2.647  Auszug aus einer eigenhändigen Schrift des Gerrit von Byler, im Gefängnis zu London geschrieben, welche uns durch seinen Sohn, Jan von Byler, eingehändigt worden ist und zur Befestigung des Vorgemeldeten dient.

Zunächst und vor allem berichtet er, daß sie, als ihrer mehr als 25 versammelt gewesen und Gott angebetet hatten, am Ostertag überfallen, gefangen genommen und in der Königin Gefängnis gesetzt worden seien; hier saßen sie bis in den dritten Tag und mussten dann für eine große Summe Geldes Bürgschaft leisten; die Bürgschaft hat jemand übernommen und wir (schreibt Gerrit von Byler) hielten unser Wort. (Von hieran wollen wir der eigenhändigen Schrift des Gerrit von Byler nachfolgen.)

Da sind wir vor Ihrer Majestät Bischof geführt worden, um unsern Glauben zu bekennen, was wir auch taten.

Als wir vor den Bischof kamen, trafen wir dort den Meister Joris, Jakobus de Koninck, Jan de Rademachcr, zwei Ratsherren und einen französischen Prediger; sie hielten uns vier Fragen vor und sagten dabei: Sagt Ja oder Nein.

1. Frage: Ob Christus sein Fleisch und Blut nicht von der Jungfrau Maria angenommen habe? Wir antworteten, daß Er der Sohn des lebendigen Gottes sei.

2. Frage: Ob die Kinder nicht getauft werden müssten? Wir antworteten: Wir können es nicht so annehmen, weil wir es in der heiligen Schrift nicht gefunden haben.

3. Frage: Ob ein Christ im Blutgericht ein obrigkeitliches Amt bedienen möge? Wir antworteten, daß unser Gewissen solches nicht zuließe, wir würden sie aber (wie wir lesen) für eine Dienerin Gottes erkennen.

4. Frage: Ob ein Christ im Notfall nicht schwören möge? Wir antworteten, unser Gewissen ließe uns solches auch nicht zu, denn Christus habe gesagt (beim Matthäus): Eure Worte sollen sein Ja, ja, Nein, nein.

Darauf schwiegen wir still; der Bischof aber sagte, unsere Missetaten wären hierin sehr groß; und wir könnten das Reich Gottes nicht ererben. Ach, Herr, räche solches nicht.

Darauf sagte der Bischof zu uns allen, man sollte uns wieder in die Mercice führen, woher wir gekommen waren, um uns dort gefangen zu halten.

Ein junger Bruder, der zuerst gefragt wurde und die Wahrheit freimütig bekannte, wurde darüber hart angeklagt und von uns getrennt und nach Westmünster geführt, wo er allein geschlossen wurde; dieses hat uns sehr verdrossen.

Als wir nun so gefangen saßen, kam Meister Joris und sagte, wenn wir uns zur Kirche begeben wollten, so sollte er uns losschließen und von den Banden befreien; dazu sagte er, hätte er Befehl vom Bischof; aber wir standen tapfer für die Wahrheit Jesu Christi, Er ist doch unser Hauptmann und sonst niemand, ja, auf Ihm beruht all unser Vertrauen.

Meine lieben Brüder und werten Schwestern, lasst uns tapfer anhalten, bis wir hinweggenommen werden. Der Herr wird uns neuen Wein einschenken. O Herr stärke unsern Glauben! Gleichwie wir den Herrn Jesum Christum angenommen haben, so lasst uns doch auch fortschreiten und tapfer auf ihn trauen.

Als wir nun meinten, der Streit würde bald ans Ende kommen, so hat er erst recht seinen Anfang genommen. Wir wurden in Eisen geschlossen und voneinander getrennt, auch wurden wir an unsern Beinen gefesselt; dieses währte etwas länger als drei Wochen.

Unterdessen mussten wir abermals vor die Herren, wo man uns verkündigte, daß wir verbrannt werden sollten, was für das Fleisch verdrießlich war; aber wir riefen zu Gott in unserer Not, daß Er uns stärken wolle, wie Er Israel getan hatte.

In einer Morgenstunde, am Tage vor Pfingsten, wurden wir abermals zwei und zwei zusammengebunden und vor die Herren geführt (dieses war das vierte Mal); da wurden wir des Wortes des Herrn eingedenk: Wenn ihr vor Herren und Fürsten geführt werdet, so sorgt nicht, was ihr reden sollt, denn es soll euch zur Stunde gegeben werden; solches Vertrauen haben wir zum Herrn.

Als wir dahin kamen, legten uns die Herren die vier vorgemeldeten Fragen abermals vor und drangen in uns, sie zu unterzeichnen, aber wir sagten, daß wir bei des Herrn Wort bleiben wollten.

Da wurden wir wieder jeder in ein besonderes Gefängnis gebracht und wie zuvor in Fesseln geschlossen; die Frauen wurden nebst einem jungen Bruder, nach Nieugeet geführt, von wo ab sie aber alle zu Schiffe gebracht worden sind, in welchem man sie weiter transportiert hat; den jungen Bruder aber hat man an einen Karren gebunden und mit Peitschen zur Stadt hinaus geschlagen.

Darnach wurden wir auf etwa fünf Tage von den Banden befreit, aber sie wurden uns wieder angetan und wir warteten nun auf das Ende.

Darauf sind zwei deutsche Prediger gekommen, welche vom Bischof gesandt waren; dieselben gaben dem Stockmeister en Brieflein.

