2.426  Ein Sendbrief von Henrich Alewynß, 1569.

Ein Sendbrief von Henrich Alewynß, welchen er an die lieben Kinder Gottes in Seeland gesandt und in seiner Gefangenschaft zu Middelburg geschrieben, wo er die Wahrheit Gottes mit seinem Tode standhaft bezeugt hat, den 9. Februar im Jahre 1569:

Einen ganz christlichen Gruß und Andacht in dem Herrn, Henrich Alewynß, unwürdig, ein schwacher Bruder und einfältiger Mitgenosse des Glaubens an Gott, und teilhaftig seines Leidens, gleichwie auch der Geduld und der Hoffnung des ewigen Lebens, mit allen Heiligen, und das alles aus der unverdienten Gnade Gottes. Gnade, Frieden, Barmherzigkeit Gottes, Seligkeit, Wohlfahrt und alles Gute von oben, durch Christum Jesum, in beständiger Auferweckung zu unterhalten, samt dem brünstigen Treiben des Heiligen Geistes bis an ein seliges Ende wünsche ich euch allen, meine lieben Freunde, Brüder, Schwestern und Mitgenossen von Gott dem Vater, durch Jesum Christum, unsern lieben Herrn, Erlöser und Seligmacher, Amen. Dieses sei zum Gruße gesandt, in guter Absicht, aus dem tiefsten Grunde meiner Liebe an euch, als meine Freundschaft, die ich sonderlich kenne, zur guten Andacht, worin ich euch in meiner Abwesenheit untereinander ermahne und aufmuntere, jedoch in derselben Hoffnung auf das Reich und die Herrlichkeit Gottes, wiewohl ich von euch entfernt hier sitze.

Meine sehr und großgünstigen, insonderheit friedsamen und allezeit zugeneigten Freunde! Weil ich den Ausgang meines Lebens vor mir sehe, und die Zeit zu schreiben habe, so neige ich mich mit Freuden ein wenig zu eurer Liebe, damit ich euch Nachricht und freudige Zeitung geben möge, gleichwie ihr solches, wie ich vermute, von mir verlangt und begehrt. Seht, euch allen wird verkündigt, daß es mir, eurem Freunde, noch in dem Herrn beiderseits, das ist, an Leib und Seele, wohl gehe, in einem unveränderten Sinne, um mit einem guten Vorsatze zu trachten, Leib und Seele, als an Gott übergeben, zu bewahren, welches euch lieb ist zu hören, mir aber zu Seligkeit dienlich; dieses muss ja Gott geben zu meinem seligen Glaubensende, o lieber Herr! Amen.

Eine fernere Veranlassung meines Schreibens an euch und eure Liebe ist die, daß ihr mir helft für mich zu beten, damit ich in der Wahrheit Gottes standhaft bleiben und in seiner Gnade und dem treuen Beistande Gottes leben möge; auch lasse ich euch wissen, daß ich hier in meinem Gefängnisse, trotz Druckes und Unrechts, trotz Schmach und Leiden um der Gerechtigkeit willen wohlgemut bin, auch mit allen Heiligen in meiner Trübsal die besten Aussichten habe und die Hoffnung und den Trost des Geistes und die reichen Verheißungen Gottes, daß er uns in dieser Zeit beistehen und uns dermaleinst des ewigen Lebens versichern werde, wovon in der Schrift so viel die Rede ist.

Zunächst bekenne, bezeuge und glaube ich auch fest mit vielen Heiligen, nach den vielen Zeugnissen der Schrift, daß Gott getreu ist und seine Verheißungen halten werde. Lest 5Mo 32,5; 4Mo 23,10; 1Kor 10,13; 1Th 5,24; 2Tim 2,13; der uns nicht über unser Vermögen versucht werden lässt, sondern der Versuchung alsbald ein Ende schafft. Er lässt die Seinen nicht als Waisen; er wird uns mit seinem Geiste vor Königen und Fürsten vertreten, so viel es nämlich in dieser Zeit nötig sein wird; er wird und weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen; auch hat er gesagt: »Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Darum will ich mich auf den Herrn verlassen, und will mich nicht fürchten; was sollte mir ein Mensch tun? Was kann doch das Fleisch tun?« sagt Paulus.

Ferner: Ist Gott mit uns, wer mag wider uns sein; es ist aber Gott mit uns, wenn wir mit Ihm sind, merket es. Ferner: Wir haben zwar überall Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht; uns ist zwar bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen; o ja, wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

Dann: Gott sei gedankt, der uns allezeit den Sieg erhalten hilft in Christo Jesu. Ferner: Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt. Darum, seht, werden wir nicht müde (weil uns Gott tröstet), obschon unser auswendiger Mensch vergeht, so wird doch der inwendige von Tag zu Tag erneuert; ferner: Ich vermag alles durch Christum, der mich mächtig macht. O wie selig ist der Mann, der die Anfechtung ertragen kann; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen hat, die Ihn lieben.

Und weil Gott in allen seinen Verheißungen so treu ist, wie gemeldet worden, so gehen wir gerade durch mit der Gerechtigkeit, als ob wir Gott allein sähen und als ob wir keine Feinde sähen, als ob wir keinen Befehl, kein Feuer, Wasser, noch Schwert sähen; denn wer ist es, der uns schaden kann, wenn wir dem Guten nachkommen?, wie Petrus sagt. Desgleichen auch Paulus: Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Ferner: Wer will unserm Hirten seine Schafe aus seiner Hand reißen? Niemand; aber es kann wohl jemand sich selbst aus seiner Hand verirren. Ferner: Also geschieht dem kein Leid, der Gott fürchtet, denn so steht geschrieben: Und wenn er angefochten ist, so soll er wieder erlöst werden. Merkt, Johannes sagt: Furcht ist nicht in der Liebe (nämlich Furcht, die aus dem Wege des Rechtes weicht). Ja, solche, die ohne Furcht sind, laufen durch Geduld (merkt: durch) nicht aus, sondern in dem Streite, der uns verordnet ist; darum seht nicht auf die abscheuliche Tyrannei, sondern auf den Herzog des Glaubens und auf unsern Anfänger und Vollender Jesum.

