2.579  Hans Knevel, 1572.

Es ist vielen Menschen bekannt, daß durch die falsche Lehre des Antichristen die Welt so verdorben und die Ungerechtigkeit (nach der Weissagung Christi) so sehr die Oberhand genommen hat, daß die Prinzen und Könige der Erde, durch dessen verführenden Wein der Unkeuschheit, ihre angeborene redliche Natur verlassen haben, obgleich sie im Allgemeinen gegen ihre eigenen Freunde und Blutsverwandten, sowie auch gegen diejenigen, die sie lieben, und die ihnen wohl tun, Liebe und Barmherzigkeit zeigen. Solche Redlichkeit scheint in vielen Prinzen und Regenten dieser Welt aufgehört zu haben, sodass sie nun, statt ihrer angeborenen Redlichkeit, den unvernünftigen Tieren gleich sind, die von Natur zum Fangen und Würgen geboren sind. Solches hat sich auch um das Jahr 1572 in der Stadt Antwerpen gezeigt, wo sie einen frommen Nachfolger Christi, Namens Hans Knevel, in ihre Gewalt bekommen haben. Dieser war jung von Jahren, und noch ein lediger Gesell, seines Handwerks ein Tuchscherer. Die Veranlassung zu seiner Gefangennahme ist folgende: Einer seiner besten Freunde ist von dem Markgrafen und einem seiner Diener erkannt worden, weshalb dieselben es darauf anlegten, ihn zu fangen. Als dieser Anschlag dem Hans Knevel (in seiner Werkstätte, wo er arbeitete) bekannt wurde, hat er seinen Freund mit großem Ernste davor gewarnt und ihm geraten, fortzuziehen; er selbst war Willens, ihn zu begleiten; sie haben sich sodann miteinander nach Hamburg begeben, und als sie dort eine Zeitlang gewohnt haben, ist Hans Knevel wieder nach Antwerpen gezogen, und hat sich mit dem Wollverkauf zu ernähren gesucht. Darauf ist der Markgraf mit seinen Dienern ungefähr um zehn Uhr in seine Wohnung gekommen und hat ihn gefragt: Ist dein Name nicht Hans Knevel? Er antwortete: Ja, worauf der Markgraf sagte: Du bist ein Wiedertäufer; du musst mit mir gehen; er musste ihm auch sagen, wie er mit seinem guten Freunde, Steven Jans Dilburg, von da nach Hamburg gezogen sei; er wurde in ein finsteres Loch gelegt, und darauf auf einen Montag vor die Herren gestellt, nämlich vor den Markgrafen, den Schultheißen, zwei Gerichtsherren und den Schreiber des Blutgerichtes. Als nun dieser Freund Gottes, Hans Knevel, aus Bescheidenheit sich zuerst weigerte, sich sofort niederzusetzen, sprach der Schultheiß: Setze dich nieder und tue, was man dir heißt; du bist ja deinem Volke untertänig, du musst uns auch untertänig sein. Als sie ihn fragten, was er von ihrer Kindertaufe hielte, antwortete Hans, daß er in dem Neuen Testamente nichts von einer Kindertaufe gelesen hätte, darum könnte er auch nichts davon halten. Frage: Ob er auch auf seinen Glauben getauft wäre. Antwort: Ja. Frage: Vor wie langer Zeit ist es geschehen? Hans hat solches gesagt, und daß es zwischen Kronenburg und dem Dever geschehen sei; dies haben sie so niedergeschrieben. Frage: Wo er die Ermahnung gehört und wen er dort gesehen hätte. Er nannte ihnen einige Personen und einige, die schon aufgeopfert waren. Darauf sagten sie: Du nennst uns Leute, die entweder das Land verlassen haben oder verbrannt sind; wir wollen solche wissen, die hier wohnen, und die eure Lehrer und Diener des Wortes sind; auch sagten sie, daß dergleichen Leute, wie er, der Gefangene, einer wäre, nirgends Freiheit hätten, und überall herumlaufen müssten. Hans antwortete, daß auch Christus selbst nirgends Freiheit gehabt hätte. Solches nahmen sie übel auf, daß der Gefangene sich neben Christus zu setzen suchte. Der Markgraf sagte: Ihr habt zu Hamburg auch keine Freiheit. Hans antwortete: Man bringt wenigstens dort niemanden um Gut, Leib und Leben, wie man hier tut. Markgraf: Was tut man denn dort? Hans: Man schickt sie zur Stadt hinaus. Markgraf: So müssen sie denn wieder in eine andere gehen? Hans: Ja, aber ehe sie die Städte Israels alle durchwandelt sind, wird ihre Erlösung vor der Türe sein. Darüber lachten sie. Markgraf: Man wird dir Gelehrte verordnen, und wenn du dich unterrichten lassen willst, wird man dir Gnade erzeigen. Hans: Ja, ihr würdet mir solche Gnade erzeigen, daß ich einen Schnitt in meinen Hals bekommen würde. Markgraf: Nein, sondern man wird dich in Freiheit setzen. Hans: Wenn dem so wäre, wie du sagst, so würdest du mein Fleisch lieben, aber meine Seele beneiden. Markgraf: Nein, sondern ich liebe dein Fleisch und deine Seele noch bei weitem mehr, weil du noch jung und unschuldig dazu gekommen bist; willst du aber nicht gehorchen, so soll es dir gehen, wie den andern.

Hans sagte, er sei damit wohl zufrieden, und so sind sie voneinander geschieden. Nachher wurde dieser Gefangene des Herrn drei Tage nacheinander vor einen Pfaffen gebracht, der aus allen Kräften dahin gearbeitet, um diesen Gefangenen von seiner falschen Lehre zu überzeugen, und nach ihrer alten Gewohnheit viele Dinge erzählt hat, welche dieser Freund Gottes nicht wert achtete, sie an seine Freunde zu schreiben; insbesondere redete der Pfaffe vieles über Röm 13; damit wollte er das Morden und Erwürgen von Seiten der römischen Kirche beweisen, daß die Obrigkeit das Schwert nicht umsonst trüge, und daß man darum gehorsam sein müsste. Hans antwortete, daß er der Obrigkeit in Zoll, Schätzung und dergleichen Dingen wohl gehorsam sein wollte, aber der Pfaffe sollte sich billig schämen, daß er ihr böses und abscheuliches Morden und Brennen noch mit der Schrift zu beweisen suchte; auch fragte er ihn, wo Christus und seine Apostel solches jemals getan hätten. Und als er den Pfaffen ferner fragte, warum er zu ihm gekommen wäre, antwortete der Pfaffe: Um deine Seele zu gewinnen. Hans Knevel sagte ihm, wenn er Seelen zu gewinnen suchte, sollte er in der Stadt herumgehen, in die unehrlichen Häuser, in die Sauf- und Ballhäuser, und zu denen, die so viel unschuldiges Blut vergießen; deren Seelen sollte er zu gewinnen suchen; die seine hätte Christus gewonnen. Also ist dieser Gefangene fünfmal mit dem Pfaffen im Streite gewesen; darauf ist er auch einige Mal auf die Folterbank gelegt worden; aber der Herr, sein Gott, auf dessen Gnade er vertraute, hat ihm nach seiner Verheißung auch treuen Beistand geleistet. Als er aber wieder vor die Herren kam, wurde er sehr getadelt, warum er die von ihnen gesandten Gelehrten nicht hätte hören wollen. Hans antwortete: Eure Gelehrten wollten mir eine Kindertaufe weißmachen, von der doch die Schrift nirgends redet, wobei er den Herren die Schriftstellen von der rechten christlichen Taufe nachzuweisen sich erbot, aber die Herren wollten ihn nicht hören, sondern ließen sich dahin aus, daß sie keine Einsicht davon hätten. Hans sagte, wie sie denn über eine solche schwere Sache urteilen dürften, woran doch Leib und Seele hänge, von welcher sie aber doch, nach ihrer eigenen Angabe, keine Einsicht hätten.

Nachdem er nun ungefähr neun Tage in des Kaisers Stuhl in schwerer Gefangenschaft gelegen hatte, ist er abermals vor den Markgrafen und den Schreiber des Blutgerichts gefordert worden. Der Markgraf sagte ihm, daß er einen Brief von dem Herzoge empfangen hätte, des Inhalts, daß der Gefangene noch mehr und schärfer untersucht werden müsste. Hans antwortete, daß er ihnen keinen näheren Bescheid sagen könnte; darum musste er abermals auf die Folterbank. Als sie nun weiter nichts aus ihm herausbringen konnten, ließen sie ihn herunter. Hans sagte: Wie mögt ihr uns so quälen, da doch niemand über uns klagt, daß wir jemandem ein Leid zugefügt haben? Der Markgraf sagte: Ihr wollt der Obrigkeit nicht gehorchen. Hans antwortete: Wir wollen der Obrigkeit gern gehorsam sein in allen Schätzungen, in Zoll und Accise, ja, es wäre uns leid, wenn wir derselben einen Stüber von dem, was ihr gebührt, vorenthalten sollten. Da verglichen sie ihn mit den Münsterschen. Hans sagte, daß sein Glaube so weit von der Münsterschen Sekte unterschieden wäre, als der Himmel von der Erde. Nachdem sie nun jede Qual, Versuchung und ihren Mutwillen an ihm erschöpft hatten, und er, der Gefangene, keineswegs zu bewegen war, denn er stand fest gebaut auf den Eckstein Jesum Christum, so hat man ihn zu Antwerpen auf dem Markte um das Jahr 1572 an einem Pfahle verbrannt, und so hat er den Glauben der Wahrheit mit seinem Tode und Blute befestigt, allen wahren Christen zum lehrreichen und beständigen Exempel, denn er hat nun den Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Krone der ewigen Herrlichkeit von Gott aus Gnaden erlangt, und ruht nun mit allen seinen Mitstreitern und gesetzmäßigen Kämpfern unter dem Altare Christi Jesu.

Diese Geschichte haben wir hauptsächlich aus Hans Knevels eigenem Briefe genommen, den er aus dem Gefängnisse zu Antwerpen an seinen lieben Bruder Steven Janß Dilburg und sein Weib Leentgen in Hamburg geschrieben hat, worin er den festen Grund seines Glaubens und die lebendige Hoffnung auf Gottes Gnade und zugesagte selige Verheißungen weitläufig zu erkennen gibt, aber um die Ausdehnung zu vermeiden, haben wir diesen Brief ausgelassen, wie wir auch mit vielen andern dergleichen Schriften getan haben.