2.487  Vier Freunde werden in Maastricht aufgeopfert, Arent von Essen, Ursel, sein Weib, Neeltgen, eine alte Frau, und Tryntgen, ihre Tochter, im Jahre 1570.

Als die Freiheit in Maastricht durchbrach, und die Bilder bestürmt waren, ist die Gemeinde gewachsen, hat gegrünt, und sich in der Zahl vermehrt; als aber nachher der Herzog von Alba ins Land kam, sind viele der Brüder aus der Stadt geflüchtet, wenn immer sie Gelegenheit finden konnten; einige derselben aber blieben dort wohnhaft, unter welchen auch ein Bruder war, ein Ältester und Schulmeister, namens Arent von Essen, der ein Weib hatte, namens Ursel; bei ihnen wohnten noch einige im Hause, nämlich eine Frau Tryntgen und ihre Mutter, namens Neeltgen, eine alte Frau von ungefähr 75 Jahren. Als nun diese Leute verraten und bei der Obrigkeit angegeben waren, hat es sich zugetragen, daß einer von den Bürgermeistern der Stadt, welcher einen wütenden Sinn hatte, mit seinen Dienern, die man Boten nannte, des Nachts um 12 Uhr in des Schulmeisters Haus eingedrungen ist, und diesen Mann Arent mit vielem Tumulte gefangen genommen hat; worauf man ihn in der Nacht auf das Ratshaus führte, welches man die Landskrone nannte, ungefähr eine Stunde später ging der Bürgermeister mit seinen Boten abermals nach des gemeldeten Schulmeisters Hause, um noch zwei Frauenspersonen zu fangen, welche er zuvor nicht beobachtet hatte. Als er dahin kam, fand er dort auch Neeltgen, die alte Frau, denn diese war gekommen, um zu sehen, wie es ihrer Tochter Tryntgen und den andern ergangen sei, indem sie gehört hatte, daß Arent gefangen und abgeholt worden sei. Diese nun nahm er auch alle drei gefangen und brachte sie ebenfalls auf die Landskrone zu dem Arent. Also waren sie bis morgens alle vier beieinander, erfreuten sich zusammen in Gott und trösteten einander.

Als sie nun vor die Herren gebracht wurden, so hat ein jedes derselben seinen Glauben freimütig bekannt, und daß sie auf ihrem Glauben die Taufe empfangen hätten; und was sonst die gottselige Lehre betrifft, so war darin die Ursel, wiewohl sie dem Fleische nach schwach war, wie es scheint, nicht die Furchtsamste, denn sie haben dieselbe von den andern abgesondert und den Herren überliefert (das ist, dem Schultheißen und den Ratsherren), welche das Blutgericht hielten. Man brachte sie auf das sogenannte Dinghaus, wo man sie mit vielen Bedrohungen sehr ängstigte, was sie aber alles mit sanftem Gemüte ertragen und erlitten hat. Ebenso ist es auch ihrem Manne Arent ergangen. Diesen überantworteten sie auch den Herren, und brachten ihn auf die Pforte der Gefangenen, welches das höchste Gefängnis ist; daselbst hat man auch versucht, ihn zum Abfalle zu bringen.

Als die alte Frau Neeltgen mit ihrer Tochter Tryntgen den Herren auch überantwortet und aufs Dinghaus geführt wurden, sind sie auf der Straße fröhlich und guten Mutes gewesen, sodass Tryntgen vor Freude zu singen anfing, so sehr war sie in dem Herrn entzündet.