Und diese tröstlichen Verheißungen Gottes, die hier zum Teile erwähnt und berührt worden sind, seht, die kommen doch nur meistens her von Gottes treuem Beistande, Stärkung und Fürsorge für uns in dieser Zeit des Leidens.

Aber, Freunde, muss nicht der Trost die Belohnung und die Krone des ewigen Lebens noch größer und würdiger sein? Wovon an andern Orten so vieles gesagt wird, daß Gott das ewige Leben, das Reich und die Herrlichkeit den Überwindern und Geduldigen zugesagt habe, wie zum Teil nachher gezeigt werden soll.

Zuförderst merkt in dem Buche der Weisheit von dem Gerichtstage und der Herrlichkeit der Auserwählten Gottes, wo es heißt: Alsdann werden die Gerechten mit großer Freudigkeit stehen wider die, welche sie geängstigt und ihre Arbeit verworfen haben. Ferner: Die Gerechten werden ewiglich leben, und der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. Darum werden sie ein herrliches Reich und eine schöne Krone von der Hand des Herrn empfangen. Merkt wohl, einen ewigen Lohn. Ferner: Der Gerechten Seelen sind in der Hand Gottes, und keine Qual rührt sie an. Von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden; und obgleich sie von den Menschen viel Leiden haben (er sagt: viel Leiden haben), so sind sie doch gewisser Hoffnung, daß sie nimmermehr sterben; sie werden ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren, denn Gott versucht sie und findet, daß sie seiner wert sind. Ja, hier werden sie Angst leiden, aber Überfluss hoffen; aber, die gottlos gelebt und gleichwohl Angst erlitten haben, die werden den Überfluss nicht sehen, o leider!

Ferner bei den Makkabäern steht: Meine Brüder, die eine kleine Zeit sich haben martern lassen, die warten jetzt des ewigen Lebens nach der Verheißung Gottes (er sagt, des ewigen Lebens nach der Verheißung Gottes). Ferner auch die Verheißungen unsers Herrn Jesu Christi selbst, daß alle diejenigen, die Ihm in der Wiedergeburt nachgefolgt sind (Er sagt, in der Wiedergeburt), und alles verlassen haben, was ihnen lieb ist, Haus, Hof, Weib, Kind, und ihr eigenes Leben, sollen es in dieser Zeit hundertfältig empfangen, und nach dieser Zeit das ewige Leben, werden auch mit Ihm auf Stühlen sitzen und die zwölf Geschlechter Israels richten helfen. Ferner: Selig seid ihr, die ihr hier weint, denn ihr werdet noch lachen; selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und euch absondern, und euch um meinetwillen schelten, und verwerfen euren Namen als eines Boshaften, um des Menschen Sohnes willen. Freut euch alsdann und hüpft; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel (Er sagt, im Himmel) merkt, Himmelstrost. Ferner in Paulus: Gelobt sei Gott, und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns in all unserer Trübsal tröstet, sodass wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Troste, womit wir von Gott getröstet werden, denn gleich wie des Leidens Christi viel über uns kommt, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christum.

Ferner: Wer auf den Geist sät, der wird von dem Geiste das Leben ernten und den Frieden. O darum, Freunde, lasst uns Gutes tun, und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören (Er sagt, ohne Aufhören). Ach Freunde, betrachtet doch dieses mit Freude und Andacht, denn alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach (Er sagt, darnach) wird sie denen eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit geben (Er sagt, denen), die dadurch geübt sind. Ferner Paulus: Das ist gewisslich wahr (Er sagt, gewisslich wahr), sind wir mit gestorben, so werden wir auch mit leben, wenn wir mit Ihm leiden, so werden wir auch mit Ihm herrschen, verleugnen wir aber Ihn, so wird er uns auch verleugnen. Ferner bei Petrus: Meine Liebsten, verwundert euch nicht, wenn ihr durchs Feuer geläutert werdet, als widerführe euch etwas neues (er sagt, als widerführe euch etwas neues), sondern werdet des Leidens Christi teilhaftig, damit ihr auch in der Zeit seiner Offenbarung große Freude und Wonne haben mögt.

Seht, solche und dergleichen schöne Verheißungen und solcher Himmelstrost auf die zukünftige Zeit macht ja die Trübsal stets süßer, lieblicher und leichter, denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sehen, was ja auch wahr ist. Darum ist es auch unmöglich, daß sie aus der Hand unsers Hirten gerissen werden sollten. Ja, Gott ist getreu, und nicht ungerecht, daß er eures Werkes und eurer Arbeit der Liebe vergesse, da ihr den Heiligen dientet und auch noch dient.

Nun merkt wohl auf diese schönen Verheißungen Gottes, die hier angeführt sind, und andere mehr; sie zielen und erstrecken sich doch weiter als auf die Hilfe Gottes in der Not dieser Zeit; die Verheißungen, die sich auf diese Zeit beziehen, sind ganz anderer Art, wie oben gemeldet worden ist. Aber dieses sind doch volle Verheißungen und eine Belohnung auf die zukünftige Zeit, ins Ewige und Unvergängliche, ja, unaussprechliche Herrlichkeiten, wie auch Petrus von dergleichen unaussprechlichen Herrlichkeiten spricht: Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns durch seine große Barmherzigkeit zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren hat, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das euch im Himmel behalten wird, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche bereitet ist, daß sie offenbar werde zur letzten Zeit (merkt, zur letzten Zeit), in welcher ihr euch mit unaussprechlicher (merkt, mit unaussprechlicher) und herrlicher Freude freuen und das Ende eures Glaubens davon bringen werdet, nämlich eurer Seelen Seligkeit, (merkt) er sagt: Die ihr jetzt eine kleine Zeit (wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewahrt wird zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun offenbart wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an Ihn glaubt, wiewohl ihr Ihn nicht seht, und um des Glaubens willen werdet ihr euch freuen, mit unaussprechlicher Freude, wie oben angegeben ist. O es sagt Esra mit Recht von dieser unbegreiflichen und unaussprechlichen Belohnung Gottes: Ihr könnt mein Urteil nicht erforschen, noch das Ende der Liebe, die ich meinem Volke verheißen habe.

