2.640  Hendrik Pruyt, im Jahre 1574.

Um das Jahr 1574 ist noch ein frommer Bruder, Namens Hendrik Pruyt, gewesen, welcher zu Harderwyk in Gelderland geboren und ein Seemann war, der mit seinem Schiffe auf der Südsee, an der Küste von Friesland, fuhr. Weil aber in Wurkom ein welscher Obrist lag, ein treuer Diener des Königs von Spanien, und zu der Zeit schwere Kriege zwischen Holland und dem König von Spanien geführt wurden, so ist des Königs Volk dem gemeldeten Hendrik Pruyt mit einer Jacht an Bord gekommen. Als er nun keinen Ausweg sah, sagte er zu seiner Hausfrau: Tryntgen Jans! Schaf, hier kommt der Wolf. Dabei ermahnte er sie, sie sollte freimütig sein und ohne Falschheit reden, was man sie auch fragen würde. Als diese Räuber an Bord kamen, fragten sie, woher das Schiff sei. Sie antworteten: Von Harderwyk, welches doch damals mit dem König im Frieden stand; aber sie mussten gleichwohl mit ihnen ans Land, wo sie Hendrik Pruyt nach Wurkom ins Gefängnis brachten. Seine Hausfrau, als sie zu ihm kam, war sehr bekümmert, wie sie ihn wieder befreien möchte (denn es waren junge Leute, die einander sehr liebten). Weil aber Hendrik Pruyt zu seiner Befreiung wenig Hoffnung hatte, so hat er seine Hausfrau gebeten, sie sollte sich seinetwegen wenig Mühe geben, sondern zu ihrem Bruder und zu ihren Freunden reisen, welche bei dem Schiff hauptsächlich beteiligt waren, damit sie dafür sorgen möchten, daß das Schiff gerettet würde, wie denn solches auch geschehen ist.

Unterdessen, als sie nach Hause reiste, haben sie Hendrik Pruyt verhört und befunden, daß er ein Bruder der Mennoniten wäre, weshalb sie so tyrannisch und grausam mit ihm verfuhren, daß sie auch nicht einmal bis zu seiner Frau Wiederkunft warten konnten, welche sie auch wohl denselben Weg des Leidens hätten passieren lassen. Sie nahmen diesen frommen Mann und warfen ihn in ein Schifflein, welches sie mit Teer wohl beschmiert hatten; auch haben sie den Leib dieses Gefangenen mit Teer beschmiert und seine Hände am Mastbaume festgebunden. In diesem Zustand brachten sie ihn dann aus dem Hafen, steckten das Schifflein in Brand und steuerten ihn brennend in die See hinein. Als aber in Folge des Feuers die Stricke, womit seine Hände gebunden waren, verzehrt wurden, schien es, daß er sich noch auf irgendeine Weise aus dem Brand hätte retten können, wenn die Mörder, die solches sahen, nicht sofort zurückgekommen wären und ihn durchstochen hätten, worauf der zeitliche Tod erfolgt ist. Also hat dieser Freund Gottes sich tapfer durchgestritten, und ist deshalb der Samen Gottes (den er durch die Ermahnung des Wortes Gottes in sein Herz empfangen hatte) bis ans Ende bei ihm geblieben, wodurch er seine Feinde in Geduld überwunden, Glauben behalten und die Krone der ewigen Herrlichkeit durch Gottes Gnade erlangt hat.

Als dieser Obrist bemerkte, daß Tryntgen Jans, seine Hausfrau, wenn sie diesen Vorfall hören würde, nicht leicht diesen Wölfen würde in die Hände laufen wollen, ist er sehr missvergnügt darüber gewesen, und hat gesagt: Hätte ich sie hier, sie müsste diesen Weg auch wandern, und wenn er zu irgendeiner Zeit diese Frau bekommen könnte, sollte sie auch schon irgendwo begraben sein, so wollte er doch ihren Leichnam wieder ausgraben und denselben verbrennen lassen.

Bedenke einmal, geliebter Leser, wie solche grausame Blutdürstigkeit und Tyrannei mit dem Wort, Geist und Vorbild Christi und seiner Apostel übereinstimme, deren Nachfolger zu sein sie sich doch unverschämter Weise rühmen.