2.399  Ein Brief von Jaques Mesdag.

Ich, Jaques Mesdag, gefangen zu Kortryck um des Wortes Gottes und des Zeugnisses unsers Herrn Jesu Christi willen, der ich im Jahre 1566 den ersten März eingesetzt worden bin, wünsche dir, meiner herzlich geliebten, sehr werten auserwählten Schwester aus dem Grunde meines Herzens und dem Innersten meiner Seele, daß es dir allezeit wohl ergehen möge und daß du an Leib und Seele gesund seiest. Die Gnade, Barmherzigkeit, der Friede, die Freude und Liebe mit einer lebendigen geistigen Hoffnung und einem recht evangelischen Sinne und Zutrauen, auch einem ungefärbten Glauben, der durch die Liebe wirkt und die Erleuchtung samt dem Troste und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei dir zur Gnade von Gott, dem himmlischen Vater, geschenkt, durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen uns die Gnade geschehen ist, denn Paulus sagt, Tit 2: »Die Gnade Gottes ist allen Menschen erschienen, und lehrt uns, daß wir das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen und mäßig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben sollen, als solche, die die selige Hoffnung und Offenbarung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Seligmachers Jesu Christi erwarten, der sich für uns dahin gegeben hat, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse, und sich selbst ein Volk des Eigentums reinige, das zu guten Werken fleißig wäre.« Denn er ist gekommen und hat im Evangelium den Frieden verkündigt, uns, die fern waren, und denen, die nahe waren; darum sind wir nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Hausgenossen Gottes, gebaut auf den Grund der Apostel und Propheten, wovon Jesus Christus der Eckstein ist, welchen die Bauleute verworfen haben; derselbe hat selbst unsere Sünden geopfert an seinem Leibe auf dem Holze, damit wir, die wir der Sünde abgestorben sind, der Gerechtigkeit leben möchten, durch dessen Wunden wir gesund geworden sind, denn wir waren wie verirrte Schafe, aber nun sind wir bekehrt zu dem Hirten und Bischofe unserer Seelen, zu dem Könige der Könige und Herrn der Herren, der uns geliebt hat, und uns von unsern Sünden mit seinem Blute gewaschen, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, welchem sei Lob, Preis, das Reich und Dank, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Dieses wünsche ich dir, meine allerliebste auserwählte Schwester in Christo Jesu, unserm Seligmacher, den ich von Grund meines Herzens und aus dem Innersten meiner Seele liebe, zum herzlichen und freundlichen Gruße und zum ewigen Andenken.

Mein liebes Schaf, es kann sich wohl zutragen, daß wir hier bald voneinander scheiden müssen, denn es scheint, daß das grausame Tier unserm Blute sehr nachstellt; aber ich hoffe, daß, obgleich wir hier um des Herrn Namen willen voneinander scheiden müssen, wir doch dort in dem ewigen Leben zusammen kommen werden, wo nichts als Freude und Fröhlichkeit sein wird, welche von Ewigkeit zu Ewigkeit währen wird; dann werden uns die Tyrannen nicht scheiden, noch uns irgendein Leid zufügen können, denn nachdem sie den Leib getötet, haben sie keine Macht mehr etwas zu tun, wie Christus selbst sagt.

