2.503  Joost Verkindert und Lorenz Andreas werden beide um des Zeugnisses Jesus Christi willen den 13. September im Jahre 1370 zu Antwerpen getötet.

Ein Brief von Joost Verkindert, geschrieben den 7. Juni, welches der neunte Tag seiner Gefangenschaft war, an sein Weib, Mutter, an seinen Bruder und seine Schwester.

Gnade, Barmherzigkeit von Gott, dem himmlischen Vater, das Verdienst unseres lieben Herrn Jesu Christi, der uns am Stamme des Kreuzes durch sein teures Blutvergießen erlöst hat, als wir noch seine Feinde waren, und den Trost des Heiligen Geistes, der alle betrübten Herzen tröstet, wünsche ich euch allen zum freundlichen und herzlichen Gruße; ich empfehle mich euch und sage euch auch Dank für die Liebe, die ihr an mir bewiesen habt, und für die Ermahnung und den Trost in meiner gegenwärtigen großen Trübsal, von welcher ich annehmen muss, daß es von dem Herrn zugelassen und über mich verordnet sei, denn Christus sagt: Die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Gleichwohl fürchtete ich, als wir hinausgingen, wir möchten dem Offiziere begegnen, wie es dann auch geschehen ist, und der Plan, den wir damals wegen unseren Zusammenkünften gemacht hatten, gelang nicht aufs Beste; doch müssen alle Dinge eine Ursache haben. Nun will ich euch auch etwas von unserer Gefangenschaft erzählen, wie der Schultheiß mit einigen seiner Diener mir und Lorenz begegnet sind und gefragt haben: Woher kommt ihr? Und wohin geht ihr? Als wir solches hörten, erschraken wir beide sehr, deshalb sie bald merkten, was wir für Leute waren. Sie banden uns sofort und führten uns hinauf; unterwegs fingen sie an zu fluchen und uns Schelme zu nennen, und haben auch, als sie mit uns auf dem Steine angekommen waren, den Bruder Lorenz sofort allein verhört. Darauf wurde ich auch vor sie gestellt und sie fragten mich, ob ich eine andere Taufe als die in meiner Kindheit erhaltene empfangen hätte? Ich fragte ihn, was er auf mich zu sagen hatte; er sagte: Du bist wiedergetauft, dein Knecht hat es mir gesagt; ich antwortete: Laß mich zufrieden; ich werde morgen vor dem Markgrafen meinen Glauben wohl bekennen; aber er war damit nicht zufrieden, und hatte eine Schreibtafel, um meine Antworten aufzuzeichnen; als er aber keinen andern Bescheid von mir erlangen konnte, wurde er zornig und sagte: Ich will dich wohl veranlassen, ja oder nein zu sagen; ich antwortete: Mein Herr, sei doch für dieses Mal zufrieden. Als er nun sah, daß er mich nicht weiter bringen konnte, so setzte er mich in des Kaisers Stuhl; sie gingen auch davon, und ich meinte, sie seien nach dem Scharfrichter gegangen. Als ich nun allein lag, wurde ich mit mancherlei Gedanken beschwert; überdies quälte mich der Satan auch sehr mit Weib, Kindern und Nahrung, und dergleichen Versuchungen mehr, worüber ich von Herzen weinte und Gott um Hilfe anrief; ich beschäftigte mich auch damit, mein Leben und meinen Wandel nach Gottes Wort von dem Anfange meines christlichen Lebens an bis auf diesen Tag zu prüfen, und ich fand keine Sache gerecht genug, um deretwillen alle die schwere Arbeit, die ich getan hatte, aufzugeben gewesen, denn obgleich ich oft Gottes Gebote übertreten hatte, so ist es doch nicht mutwillig geschehen; also fand ich Gnade bei Gott. Tags darauf wurden wir beide auf den Turm geführt, wo Lorenz gepeinigt wurde. Ferner haben sie mich nach meinem Alter und Glauben gefragt, was ich ihnen freimütig und ohne Scheu bekannt habe; sie fragten, ob ich kein Weib hätte; als ich nun ja sagte, fragten sie, ob ich auch Kinder hätte; ich antwortete: Zwei. Sie fragten mich, wie sie hießen und ob sie auch getauft wären; ich antwortete: Sie sind nicht getauft, denn ich erkenne keine Kindertaufe an; es gibt uns die Schrift nur von einer Taufe auf den Glauben Nachricht, welche uns Christus hinterlassen hat und die seine Apostel gebraucht haben. Als ich nun der Kinder Namen nannte, lachten sie, weil die Kinder Namen hatten, ohne daß sie zu Christen gemacht waren. Was wir sonst noch mit einander redeten, will ich der Kürze wegen übergehen. Ich schreibe euch dieses nur aufs Kürzeste, denn ich werde so genau bewacht, daß niemand mit mir sprechen kann; auch habe ich mit Lorenz noch nicht allein gesprochen. Darum haltet es geheim, denn ich fürchte noch mehr gepeinigt zu werden, was mich, dem Fleische nach, nicht wenig erschreckt hat, denn sie haben hier aller Folterwerkzeuge, Ketten um aufzuhängen, Zugrollen, Stricke und Folterbänke, auf welchen ich gepeinigt worden bin, wie euch wohl bewusst ist.

Ach, Freunde, wollt doch den Herrn sämtlich für mich herzlich bitten und bitten lassen. Ach, ich bitte den Herrn mit Tränen, ja, ich netze mein Lager mit Tränen vor dem Herrn, damit er mich Sünder durch seine Gnade würdig machen wolle. Hiermit bleibt dem Herrn befohlen; ich sage allen gute Nacht.

Geschrieben von mir, Joost Verkindert, unwürdig gefangen in dem Herrn, in meinen Banden.