2.611  Ein Testament, von Maeyken von Deventer für ihre Kinder gemacht.

Meine Kinder nach dem Fleische, und leider nicht nach dem Geiste, hier ein Testament, das ich, eure Mutter, hinterlasse, nämlich euch, Albert, Johann, Egbert, Truyken, meinen lieben Kindern; der Herr wolle euch segnen, wie Isaak seinen Sohn Jakob gesegnet hat, daß er über seine Brüder ein Oberster sein sollte. Meine Kinder, ich muss euch jung im Fleische hinterlassen; der Allerhöchste wolle uns in der zukünftigen Welt wieder zusammenkommen lassen, was durch den Vater, der uns väterlich mit seinem allerheiligsten Namen segnen wird, bald geschehen wird; von Tag zu Tag erwarte ich meinen Tod, damit, wenn es dem Herrn gefällt, ich mein Leben und meinen Leib um seines heiligen Namens willen aufopfern möge; ich hoffe auch, daß solches bald geschehen mag, und daß der gute Herr meiner länger nicht vergessen wird. Wenn ihr nun dieses hört, so betrübt euch nicht, wie die Welt tut, die keine Hoffnung hat, oder nicht weiß, wo sie bleiben wird, sondern dankt dem Allerhöchsten, daß ihr eine Mutter gehabt, die würdig erfunden worden ist, ihr Blut um des Namens des Herrn willen zu vergießen, und welche durch seine große Gnade und Barmherzigkeit ein Zeuge oder eine Märtyrerin genannt werden mag. Darum, meine Kinder, haltet dieses Testament, das ich euch hinterlasse, in Ehren; ich kann euch weder Gold noch Silber hinterlassen, kann euch auch keine weltlichen Schätze geben, wie die Welt ihren Kindern gibt, denn dergleichen habe ich nicht mitgenommen, sondern eurem fleischlichen Vater hinterlassen; ich habe sie auch nicht gesucht, sondern ich habe das ewige Gut gesucht, das unvergänglich ist. Sucht auch denselben Weg, so werdet ihr ewig leben; folgt diesem Testament nach und der Unterweisung, die ich euch hier schreibe, wie uns denn Christus Jesus, unser Vorgänger, dieses zu einem ewigen Testamente hinterlassen und es mit seinem Blute versiegelt hat; solches Testament lasse ich euch auch zurück; dasselbe will ich auch mit meinem Blute versiegeln, wie der Hochgelobte getan hat.

Meine Kinder, schlagt dieses nicht in den Wind, achtet es auch nicht gering, und seid nicht unachtsam; es ist besser als Gold, denn es wird eure Seele selig machen. Wenn ihr anders das tut, was ich euch schreibe, so werdet ihr mich wieder sehen, in großer Herrlichkeit, und ihr werdet Könige und Königinnen sein; aber ihr müsst euch der verderblichen Welt enthalten, denn sie wird mit allen ihren Wollüsten vergehen.