Darum, meine herzlich geliebte und sehr werte Schwester, fürchte du dich nicht vor ihren Drohungen und erschrick nicht (1Pt 3,14). Wie auch der Herr durch den Propheten Jesaja in dem 51. Kapitel im 7. Verse gesagt hat: »Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in deren Herzen mein Gesetz ist. Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzet euch nicht, wenn sie euch verzagt machen, denn die Motten werden sie fressen, wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen, wie ein Wollentuch, aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich, und mein Heil für und für, denn ich bin euer Tröster. Wer seid ihr denn, daß ihr euch vor den Menschen fürchtet, die doch sterben müssen, und vor Menschenkindern, die wie Heu vergehen.« »Denn sieh, es kommt der Tag, der wie ein Ofen brennen soll, da werden alle Stolzen, die Gewalt und Unrecht tun, mit den Gottlosen wie Stroh sein, spricht der Herr, und es wird von ihnen weder Zweig noch Wurzel übrig bleiben; euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.«Mal 3,19–20 »Ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauer und Seufzen wird von ihnen fliehen.«Jes 51,11 »Ja, die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reiche.«Mt 13,43 »Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht die Sonne, noch irgendeine Hitze auf sie fallen, denn das Lamm mitten im Stuhle wird sie weiden, und wird sie zu dem lebendigen Wasserbrunnen leiten, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen und der Tod wird nicht mehr sein, auch wird weder Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen mehr sein.«Offb 7,16–17 »Denn wer überwindet, dem wird kein Leid mehr geschehen von dem zweiten Tode, und er wird alles besitzen, und die Krone des Lebens empfangen.«

Darum, o meine liebe auserwählte Schwester Susanneken! Laß uns doch Christo, unserm Bräutigam, allezeit treulich anhängen bis in den Tod, damit wir doch dermaleinst alle die Krone des Lebens empfangen und an dem großen Tage des Herrn die schöne und liebliche Stimme hören mögen: »Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch von Anbeginn der Welt bereitet ist!«Mt 25,34 Wogegen er aber zu den andern sagen wird: »Geht von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!«Mt 25,41

Ach, welch ein großer Unterschied wird alsdann zwischen denen sein, die dem Herrn gehorsam gewesen sind und ihn gefürchtet haben, und denen, die ihm nicht gehorsam gewesen sind, und ihn nicht gefürchtet haben! Das Los der einen wird der feurige Pfuhl sein, der von Feuer und Schwefel brennen wird, welches der zweite Tod ist (Offb 21,8); das Los der andern aber wird das ewige Leben sein (Joh 3,16); denn wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird es zum ewigen Leben erhalten (Joh 12,25); auch hat Christus ferner gesagt (Mt 16,25), wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden oder erhalten. Darum, meine herzlich geliebte und sehr werte Schwester, die ich ja von ganzem Herzen wert und lieb habe, laß uns doch hierin guten Mutes und getrost sein in dem Herrn, wenn uns auch die Tyrannen unser zeitliches Leben nehmen um des Herrn Namens willen (Mt 10,28), und uns voneinander scheiden, denn wir wissen, sagt Paulus (2Kor 5,1), daß, wenn unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, wir einen Bau von Gott erbaut haben, ein Haus nicht mit Händen gemacht, sondern das ewig ist im Himmel, dessen Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr 11,10).

Ach, meine liebe und sehr werte Schwester! Hätten wir diesen Leib unseres irdischen Hauses hier abgelegt in Jesu Christo, daß wir daheim bei ihm wären, der unsern verworfenen Leib verklären wird, daß er ihn dem Leibe seiner Klarheit gleich mache (Phil 3,21); denn wir haben hier keine bleibende Stätte (Hebr 13,14), sondern wir suchen die zukünftige, wie der Apostel sagt.

Ach, daß wir daselbst wären in der schönen angenehmen Stadt, die aller Güter voll ist, welche weder der Sonne noch des Mondes, oder des Lichtes der Kerzen zu ihrer Leuchte bedarf, denn des Herrn Klarheit erleuchtet sie, und das Lamm ist ihr Licht, und sie werden von Ewigkeit zu Ewigkeit regieren (Offb 21). Aber hier müssen wir zuvor auf dem schmalen Wege wandeln, gleichwie Christus selbst gesagt hat (Mt 7,14), ehe man dahin gelangen oder kommen kann, denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind, die darauf wandeln; aber die Pforte ist eng und der Weg schmal, der zu dem ewigen Leben führt, und wenige sind, die ihn finden, und (leider) noch wenigere, die darauf zu wandeln begehren, weil es dem Fleische bisweilen etwas schwer fällt; denn es ist denen hier in dieser bösen Welt sonst nicht viel verheißen als Trübsal und Leiden, die den schmalen Weg in der Nachfolge Christi zu gehen begehren und, nach ihrem schwachen Vermögen, gottselig wandeln wollen (in dem Tränentale), denn Paulus sagt ja, 2Tim 3,16: »Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden.« Denn die Wahrheit fällt auf der Gasse, und das Recht kann nicht einhergehen, und die Wahrheit ist dahin, und wer vom Bösen abweicht, muss jedermanns Raub sein.