O wohl den Waghälsen, die da nun in alle Wege mildreich im Geiste aussäen ohne Verdruss, denn sie werden nicht zu kurz kommen, noch verderben, noch faul, noch rostig und mottenfräßig werden.

Merkt und lest Mt 6,19; Lk 12,33; 1Tim 6,19. Denn, o Brüder, unser getreuer Gott ist doch getreu; er bewahrt des Frommen Wohltat wie einen Siegelring, und die guten Werke wie einen Augapfel; zuletzt wird er sich aufmachen, und einem jeden auf sein Haupt vergelten, wie er es verdient haben wird.

Darum mögen wir wohl mit Sirach sagen: Wir haben eine kleine Zeit Mühe gehabt, und haben großen Trost gefunden.

Ach Freunde, lasst uns ausstreuen und Gutes tun ohne Verdruss, denn unsere Belohnung, nach Gottes Verheißung, ist doch groß in der zukünftigen Zeit, wie ihr gehört habt, und ist unergründlich, unbegreiflich und unaussprechlich, wiewohl es jetzt durch seinen Geist seinen Heiligen offenbart worden ist, es ist eine ewige und über die Maßen gewichtige Herrlichkeit.

Nun, jeder Andächtige, der dieses von ganzem Herzen und Seele gründlich und fest glaubt, bekennt und hofft, versteht es denn auch, unter welcher Bedingung und welchen dieses herrliche Reich verheißen und gewiss sei, und welchen nicht.

Ein solcher Verständiger und umsichtiger Christ hat aber so viel Vertrauen zu Gott, und ist so ankerfest in seiner Seele, daß er sich auch dem treuen Schöpfer in Demut mit Leib und Seele ganz übergibt, jedoch in guten Werken, ohne Ruhm.

Ja, wird bekennen und gestehen mit allen hoffnungsvollen Heiligen, daß diese Zeit kurz und das Leiden dieser Zeit um die Gerechtigkeit gering und nicht mit der Herrlichkeit zu vergleichen sei, die an uns offenbar werden soll.

Die Gläubigen achten gering dieser Zeit Leiden, um der Hoffnung der Verheißung und des Lohnes willen.

Zunächst hat der jüngste Bruder von den sieben im Buche der Makkabäer aus seiner freudenreichen Hoffnung die Worte gesagt: Meine Brüder, die sich hier eine geringe Zeit haben martern lassen, erwarten nun das ewige Leben, nach den Verheißungen Gottes; ferner bei dem Salomo: Sie werden ein wenig gestäupt (merkt, ein wenig), aber viel Gutes wird ihnen widerfahren; ferner auch bei Petrus: Ihr, die ihr nun eine kleine Zeit (er sagt, eine kleine Zeit), wo es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtung Ferner: Der Gott aller Gnade, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat durch Jesum Christum, wird euch, die ihr eine kleine Zeit (er sagt, kleine Zeit) leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen und gründen.

Um dieser und mehr dergleichen Gründe willen achten wir dieser Zeit Leiden kurz, klein und leicht, und die Schmach Christi für viel größern Reichtum, als dieser Welt Schatz. So hat nun dieses geängstigte und gebärende Weib, wovon Christus sagt, Pein in der Geburtsstunde, aber nachher hat sie Freude und vergisst der Pein. Und diese, die also stark in Gott sind (wiewohl sie schwach und nicht durch sich selbst sind), die also Glaubensgewissheit, Hoffnung und Liebe Gottes haben, diese (sage ich) sagen auch mit Paulus: Wer will uns von der Liebe Gottes scheiden? Ja, er sagt: Ich bin gewiss, daß weder Tod noch Leben uns von der Liebe Gottes scheiden kann, die in Christo Jesu, unserm Herrn ist, denn ist Gott mit ihnen, wer mag wider sie sein?

Es wäre aber schrecklich, so vermessen sich zu rühmen, zu sagen und zu denken, außer Gott und dem guten Gewissen in ihm, als ob wir durch uns selbst etwas vermöchten; solche Vermessenheit, Großsprecher und eigene Kraft (wie dort des unbedachtsamen Petrus) ist nichtig, gleichwie die Weinrebe, wenn sie sich absondert und nicht an ihrem Weinstocke bleibt, nichts vermag; und gleichwie jene Unvermögenden sich unterstanden, den Satan auszutreiben in dem Namen Jesu, den Paulus predigte. Also mag sich niemand rühmen, ohne Kraft und außer Gott; er muss zuvor überschlagen, ob er wohl mit zehntausend gegen zwanzigtausend ausziehen darf, nach Christi Rat und Rede. Darum, wenn sich denn ja jemand rühmen will, der soll sich billig im Herrn rühmen, so Gott will, und wir leben. Ist nun derselbe mit ihnen, so kann niemand wider sie sein; es ist aber Gott mit ihnen, wenn sie mit Ihm sind; dann vermögen sie alles durch Christum, der sie stark macht. Sie können mit ihrem Gott über die Mauern springen, Kriegsvolk in Stücke zerschlagen, die Welt überwinden; der Hölle Pforte vermögen nichts wider sie, denn die Liebe mit ihrer geduldigen Hoffnung und ihrem festen Glauben vermag es alles durch die Gnade Gottes. Merkt wohl, die sich so nahe, so fest und so freimütig an Gott halten, die werden stärker im Streite, wie Sirach sagt. So haltet euch denn fest an Gott, weicht und wankt nicht, weder zur linken noch zur rechten Seite, damit ihr immer stärker werdet.

