2.614  Die Briefe und Testamente der Maeyken Wens, des Weibes des Matthäus Wens, eines Maurers, der in seinem Leben ein Diener der Gemeinde Gottes zu Antwerpen war; sie wurde den 6. Oktober 1573 aufgeopfert.

Ach, liebt Gott über alles auf dem Stein,
Da jetzt die Freude annoch ist sehr klein.
Doch hoff’ ich, daß es bald wird sein getan
Wenn Gott mich wird in Gnaden nehmen an.

Gnade und Friede von Gott dem Vater, durch Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn; derselbe wolle euch Weisheit und Verstand geben, damit ihr euch und eure Kinder weislich regieren und in der Furcht Gottes auferziehen mögt; darin wolle euch der gute Vater stärken und der Heilige Geist wolle euch in eurer Trübsal trösten. Dieses ist meines Herzens Gruß und Wunsch an dich, meinen lieben und sehr werten Mann in dem Herrn. Nebst allem Gruße lasse ich euch wissen, daß ich, dem Fleische nach, noch sehr wohlauf bin; ebenso hoffe ich auch, dem Geiste nach, dem Besten nachzukommen; aber mein Bestes ist nichts Besonderes, was mir leid ist, weil ich für dasjenige, was mir begegnet, nicht dankbar bin; denn es ist des Herrn Werk; man muss dem Herrn sowohl in Widerwärtigkeit danken, als wenn es dem Fleische wohl geht; denn wenn uns der Herr alles nimmt, so nimmt Er uns nicht mehr, als Er uns geliehen hat; es gehört uns nicht länger, als es dem Herrn gefällt. Ach, möchte ich dem Herrn doch allezeit ebenso wohl danken können, wenn es dem Fleische übel geht, als wenn es ihm wohl geht; in diesem Falle kann man dem Herrn wohl danken!

Ach, mein lieber Freund, ich hätte nicht gedacht, daß mir das Scheiden so schwer fallen würde, als es mir fällt; das Gefängnis war zwar schwer in meinen Augen, das kam daher, weil sie so tyrannisch waren; nun aber ist mir das Scheiden das Schwerste.

Ach, mein sehr geliebter und werter Mann, bitte doch den Herrn herzlich für mich, daß Er den Streit von mir nehmen wolle, denn es steht ja in seiner Gewalt, wenn es Ihm gefällt. Der Herr hat ja recht gesagt: Wer nicht alles verlässt, der ist meiner nicht wert; der Herr wusste es wohl, daß es dem Fleische schwer fallen würde, wiewohl ich hoffe, daß mir der Herr auch hindurch helfen werde, wie Er vielen getan hat; solches Vertrauen habe ich zu Ihm. Ach, wie gemächlich ist es, ein Christ zu sein, solange das Fleisch nicht auf die Probe gestellt wird, oder man nichts verlassen muss; dann ist es leicht, ein Christ zu sein.

Hiermit will ich mein Schreiben endigen, und dich und deine Kinder dem Herrn anbefehlen, damit du zu deines Nächsten Auferbauung und deiner Seele Seligkeit weislich wandeln mögest. Bleibe dem Herrn und dem reichen Worte seiner Gnade befohlen; das ist der gute Gruß und Wunsch meines Herzens. Was deinen beabsichtigten Besuch betrifft, so magst du tun, was dir gefällt, denn, wenn die Unkosten nicht wären, wollte ich deinen Besuch oft begehren; willst du aber dein Herz erquicken, so darfst du kommen; ich darf mehr nicht sagen, weil es so viel kostet; sonst wollte ich wohl, daß du bald kämest; vielleicht möchte Janneken niederkommen, oder auch wohl die Hebamme wiederkommen, um mich zu visitieren; dann könnte sie mir, wenn ich nicht schwanger wäre, bald davon helfen, denn ich darf es nicht versichern, daß ich schwanger bin; bisweilen dünkt mich, es sei dem so, aber größtenteils glaube ich, es sei dem nicht so. Der Herr gebe, daß es nicht sein möge, denn es ist auch nicht so schmerzlich für dich, wenn es nicht ist; ich hoffe noch immer mehr, daß es nicht sei, als daß es sei, aber ich will es dem Herrn übergeben, denn, wenn ich mir auch die Augen ausschreien würde, so muss es doch bleiben, wie es ist; es wäre ja ein Wunder, wenn ich jetzt schwanger wäre, da ich doch so lange gewartet habe. Wenn du kommst, so wende keine Kosten an, etwas mitzubringen, denn es kostet zu viel. Für dieses Mal nichts weiter, gehab dich wohl an Seele und Leib, das ist mir lieb. Grüße mir sehr die Bekannten in dem Herrn und auch die Freunde nach dem Fleische; meine Gesellschaft lässt dich auch sehr grüßen; auch müssen meine Kinder etwas haben.

Geschrieben in meinen Banden, von mir, Maeyken Wens.