2.405  Karl de Raet und sein Weib Grietgen, Hansken in dem Schaek, Wilhelm, ein Schneider, mit seinem Weib Christintgen, 1568.

Auf den dritten Mai 1568 sind zu Tillegem bei Brügge in Flandern einige Brüder versammelt gewesen, um die Predigt des Wortes Gottes zu hören; dort sind sie von einigen überfallen worden, die hinausgegangen waren, um Maibäume zu holen; es wurden ihrer Fünf gefangen genommen, nämlich: Karl de Raet, ein Schäfer, geboren zu Wingen, und Hansken in dem Schaek, genannt Hansken Seiler aus dem Schaek zu Kortryck, Wilhelm der Schneider, von Honschote und zwei andere, welche, weil sie nicht tapfer für die Wahrheit gestritten, nicht wert sind, daß ihre Namen hierher gesetzt werden; Karl de Raets, wie auch des Schneiders Wilhelm Weib, sind nicht mit gefangen genommen worden; auch war des Karls Weib noch nicht mit der Gemeinde vereinigt, wiewohl sie dazu bereit war. Als diese Männer gefangen genommen waren, hat es sich zugetragen, daß Martin Lem, ein Bürgermeister von Brügge, des Nachts, ungefähr um zwölf Uhr mit den Nachtwächtern ausgegangen ist, und zuerst Christintgen, Wilhelm Schneiders Weib, gefangen genommen hat. Als nun einer von den Nachtwächtern, Martin Lem, mit den anderen nach dem Hause gehen wollten, worin Grietgen, Karl de Raets Weib, zu finden war, und sie hart an der Festung zwischen der Eselspforte und Jerusalem ihren Weg nahmen, ist Grietgen mit zweien ihrer Kinder ihnen unvermutet begegnet, weshalb Martin Lem sagte: Seht, Gott gibt uns diese Hure hier in unsere Hände, und fragte sie: Wo gehst du hin? Sie antwortete ganz erblasst: Nach der Kirche. Darauf sagte er: Es ist jetzt keine Zeit nach der Kirche zu gehen, wo ist dein Mann? Sie antwortete: Das weißt du wohl. Er fragte, ob die beiden Kinder getauft wären. Sie antwortete: Nein. Haben sie denn keinen Namen?, fragte er; sie antwortete: Ja. Ei, sagte er, woher haben sie denn einen Namen, ehe sie getauft sind? Sie antwortete: Man gibt ja den Hunden und andern Tieren einen Namen, um wie viel mehr den Kindern, die nach dem Bilde Gottes erschaffen sind; ich wusste nicht, daß meine Herren von Brügge noch so blind sind. Redest du so, sagte Martin Lem, so sollst du verbrannt werden. Das weiß ich, sagte sie, aber dann wird mir die Krone des Lebens zubereitet. Hierauf wurden diese beiden Weiber mit nach dem Gefängnisse geführt, hier wurde ihnen, wie auch den drei vorgemeldeten Männern viel Qual, Mühe, Pein und Leiden zugefügt, um sie vom Glauben abzubringen, aber es war alles vergebens; deshalb wurden zunächst die Männern verurteilt, auf dem Hillige bei Brügge verbrannt zu werden, wo sie auch ihr Opfer ohne Furcht getan haben. Einige Tage darauf wurden auch die beiden Frauen, weil sie standhaft bei Gott und seiner Wahrheit blieben, zum Tode verurteilt und auf dem Burgt in Brügge verbrannt, und erwarten nun alle die Zukunft dessen, der da kommen wird, um all ihr Leid zu rächen.