Merkt, und Gott sprach zu Josua, den er an Mose Dienst und Stelle setzte: Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen, sei getrost, sei unverzagt, habe nur guten Mut; ferner: sei guten Muts und unverzagt, fürchte dich nicht, und laß dir nicht grauen vor ihnen, denn der Herr selbst will mit dir wandeln, und wird die Hand nicht abziehen noch dich verlassen. Merkt auf den Nutzen in dem freimütigen Vertrauen auf Gottes Verheißung. Darum sagt solches fromme Volk in seinem Herzen: O Herr Gott Israels! Es ist nicht deinesgleichen, weder droben im Himmel noch hier unten auf Erden, der du hältst Bund und Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; merkt wohl, welche es sind, er sagt: Von ganzem Herzen. Deren Fels und Burg der Herr ist, deren Gott ein Erlöser, Trost und Schild ist; das Horn ihres Heils, Schutz und Zuflucht; der Heiland, welcher erlöst von allem Drang. Diese sind es auch, die den Herrn allezeit vor Augen haben, darum ist er ihnen zur Rechten, und sie werden wohl bleiben, sagt David. Daraus merkt ihre Freimütigkeit und ihre Kraft. Aber Menschen scheuen bringt zu Fall: (merkt) Doch wer sich auf den Herrn verlässt, wird beschützt. Merkt, wer mit Gott ist, und mit wem Gott ist, wie David sagt: Der Herr hilft den Gerechten, der ist ihre Stärke in der Not.

Aber, liebe Freunde, wer nun nicht fromm und reines Herzens und zur Anfechtung bereit ist, als ein Diener Gottes, wenn ihn diese Anfechtung überfällt, und erschreckt, oder er hat kein reines Gewissen, keine lautere Liebe zu Gott und dem Nächsten in einem frommen Leben, festen Glauben, Nüchternheit und Wachsamkeit, und ist nicht geharnischt wider allen Anlauf, sondern ein ohnmächtiger Nachfolger, Geiziger, Schläfer oder Heuchler; o Freunde! von dem wird Gott weichen, denn David sagt: Wenn ich Unrecht vorhätte in meinem Herzen, so würde der Herr nicht hören; der Herr ist fern von den Gottlosen, aber der Gerechten Gebet erhört er. Ja, solches ist gewiss, denn Gott erhört die Sünder nicht, merkt, die in Sünden bleiben; wer aber Gott fürchtet, und seinen Willen tut (es heißt, tut) den erhört er.

Darum beschließe und rate ich mit dem weisen Jesus Sirach also: Mein Kind, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung (er sagt, schicke dich zur Anfechtung), desgleichen mit Christo: Ringt darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingeht, ja, seht euch vor, daß eure Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, damit Gott euer Verborgenes nicht aufdecke, und euch damit mitten in der Gemeinde darnieder stoße, weil ihr unrichtig dem Herrn dientet, und euer Herz voll Betrug und Falschheit war. Seht, solche mögen nicht überwinden, sondern allein diejenigen, die mit ihrem Gott wohl stehen, wie gemeldet ist, Judith 5.

Auch muss man ferner ihre Geduld betrachten, die den Frommen in vielen Trübsalen nötig ist; und welch ein großer Vorteil, Nutzen und Gewinn durch Trübsal in Geduld erworben wird, und noch erworben werden soll; diesem folgt nun zum Teil, und denkt nach.

Auch die Reden Judiths, die zur Freimütigkeit aufmuntern, wenn sie sagt: Abraham, Isaak, Jakob, Mose und alle, die Gott lieb gewesen sind, sind standhaft geblieben, und haben viel Trübsal (sie sagt, viel Trübsal) überwinden müssen; aber die Übrigen, die die Trübsal mit der Furcht Gottes nicht haben annehmen wollen, sondern mit Ungeduld wider Gott gelästert und gemurrt haben, sind durch den Verderber und die Schlangen umgekommen. Darum lasst uns in diesem Leiden nicht ungeduldig sein, sondern erkennen, daß es eine Strafe Gottes sei, welche viel geringer als unsere Sünde ist, und lasst uns glauben, daß wir gezüchtigt werden, als seine Knechte, zur Besserung, und nicht zum Verderben. O wie weislich redet davon Salomo: Wer geduldig ist, der ist ein kluger Mensch, und ist ihm ehrlich, daß er Untugend überhören kann, und abermals: Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, der offenbart seine Torheit. Ferner: Ein Geduldiger ist besser als ein Starker, und wer seines Mutes Herr ist, ist besser, als der Städte gewinnt. Merkt, wie lieblich, preiswürdig und nützlich die gottselige Geduld sei, wie Jeremia bezeugt: Es ist ein köstlich Ding geduldig sein, und auf die Hilfe des Herrn warten; daß ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas überfällt, und seinen Mund in den Staub stecke und die Hoffnung erwarte, und lasse sich auf die Backen schlagen, und ihm viel Schmach anlegen, denn der Herr verstößt nicht ewiglich.

