2.629  Reytse Aysetz von Oldenborn wird zu Leeuwarden um des Zeugnisses Jesu Christi willen den 23. April im Jahre 1574 getötet.

Verschiedene Schreiben von Reytse Aysetz von Oldenborn, gefangen zu Leeuwarden, im Jahre unsers Herrn 1574. Der erste Brief, von Reytse Aysetz in seiner Gefangenschaft geschrieben, wie er von dem Edelmanne (Andreas Grief genannt) verraten, gefangen und in Banden gelegt worden sei, wo er seinen Glauben freimütig und unerschrocken bekannt hat.

Es ist im Jahre 1573 den 18. September gewesen, daß ich nach Oldenborn gekommen bin; dort ist mir der Edelmann begegnet; derselbe begehrte von mir, ich sollte mit ihm gehen, er hätte mir etwas zu sagen. Als ich nun mit ihm in sein Haus kam, fragte er, wo ich wohnte; ich antwortete: Zu Bechsterschwaeg. Darauf fragte er mich, wie alt ich wäre; ich sagte, ich wüsste es so genau nicht; ferner hat er mich gefragt, wo ich über Nacht gewesen wäre; ich sagte: In meines Vaters Hause. Er fragte mich, ob H. nicht dort gewesen wäre; hierauf schwieg ich still, worauf er so ernstlich in mich gedrungen ist, daß ich zuletzt ja sagte. Darauf fragte er mich nach mehreren andern, ich aber schwieg lange still; zuletzt, nach vielen Versuchungen, sagte ich, daß W. auch dort gewesen sei, und daß wir von jeher große Freundschaft miteinander gehalten hätten; nachdem wir noch einiges verhandelt hatten, schwieg ich still. Darauf hat er mich in Fesseln gelegt, und mich mit den Altvätern von 1500 Jahren her, und andern Schriften, die im Neuen Testament nicht enthalten sind, zu unterrichten gesucht; ich sagte, daß ich keine anderen Schriften annehmen wollte, als das Neue Testament.

Am andern Tage Morgens kam ein Unterschulz von Leeuwarden, welcher sehr in mich gedrungen, ihm zu bekennen, was für Leute in meines Vaters Haus gewesen wären, aber der allmächtige Gott hat meinen Mund bewahrt. Hiernächst haben sie mich nach Leeuwarden geführt und in ein Loch geworfen, worin sich acht Gefangene befanden, die nach Gott nichts fragten; dort war ich anfänglich sehr betrübt, und rief den allmächtigen Gott Tag und Nacht an, daß Er mich bewahren wolle; Er hat auch mein Herz erleuchtet, weshalb ich dem ewigen Vater für seine großen Wohltaten, die Er an mir bewiesen hat, Lob und Dank sage. Nachdem ich hier fünf Tage gelegen hatte, haben sie mich in ein anderes Gefängnis gebracht, unter eine Herrschaft, wofür ich Gott gelobt und gedankt habe.