Hört, meine Kinder, die Unterweisung eurer Mutter, neigt eure Herzen zum Verstand, und öffnet eure Ohren, um die Reden meines Mundes zu hören, denn ich suche eurer Seelen Seligkeit. Glaubt mir und sonst niemandem, damit ihr zu mir kommen und ewig leben mögt. Seht, ich halte euch, meine Kinder, den Weg meines Bräutigams und unsers Vorgängers Jesu Christi vor, der mir vorgegangen ist; derselbe leitet zur Wahrheit, wie mir der Herr befohlen hat; und seht, ich nehme mein Kreuz auf und folge dem Heiland aller Welt nach; tut ein Gleiches, meine Kindlein; ich will euch vorgehen, ohne mich umzusehen, denn dies ist der Weg der Propheten und Märtyrer, und seht, ich werde nun den Kelch trinken, den sie getrunken haben; ich gehe nun den Weg, den Jesus Christus, der Herr voll aller Gnade und Wahrheit (der das Leben für seine Schafe gelassen) gewandelt ist; diesen Kelch muss ich trinken, wie Christus spricht: Ich muss einen Kelch trinken, und mit einer Taufe mich taufen lassen, und wie ist mir so bange, bis die Stunde erfüllt ist. Und als er nun durchgegangen war, rief Er seinen Schafen; seine Schafe aber hören seine Stimme und folgen Ihm nach, wo Er auch hingeht, denn dieses ist der Weg Zur lebendigen Quelle; diesen Weg sind die priesterlichen Könige durchwandelt, die vom Aufgang der Sonne kamen, wie in der Offenbarung steht, und in die Zeit der Ewigkeit eingegangen sind; siehe, diese haben diesen Kelch trinken und diesen Weg durchwandeln müssen; diese liegen nun unter dem Altare, rufen und sagen: Herr, allmächtiger Vater, wie lange rächst Du unser Blut nicht an denen, die auf Erden wohnen? Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Kleid gegeben, und es ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis die Zahl ihrer Brüder erfüllt ist, die auch noch um des Zeugnisses Jesu Christi willen getötet werden sollen; diese haben auch den Kelch getrunken, und sind hinaufgestiegen, den ewigen Sabbat des Herrn zu halten; auch haben diejenigen diesen Kelch trinken müssen, die gekrönt worden sind und Palmzweige in ihren Händen haben, und mit glänzenden Kleidern angetan worden sind. Dieses ist auch der Weg, den die vierundzwanzig Ältesten gewandelt sind, die vor dem Throne Gottes stehen und ihre Kronen von ihren Häuptern und ihre Harfen vor den Stuhl des Lammes werfen, auf ihre Angesichter fallen und sagen: O Gott, dir gebührt allein Preis, Ehre und Herrlichkeit, Kraft und Stärke, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Herr, allmächtiger Gott, der du das Blut deiner Knechte und Diener bald rächen wirst; Du wirst den Sieg selbst davontragen; groß sei dein Name, der war, ist und kommen soll! Auch sind die Gezeichneten des Herrn auf diesem Wege gewandelt, die das Zeichen des Herrn an ihren Stirnen hatten, die aus allen Geschlechtern der Menschen erwählt waren, die nicht mit Weibern befleckt waren, sondern dem Lamme nachfolgen, wo es hingeht. Seht, diese haben den Kelch der Bitterkeit trinken müssen, sowie auch alle diejenigen, die noch mangeln, bis die Zahl Zions erfüllt sein wird, welche die Braut des Lammes und das neue Jerusalem ist, das vom Himmel herabsteigen wird, in welcher Stadt der Thron der Herrlichkeit des großen Königs offenbart und gesehen werden soll, zu der Zeit, wenn man das hochzeitliche Fest halten und feiern wird, an dem Tage des hohen und heiligen Zebaoths, des Herrn, ihres Gottes; dieses ist der Tag ihrer Ruhe und Freude.

Seht, diese alle haben zuerst das Gericht an ihrem Fleische erlitten, und haben die Strafe dieser Welt ertragen müssen, von denen Jesus Christus der Erste gewesen ist, wie geschrieben steht: Das Lamm ist von Anfang erwürgt worden; und Paulus sagt: Diejenigen, die Er zuvor ersehen hat, die hat Er auch verordnet, daß sie dem Bilde seines Sohnes gleich sein sollten; auch sagt Christus, unser Heiland, daß der Knecht nicht besser sei, als sein Herr, noch der Jünger über seinem Meister, sondern daß es dem Jünger genug sei, wenn er wie sein Meister ist. Dieses bezeugt uns Petrus auch, wenn er sagt: Es ist Zeit, daß das Gericht an dem Hause Gottes anfange; wenn es aber nun an Gottes Auserwählten anfängt, was wird es mit denen für ein Ende nehmen, die dem Evangelium Gottes nicht geglaubt haben, und wenn der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Ungerechte erscheinen?

Darum, meine lieben Kinder, dringt doch ein durch diese enge Pforte, denn der Weg ist eng und schmal, der zum Leben führt, und wenige sind derer, die ihn finden, und noch weniger, die ihn wandeln; aber der Weg ist weit und breit, der zur Verdammnis führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln.