Ach, meine auserwählte und in Gott geliebte Schwester! Es hat uns der Herr so viel Gnade gegeben, daß wir den Weg der Gnade gefunden haben, das ist die rechte Gnade Gottes, worin ihr steht, sagt Petrus. Ach, laß uns doch allezeit treulich darin wandeln bis ans Ende, nach unserm kranken und schwachen Vermögen, wenn wir auch hier eine kurze Zeit um des Namens Christi willen Trübsal und Leiden haben, denn durch viel Leiden müssen wir ja in das Reich Gottes eingehen. So sagt auch Christus selbst: »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!« Ferner sagt er auch: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; doch wenn ihr auch betrübt seid, so soll doch eure Traurigkeit in Freude verwandelt werden, denn ein Weib, wenn sie gebärt, hat Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, weil ein Mensch zur Welt geboren ist. Also habt ihr nun auch Traurigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und niemand soll eure Freude von euch nehmen.« Ebenso sind wir nun auch schwanger und in Kindesnöten, daß wir kaum Atem holen können, wie auch bei dem Propheten Jesaja steht; aber, wenn wir alle Angst und Trübsal ausgeboren und unsern Leib in dem Herrn abgelegt haben werden, so werden wir uns auch endlich mit unaussprechlichen Zungen erfreuen, wenn wir auch hier in den Wehen sind, meine liebe und sehr werte Schwester, um des Namens willen, nämlich eine kurze Zeit in Angst und Leiden, und von allen Menschen gehasst sein müssen, denn Christus sagt selbst, Mt 10,22: »Ihr werdet um meines Namens willen von allen Menschen gehasst werden; wer aber standhaft bleibt bis aus Ende soll selig werden.« So sagt auch Paulus, Phil 1,29: »Denn euch ist gegeben, um Christi willen zu tun, daß ihr nicht allein an ihn glaubt, sondern auch um seinetwillen leidet.«

Aber meine sehr liebe und auserwählte Schwester in dem Herrn, die ich mit rechter ungeheuchelter, göttlicher und brüderlicher Liebe liebe, es wird uns dermaleinst dort doch alles nichts schaden, was wir hier um des Namens Christi willen erlitten haben, indem er uns reichlich und mit Freuden belohnen wird; denn gleichwie des Leidens Christi viel über uns kommt, so werden wir auch durch Christum reichlich getröstet. »Das ist ja gewisslich wahr, sagt Paulus ferner, sterben wir mit Ihm, so werden wir auch mit Ihm herrschen, verleugnen wir Ihn, so wird er, uns auch verleugnen.«2Tim 2,11–12 Wenn wir aber Ihn vor den Menschen bekennen, so wird er uns auch vor seinem Vater bekennen, der im Himmel ist, wie Christus selbst sagt.

Darum, mein liebes Schaf, laß uns doch allezeit ernstlich zusehen und uns hüten, daß wir Christum, unsern Bräutigam, hier keineswegs verleugnen, die Menschen mögen uns auch Leiden zufügen so viel sie wollen, denn die Zeit, die man hier ist, ist doch kurz in Vergleichung mit der Ewigkeit, und wenn wir auch lebenslänglich um des Herrn Namen willen in einem dunklen Loche liegen müssten, so kann man es doch nicht mit der Ewigkeit und Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll, vergleichen, denn Paulus sagt, Röm 8,18: »Ich halte, daß dieser Zeit Leiden mit der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll, nicht zu vergleichen sei.« »Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, bringt eine ewige und über die Maßen gewichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sehen, denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig.«2Kor 4,17-18

