2.620  Ein Brief, den Hans von Munstdorp an sein Weib geschrieben hat, als sie beide in Antwerpen auf dem Steine um des Zeugnisses Jesu Christi Willen in Banden lagen.

Einen freundlichen Gruß, geschrieben an dich, mein wertes Weib, welche ich von Herzen liebe und über alle Kreaturen wert halte, die ich jetzt, um der Wahrheit willen, verlassen muss, um derentwillen wir auch alles für Schaden achten und Jesum Christum über alles lieben müssen; aber ich hoffe, daß, obgleich uns die Menschen hier voneinander scheiden, uns doch der Herr in seinem ewigen Reiche wieder zusammenfügen werde, wo uns niemand mehr voneinander scheiden wird und wir in des Himmels Wohnung ewig herrschen werden. So lasse ich denn, mein geliebtes Weib, dich wissen, daß mein Gemüt durch des Herrn Gnade noch unverändert steht, bei der ewigen Wahrheit zu bleiben; es wäre mir auch eine Freude zu vernehmen, daß dein Gemüt ebenso stehe. Ich ermahne dich hierdurch mit dem Apostel, mein geliebtes Schaf: Wie du den Herrn Jesum Christum angenommen hast, so wandle in Ihm, und sei fest auf Ihn gegründet und in Ihm gewurzelt durch den Glauben, und laß dich durch die Weltweisheit oder durch die Schalkheit der Menschen nicht berauben, womit sie die einfältigen Herzen zu verführen sucht, indem sie ihnen den Apfel der Wollust, der so schön ist, zeigt, wodurch viele betrogen werden, wie denn auch hier einige sind, denen es, wie dir bekannt, so ergangen ist. Pieryntgen hat, wie ich höre, auch in den Apfel gebissen. Darum, mein getreues Schaf, siehe doch zu, und laß dich nicht das Böse gelüsten; sieh auch nicht zurück mit Lots Weib, damit du ihr nicht gleich werdest. Gedenke an des Herrn Wort: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht tüchtig zum Reich Gottes. Darum, mein geliebtes Schaf, denke allezeit, wie der Prophet sagt, an die Krone, die am Ende kommen wird, und an die Rache über die Gottlosen; der Prophet sagt: Wehe den abtrünnigen Kindern, die den Herrn verlassen, die Quelle des Lebens; wehe ihnen, denn die Abgefallenen werden in die Erde geschrieben! So gib ihnen denn, meine Geliebte, kein Gehör, denn an dem Tage der Rache wird ihr Werk als Holz, Stroh und Stoppeln erfunden werden, welches mit Feuer verbrannt werden wird, wie geschrieben steht. Darum, mein wertes Schaf, welches ich von Herzen lieb und wert habe, wie meine eigene Seele, halte doch stark an, ich bitte dich, bis du hinweggenommen wirst, wie ich denn das Vertrauen zu dir habe, daß du tun werdest, und achte nicht Fleisch und Blut, denn es muss doch alles vergehen; denn obgleich wir hier einen verworfenen und verachteten Leib haben, so wird uns doch der Herr dem Leibe seiner Klarheit unter der Bedingung gleich machen, daß wir bis in den Tod bei der Wahrheit bleiben. Nimm dieses gut auf und denke allezeit an das ewige Gut; ich grüße dich hiermit in dem Herrn aus herzinnigster Liebe, wie auch deine Gesellschaft; erfreut euch miteinander in dem Herrn, und seid fröhlich in der Löwengrube; vertraut auf den Gott Daniels.

Hiermit zum guten Abschiede: Gute Nacht! Erwartet die Zeit in Leidsamkeit; seid geduldig in dem Streite und fröhlich in der Hoffnung. Benachrichtigt mich, wenn ihr könnt, ob ihr es empfangen habt; gedenkt allezeit meiner zum Besten in eurem brünstigen Gebete; ich hoffe eurer auch nicht zu vergessen, die ich in meinem Herzen tragen möchte, wenn es möglich wäre. Es dünkt mich, daß diese Butter von Grietgen Wevels gekommen sei; ich grüße euch dabei sehr herzlich. Gute Nacht zum Abschied, mein Schaf, meine Liebste. Gute Nacht zum Abschied an alle, die Gott fürchten. Gute Nacht, zum Abschied bis auf die Hochzeit des Lammes in dem neuen Jerusalem. Haltet euch herzhaft und tapfer; seid wohlgemut, werft die Not, die euch überfällt, auf den Herrn, Er wird euch nicht verlassen; bleibt bei Ihm, dann werdet ihr nicht fallen. Liebt Gott über alles; habt Liebe und Wahrheit; liebt eure Seligkeit; haltet dem Herrn euer Gelübde.

Es ist uns ein sehr liebreiches und tröstliches Testament durch einen guten Freund eingehändigt worden, welches Janneken Munstdorp, den Hans von Munstdorp Weib, nach ihres Mannes Aufopferung im Gefängnisse auf dem Steine zu Antwerpen an ihr liebes Töchterlein, das sie im Gefängnisse geboren hatte und welches damals ungefähr einen Monat alt war, geschrieben hatte, als sie täglich den Tod erwartete, zum ewigen Andenken und zum Abschied aus dieser argen Welt. Dasselbe lautet wie folgt: