2.53  Veit Pilgrims zu Glabbek im Jahre 1532.

Hier dürfen wir auch nicht des Veit Pilgrims, eines hochdeutschen Bruders, tapfere und von Gott gestärkte Standhaftigkeit verschweigen, welcher nichts höher achtete als die Seligkeit seiner Seele, und welcher, der Grausamkeit derjenigen ungeachtet, welche den Fußstapfen Kains im Vergießen des unschuldigen Blutes nachfolgen, das Evangelium in aller Aufrichtigkeit und Einfalt darnach eingerichtet hat. Als aber die Welt durch sein heiliges Leben in ihrer Bosheit gestraft wurde, hat sie solches nicht ertragen können; deshalb hat man ihn zu Glabbek im Herzogtume Gülch im Jahre unseres Herrn Jesu Christi 1532 im Winter gefangen genommen, und wiewohl er bereit gewesen, seine Lehre und sein Leben mit dem Leiden zu versiegeln, so ist er doch damals durch die Hilfe seiner Freunde und Blutsverwandten erlöst und aus dem Kerker befreit worden. Weil er aber diesen Himmelsweg in Heiligkeit und Gottseligkeit unverzagt betreten hatte, so ist er den Blutdürstigen abermals in die Hände gefallen, und hat von den Gottlosen viel Leiden ertragen müssen; auf der einen Seite haben ihn die Pfaffen und Mönche durch vieles und loses Wortstreiten mit allerlei List und Nachstellung (wiewohl umsonst) zum Abfalle zu bewegen gesucht; auf der andern Seite aber haben sie ihn durch scharfes und strenges Peinigen abschrecken wollen; er hat aber alle Qual und Pein überwunden, die Wahrheit tapfer bestätigt und bezeugt, dass er über alles Zeitliche und Sichtbare noch ein höheres, das ist ein ewiges Himmelsgut zu seinem Ziele habe; darum hat er auch sein Leben nicht geachtet, sondern es für eine Seligkeit gehalten, um des Namens Christi willen zu leiden, und hat mit einer außerordentlichen Freimütigkeit gesagt: Er hoffe nun, das Schäflein sei zum Schlachten tüchtig und fett genug. Die Blutdürstigen, welche sonst keinen Tadel an diesem unüberwindlichen Helden und Streiter Christi finden konnten, haben zu den grausamsten Mitteln ihre Zuflucht genommen; sie haben bewirkt, dass sein Todesurteil ausgesprochen worden ist. Als nun die Zeit seiner Aufopferung herannahte, haben sie, o unmenschliche Tyrannei, seine linke Seite geöffnet und siedend heißes Öl hineingegossen; dann haben sie ihn verächtlich auf einen Schlitten gelegt und nach dem Richtplatze geführt, wo er seine Seele Gott befohlen hat und zu Asche verbrannt worden ist.