So laß uns denn, ach, meine liebste Schwester, nicht auf das, was zeitlich und vergänglich ist, sehen, sondern laß uns doch allezeit uns selbst gänzlich verleugnen und täglich unser Kreuz auf uns nehmen, und Christo treulich und willig in allem nachfolgen, was uns vorkommen mag, um seines heiligen und herrlichen Namens willen; laß uns auf die Belohnung und die schönen Verheißungen sehen, die ewig währen sollen. Laß uns doch uns selbst allezeit mit den schönen Verheißungen des Herrn trösten, die er den Seinen gegeben hat, die Ihn fürchten und lieben, und Ihm in allem gehorsam sind bis ans Ende.

Darum, meine liebe und sehr werte Schwester Susanneken, laß uns doch allezeit in allen Dingen Ihm gehorsam sein, um seinen göttlichen Willen nach unserm schwachen Vermögen bis ans Ende zu erfüllen, und allezeit mit großer Geduld und Leidsamkeit seine schönen Verheißungen erwarten, gleichwie alle frommen Männer getan haben, die im Glauben gestorben sind, und die Verheißungen nicht erlangt, sondern sie von weitem gesehen, sich ihrer getröstet und denselben angehangen, auch bekannt haben, daß sie Gäste und Fremdlinge auf Erden wären; diese haben Spott und Geißel, Bande und Gefängnisse erduldet, sind auch gesteinigt, zerhackt, durchstochen und mit dem Schwerte getötet worden; sie sind in Pelzen und Ziegenfellen umhergegangen und haben mit Mangel, Druck und Ungemach, deren die Welt nicht wert war, gekämpft; sie sind flüchtig geworden und haben in Wüsten und Höhlen zugebracht, sind aber nichtsdestoweniger ihrem Gott gehorsam gewesen. Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er gerufen wurde um auszugehen in das Land, das er zum Erbe empfangen sollte; er ging aus, und wusste nicht, wo er hinkommen würde. Durch den Glauben ist er in dem Lande der Verheißung ein Fremdling gewesen und wohnte wie in einem fremden Lande, mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Hütten, denn er erwartete eine Stadt, die einen Grund hatte, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch den Glauben wollte auch Mose, als er groß ward, nicht ein Sohn der Tochter Pharaos genannt werden, und wählte lieber, mit dem Volke Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzlichkeit der Sünden zu haben, und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum, als die Schätze Ägyptens, denn er sah auf die Belohnung.

So laß uns denn, meine herzlich geliebte und sehr werte Schwester, Gott, unserm himmlischen Vater, allezeit gehorsam sein bis in den Tod, und auch, wie Mose tat, lieber wählen, mit dem Volke Gottes hier in diesem Tränentale eine geringe Zeit Ungemach zu leiden, und auf die schöne Belohnung, die endlich dort kommen soll, zu sehen, denn es hat kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, und ist auch in keines Menschen Herz gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (1Kor 2,9). Ach sieh, meine liebe Schwester, wie reichlich werden diejenigen belohnt, die Gott lieben und fürchten. Ach sollten wir denn den Herrn nicht fürchten und von ganzem Herzen lieben, der uns doch so reichlich lohnen wird; es wird nicht ein einziges Wort von seinen Verheißungen fehlschlagen, denn er ist so treu, der sie uns gegeben hat, wenn wir auch hier eine kurze Zeit um des Namens Christi, unsers Herrn, willen Trübsal und Verfolgung leiden müssen. Denn haben die heiligen Männer, Propheten und Apostel, ja, Christus selbst, der unser Haupt und Meister ist, leiden müssen, um wie viel mehr gebührt uns, die wir doch arme, sündhafte, gebrechliche Menschen sind, zu leiden, wollen wir anders, als ein kleines Glied an seinem Leibe erfunden werden; denn es sind ja die Glieder nicht besser als das Haupt; ebenso ist auch der Knecht nicht mehr als sein Herr, wie Christus selbst sagt: »Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen, haben sie mein Wort gehalten, so werden sie das eure auch halten, und wenn euch die Welt hasst, so wisst, daß sie mich vor euch gehasst hat. Wärt ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb, weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt erwählt habe, so hasst euch die Welt.« Ferner sagt Johannes in seinem Sendbriefe: »Verwundert euch nicht, meine Brüder, daß euch die Welt hasst, wir wissen, daß wir von dem Tode zum Leben übergegangen sind.«