Darum, meine Kinder, nehmt der Züchtigung des Herrn und seiner Unterweisung wahr, und beugt eure Schultern unter sein Joch und seine leichte Last; tragt es von eurer Jugend an mit Geduld, und dankt Ihm mit großen Ehren, denn Er stäupt einen jeden Sohn, den Er aufnimmt. Wenn ihr nun die Züchtigung verlasst, deren wir doch alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr keine Kinder, sondern Bastarde, und werdet von eures Vaters Gut ausgestoßen werden.

Darum, meine lieben Kinder, umgürtet eure Lenden und folgt Christo nach; fürchtet euch nicht und ruht auch nicht, bis ihr diesen Weg gefunden habt. Forscht in der Schrift, sie wird euch den Weg des Lebens weisen, denn der Engel sagt zu Esra: Es ist eine Stadt voller Güter, die ist auf einem ebenen Felde erbaut und gesetzt; ihr Eingang aber ist enge, und an einem jähen Orte, sodass zur rechten Hand Feuer, zur linken aber ein tiefes Wasser ist; es ist aber hierzwischen, das ist, zwischen Feuer und Wasser, ein enger Fußsteig, sodass auf demselben nur ein einziger Mensch gehen kann; wenn aber diese Stadt einem zum Erbe gegeben würde, wie würde er sein Erbe einnehmen können, wenn er sich nimmer durch die vorgesetzte Gefahr wagen würde? Seht, meine Kinder, auf diesem Wege gilt kein Weichen; auch sind da keine Umwege, die zur linken und rechten Seite abgehen; dieses ist der Weg, der von wenigen gefunden, aber von noch wenigeren bewandelt wird; es sind zwar wohl einige, die recht gut wissen, daß dieses der Weg zum Leben sei, aber er ist ihnen zu steil; es wird ihnen viel zu schwer.

Deshalb, meine Kinder, achtet nicht auf die Masse und große Menge; tretet auch nicht auf ihre Wege; weicht mit euren Füßen von ihrem Pfade, denn sie gehen zur Hölle, wie die Schafe zum Tode, wie der Prophet Jesaja uns berichtet, wenn er sagt: Die Hölle hat ihren Rachen weit aufgetan, damit die Fürsten der Erde und das gemeine Volk da hineingehen, denn es ist ein unverständiges Volk; darum wird ihnen derjenige nicht gnädig sein, der sie erschaffen hat.

Aber, meine Kinder, denkt an das, was ich schreibe, und wenn ihr hört, daß ein schlechtes, verworfenes Häuflein sei, das von dieser Welt verworfen und verstoßen ist, so haltet euch zu demselben, und wenn ihr hört, wo das Kreuz Christi sei, dort weicht nicht, sondern flieht den Schatten dieser Welt; wendet euch zu Gott; lasst Ihn allein eure Furcht sein; bewahrt seine Gebote; haltet alle seine Worte, daß ihr darnach handelt; schreibt sie auf die Tafeln eurer Herzen und bindet sie auf eure Stirne, und redet von seinen Gesetze Tag und Nacht, dann werdet ihr ein lieblicher Zweig in dem Garten des Herrn, ja, eine annehmliche Pflanze sein, die in Zion aufwächst.

Meine Kinder, nennt die Furcht des Herrn euren Vater, so wird die Weisheit und der Verstand eure Mutter sein; wenn ihr dieses tun werdet, meine Kinder, so wird euch der Herr segnen und euren Leib zu seinem Dienste heiligen, damit sein Name durch euch geheiligt und groß gemacht werden möge zu seinen Ehren. Bekennt Ihn vor den Menschen, damit Er auch euch vor seinem himmlischen Vater wieder bekennen möge; ja verlasst lieber euer Leben, meine Kinder, ehe ihr von der Wahrheit weichen solltet, und folgt mir nach; ich gehe vor euch her, als eine tapfere Kriegerin, die zu des Herrn Krieg oder Streit bereit ist, um mein Leben für des Herrn Namen zu übergeben. Meine Kinder, ich, eure Mutter, die ich ein Werkzeug bin, durch welches ihr in diese betrübte Welt gebracht worden seid, mich verlangt nach eurer Seligkeit; glaubt dem, was ich euch schreibe und hinterlassen habe, und sonst niemandem, es sei denn, daß es mit der heiligen Schrift übereinkomme. Wenn ihr das tut, so werdet ihr zu mir kommen, und ich zu euch, und wenn ihr euren Leib verliert, der von der Erde ist, so hat euch der Herr einen bessern zubereitet im Himmel. Darum, meine Kinder, streitet tapfer für die Wahrheit und Gerechtigkeit bis auf den Tod, und wappnet euch mit den Waffen Gottes, damit ihr als tapfere Israeliten erfunden werden mögt. Zertretet die Welt mit aller ihrer Ungerechtigkeit; liebt und sucht allein das, was droben ist, und bedenkt, daß ihr nicht von der Welt seid, gleichwie euer Herr und Meister auch nicht davon gewesen ist, und wendet allen Fleiß an, daß ihr als Jünger erfunden werden mögt, dann wird euch alles widerfahren, warum ihr bittet; denn niemand kann Christum einen Herren heißen, als durch den Heiligen Geist, denn die wahren Anbeter werden Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Für diese hat Christus gebeten, nicht aber für die Welt; denn wenn die Welt betet, so ruft sie den Teufel an und begehrt, daß sein Wille in ihr geschehen möge.