Hiernächst sind wir den 2. Juni abermals gebunden hinausgeführt und vor die Herren gebracht worden; dieselben legten uns wieder die obigen vier Fragen vor, und als solches geschehen, sandten sie uns nach Nieugeet ins Gefängnis, wo die andern Freunde gesessen hatten.

Da dachten wir, es würde innerhalb eines oder zweier Tage ein Ende mit uns nehmen, wonach wir sehr verlangten, denn das Gefängnis war schwer; aber es war des Herrn Wille noch nicht.

Als wir dort ungefähr acht Tage gesessen hatten, ist einer von unsern Brüdern aus dem Fleische erlöst worden und gottselig gestorben; wir wurden alle herbeigerufen, um Zeugnis davon zu geben.

Unterdessen saßen wir dort zwischen vielen Dieben und Übeltätern, zu welchen der Bischof und auch ein Prediger sagte, sie sollten sich in Acht nehmen, daß sie von uns nicht verführt würden.

Nach vielen Stürmen kam Meister Godefryd mit zwei andern; wir wurden nun zwischen Mauern gesperrt, daß wir auch mit unserm Nächsten nicht sprechen konnten.

Man kündigte uns täglich unter den schwersten Bedrohungen die schrecklichsten Todesarten an; der Herr aber hat uns gestärkt, seinem heiligen Namen sei Lob. Sie sagten mir auch früher, wenn ich in des Feuers Glut wäre, so könnte ich mich nicht mehr um Gnade bücken oder neigen; darum sollte ich es zuvor tun, denn die geringste Pein wäre die beste, damit ich nach dem Tode nicht lange leiden müsste.

So haben wir von Tag zu Tag den Tod erwartet; wir dachten wenig an unser Leben, wiewohl es für das Fleisch eine schwere Aufgabe war; wir trösteten einander, weil wir doch einmal sterben mussten.

Der schwerste Streit für mich war, meine liebe Hausfrau mit allen meinen kleinen unschuldigen Kindlein zu verlassen.

Nach zwölf Tagen wurde zweien von uns angesagt, daß sie den dritten Tag durch Feuer sterben sollten; darauf erfolgte auch, daß auf den Dienstag ein Brandpfahl auf Smitsfeld gesetzt wurde; aber das Gericht ging damals nicht vor sich.

Am Mittwoch war viel Volk dort versammelt, um den Tod unserer beiden Freunde anzuschauen; dasselbe ist aber nach und nach wieder auseinander gegangen, denn das Ganze war nur geschehen, um unsere Freunde und uns zu erschrecken und vom Glauben abzuziehen.

Auf den Freitag jedoch sind zwei von unsern Freunden, nämlich Hendrik Terwoort und Jan Pieterß, aus dem Gefängnis geholt und zum Opfer hinausgeführt worden.

Jan Pieterß, als er hinausging, sagte: Diesen Weg sind alle frommen Propheten gegangen, ja, selbst Christus, unser Seligmacher, was von Anfang der Tage, nämlich von Abels Zeiten an, geschehen ist.

Diese beiden wurden auf dem Smitsfelde an einen Pfahl gesetzt und haben sich mit Gewalt durchgestritten (in der Mitte des Feuers), und sind also vor dem Herrn ein Opfer geworden, welches sie Ihm lebendig aufgeopfert haben.

Hierauf folgte in dieser Schrift ein Liedlein, wobei bemerkt war, daß Jan Pieterß Wagemacher (der damals verbrannt wurde) dasselbe vor seinem Tod im Gefängnis gemacht hätte; es handelte von dem Leiden aller Frommen bis auf Jesum Christum, seine Apostel und viele Märtyrer, und fängt so an:

Hört, Freunde allzusammen,
Ein Lied Hab’ ich gestellt,

und hat es mit diesem Vers beschlossen:

Der dies Lied hat begonnen,
Der war sehr schwach und krank;
Hätt’ er den Streit gewonnen,
So wäre es sein Dank.
Der Streit sollt’ da angehen
Als er dies Lied erst sang.
Zu London ist’s geschehen,
Allwo er saß in Drang.

Darnach noch ein Lied, welches sich so endigt:

Der dieses Liedlein hat gesungen,
Der war in seinem Geist erfreut;
Die Lieb’ hat ihn dazu gedrungen,
Als er da lag in schwerem Streit,
Zu Gott war allein sein Verlangen,
Der stärkte ihn durch seine Hand,
Zu London, da er lag gefangen
In Nieugeet, welches wohl bekannt.

Ferner noch ein Vers:

Wir sind, o Herr, nun in dem Streite,
Ach hilf und rett’ uns von dem Leid;
Von unsern Feinden, die zur Zeit
Uns ängstigen zu aller Seit’,
O Herr uns doch befreie!
Standhaftigkeit verleihe.
O Herr! du bist ein großer Gott:
Stärk’ uns allzeit in aller Not.

Hierauf wurden die nachfolgenden Worte von Gerrit von Byler geschrieben:

Hoffnung der Gläubigen: Obgleich man mich hier auf dieser Erde verdammt, so glaube ich doch gewiss mit dem Propheten David, Ps 27,13, daß ich das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen sehen werde; darum freue ich mich des Herrn und bin getrost und unverzagt, indem ich gewiss weiß, daß mein Erlöser lebt; meine Hoffnung ist auf Gott.

Geschrieben in Nieugeet, zu London, im September des Jahres 1575 von mir, Gerrit von Byler.