2.427  Das Nachfolgende enthält, was Henrich Alewynß den Herren an der Folterbank übergeben hat.

Sehr werte Beamte, Rechtsverwalter und alle meine Herren, die ihr, in des Königs Namen und Gewalt, meine Richter, Gerichtsherren, Verhörer hier zugegen seid, hört mich verurteilten Henrich Alewynß, welcher hier gegenwärtig bereit ist, sich, nach eurem Urteile, foltern zu lassen; seht, ich finde mich dazu gedrungen, und werde dazu angetrieben, es nicht zu versäumen, euch Nachricht und Botschaft von allem zu geben, worin ihr euch an mir und meinesgleichen vergriffen habt, die wir böser Taten unschuldig sind, und keine Strafe verdient haben.

Zunächst sei euch klar, heilig und schriftmäßig bewiesen, angekündigt und erklärt, daß unsere oder meine Sachen weder Missetat noch strafbare Dinge sind, sondern ein Recht Gottes und Sachen des Glaubens und des Geistes; darum müssen sie auch allein geistig und im Geiste verhört und beurteilt werden, denn ein natürlicher Mensch kann es nicht begreifen, es ist ihm eine Torheit. Diesem denkt frei und gründlich nach.

Ferner lasse ich euch wissen, daß ein Christ mit den Stücken des Glaubens und der Schrift ausgerüstet sein muss; darum soll er weder wegen Aufruhrs, noch wegen fleischlicher Werke berüchtigt sein, wie ich denn auch nicht bin; darum sei Gott gelobt, daß ich nicht unter der Strafe der Gerechtigkeit, sondern unter ihrem Schuhe, Schirme und Preise stehe; auch sei euch gesagt, daß der Mensch Gottes, der so einfältig nach Gottes Reiche, Ehre und Lobe strebt, eurer Gerechtigkeit nicht unterworfen ist in Sachen, welche die Lehre und den Gottesdienst betreffen; hiervon habt ihr Unterricht und Beispiele genug, aber in guten Werken muss die Obrigkeit bereit stehen. Den Richtern ist die Macht von Gott gegeben, allein den Bösen zur Strafe, zum Lobe den Guten, und zum Schutze denen, die Gutes tun; den Unschuldigen und Frommen sollst du nicht töten, spricht Gott.

Endlich sei euch kund und zu wissen getan, mit dem Zeugnisse der heiligen Schrift, und das in Liebe und sanftmütigem Geiste, die große Missetat der Tyrannen, die sich in diesem Stücke an den Unschuldigen Gottes in seinem Volke vergreifen, in Gottes Augapfel tasten, ja wider Gott streiten, und wider den Stachel Gottes löcken; desgleichen euer gewisses Wehe, und welche Beschwernis euch in der zukünftigen Zeit treffen wird, wenn unser Herr und gerechter Fürst zu Gericht sitzen und alle eure Gewalt von euch nehmen wird, wie Judith geschrieben steht: Wehe den Heiden, die mein Volk verfolgen, denn der allmächtige Herr rächt sie, und sucht sie heim zur Zeit der Rache. Er wird ihren Leib plagen mit Feuer und Würmern, und sie werden brennen und heulen in Ewigkeit; sie werden nicht auferstehen zum ewigen Leben; Gott wird ihrer nicht schonen. Sie werden seufzen, erschrecken und sich verwundern über die Kinder Gottes, wenn sie in ihrer Herrlichkeit erscheinen und sagen weiden: Diese sind es, die wir geängstigt, unterdrückt, und als rasende Irrgeister ihrer Ehre, Güter und Lebens beraubt haben; und ferner: Der Gottlose drängt den Gerechten; er zieht sein Schwert aus, er spannt seinen Bogen; aber der Herr lacht sein, denn er sieht, daß sein Tag kommt; er hilft dem Elenden und Armen. Er schlägt den Frommen; aber sein Schwert wird in sein Herz gehen und sein Bogen wird zerbrechen.

Christus selbst bedroht, straft und verdammt solche, die sich am Blute verschuldet haben, und sagt: Wie werdet ihr der höllischen Verdammnis entfliehen?

Desgleichen straft sie auch der heilige Jakobus und wehklagt jämmerlich, daß sie den Gerechten verurteilt und getötet haben, der ihnen doch nicht widerstand. Es steht im Jesaja nicht umsonst geschrieben: Wehe aber dir, du Zerstörer! Meinst du, du werdest nicht verstört werden? Und du, Verächter! Meinst du, man werde dich nicht verachten? Wenn du des Verstörens und Verachtens ein Ende gemacht hast, dann wirst du auch verstört und verachtet werden, spricht der Herr. Darum, meine Herren, denkt der Sache gründlich im Herzen nach (denn ich habe es nicht geschrieben). Seid mit Gamaliel freundlich gewarnt, von mir schwachem Menschen, wiewohl ich doch ein Zeuge bin von Gottes Wort und Wahrheit. Diese Rache Gottes hat der grausame König und großmächtige Tyrann verstanden und gefühlt, daß es schwer sei, dem Volke Gottes beizukommen, um der Hilfe ihres Gottes willen, dessen Rache niemand entgehen kann oder mag, der seinem Volke irgendein Unrecht antut. Diesen Sinn ließ er eilend allen seinen Landvögten kundtun: Lasst ab von diesem Volke. Diesen Unterricht und diese Warnung des weisen Achior wollte Holofernes weder verstehen, noch glauben.

Meine Herren haltet mir diese meine Zugeneigtheit zu euch zu gut; ich habe euch dies nicht geschrieben, um mich dadurch von dem gefällten Urteile zu befreien, was bei euch nicht gebräuchlich ist, auch nicht in eurer Macht steht, solange ihr der Welt und des Königs Freunde bleibt, die ihr doch bleiben wollt; ich bitte demnach, gnädig mit mir zu Verfahren, doch so, daß euer Urteil seinen vollen Lauf haben möge, und ihr es bei Hofe verantworten könnt; es ist doch besser, daß ich leide, als ihr; denn ich weiß, warum ich leide, ich leide um des guten Gewissens willen zu Gott, und bin gewiss, daß ich Gnade bei Gott finde, und bin des Leidens Christi teilhaftig; man peinigt mich, daß ich wider das hohe Gebot der Liebe reden soll; aber die Liebe tut nichts Arges; die Liebe leidet alles, sie erträgt alles, sie lässt sich nichts verdrießen. Ach, meine Herren! Überlegt, ob dem nicht so sei. Der Böse kann und mag euch wohl was weismachen mit Lügen und nein sagen, wenn es ja ist, oder ja sagen, wenn es nein ist; wir aber sagen im Leiden und mit wahren Worten: Erbarmt euch über diese, wie ihr wollt, daß auch euch geschehe, wenn mein Richter kommen wird, da es euch dann bange werden und Hilfe nötig sein wird. Gott vergebe euch alles Leid, das ihr mir angetan habt, wie ich es euch vergebe, und wie ich will, daß mir geschehe, um aller meiner Sünden willen, Amen.

O du weiser Rat Gamaliels! Wo hört man dich jetzt? Daran erkennt man, welches die Kinder Gottes und welche des Teufels sind; wer nicht recht tut, ist nicht von Gott. Die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind, die darauf wandeln.