Sieh, mein liebes Schaf, wie es uns vorausgesagt worden ist, daß wir von der Welt gehasst und geschmäht werden müssen, so verwundere dich denn nicht, daß uns solches auch in dieser bösen, argen, verkehrten und blinden Welt um des Namens Christi willen widerfährt, sondern laß uns darüber uns freuen, daß wir des Leidens Christi teilhaftig geworden sind, damit wir auch in der Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit große Freude und Wonne haben mögen, wie der Apostel Petrus sagt: »Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über den Namen Christi.«1Pt 4,14 Auch sagt Christus: »Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen, und um meinetwillen allerlei Übles nachreden, wenn sie daran lügen, seid fröhlich und getrost, denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.« Ferner sagt er: »Selig sind, die hier weinen, denn sie werden lachen.«Lk 6,21 Ach siehe, meine herzliebe auserwählte Schwester, welche tröstlichen Worte sind es abermals für diejenigen, die hier um des Namens Christi willen verschmäht und verfolgt werden, und Trübsal und Leiden haben. Ach wie sollten wir uns über das betrüben, oder matt und schwach werden können, was uns um des Namens Christi willen widerfährt, weil nachher ein so großer Trost und Lohn allen denen dafür verheißen ist, die Ihm treu sind bis in den Tod, wie Offb 2,10 geschrieben steht: »Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.« Ach, mein liebes Schaf, tröste und erfreue dich doch über die trostreichen Schriften, die uns zur Erquickung unseres Gemüts und Glaubens hinterlassen sind, selbst wenn du von einer Stadt in die andere verfolgt und verjagt wirst, und sie dir um des Namens Christi willen Drangsal und Leiden antun, wie solches leicht geschehen kann, wie ich denn höre, daß das grimmige und grausame Tier wiederum anfängt, sich über das kleine Häuflein des Herrn bedeutend zu erheben und empor zu schwingen, aber sie haben doch nicht mehr Macht, als ihnen der Herr zulässt, wenn sie sich auch noch so sehr erheben und rasen, als ob sie das kleine Häuflein gänzlich vertilgen wollten, wie solches aus ihrem Vorhaben zu ersehen ist; aber der Herr hat alles in seiner Hand; derjenige, der den Rat der Gottlosen vernichten kann, der wird es, wie ich hoffe, nach seinem göttlichen Willen wohl verordnen; laß uns nur allezeit ein festes Vertrauen zu Ihm haben, auf Ihn hoffen und unsere Sorge ganz auf Ihn werfen, denn er ist es, der für uns sorgt, sagt der Apostel Petrus; denn welchen von denen hat der Herr jemals verlassen, die Ihm fest vertraut haben? Wer ist jemals zu Schanden geworden, der auf den Herrn gehofft hat? Und wer ist jemals verlassen worden, der in der Furcht Gottes geblieben ist? Oder wer ist jemals von Ihm verschmäht worden, der Ihn angerufen hat? Kann auch ein Weib ihres Kindes vergessen, daß sie sich nicht über den Sohn ihres Leibes erbarme? Und wenn sie desselben vergessen wird, so will ich doch deiner nicht vergessen, spricht der Herr durch den Propheten; so sagt auch Christus, Joh 14,18: »Ich will euch nicht als Waisen lassen.«