Während sie nun auf dem Dinghause gefangen saßen, wurden sie auf mancherlei Weise von den Herren, wie auch von den Mönchen und Pfaffen, angefochten, um sie von ihrem Glauben abfällig zu machen; aber Gott bewahrte seine Schafe vor dem gräulichen Wüten der Wölfe. Danach setzten sie zuerst dem Arent mit Peinigen und Foltern zu, ja man sagt, daß er siebenmal scharf gepeinigt worden sei, sodass er durch alle solche Marter in eine Gemütsschwachheit verfiel; aber der Herr reichte ihm die Hand, stärkte ihn, und gab ihm wieder Mut, sodass er sich noch tapfer durchgestritten hat, wie man hören wird. Sein Weib Ursel wurde auch aus dem Dinghause auf die Pforte der Gefangenen gebracht, wo sie ihren Mann nicht wenig zur Stärkung seines Gemütes ermahnt hat; hier ist auch Ursel zweimal auf der Folterbank gepeinigt worden, hat aber gleichwohl bei der Wahrheit treulich Stand gehalten; aber es ist mit ihr bei diesem Peinigen nicht geblieben, denn der Scharfrichter band ihre Hände zusammen, wand sie in die Höhe, und als sie da hing, schnitt er ihr mit einem Messer das Hemd voneinander, und entblößte ihren Rücken, den er scharf mit Ruten geißelte; dieses ist an einem und demselben Tage zweimal geschehen. Man sagt, ein Jesuit habe den Rat zu diesem Geißeln gegeben. Dieses alles hat Ursel geduldig ertragen, obgleich sie, wie oben gemeldet worden ist, von sehr zarter Körperbeschaffenheit war, sodass, als sie noch ihre Freiheit hatte, sie ihre Strümpfe umwenden und so anziehen und tragen musste, weil sie die Naht derselben an ihren Beinen nicht ertragen konnte; gleichwohl konnte dieselbe nun mit Gottes Hilfe das Geißeln und Peinigen ertragen. Die alte Frau Neeltgen wurde auch herbeigebracht, um gepeinigt zu werden, und als sie zur Folterbank oder Leiter kam, hat sie sich aus freiem Willen darauf gelegt; die Herren aber, als sie ihr Alter und ihre Schwachheit betrachteten, haben sie nicht peinigen lassen; sie sagten zu ihr: Es ist nicht das erste Mal, daß du auf der Folterbank liegst, denn sie wussten, daß sie in ihrer Jugend schon um der Wahrheit willen gefangen und gepeinigt worden war, aus welcher Gefangenschaft sie damals auf eine sonderbare Weise erlöst worden ist; aber ihre Tochter Tryntgen wurde viel härter traktiert, denn man peinigte sie sehr scharf. Als sie fast ohnmächtig von der Folterbank genommen wurde, legte man sie in ein Bett; aber sobald sie sich wieder erholt hatte, musste sie abermals auf die Folterbank, und als sie scharf gepeinigt wurde, rief sie laut: O Herr, steh mir bei und bewahre meinen Mund; denn weil sie nach mehr Blut dürsteten, peinigte man sie hart, damit sie andere nennen sollte; Gott aber hat ihr Gebet erhört und ihren Mund bewahrt, sodass sie nichts zum Nachteile ihres Nächsten aussagte. Als Tryntgen das letzte Mal gefoltert wurde, sagte sie: Ich danke dem Herrn und lobe ihn. Die Mutter Neeltgen, welche in der Nähe stand, fragte, als sie ihre Tochter reden hörte: Ist das mein Kind? Als Tryntgen dieses hörte, antwortete sie: Ja, meine Mutter, wobei sie ihr um den Hals fiel und sie küsste.

Den 9. Januar des Jahres 1570 empfing Arent und Ursel, sein Weib, die Botschaft im Namen des Herrn, daß sie an einen Pfahl gestellt und verbrannt werden sollten, über welche Botschaft sie sich sehr freuten, weil sie würdig geachtet waren, um des Namen Christi willen zu sterben; sie waren auch den Tag und die Nacht voll Freuden, dankten und lobten Gott, und erwarteten den Tag ihrer Erlösung.

Des Morgens ist ein Staatsbote zu der Ursel gekommen und hat ihr im Namen seiner Herren anbefohlen, nicht zu reden, wenn sie über die Straße zum Tode ginge; solches sagte der Bote in der Herren Gegenwart. Ursel sagte zu den Herren: Sollte mir nicht erlaubt sein, ein wenig zu singen und bisweilen etwas zu reden? Aber solches wollte man ihr nicht erlauben, sondern sie sagten untereinander: Nun hören wir es ja, was sie im Sinne hat. Sie sagten ferner zum Scharfrichter: Halte dich an deinen Befehl und verstopfe ihr den Mund. Da nahm der Scharfrichter ein Holz, steckte es ihr in den Mund und band denselben mit einem Tuche zu; dann brachte man sie von der Gefangenenpforte, wo sie gepeinigt wurden, wieder auf das Dinghaus; von hier sollten sie nämlich zum Tode geführt werden, wo auch Neeltgen und Tryntgen gefangen saßen.

