2.531  Gerrit Corneliß.

Im Jahre 1571 wurde zu Amsterdam in Holland um der Wahrheit willen ein junger Bruder, namens Gerrit Corneliß, als er in einem Flussschiffe mit der Arbeit beschäftigt war, gefangen genommen. Der Schultheiß band ihn, und brachte ihn auf das Stadthaus; dort ward er des andern Tages verhört und wegen seines Glaubens untersucht, welchen er freimütig bekannt hat; als sie aber wollten, daß er einige von den Mitgliedern offenbaren sollte, hat er solches verweigert und deshalb die Folter ausstehen müssen. Als er nun einmal gepeinigt war, und sich wieder angekleidet hatte, verbanden sie seine Augen mit einem Tuche, und als sie seine Hände zusammengebunden hatten, haben sie ihn daran in die Höhe gezogen und ihn so hängen lassen; darnach zogen sie ihm seine Kleider wieder aus und strichen ihn scharf mit Ruten; dessen ungeachtet, wie sehr sie ihn auch peinigten, hat er doch niemanden verraten; sodann legten sie ihn abermals auf die Folterbank, und ließen ihn zum zweiten Male mit Ruten geißeln, ihm Urin in den Mund gießen und brennende Kerzen unter seine Arme halten; hiernächst wurde er abermals nackend ausgezogen und ihm das Hemd vor die Scham gebunden, wonach er, wie zuvor, mit einem Gewichte an den Füßen bei den Händen aufgewunden worden ist; in diesem Zustande ließen sie ihn hängen und sind hinausgegangen. Als sie nun eine Zeitlang darauf wieder hineinkamen, haben sie trotzig zu ihm gesagt, wenn er niemanden verraten wollte, so wollten sie so den ganzen Tag mit ihm umgehen; aber Gott, dem er dafür dankte, bewahrte seinen Mund dergestalt, daß durch seine Reden niemand zu Schaden kam. Summa, er wurde so gepeinigt, daß er nicht gehen konnte, sondern getragen werden musste.

Einige Tage darauf, als er vor Gericht gebracht wurde, haben sie ihn spöttisch mit einem Blumenkranze gekrönt, und dahin verurteilt, daß er erwürgt und verbrannt werden sollte. Als er das Urteil hörte, hat er sich freudig und geduldig bezeugt, bis er zum Pfahle kam, wo er sein Gebet in folgender Weise sehr brünstig verrichtet bat: O Vater und Herr, sei mir gnädig, laß mich eines deiner geringsten Schäflein oder das geringste Glied an deinem Leibe sein. O Herr, der du von oben herab siehst und die Herzen und alle Heimlichkeiten kennst, vor welchem alle Dinge als nichts zu achten sind, du kennst meine aufrichtige Liebe zu dir, nimm dich doch meiner an und vergib es ihnen, die mir dieses Leid verursachen. Als er aufstand, rief er zum Volke: O Menschen, wie lang ist ewig, wie lang ist ewig, das Leiden aber hier ist bald geschehen; doch ist der Streit hier so bitter und streng. Ach, wie bange ist mir noch! O Fleisch, erdulde und widerstehe noch ein wenig, denn dies ist der letzte Streit. Als nun der Strick um seinen Hals gelegt war, rief er: O himmlischer Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Mit diesen Worten ist er gestorben und nachher verbrannt worden. Also hat er sein Opfer getan, und hat tapfer für den Namen Christi gestanden, und weder Pein, Leiden, Schande, noch die Herren dieser Welt gescheut, sondern hat tapfer bis zum Tode gestritten; darum wird auch am jüngsten Tage, wenn das getötete Lamm das Buch öffnen wird, sein Name darin gefunden werden; die Abgefallenen dagegen werden in die Erde geschrieben werden, die Erde aber, mit den Werken, die darin sind, wird verbrennen.

Da wir eine treue Abschrift aus dem Buche des Blutgerichts der Stadt Amsterdam, sowohl des Todesurteils, als auch der zweimaligen Folter, welche dieser Freund Gottes vor seinem Tode ausgestanden hat, und auch eine zuverlässige Nachweisung, wann solches alles geschehen sei, erhalten haben, so halten wir es für angemessen, dieselbe beizufügen, damit niemand an dem Vorgemeldeten Zweifel habe, sondern davon sattsam versichert sein möge.