daß ich wohl weiß, daß euch und alle mitleidigen Herzen die Sache sehr betrübt habe, wie ich denn auch hoffe, daß ihr euch daran nicht ärgern oder daraus eine Veranlassung hernehmen werdet, an dem wahren Glauben zu zweifeln; auch mögt ihr bedenken (wie es denn auch die Wahrheit ist), daß einige von den Gottesfürchtigen und Gelehrten, sowohl Engländer als Fremdlinge, die hier sind, dasselbe nicht gut befunden noch gebilligt haben.

Ferner, und wenn auch die Kirche diesen Glauben billigen würde, so wisst ihr dennoch wohl, daß die Wahrheit nicht an Menschen hängt, die doch gebrechlich, schwach, sündhaft und veränderlich sind, sodass derjenige, der heute gut und gottselig ist, morgen in große Sünden fallen kann, insbesondere wenn ihm die Sachen in dieser Welt wohl von Statten gehen, sondern daß unser Trost und unsere Hoffnung, Religion, unser Glaube und unsere Seligkeit in Gott bestehe, der unveränderlich ist und dessen Wahrheit allezeit einerlei Gestalt hat. Derselbe hat uns auch gelehrt und zuvor gewarnt, daß wir uns an den Ärgernissen der Welt nicht stoßen sollten, deren es viele und mancherlei gibt, und die auch oft von denen ausgehen, die in der Kirche Christi verborgen sind, wie denn auch Paulus aus eigener Erfahrung bezeugt, daß er von den falschen Brüdern die größte Verfolgung erlitten habe.

Ich hätte euch von dieser Sache wohl mehr geschrieben, wenn es mir die Zeit zugelassen hätte; so aber will ich hiermit schließen und den Herrn bitten, daß Er euch, sowie alle Gottesfürchtigen und Liebhaber der Wahrheit, in den Tugenden und der Gottseligkeit stärken wolle, zur Seelen Seligkeit, Amen.

Euer untertäniger Sohn, Jaques de Somere.

Die folgenden Schreiben scheinen auch auf Veranlassung dieses Jaques de Somere als eine Zugabe, aus Gunst gegen die Gefangenen, aufgesetzt zu sein.