So laß uns denn, meine Geliebteste, allezeit vergnügt und mit demjenigen wohl zufrieden sein, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: »Ich will dich weder verlassen noch versäumen, darum dürfen wir sagen: Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was sollte mir ein Mensch tun, denn wer an Ihn glaubt, soll nicht zu Schanden werden; und ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Der seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern Ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit Ihm nicht alles schenken?«, sagt Paulus. »Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht, wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja, viel mehr, der auch auferweckt ist, und zur rechten Hand Gottes sitzt und für uns bittet. Wer will uns denn scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Gefahr, oder Schwert? Wie denn geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet; wir sind geachtet wie Schlachtschafe, aber in all diesem überwinden wir weit um seinetwillen, der uns geliebt hat, denn keine Kreatur mag uns von der Liebe Gottes scheiden, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.« Darum nun, ach meine herzlich geliebte und werte Schwester, wenn du nach dem Guten trachtest, wer ist es, der dich daran verhindern kann? Fürchte dich doch nicht vor ihrem Dräuen, und erschrick nicht, wenn sie dich auch verfolgen und dir Leiden und Trübsal zufügen; denn es ist besser, daß du, wenn es Gottes Wille ist, um des Wohltuns willen leidest, als um Übeltat willen; denn das ist Gnade, wenn jemand um des Gewissens willen zu Gott das Arge erträgt und das Unrecht leidet; denn was ist das für ein Ruhm, sagt ferner Petrus, wenn ihr um Missetat willen Streiche leidet; aber wenn ihr um Wohltat willen leidet, das ist Gnade bei Gott. Dazu seid ihr berufen, indem auch Christus einmal für uns gelitten und uns ein Vorbild gelassen hat, daß ihr seinen Fußstapfen nachfolgen sollt, welcher keine Sünde getan hat; es ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; er schalt nicht, als er gescholten ward, er dräute nicht, als er litt. Er stellte es aber dem anheim, der recht richtet. Darum, meine liebe Schwester, laß uns doch immer Fleiß anwenden, daß wir allezeit Achtung auf uns geben, und Christi Fußstapfen bis ans Ende nach unserm geringen und schwachen Vermögen nachfolgen, und wenn sie uns um der Wahrheit willen verfolgen und Leiden antun, so laß uns auch die Rache dem anheimstellen, der recht richten wird, vor welchem alle Dinge entdeckt und offenbar find, und laß uns für diejenigen bitten, wie uns Christus selbst lehrt, die uns verfolgen und uns Leiden zufügen, damit sie sich bessern und von aller ihrer Bosheit zur rechten Wahrheit bekehren möchten, damit sie auch alle selig werden und ruhig und still in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit leben möchten, denn das ist gut und auch angenehm bei Gott, unserm Seligmacher, der es will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, sagt Paulus 1Tim 2,3–4; denn er ist langmütig, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann bekehre (2Pt 3,9). Aber sie wollen sich nun nicht bessern, noch von allem Bösen zu der Erkenntnis der Wahrheit bekehren, denn sie haben noch Lust daran, daß sie das Völklein des Herrn verfolgen, und haben Lust, unschuldiges Blut zu vergießen, wie der Prophet sagt Jes 59,7–8: »Ihre Füße laufen zum Bösen, und sind schnell, unschuldiges Blut zu vergießen; ihre Gedanken sind Mühe; ihr Weg ist eitel Verderben und Schaden; sie kennen den Weg des Friedens nicht, und ist kein Recht in ihren Gängen, sie sind verkehrt auf ihren Straßen; wer darauf geht, hat nimmer Frieden.« So sagt auch Paulus Röm 3,13–18: »Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Jungen handeln sie trüglich, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit; ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen; in ihren Wegen ist eitel Unfall und Herzleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht; es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.« Solches kann man an allen Ecken und Enden sehen und hören, daß es zu beklagen ist, daß so viele verführt sind, und so jämmerlich auf dem breiten Wege laufen, und haben sich von dem rechten Wege der Wahrheit, der zu dem ewigen Leben führt, verloren, und was noch mehr ist, sie wollten auch noch gern diejenigen verhindern, wenn sie könnten, die sich zu dem Wege der Wahrheit bekehren wollen, aber sie werden es dermaleinst sehr beklagen, wenn sie sich nicht bekehren, wiewohl es leider dann zu spät sein wird, wenn sie zu den Bergen und Steinfelsen sagen werden: »Fallt auf uns und bedeckt uns vor dem Angesichte dessen, der auf dem Stuhle sitzt, und vor dem Zorne des Lammes, denn es ist der große Tag seines Zorns gekommen, und wer mag bestehen?«Offb 6,16–17 Dann wird man (sagt Jes 2,19) in der Felsen Höhlen gehen und in der Erde Klüfte, vor der Furcht des Herrn und vor seiner herrlichen Majestät, wenn er sich aufmachen wird, das Erdreich zu schrecken; auch steht in der Offenbarung Johannes: »In denselben Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, und werden begehren zu sterben, und der Tod wird von ihnen fliehen.«Offb 9,6 »und werden mit Feuer und Schwefel gequält werden, vor den heiligen Engeln und dem Lamme, und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; sie haben auch keine Ruhe, weder Tag noch Nacht, die das Tier und sein Bild angebetet haben, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens angenommen hat; und wer nicht in dem Buche des Lebens aufgezeichnet steht, der wird in den feurigen Pfuhl geworfen.«Offb 14,11 Dann werden sie dafür belohnt werden, weil sie hier so sehr über das kleine Häuflein geherrscht und nach ihres bösen Herzens Gedanken gelebt, und das Volk gequält, verfolgt und getötet haben, welches nach seinem geringen Vermögen gesucht hat, nach des Herrn Wort und Lehre zu leben. Denen aber, die um der Wahrheit und des Wortes Gottes willen gelitten haben, wird es alsdann besser und glücklicher ergehen, als denen, die sie verfolgt und ihnen Drangsal und Leiden zugefügt und in Bosheit und Übeltat gelebt haben; denn der Herr wird zu ihnen sagen: »Ich weiß nicht, von wannen ihr seid, geht von mir, alle ihr Übeltäter, wo Heulen und Zähneklappern sein wird!« »Denn nicht alle (sagt Christus ferner, Mt 7,21), die zu mir sagen: Herr, Herr, werden ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters tun, der im Himmel ist.«