Sirach sagt: Ein demütiger Mensch erwartet die Zeit, die ihn trösten wird, denn wiewohl seine Sache eine Zeitlang unterdrückt wird, so werden doch die Frommen seine Weisheit preisen. Davon ist Hiob ein Exempel, und das Ende des Herrn; auch Tobias, denn Gott ließ Trübsal über ihn kommen, warum? Daß die Nachkömmlinge an ihm ein Exempel der Geduld haben möchten, wie an dem heiligen Hiob, sagt er. Ein Engel sagte zu diesem Tobias (als er klagte, daß er das Licht des Himmels nicht sehen könnte), habe Geduld, Gott wird dir bald helfen, wie auch geschehen ist. Es sagt wohl Paulus mit Recht, daß alles, was zuvor geschrieben ist, uns zur Lehre geschrieben sei, damit wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung hätten. Aber merkt wohl, Freunde, wo weder Verheißung, noch gottselige Trübsal ist, da ist ja auch keine Geduld nötig; wo aber das Angeführte sich findet, o, da ist Geduld nötig, denn wir wissen (sagt Paulus), daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden; ferner auch die Reden Christi selbst von der Geduld: Ihr werdet von allen Menschen um meines Namens willen gehasst werden; es soll kein Haar von eurem Haupte umkommen, fasst eure Seelen in Geduld; ferner, Paulus ermahnt uns zu aller Geduld in all unserer Not, daß wir uns darin als Diener Gottes erweisen, mit großer Geduld in Trübsal, in Not, in Schlägen, in Gefängnissen (ja wohl Gefängnissen), in Aufruhr, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem Heiligen Geiste, in ungefärbter Liebe, in dem Worte der Wahrheit, ja, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande (merkt auf alles, worin ein geduldiger Diener Gottes geprüft wird), ja, durch böse Gerüchte und durch gute Gerüchte; als die Verführer, und dennoch wahrhaftig, wie solches zu finden ist 2Kor 6,4. Merkt: Ein Diener Gottes, und womit man beweisen könne, daß er einer sei; ferner Jakobus will, daß wir es für lauter Freude halten sollen, wenn wir in mancherlei Anfechtung fallen, und wisst, sagt er, daß euer Glaube, wenn er rechtschaffen ist, Geduld wirkt, die Geduld aber, sagt er, soll standhaft sein bis ans Ende.

Seht, so muss man durch die Geduld (durch Geduld, sagt Paulus) in dem Streite laufen, der uns verordnet oder vorgestellt ist, und nur auf den Herzog unseres Glaubens sehen, auf den Jüngling, der uns auf dem Berge Zion die Krone der Belohnung aufsetzen wird.

Seht, alles dieses erwirbt der Nutzen und Lohn der Geduld mit Christo und allen heiligen Märtyrern, alles solches muss, im Glauben gesehen und in Geduld erwartet werden, wie auch Jakobus ermahnt, wenn er sagt: So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn, und lasst uns, gleichwie ein Sämann, unsere Ernte und fröhliche Zeit des Mähens erwarten. O dann werden die milden Säleute, die auf den Geist gesät haben, wieder einernten ohne Aufhören.

Liebe Freunde, lasst uns nun auch zur rechten Zeit mildreich auf den Geist in Hoffnung aussäen, und das ohne Verdruss und mit Freuden, denn zu seiner Zeit wird es wieder mit großen Garben unsere Scheuer füllen, wie Gal 6,8–9 steht; denn Gott wind nicht vergessen unsers Werks und unserer Arbeit, wie oben gemeldet.

Um solches aufs Kürzeste zusammenzufassen: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen hat, die ihn lieb haben. Zwar zu dieser Verheißung, zu diesem Erbe, Lohne und zu dieser Krone hat ein jeder Lust, aber die dabei angemerkten Bedingungen, worauf und wodurch solches verheißen wird, seht, solche stehen wenigen Menschen an, das ist, Unterwerfung an das Wort Gottes, uns selbst gänzlich verleugnen, und unser Kreuz freiwillig und getrost auf uns nehmen, denn Paulus sagt: Uns ist es gegeben, daß wir nicht allein an seinen Namen glauben, sondern auch um seinetwillen leiden.

Merkt doch, Freunde, daß es gewiss sein Wohlgefallen sei, daß der Knecht seinem Herrn gleich sein soll; darum hat Christus seinen Knechten und Jüngern so viel Leid, Druck, Schmach, Leiden und den Tod um seines Namens willen zu seiner Zeit zugesagt und verheißen, und das mit gewisser Belohnung.

Er hat ihnen solches nicht als einen Wahn verheißen, nicht als einen Zufall und von ungefähr, sondern als etwas Sicheres und Gewisses, daß solches euch begegnen werde, wie nachher folgt, und auch zum Teil angewiesen wird.

Zunächst die Rede Christi selbst: Seht, ich sende euch als Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug und vorsichtig wie die Schlangen, aber ohne Falsch, wie die Tauben; hütet euch vor den Menschen, denn sie werden euch (er sagt, sie werden euch) überantworten in ihre Rathäuser, und werden euch geißeln in ihren Schulen, und man wird euch vor Fürsten und Könige führen, zum Zeugnis über sie und über die Heiden.

Ferner: Ein Bruder wird (er sagt, wird) den andern dem Tode überantworten, der Vater den Sohn, die Kinder werden sich wider ihre Eltern erheben, und ihnen zum Tode helfen, und ihr müsst (er sagt, müsst) von allen Menschen um meines Namens willen gehasst werden.

Ferner: Denkt an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Jünger über seinen Meister; haben sie mich verfolgt, so werden sie (er sagt, sie werden) euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie das eure auch halten; aber solches alles werden sie euch tun um meines Namens willen.

Und abermals: Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert; sie werden (er sagt, sie werden) euch in den Bann tun; ja, die Zeit kommt, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran; und das werden sie euch darum tun, weil sie weder mich noch meinen Vater kennen; solches aber habe ich zu euch gesagt, damit, wenn die Zeit kommt (merkt wohl), daß ihr dann daran denkt, daß ich es euch gesagt habe. Paulus sagt auch, daß wir durch viel Trübsal müssen (er sagt, durch viel Trübsal müssen) in das Reich Gottes eingehen, und daß alle (er sagt, alle) die gottselig leben wollen, Verfolgung leiden müssen.

