2.506  Noch ein Brief von Joost Verkindert, den 2. Juli aus dem Gefängnisse an sein Weib geschrieben.

Gnade, Freude, Friede, von Gott dem Vater und unserm Herrn Jesu Christo, samt dem Tröster, dem Heiligen Geiste, der von dem Vater und Sohne ausgeht, um alle diejenigen zu trösten, die in mancherlei Druck und Trübsal sind, wolle sich bei dir vermehren; welchem sei Preis, Ehre, Herrlichkeit, das Reich, Kraft und die Majestät, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Dieses wünsche ich zum herzlichen und freundlichen Gruße meinem lieben und werten Weibe und Schwester in dem Herrn, welche ich nebst meinen Kindern aus meines Herzens Grunde liebe und deren Abwesenheit nur in meinen Banden eine so große Trübsal ist, daß ich den Herrn oft mit weinenden Augen bitte, er wolle mir das abnehmen, was nur zu schwer ist. Aber ich gedenke der Worte des Apostels, wo er sagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, ich will dich nicht verlassen noch über Vermögen versucht werden lassen; denn ich weiß, daß der Mensch nicht ohne Streit sein kann, solange er im Leben ist.

Ferner, meine Geliebte, habe ich gehört, daß wir unser Opfer bald tun werden; aber wir wissen die Zeit nicht; ich habe den Herrn oft mit Tränen gebeten, daß er den Strick des Todes von mir nehmen wolle, damit ich meine Seele mit Freuden ihm aufopfern möge; ich hoffe, durch die große unaussprechliche Gnade Gottes, daß meine Seele zu treuer Hand werde aufgenommen werden, nicht durch mein Verdienst, sondern aus Gnaden, in der Hoffnung, weil Christus mit seinem wahrhaften Munde spricht: Wer sein Leben um meinet- oder um des Evangeliums willen verliert, der wird es dereinst wieder finden, und wer mich vor den Menschen bekennt, den will ich euch vor meinem himmlischen Vater und vor seinen heiligen Engeln bekennen; wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will ich auch in der Herrlichkeit meines himmlischen Vaters verleugnen. Darum, meine Geliebteste, ist kein besserer Rat, als uns zur Wahrheit halten, damit wir endlich die ewige Krone von der Hand des Herrn erlangen mögen.

Ferner lasse ich dich wissen, daß ich mich sehr darüber verwundert habe, daß W. und B. keinen Brief schreibt, denn wenn er, oder sonst jemand, etwas an uns schreiben wollte, so könntet ihr es uns wohl zusenden, wie ihr auch tut, denn es geht ja heimlich zu. Auch höre ich, daß die Mutter, mit welcher wir gern noch einmal gesprochen hätten, in H. sei, denn man kann ungehindert zu uns kommen, wenn man das Geld nicht schonen will; denn wenn der Herr auf den Stein kommt, so bekümmert er sich um weiter nichts, als weshalb er gekommen ist. Ferner, meine Geliebte, hat mir J. von B. gesagt, daß er bei dir gewesen sei, und daß du über mich sehr geweint habest, was mir auch, als ich es hörte, nicht wenig Betrübnis verursachte; aber, meine Auserwählte, tröste dich in dem Herrn, und laß uns ihm die Sache befehlen und für diejenigen bitten, die uns dieses Leiden antun; denn die Rache ist mein, spricht der Herr, ich will vergelten. Ach, meine Geliebte, ich fühle wohl, daß ich dich, solange ich lebe, in meinem Herzen tragen müsse, aber gleichwohl ist Gott über alles, denn er ist ein eifriger Gott, ihn Preise ich auch für seine Güte, die er an mir armen und schwachen Knechte erwiesen hat, und noch täglich erweist.

Hiermit will ich dich dem gekreuzigten Christo Jesu und dem Worte seiner Gnade anbefehlen. Lorenz, mein Mitgefangener, und ich lassen dich und alle unsere Bekannten in dem Herrn sehr herzlich grüßen mit dem Frieden des Herrn. Schreibe bisweilen etwas an mich, denn dein Schreiben ist mir angenehmer als Gold und Silber. Sollte uns die Zeit überfallen, so sage ich gute Nacht, gute Nacht, meine Geliebte, und sei allezeit fest anhaltend.

Von mir, Joost Verkindert, deinem lieben Manne, geschrieben in meinen Banden.