Ach, meine herzlich geliebte und sehr werte Schwester, laß uns allezeit Sorge tragen, und unser selbst wahrnehmen, daß wir des Vaters Willen bis ans Ende nach unserem geringen Vermögen erfüllen, damit wir nicht mit den andern hören mögen: »Gehet von mir, all’ ihr Übeltäter!«, und nicht ihres Lohns in dem feurigen Pfuhle teilhaftig werden, der von Feuer und Schwefel brennen wird, welches der andere Tod ist (Offb 21,8), sondern daß wir mit allen auserwählten Kindern Gottes in das Reich der Himmel kommen mögen, welches von Ewigkeit zu Ewigkeit wahren wird. Ach, alsdann wird es uns allen nichts schaden, daß wir hier um des Herrn Namen willen Verfolgung, Trübsal oder Leiden auf eine kleine Zeit erlitten haben.

Ach, meine Geliebteste, sei doch allezeit standhaft und geduldig in allen Trübsalen und Leiden, die da um des Namens Christi willen über dich kommen möchten, und laß uns allezeit fleißig wachen und beten, und uns auf die Zukunft Christi zubereiten; laß uns stets ablegen, was uns beschwert, und die Sünde, die uns immer anklebt und träge macht, und laß uns mit Geduld in dem Kampfe laufen, der uns verordnet ist, und auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, sehen, welcher, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und der Schande nicht achtete und zur Rechten auf dem Stuhle Gottes gesessen hat. Gedenke an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß du nicht in deinem Mute matt werdest (Hebr 12,1–3), und von dem Wege der Wahrheit und von der Liebe Christi ablassest, die Menschen mögen auch mit dir umgehen, wie sie wollen, sondern gedenke allezeit an die große Liebe Christi gegen uns, wie viel er für uns arme sündhafte Menschen an dem Holze des Kreuzes erlitten, und wie er sein Blut für uns vergossen habe, um uns zu erlösen und selig zu machen, wie uns die vier Evangelisten bezeugen; denn er trug unsere Krankheiten und lud auf sich unsere Schmerzen, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53,5).