Als nun Ursel vom Dinghause geführt wurde, stellte sich Tryntgen oben in ein Fenster, und als sie Ursel zum Tode hinausführen sah, rief sie laut unter das Volk derselben zu: Liebe Schwester, streite tapfer, denn die Krone des Lebens ist dir zubereitet. Also ist Ursel mit verstopftem Munde nach dem Vrythofe, dem Orte, wo sie ihr Opfer tun sollte, gegangen; das gemeine Volk aber hat sehr darüber geklagt, daß man ihr den Mund so verstopft hätten, sodass sie nicht ein Wort reden könnte.

Als Ursel nun zu der aufgerichteten Schaubühne kam, ist sie stillschweigend, wie ein Lamm, hineingestiegen und in das Häuslein gegangen, worauf der Scharfrichter dasselbe sofort angesteckt hat, sodass sie zu Pulver verbrannt und ein Brandopfer des Herrn geworden ist.

Bald darauf hat man auch dem Arent, der Ursel Mann, angekündigt, sich zum Tode bereit zu machen, was er auch gutwillig aufgenommen und sich dazu fertig gemacht hat. Ehe man ihn zum Tode hinausführte, haben sie ihm auch den Mund verstopft und zugebunden, was jämmerlich aussah. Sie hatten an einem andern Orte, als wo Ursel umgebracht wurde, eine Schaubühne errichtet, nämlich an dem Freitag auf dem Viehmarkt, bei dem Pfuhle. Was die Herren darunter suchten, daß sie die Gefangenen an verschiedenen Orten so umgebracht haben, konnte man nicht eigentlich wissen, doch das allgemeine Gespräch ging dahin, die Herren hatten es um deswillen getan, damit Arent und Ursel keinen Trost aneinander haben möchten. Als nun Arent mit verstopftem Munde nach diesem Platze geführt wurde, bemerkte man an ihm ein fröhliches und unerschrockenes Gemüt. Als er auf die Schaubühne kam, fiel er auf seine Knie und verrichtete inbrünstig sein Gebet.

Dann stand er auf und ging in das Häuslein, wo er seine Kleider auszog; weil aber einige Zeit darüber verlief, so rief der Schultheiß (der in der Nähe zu Pferde hielt) dem Scharfrichter zu: Fahre fort mit deinem Werke! was der Scharfrichter auch sofort tat, das Feuer anzündete, und so diesen Märtyrer, als einen Zeugen Jesu Christi, zu Pulver verbrannte.

Wir haben bereits gemeldet, daß die alte Frau Neeltgen und Tryntgen, ihre Tochter, noch auf dem Dinghause gefangen blieben; diesen beiden wurde auch den 23. Dezember desselben Jahres von den Herren die Botschaft gesandt, daß sie, gleich den andern, sterben müssten, welche Botschaft sie so freudig empfingen, daß ihnen die Zeit lang wurde, bis der Tag kam, denn sie suchten die Ruhe oben im Himmel, bei ihrem lieben, himmlischen Vater, der zwar die Seinen hier versucht werden lässt, aber mit seiner Barmherzigkeit nimmermehr von ihnen weicht, sondern ihnen aus aller ihrer Not hilft; darum waren sie auch über die Maßen in dem Herrn erfreut, dankten dem Herrn und lobten ihn die ganze Nacht, und warteten so mit Verlangen auf den Tag ihrer Erlösung. Des Morgens, als man sie zum Tode führen wollte, hat der Scharfrichter ihnen einen Knebel in den Mund getan, und ihnen denselben mit einem Tuche zugebunden; dann gingen sie, guten Mutes, nach dem Vrythofe. Unterwegs lüstete Tryntgen das Tuch, womit ihr Mund zugebunden war und rief, weshalb sie stürben. Dieses wollte man ihr keineswegs zugestehen, darum lief der Scharfrichter sofort auf sie zu, legte seine Hand auf ihren Mund, und befahl ihr, ins Häuslein zu gehen; dieses alles ist größtenteils auf der Schaubühne geschehen. Also hat man denn Tryntgen und ihre liebe Mutter in das Häuslein geführt, wo sie beide zu Pulver verbrannt worden sind, nachdem sie ihre Seele in die Hände Gottes befohlen haben, was im Jahre unsers Herrn 1569, den 24. Januar, geschehen ist.