Darum, meine lieben Kinder, stellt euch ihr nicht gleich; flieht von ihr und habt keine Gemeinschaft mit ihr. Achtet doch nicht, was schön vor den Augen ist, denn es ist alles nichts; sucht allein das, was droben ist, sucht das, was himmlisch ist, und nicht, was irdisch ist, und lasst eure Augen allezeit auf den Herrn sehen. Arbeitet allezeit mit Beten und Flehen, damit ihr allezeit mit dem Herzen bei Ihm sein mögt; euer Lachen verwandle sich in Weinen, denn wir sind hier Pilger auf Erden; darum lasst euch nichts hier auf dieser Welt erfreuen, denn es ist alles Eitelkeit und vergänglich. Hütet euch vor der Begierde nach irdischen Gütern, denn das ist das rechte Fundament des Verderbens. Seid meiner eingedenk; der Herr lasse euch in seiner Furcht wandeln, und erfülle euch mit seinem Heiligen Geiste, und heilige euren Verstand und eure Sinne. Meine Kinder, seid vorsichtig in all eurem Wandel, und alles, was ihr tut, darin lasst den Namen des Herrn gepriesen und gesegnet sein. Bewahrt euren Mund, damit ihr den Namen Gottes nicht leichtfertig in euren Mund nehmt, denn es ist eine große, unerkannte Sünde; nennt auch den Namen Gottes nicht, es sei denn, daß ihr es mit großer Ehrerbietigkeit, mit gebeugten Knien und mit entblößtem Haupte tut, oder es wird euch übel aufgenommen. Bittet Gott, daß ihr Ihn kennen lernen mögt, und schämt euch nicht, den zu bekennen und zu ehren, der eure Seelen selig machen kann; denn der Herr will solches nicht dulden von seinem Volke, daß es Ihn verleugnet, indem es genug ist, daß die Welt Ihn verunehrt. Darum lasst uns seinen heiligen Namen ehren, loben und preisen von ganzem Herzen, denn es steht geschrieben, daß der Herr den nicht ungestraft lassen werde, der seinen Namen missbraucht.

Darum, meine Kinder, habt euren Nächsten von Herzen lieb, und das mit einem ausgebreiteten Herzen. Lasst das Licht des Evangeliums in euch leuchten; gebt den Hungrigen euer Brot; kleidet die Nackenden, und leidet es nicht, daß ihr etwas doppelt habt, denn es sind deren genug, die es bedürfen. Alles, was euch der Herr vergönnt, das besitzt mit Dankbarkeit, nicht allein für euch, sondern auch für euren Nächsten, und sucht nicht euren eigenen Nutzen, sondern den eures Nächsten. Summa, meine Kinder, lasst euer Leben dem Evangelium Christi gleichförmig sein. Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Testamentes unseres Herrn Jesu Christi von den Toten auferweckt hat, der mache euch zu allen guten Werken tüchtig, seinen Willen zu erfüllen, und schaffe in euch, was vor Ihm gefällig ist, damit euer ganzer Geist, eure Seele und Leib auf die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi unsträflich erfunden werden möge, welchem sei Preis, Kraft, Majestät, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.