2.469  Abraham Picolet, Henrich von Etten und Maeyken von der Goes, 1569.

Zu jener Zeit lebte zu Antwerpen Abraham Picolet, der mit Henrich von Etten, geboren bei Breda, und mit Herman N. vertrauten Umgang hatte. Als nun der genannte Henrich im Begriffe stand, eine Reise in seine Heimat zu unternehmen, so hat er seine Mitgesellen ersucht, daß sie sich vor seiner Abreise mit ihm noch einmal (im Spazieren) mit Reden und Singen von dem Worte des Herrn ergötzen und erlustigen wollten, was zum guten Abschiede der guten Gemeinschaft, die sie in dem Herrn miteinander gepflogen hatten, geschehen sollte. Weil aber zu der Zeit unter der Regierung des Herzogs von Alba die Verfolgung sehr heftig war, so sind auch diese beiden Junggesellen, als sie im Walde bei Wilryk, nahe bei Antwerpen, wandelten, von dem Landrichter zu Borgerhout verhaftet worden. Derselbe visitierte sie, und als er unter andern Büchern auch ein neues Testament bei ihnen fand, so hat er sie scharf untersucht und nachgefragt, wo sie zuletzt zur Beichte und zum Sakramente gegangen wären. Darauf antwortete Abraham, daß es in Welschland geschehen sei. Er fragte weiter, wie lange es her sei, worauf er antwortete, vier Jahre. Als er solche und mehrere andere Worte von ihnen vernahm, hat er sie den zweiten Pfingsttag gefänglich nach Antwerpen gebracht. Aber weil der vorgemeldete Hermann nicht fest auf den Eckstein Christum gegründet war, so hat sein Gebäude nicht Stand gehalten, denn sein sandiger Grund hat diese Stürme nicht ertragen können. Als er verhört wurde, bekannte er, vergangene Ostern sei er zur Beichte und zum Sakramente gegangen, wiewohl es erlogen war, und um dieses zu bekräftigen, hat der Pfarrer oder Pastor von St. Joriskirche solches bezeugt; durch dieses Mittel ist er aus dem Gefängnisse entlassen. Die beiden andern aber, die bei ihrem Glauben treu blieben, haben in ihrer langen Gefangenschaft mit den blinden Betrügern viel Streit und Disputieren gehabt, die auch viel Mühe und Arbeit anwandten, um sie von der Wahrheit abzuziehen; weil sie aber ihre Zuflucht zu dem Herzoge des Glaubens nahmen, so sind sie nicht verlassen, sondern um desto mehr getröstet worden, sodass sie sich stets nach dem Tage ihrer Erlösung sehnten; auch haben sie viel Fleiß angewandt, den Nächsten allezeit mit Schreiben und Ermahnen zu erbauen, sodass sie durch ihre Schreiben und durch ihre Beständigkeit im Glauben auch in Banden einige gewonnen haben. Als sie nun eine Zeitlang gefangen lagen, sind die Tyrannen, weil sie keine Hoffnung hatten, sie von der Wahrheit abzubringen, darüber aus gewesen, sie ihres Lebens zu berauben; und als der Landrichter bei der Kronenburgpforte sein Gericht hielt, hat er sie zweimal dahin vor seine Gerichtsherren bringen lassen; da er aber mit ihnen nichts ausrichtete, sind sie zum dritten Male auf einen Wagen gesetzt und abermals vor die blinden Richter gebracht worden; sie waren aber wohlgemut und stark im Glauben; darum sagte Abraham, als er nach dem Wagen ging: Niemand, sagte Petrus, unter euch leide als ein Mörder oder Dieb, oder Übeltäter, oder als ein solcher, der in ein fremdes Amt greift, leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Falle.

Henrich redete sehr wenig, aber man konnte nichts als Freimütigkeit an ihm bemerken. Als sie vor den Richtern standen, wurde ihnen das Urteil vorgelesen, daß sie lebendig verbrannt werden sollten. Nach vorgelesenem Urteile sagte Abraham, daß er den Herren danke, weil sie mit ihm so viel Mühe gehabt hätten, und daß er Gott um ihre Erleuchtung bäte. Darauf hat man sie abermals auf den Wagen gesetzt, und sie nach dem Steine (dem Gefängnisse) gebracht, wo noch mehr gottesfürchtige Gefangene saßen, von welchen der Markgraf noch eine Frau zu gleichem Tode hat verurteilen lassen, welche Maeyken von der Goes genannt wurde, und ihrem Manne Jasper, ein Taschringmacher, der zuvor aufgeopfert worden war, ohne Furcht nachgefolgt ist. So haben die Tyrannen ihre Lust an diesen drei Schlachtschafen gebüßt, und sie des andern Tages lebendig verbrennen lassen, nachdem sie ihnen die Zungen mit Schrauben festgeschraubt hatten, um ihnen das Reden zu benehmen. Sie haben aber in allem diesem durch Christum, der ihre Stärke war, tapfer überwunden, und sind mit Josua und Kaleb beherzt aufgetreten, das Land der Verheißung einzunehmen, vielen Zeugen, die solches ansahen, zum Troste und zur Stärke. Als sie verbrannt waren, wurden die Überbleibsel der Körper der beiden Männer auf dem Wege von Wilryk den Vögeln zur Speise gegeben, weil sie unter dieser Herrschaft gefangen worden sind.

Diese beiden frommen Helden und Kämpfer, wiewohl sie die Wassertaufe auf ihr Glaubensbekenntnis noch nicht empfangen hatten, haben es gleichwohl bezeugt, daß sie dennoch die Geistes- und Feuertaufe von Christo empfangen hatten.

Sie haben viele Briefe, voller Trost und ernstlicher Ermahnungen geschrieben; insbesondere hat Henrich, welcher zuvor Soldat gewesen, die Brüder sehr ermahnt, in dem geistigen Kriege tapfer zu streiten, gute Wacht zu halten, und bis ans Ende auszuhalten, um von dem geistigen Hauptmanne Jesu Christo die Krone des ewigen Lebens zum Solde und Lohne zu empfangen; aber alle diese Briefe sind in Folge der scharfen Verfolgung verloren gegangen; nur ist uns einer von Abraham Picolet in die Hände gekommen, den wir zum Vergnügen des Lesers hier beigefügt haben.