2.50  Martin, der Maler, Wolfgang Eslinger, Pain, Melchior und noch drei, im Jahre 1531.

Martin, der Maler, ein Diener des Wortes Gottes, ist in diesem Jahre 1531 mit sechs anderen um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen aus der schwäbischen Gemeinde gefangen genommen worden. Nachdem nun mit ihnen vieles verhandelt worden ist, hat man ihnen endlich verheißen, dass, wenn sie Widerrufen wollten, sie unbekümmert nach Hause zu ihren Weibern und Kindern gehen könnten. Hierauf haben sie fröhlich mit nein geantwortet und gesagt, dass sie nicht abfallen, sondern willig sterben wollten. Als sie nun beinahe ein Jahr gefangen gelegen, hat man sie alle sieben zum Tode verurteilt. Man führte sie in das Rathaus und las ihnen einige Artikel ihrer Lehre vor. Als man ihnen den ersten Artikel vorlas, sprach Bruder Wolfgang Eslinger: Gleichwie ihr heute richtet, so wird euch Gott auch richten, wenn ihr vor sein Angesicht kommt. Gott wird euch wohl kennen. Als man ihnen den dritten Artikel vorlas, sagte Bruder Pain: Ihr besudelt eure Hände mit unserem Blute; Gott wird euch solches in Wahrheit nicht schenken, sondern es von euch fordern. Als man den vierten Artikel las, sprach Bruder Melchior: Wir wollen es heute mit unserem Blute bezeugen, dass dieses die Wahrheit sei, worin wir stehen. Als man ihnen den fünften Artikel vorlas, sprach Bruder Wolfgang zum zweiten Male: Lasst ab von euren Sünden und Ungerechtigkeiten und tut Buße, so wird euch Gott solches nimmermehr zurechnen. Nachher hat man sie alle sieben mit einem Geleite und einer Wache nach dem Gerichtsplatze hinausgeführt, woselbst sich der Bruder Martin, gleichwie auch die übrigen, Gott seinem Herrn anbefohlen und ihn gebeten hat, dass er ihnen ein seliges Ende verleihen und seine Schäflein in seine Fürsorge nehmen wolle. Als man sie auf die Wiese oder den Acker brachte, sagte des Müller Knecht (welcher ungefähr 16 Jahre alt war) zu dem umstehenden Volke, sie sollten von ihren Sünden ablassen und sich zu Gott bekehren, denn es sei kein anderer Weg zum Himmel als durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher den Kreuzestod erlitten und uns erlöst hat. Als man sie nun in den Kreis führte, ist ein Edelmann zu diesem Knechte in den Kreis geritten und hat ihn also ermahnt und gebeten: Mein Sohn, laß ab von deiner Verführung und widerrufe sie; was lässt du dir weis machen, schone dein junges Leben, ich will dich mit mir nachhause führen und dich stets bei mir behalten; wenn du mir folgst, sollst du lebenslänglich gute Tage bei mir haben. Der Knecht aber sprach: Solches wolle Gott niemals zulassen, dass ich das irdische Leben behalten und das ewige verlieren sollte; daran würde ich töricht handeln; ich will solches nicht tun; dein Gut kann weder dir noch mir helfen; ich erwarte ein besseres, wenn ich bis an das Ende beständig bleibe. Ich will meinen Geist Gott übergeben und Christo anbefehlen, damit sein bitteres Leiden, welches er am Kreuze erlitten hat, an mir nicht umsonst sei. Dieser Knecht war in seinem Gemüte von Gott erfüllt, denn obwohl er an Jahren jünger als seine anderen Brüder gewesen ist, so waren sie doch, was das Gemüt betrifft, von gleichem Alter. Also haben sie alle sieben Gott und seine Wahrheit ritterlich und mit Freuden bis zum Tode und Blutvergießen bekannt.

Dieser oben erwähnte Martin sagte, als man ihn über die Brücke führte: Nur dieses Mal noch werden die Frommen über die Brücke geführt, dann aber nicht mehr. Solches ist auch geschehen, denn es hat sich nicht lange darauf zugetragen, dass ein solches Ungewitter und eine solche Wasserflut entstand, dass durch deren Ungestüm die Brücke eingerissen und fortgetrieben wurde.