2.546  Douwe Geuwoutß, 1571.

Diejenigen, welche den Worten und Geboten Gottes recht nachzufolgen sich bestrebten, müssen öfters von den Weltgelehrten große Verachtung und Verfolgung leiden, wie man zu Leeuwaarden in Friesland an dem Bruder Douwe Geuwoutß gesehen hat, welcher den 3. Januar 1571 um des Namens Christi willen, fünf Kindlein allein im Hause lassen und sich in ein dunkles Loch hat gefangen legen lassen müssen, in welchem er eine lange Zeit bei den Übeltätern liegen musste, welches er (mit dem Verlangen nach seiner Aufopferung) geduldig erlitten hat. Darauf wurde er von dem Bischofe und mehreren andern verhört, die ihn sehr quälten und zum Abfalle zu bringen suchten; aber alle Mühe war umsonst. Sie fragten ihn nach seinem Glauben; denselben bekannte er ihnen freimütig; auch priesen sie ihm des Papstes Krämerei sehr an, aber er sagte, er wolle sich an Gottes Gebote halten, und Menschengebote fahren lassen. Er bewies auch, daß ihre Betzeiten, Messe, Firmen, Salben, Beschwören und andere Dinge mit Gottes Wort nicht übereinkamen; nicht weniger hat er sie auch gebeten, daß, weil ja er seinen Glauben bekannt hätte, sie ihn ferner nicht mehr quälen, sondern seine Leiden und Beschwerden verkürzen wollten, denn er sei bereit, sein Leben für die Wahrheit zu lassen, indem er wohl wüsste, daß er alsdann die Krone des Lebens zu erwarten hätte. Endlich hat ihn der Bischof als einen Ketzer verdammt und den weltlichen Richtern übergeben, um mit ihm nach des Königs Befehle zu Verfahren (denn diese genannten Christen dürfen niemanden töten, wie denn auch die Pharisäer niemanden töten durften). In Folge jenes bischöflichen Ausspruchs wurde Douwe Geuwoutß nach langer Gefangenschaft, den 12. Oktober im Jahre 1571 zum Tode verurteilt, daß er die nächstfolgende Nacht ertränkt werden sollte. Als er dieses hörte, hat er sich tapfer als ein Glaubensriese erwiesen, und hat nicht mehr vor dem Tode gebebt, sondern hat sehr nach dem neuen Jerusalem verlangt; unerschrocken saß er in der Stube mit entblößtem Haupte, und hat seinen himmlischen Vater mit Dank, Lob und Gebet verehrt, bis seine Abschiedsstunde herankam. Als sie ihn in einen Sack steckten, fing er an zu singen: Ich armes Schäflein an der Heide. Viele, die gegenwärtig waren, rühmten seine Hochherzigkeit, weil er so freiwillig und mit solch einem fröhlichen Gemüte dem Tode entgegenging.

Also ist er aus diesem zeitlichen Jammertale sehr freudig geschieden und hat sein Leben im Wasser geendigt; demnach ruht er jetzt unter dem Altare, und erwartet dort die ewige Freude, die allen lieben Kindern Gottes verheißen ist.