2.485  Der fünfte Brief von Clemens Hendriks.

Ich wünsche euch, meine Lieben und Werten in dem Geiste und nach der Wahrheit (wie ich solches hoffe), und in einer Erkenntnis des Glaubens, und in der Lehre Christi Jesu, ein klares Gesicht und offenes Herz in allen göttlichen Sachen und in Gottes Wort, um darin einen rechten Unterschied zu machen und abzumessen, was Licht oder Finsternis, Lügen oder Wahrheit, ja, Fleisch ober Geist sei, damit ihr nicht betrogen werden mögt, sondern euch an das Wort Gottes festhalten, damit ihr vollen Lohn empfangen mögt.

Ferner, meine Lieben und sehr Werten, ich kann nicht wohl unterlassen, euch ein wenig zu schreiben, wie es mit mir in meinen Banden jetzt steht, und wie mein Gemüt fortwährend noch dahin gerichtet ist, den Herrn von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit allen Kräften zu fürchten, weshalb ich dem allmächtigen, großen und allweisen Gott niemals genug danken, noch ihn preisen kann; für seine unaussprechliche, ja, unergründliche Gnade, die er mir bisher durch Jesum Christum mit Handreichung bewiesen hat und noch täglich beweist; dafür danke ich dem allmächtigen Gott, und beuge die Knie meines Herzens vor dem Vater, der reich an Gnade und Wahrheit, und der rechte Vater voller Gnade ist, und ein Gott allen Trostes, der uns trösten kann, wenn wir in Angst und Trübsal sind. Darum, meine Lieben und Getreuen, bewahrt diesen guten Schatz, der euch anvertraut und von Gott aus Gnaden geschenkt worden ist, denn der Glaube ist eine Gabe Gottes, wodurch die Alten ein gutes Zeugnis und eine Versicherung in ihrem Herzen erlangt haben, durch das alte Wort des Geistes Christi, die zuvor mit ihrem Geiste Zeugnis gegeben, daß sie Gottes Kinder und auch Miterben aller herrlichen Verheißungen seien; darum haben sie auch freiwillig alles verleugnet, und haben es für viel größern Reichtum geachtet, mit den Kindern Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung dieser Welt zu genießen, denn sie sahen auf die Belohnung und auf dasjenige, was ewig und nicht zeitlich ist, denn der Glaube richtet sich nach dem, was hier nicht zum Vorschein kommt und mit fleischlichen Augen hier nicht gesehen wird, was aber die Augen des Herzens sehen und der verborgene inwendige Mensch, und es darum so fest halten, als ob sie es vor dem Angesichte sehen und mit der Hand greifen könnten, denn sie achten und halten den für getreu, der es verheißen hat, daß er es auch tun werde, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Darum, meine Lieben und Getreuen, seht doch nicht auf das Sichtbare, denn was sichtbar ist, ist vergänglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig; auch sagt Christus: Wer etwas lieber hat, als mich, der ist meiner nicht wert; und an einem andern Orte sagt er: Wer Haus, Hof, Land, Stand, Vater und Mutter, ja, auch sein eigenes Leben verlässt, der wird es hundertfältig wieder empfangen. Darum müssen wir hier allem absagen, und nichts Lieberes haben als den lebendigen Gott, und es mit den Werken und in der Tat beweisen, daß wir Kinder Gottes und keine Bastarde sind. Die Gerechten müssen durch viele Leiden in das Himmelreich eingehen, aber der Herr hilft ihnen in allen ihren Leiden; er lässt die Seinen nicht über ihr Vermögen versucht werden, sondern schafft neben der Versuchung einen Ausgang; aber die Gottlosen verspart er, um sie am Tage des Gerichts zu peinigen.

Darum, meine Lieben und sehr Werten, gedenkt an Joseph, der von dem ägyptischen Weibe versucht wurde, um mit ihr Hurerei zu treiben, welchen sie auch bei seinem Rocke oder Mantel gefasst hatte, und nicht gehen lassen wollte; derselbe ist ihr entronnen, und hat ihr den Rock oder den Mantel lieber zurückgelassen, als mit ihr Hurerei getrieben.

So lasst uns denn, meine Lieben und sehr Werten, wenn wir von der Hure zu Babel bei unserm Rocke oder Mantel ergriffen werden, durch des Herrn Hilfe lieber den irdischen Rock fahren lassen, als mit ihr Hurerei treiben, nämlich das irdische Leben verlieren, weil ihr wisst, daß unser sterblicher Rock ausgezogen werden müsse, ehe man den unsterblichen Rock anziehen kann. Und wenn unser irdisches Haus dieser Wohnung zerbricht, so haben wir einen Bau im Himmel, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht, das ewig im Himmel ist.

Ferner, meine Lieben und sehr Werten, ich habe mir vorgenommen, euch noch ein wenig von den Worten Christi zu schreiben, wo er sagt: Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote, und ich will den Vater für euch bitten, daß er euch einen andern Tröster gebe, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann. Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen; aber ihr werdet mich sehen, denn ihr kennt mich, sagt der Herr. Auch warnt uns Christus an einem andern Orte, wenn er sagt: Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind; an ihren Früchten soll ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor, und ein böser Baum bringt böse Früchte hervor; ein jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Hiermit sage ich euch gute Nacht bis zur Wiederkunft mit dem untrüglichen Worte seiner Gnade. Des Herrn Friede sei mit euch, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Haltet mir dieses kurze Schreiben zu gut. Geschrieben von mir, Clemens Hendriks, unwürdig gefangen in dem Herrn, in meinen Banden geschrieben aus Liebe.