So merkt denn nun darauf, liebe Freunde, muss und wird es denn so geschehen, wie zum Teil gemeldet worden und auch gewiss ist, wohlan denn in Gottes Namen, so soll es freiwillig geschehen. Darum lasst uns nicht auf die fürchterliche Trübsal und Not, sondern durch dieselbe hindurchsehen, wie vorgemeldet ist, und lasst uns alle des Trostes eingedenk sein, der darauf folgt, auch dass diese zeitliche Trübsal nicht mit der ewigen Herrlichkeit zu vergleichen sei. Lasst uns auch bedenken, daß diese böse und ungerechte Welt des seligen Kranzes, für die Gerechtigkeit zu leiden, untüchtig und unwürdig sei.

Aber diejenigen sind dazu tüchtig, die Christo in der Wiedergeburt nachgefolgt sind, und alles, was ihnen hier lieb war, verlassen haben. Gedenkt auch, Brüder, dass diejenigen Bastarde seien und keine Kinder, welche ohne diese Züchtigung sind. Also ist uns Gläubigen Trübsal als gewiss verheißen, wie wir gehört haben.

So wäre denn dieses hierin mein Rat und Nachricht mit Sirach und vielen andern: Wenn wir Gott dienen wollen, so lasst es uns mit Ernst tun, damit wir ihn nicht versuchen, denn wer Gottes Diener sein will, der muss sich zur Anfechtung schicken (merkt, schicken) und allezeit in des Herrn Werk sich üben, damit, wir seien daheim bei Ihm, oder wallen von Ihm, wir allezeit Gott wohl gefallen, und muss sich ein jeder dessen bestreben, dass er der Vornehmste sei (nicht sich dünken lassen, oder rühmen, sondern sein) in guten Werken, wie auch Petrus sagt: Weil ihr auf seine Zukunft warten sollt, Allerliebste, so tut Fleiß, daß ihr vor Ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Ach, wie muss man dann zubereitet sein mit einem heiligen Wandel und Gottseligen Wesen! Wer nun diese Hoffnung in sich hat, der reinige sich selbst, gleichwie der (den wir erwarten) auch rein ist: Der Heilige muss noch heiliger und der Reine noch reiner werden. Heilig und heiliger werden kommt uns zu, weil wir so einen Heiligen zum Vater anrufen, der ohne Ansehen der Person richtet, wie Petrus sagt, und das nach eines jeden Werke: Darum führt euren Wandel in der Zeit eurer Wallfahrt mit Furcht, so werden wir dann bestehen, wie Petrus sagt: Die da leiden nach dem Willen Gottes, die sollen Ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer in guten Werken (merkt, guten Werken). Niemand verstehe hier eine Seligkeit durch gute Werke, sondern eine Seligkeit mit guten Werken; gute Werke, ohne daß sie die Seligkeit verdienen; (merket wohl) sondern die Seligkeit ist aus Gnaden zur Dankbarkeit gegen unsern Herrn Jesum Christum, Gal 2,16, noch klarer Eph 2,8–9. Dieses, sage ich, ist mein Rat, daß wir unsere Seelen auch so zubereiten, und sie Ihm (als einem Getreuen) in die Hände befehlen, und das mit guten Werken ohne Ruhm (ohne Ruhm) als seine unnützen Knechte, die doch so gern vollkommen wären. Darum, liebe Freunde, suchen wir unser Leben nicht zu erhalten, das wir doch verlieren; aber wir bitten unsern Gott allezeit um Leidenskraft, um es tapfer und unverzagt zu endigen. Amen, lieber Herr, Amen.

Nun wollen wir die frommen Leute in den vorigen Zeiten zum Exempel anführen.

Merkt auf die verfolgten, sehr gehassten und getöteten frommen Leute, von wem und warum solches allezeit geschehen sei, damit, wenn auch wir solcher Leiden und eines solchen Todes teilhaftig werden, wir uns darüber (als über etwas Neues) nicht verwundern.

