2.486  Veyt Greyenburger, 1570.

Zu Wald in Finschau ist im Jahre 1570 ein Bruder, Veyt Greyenburger, auf seiner Durchreise gefangen worden. Man hat ihn ausgekundschaftet und Geld auf ihn gesetzt; als er nun in die Herberge kam, und das Landvolk ihn gesehen, aber nicht recht gekannt hat, so sind sie des Nachts ins Wirtshaus gekommen, und als sie ihn vor dem Essen beten sahen, steckten sie die Köpfe zusammen und sagten: Er ist der rechte Mann, oder er ist ihm ähnlich, und äußerten sich dahin, daß das Beten unrecht wäre; so grob ließ sich der Teufel an ihnen merken. Auf solche Weise haben sie ihn in der Herberge erkannt und dem Richter auf dem Schlosse zu Niedersol Botschaft gesandt; derselbe ist mit vielen Leibknechten und Dienern gekommen, hat ihm die Hände auf den Rücken gebunden, und ihn auf das Schloss zu Niedersol ins Gefängnis geführt; bald darauf wurde er verhört, und abermals ins Gefängnis abgeführt. Fünf Wochen darauf ist der Landschreiber von Salzburg gekommen, der ihn mit zwei Dienern und zwei Leibknechten auf das Schloss zu Salzburg geführt, und ins Gefängnis an eine Kette gelegt hat. Nach Verlauf von drittehalb Jahren sind die Pfaffen, der Domprediger zu Salzburg, wie auch der Pfaffenrichter und mehrere andere Buben zu ihm gekommen, welche Tinte und Papier bei sich führten; sie haben dem Bruder Veyt zugesetzt und ihn zur Verantwortung ermahnt. Der Bruder sprach: Was soll ich sagen? Ihr seid Ankläger und Richter, und was ihr nicht ausführen könnt, das muss der Richter, die Diener und der Scharfrichter statt eurer ausführen; ihr sagt es dem Fürsten, der Fürst dem Richter, der Richter den Dienern, und die Diener dem Scharfrichter, derselbe muss es ans Ende bringen, das ist euer Hohepriester, der hilft euch, das Feld erhalten. Unter anderem sagte der Bruder auch zu ihnen: Der Geist sagt öffentlich, wer ihr seid, denn Paulus schreibt: Daß in den letzten Tagen einige vom Glauben abfallen und den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel anhangen werden, die durch Heuchelei Lügenredner sind, und ein Brandmal in ihrem Gewissen haben, verbieten ehelich zu werden, und die Speise, die Gott geschaffen hat, mit Danksagung zu genießen. Da sagte einer von den Pfaffen zu ihm: Wir verbieten die Ehe nicht, auch habe ich heute noch Fleisch gegessen; aber der Bruder erwiderte: Ei, man weiß wohl, daß ihr die Ehe verbietet und die Hurerei zulasst. Als nun der Pfaffe sich recht bedacht hatte, sagte er: Weißt du, was Christus sagt: Auf Moses Stuhl sitzen die Schriftgelehrten; alles nun, was sie euch sagen, das tut.

Darauf hat der Bruder Veyt ihn gefragt: Meint ihr, daß ihr diese seid? Sie erwiderten: Ja, wir sind diese, wenn Gott will. Der Bruder sagte: Ihr seid solche, wie ihr bekennt, aber Christus ruft manches Wehe über sie aus, und nennt sie Schlangen und Ottergezüchte, Törichte und blinde Leiter so seid ihr nun eben dieselben, wie selbst euer eigener Mund bezeugt. Da wurde er ein Wiedertäufer und dergleichen gescholten. Darauf hat sie der Bruder Veyt gefragt, ob sie Paulus auch für einen Wiedertäufer hielten, sie antworteten: Nein; er fragte: Warum hat er denn diejenigen noch einmal getauft, die schon zuvor mit der Taufe Johannes getauft waren, welche vom Himmel, und dennoch zur Seligkeit nicht zulänglich war? Um wie viel weniger kann aber nun die Kindertaufe zulänglich sein, welche von Menschen erschaffen ist? Darauf schwiegen sie. Der Bruder Veyt sagte: Ihr lasst den Hebammen das Taufen zu, wo steht das geschrieben? Sie wussten es aber nicht, und saßen da, so stumm wie ein Bild. Danach haben sie ihn gefragt, ob er von der Hueterischen Gesellschaft wäre; er antwortete: Der Hueter war ein Lehrer. Sie fragten, ist er denn euer Messias? Er antwortete: Der Hueter ist ein frommer Mann gewesen, der um seines Glaubens und der Wahrheit Gottes willen zu Innsbruck verbrannt worden ist, aber unser Messias ist Christus; aber was habt ihr für einen Messias und Vater zu Rom und auch hier in der Stadt? Da sagten sie: Der Papst ginge sie nichts an. Der Bruder sagte: So habt ihr einen Obersten hier in der Stadt. Die Pfaffen sagten: Der wäre ihr Vater nicht. Der Bruder sagte: Du hast ja selbst zuvor bekannt, daß euch euer Vater ausgesandt habe. Sie wussten nicht, was sie hierauf sagten sollten. Auf solche Weise ist er einige Mal verhört worden. Darum hat Christus zu seinen Jüngern nicht umsonst gesagt: Wenn sie euch in ihre Schulen, Rathäuser, und vor ihre Obrigkeit, Gewaltigen und Gelehrten bringen, so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt, denn ich will euch einen Mund und Weisheit geben, welcher sie nicht werden widersprechen noch widerstehen können.

Als nun der Bruder Veyt bis ins siebte Jahr in Salzburg in vielem Elend und Trübsal gefangen gelegen hatte, ist er im Jahre 1570, mit Gottes Hilfe, durch ein Fenster aus seiner Gefangenschaft entsprungen; das Volk auf dem Schlosse sagte, es wäre übermenschliches Vermögen da herauszukommen; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Auf solche Weise ist er den neunten Tag des Monats August des genannten Jahres wieder zu seinen Brüdern und zu der Gemeinde gekommen.