Zuerst ist der fromme, gute Abel von Kain um seiner Frömmigkeit willen aus Hass getötet worden; Lot wurde von den wollüstigen Sodomiten um seiner Tugend und Gerechtigkeit willen sehr gequält; David wurde von Saul, Simei und von Absalom, seinem Sohne, um seiner Ehre und seines eigenen Reiches willen verfolgt; der Mann Gottes aus Juda, um seiner Weissagung willen wider die Götter und den Altar Jerobeams, ward von ihm bedroht; der heilige großmächtige Prophet Gottes Elia ward flüchtig und von Isebel um seiner prophetischen Wunder willen, die er durch Gott wirkte, verfolgt, wie auch viele andere, die zu seiner Zeit getötet worden sind. Micha wurde von dem Könige gefangen, der ihn mit Wasser und Brot der Trübsal speiste, weil er mit Gottes Geist und heiligem Worte vierhundert falschen Propheten der Isebel widersprach. Uria, ein Prophet, wurde gleichfalls flüchtig, aber wieder ergriffen, und von dem Könige Jojakim mit dem Schwerte getötet, um seiner Botschaft von Gott, nämlich der Weissagung willen wider Jerusalem und das Land Juda. Jeremia, den Propheten Gottes, haben die Fürsten in die Schlammgrube versenkt, um ihn zu töten, weil er nicht aufhörte, im Namen des Herrn zu predigen und zu weissagen. Zacharias, eines Priesters Sohn, ein Prophet des Herrn, wurde auf Befehl und Gebot des Königs gesteinigt, denn er weissagte ihnen alles Unglück, weil sie das Gute verlassen und Gottes Wort übertreten hatten, merkt, um welcher Ursache willen sie alle getötet worden sind. Die drei Jünglinge, Sadrach, Mesach und Abednego wurden von dem Könige Nebukadnezar in einen Ofen gesteckt, der siebenmal heißer gemacht war als zuvor, worin sie jedoch Gott um ihres Vertrauens willen bewahrte, weil sie des Königs selbst gemachtes Bild, seinen Abgott und sein Narrenspiel weder ehren noch anbeten wollten. Daniel, ein hochgeachteter, heiliger Prophet Gottes, wurde von denen, die den Drachen anbeteten, wider des Königs Willen und Macht aus Hass und Neid, in die Löwengrube geworfen, wurde aber doch von Gott bewahrt und noch erlöst; solches ist geschehen, weil er, ohne sich vor jemand zu scheuen, selbst vor des Königs ausdrücklichem Befehle nicht, allein seinen Gott öffentlich und frei geehrt, angebetet und bei offenen Fenstern gegen Jerusalem bekannt hat. Merkt: Hat es nicht fein die Frommen gesucht? Ja, gesucht und gefunden. O Herr, alle Standhaften und Frommen in Israel wurden zerstreut, und von Antiochus ermordet. Warum? Merkt, weil sie ihre Kinder, nach Gottes Befehl, beschnitten, kein Schweinefleisch essen wollten, welches nach dem Gesetze verboten war, auch sich der heidnischen Weisen entschlugen, weil sie unrein und wider das Gesetz waren; desgleichen wurden noch einmal alle Juden überall wie wilde Tiere gefangen, gebunden, gejagt, fortgeschleppt, zu Schiffe hinweggeführt, um miteinander getötet zu werden, und doch durch die Hand Gottes wunderbar erlöst. Diese wurden von dem Könige Ptolmäus so geplagt, weil sie sich von dem Könige nicht zwingen lassen wollten, von dem Gesetze Gottes abzufallen, den Götzen zu opfern, und heidnische Weisen anzunehmen. Keine feine Ursache, Freunde, doch so geht es noch jetzt; desgleichen ist auch im zweiten Buche der Makkabäer, ein grausames Gebot von demselben Könige Ptolämäus erlassen worden, daß der auf der Stelle erstochen werden sollte, wer solches nicht halten würde.

Einige wurden verbrannt; zwei Frauen wurden ihre Kinder an ihre Brüste gebunden, welche so zum Spott in der Stadt herumgeführt und zuletzt über die Mauern geworfen wurden; merkt: Warum? Weil sie standhaft blieben bei dem Gesetze Gottes, und ihre Kinder beschnitten hatten. Ebenso wurde auch der alte neunzigjährige Eleazar von Antiochus umgebracht. Warum? Um seiner ungeheuchelten Standhaftigkeit willen, weil er kein Schweinefleisch essen, oder nicht das Ansehen haben wollte, als hätte er gegessen; auf gleiche Weise wurde auch eine fromme Mutter mit sieben standhaften Söhnen von dem Könige Antiochus in glühenden Pfannen gebraten, ihnen außerdem auch die Kopfhaut abgezogen, und die Zungen abgeschnitten. Warum? Merkt, weil sie keineswegs wider das Gesetz Schweinefleisch essen wollten. Dergleichen findet man mehr im alten Testamente.

Ebenso findet man auch hiervon im Neuen Testamente Beispiele.

Zunächst der heilige Vorläufer Christi, Johannes der Täufer, wurde von Herodes enthauptet. Ei, der gute Mann, warum hat er ihn getötet? Merkt, weil er Herodes wegen eines ungeziemenden und schändlichen Hurenhandels bestrafte. Der gute Christus Jesus wurde auch von der Welt gehasst, weil er wider ihre bösen Werke zeugte; ja, der Richter Pontius Pilatus, der durch der Juden Hass angetrieben wurde, hat ihn ohne Schuld oder irgendeine Ursache, die den Tod verdient, überantwortet und getötet. Auch wurden die heiligen Apostel oft von dem Rate der Priester gefangen, gegeißelt und ihnen das Predigen in Jesu Namen verboten. Warum? Damit Jesu Name, Lehre und Kirche sich weder ausbreiten, noch zunehmen sollte.

Stephanus, ein Diener der Armen und ein frommer Zeuge Jesu, wurde von den Halsstarrigen gesteinigt. Warum? Weil sie seinem Geiste, seiner Weisheit und Lehre nicht widerstehen konnten. Die Gemeinde der ersten Zeit zu Jerusalem wurde von den Juden verstört und durch das ganze jüdische Land zerstreut; ebenso zog auch der Verfolger Saulus mit Briefen und Vollmachten hin und her, um alle diejenigen zu fangen und zu peinigen, die er dieses Weges und Sinnes finden würde, um dadurch Christi Lehre, Glauben und Weg zu verhindern. Summa: Es wurden noch einige von Herodes gepeinigt: Jakobus wurde mit dem Schwerte getötet, und als Herodes sah, daß solches dem Volke wohlgefiel, fing er auch Petrus und bewahrte ihn mit sechzehn Dienern, gebunden mit zwei Ketten, bei verschlossenen Türen, und das darum, weil die Juden ihn hassten; aber der Engel erlöste ihn. So lasst uns denn darüber uns nicht verwundern, als über etwas Neues.

Zum Beschlusse empfangt meinen ewigen Abschied und brüderlichen Gruß.

Seht, dieses habe ich meinen lieben Freunden, Brüdern und Schwestern in dem Herrn in meiner Demut und guten Meinung, aus drei besonderen Gründen liebreich zugeschrieben; die erste Ursache ist die, um euch etwas bekannt zu machen, was angenehm zu hören, und auch eine Nachricht von meiner Wohlfahrt, Gesundheit und meinem guten Mute, nach Seele und Leib zu erteilen, damit ihr dadurch erweckt werdet, mit mir Gott zu loben, Ihm zu danken und Ihn zu bitten, wegen all seiner Gnade und Trost, den er an mir Unwürdigen und so auch an uns allen erwiesen hat. Von diesem Troste, womit ich von Gott getröstet werde, habe ich euch hiermit auch mitteilen wollen, was nach eurem Verlangen und Begehren geschehen ist, nämlich süßen Honigseim, Rosengeruch, Balsam, Weihrauch und Myrrhen, als aus Edens Lustgarten der himmlischen paradiesischen Früchte, euch zu einer Frucht, Probe, Geruch und Ergötzung, inwendig mit gründlicher Andacht zu betrachten, ja, euch zu einem besonderen Kennzeichen meiner Freude und meines Friedens, welche ich fühle mit Gott zu haben, in der Eintracht und in einem Geiste. O ich unwürdiger und unnützer Knecht meines Herrn! Der ich Frieden mit meinem Christo und die Gemeinschaft seines Geistes genieße, wie Röm 8,15; 1Kor 6,17; Gal 3,26 Ihm zum Danke gesagt wird; es ist alles durch seine erbarmende Treue und große unverdiente Gnade. Ich rühme mich des Herrn und seiner Macht, wir haben von Ihm solch einen köstlichen Schatz empfangen in unsere schwachen irdenen Gefäße, wenn nun derselbe erhalten bleibt, so ist die Herrlichkeit der Kraft aus Gott und nicht aus uns, o, nicht aus uns, sondern aus Gnade sind wir, was wir sind.

Die zweite Ursache ist die, weil ihr einer Hoffnung, eines Trostes und Lohnes mit mir teilhaftig geworden seid, und damit ich durch die Anweisung unseres Trostes, in Lehre und Exempeln der Schrift, wie zum Teil hier gemeldet ist, eine Erquickung, Andacht und inwendige Freude in euch erwecken, auch das Andenken der Verheißungen erneuern möchte, wodurch ich meine Gunst, Liebe und mein geneigtes Herz gegen euch alle an den Tag lege, der ich eurer in dem Herrn eingedenk bin.

Die dritte und letzte Ursache ist die, daß ich dadurch viele von euch verpflichten möge, auch dergleichen zu tun, und uns wieder einen Brief zu senden (zum Zeichen und Beweise eurer standhaften Tapferkeit in der Liebe), worüber wir uns trösten, freuen und eure Aufrichtigkeit gegen uns erkennen mögen, vermöge der Lehre und Schuld, womit man den Gefangenen verpflichtet ist, als Mt 25,37; Apg 12,5; 2Tim 1,16; Hebr 13,3, welches wir drei Gefangene hier von euch sehr gut aufnehmen würden, ja so liebreich, als den Geruch von jungen Rosen, Weihrauch und Myrrhen aus dem Lusthause Zions, als unseres Gottes Wein- und Lustgarten, was uns bisher noch wenig zu Teil geworden ist, ja, so wenig, daß es scheint, als ob die Liebe zu uns in euch fast erloschen wäre; doch, o daß ich weder euch noch sonst jemanden in Worten der Falschheit verletzte, denn solches verstehe ich nicht von der Notdurft, o nein! Wir danken Gott und den Sorgfältigen deshalb aufs Beste. Nehmt doch alles Gute von mir in Gutem auf, und deutet mir alle Liebe der Liebe nach; darum bitte ich sehr um des Herrn willen. Niemand vergreife sich an meinem liebreichen Tun, deute und denke mir nicht nach, als ob dies oder dergleichen von mir aus Ehre und Ruhmsuche geschehen sei, oder um dadurch jemanden zu Geschenken zu bewegen, oder um fleischlicher und irdischer Gemeinschaft willen, denn hierzu hat mich diese Liebe aus reiner Meinung bestimmt; o Herr, dir ist es alles bekannt!

Ei, meine lieben Freunde, die reine Liebe denkt nichts Arges, doch sie sieht, merkt und bestraft wohl das Arge. Hiervon liefern Ananias, Simon der Zauberer und der Hurer zu Korinth klare Beispiele.

So befehle ich euch nun, liebe Freunde, Brüder und Schwestern, wie zuvor, Gott und dem Worte seiner Gnade (als der Gruß Paulus), welcher mächtig ist euch aufzubauen und euch das Erbe unter allen zu geben, die geheiligt sind. Seid gegrüßt, gestärkt, getröstet und sehr getrost in dem Herrn. Gehabt euch wohl.

Wacht und betet. Von mir, Henrich Alewynß und meinen Mitgefangenen, sämtlich wohlgemut im Herrn.

Gegeben im Jahre 1568 im November.

Ja, liebe Freunde, ehe dieser Brief aus meiner Hand kam, sind wir beide vor Gericht gebracht worden, nämlich der liebe Gerhard Janß Duynherder, unser frommer Bruder, und ich. Seht, wir sind in Haft geblieben und wirklich verurteilt, und erwarten nun beide binnen Kurzem den Tod. O Herr, o Herr, in deine Hände, o treuer Schöpfer, befehlen wir unsere Seele und unsern Geist! Amen.

O liebe Gemeinde Gottes, habe Acht auf meine armen lieben drei Waisen, welche weder Eltern, noch Gut, noch Erbe haben.

Gute Nacht, meine lieben Kinder; gute Nacht, alle meine Freunde. Dieses dient euch allen zum Vorgang und meinem Herrn Christo zur Nachfolge in seinen Fußstapfen. Herr, stehe deinen Knechten bis ans Ende bei, obgleich sie unwürdig und unnütz sind.