Ach, meine liebe und sehr werte Schwester! Hat uns Christus so geliebt, daß er für uns im Fleische gelitten hat, so laß uns auch mit demselben Sinne uns wappnen, wie Petrus sagt; dasselbe sagt auch Paulus, Phil 2,5–8: »Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus gesinnt war, welcher, obwohl er in göttlicher Gestalt war, es für keinen Raub hielt, Gott gleich zu sein, sondern er hat sich erniedrigt und Knechtsgestalt angenommen, und ist wie ein anderer Mensch geworden und an Gebärden als ein Mensch erfunden; er hat sich selbst erniedrigt und ward gehorsam bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuze.« Und obgleich er der Sohn des lebendigen Gottes war, Mt 16,16 und Joh 6,69, so hat er doch in dem, das er litt, Gehorsam erlernt, Hebr 5,8, denn er hat selbst gesagt, Joh 6,38: »Ich bin vom Himmel gekommen, nicht, daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« Gleichwie auch Christus sagt, als er seinen himmlischen Vater bat, daß er den bitten Kelch von Ihm nehmen wolle: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!«

Ach sieh, mein liebes Schaf, wie Christus, unser Haupt, sich gedemütigt und erniedrigt und wie er sich selbst verlassen habe und seinem himmlischen Vater gehorsam gewesen sei bis zum Kreuzestode, wie er um unsertwillen arm geworden sei, damit er in allen Dingen uns ein Beispiel sein möchte, er (1Pt 2,21), der uns auch mit dem Leibe seines Fleisches durch den Tod erlöst oder versöhnt hat (Kol 1,21–22), und wir haben die Vergebung der Sünden durch sein Blut nach dem Reichtum seiner Gnade. So laß uns denn, meine liebe Schwester, Christum wieder lieben bis in den Tod, und allezeit in der Liebe wandeln, gleichwie uns auch Christus geliebt und sich selbst für uns zum Opfer und zur Gabe, Gott zum süßen Geruche, dahingegeben hat (Eph 5,2). Darum lasst uns auch uns selbst willig dahingeben für seinen heiligen Namen, und uns selbst allezeit durchaus verleugnen, auch unserm eigenen Willen und Sinne entsagen, und uns selbst unter die starke Hand Gottes erniedrigen und demütigen, sodass wir uns nicht mehr leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist (2Kor 5,15). Laß uns ihm allezeit gehorsam sein, ihn stets fürchten und ihm dienen unsere ganze Lebenszeit in aller Gerechtigkeit und Heiligkeit (Lk 1,69), als gehorsame Kinder, und nicht zu den vorigen Wollüsten wieder zurückkehren, worin wir waren, ehe wir Christum erkannten, wie Petrus sagt, »sondern nachdem der, welcher euch berufen hat, heilig ist, so seid auch ihr heilig in all eurem Wandel, denn es steht geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!« »Denn fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistig gesinnt sein, ist das Leben und Friede,« sagt Paulus. »Denn wisst ihr nicht, welchem ihr euch begebt zu Knechten in Gehorsam, dessen Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid; es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Darum, gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, so begebt nun auch eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit und Heiligung; welche Frucht hattet ihr damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt schämt, denn das Ende aller solcher Dinge ist der Tod, sagt Paulus, und der Sünden Sold ist der Tod; denn, wenn ihr nach dem Fleische lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches tötet, so werdet ihr leben; denn alle, die von dem Geiste Gottes getrieben weiden, sind Gottes Kinder, und ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum geht aus von ihr, und sondert euch ab, und rührt nichts Unreines an, so will ich euch aufnehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr.«

Darum, ach meine geliebteste Schwester in Christo Jesu, laß uns doch stets von allen weltlichen Lüsten und Begierden uns absondern und nichts Unreines anrühren, sondern uns selbst allezeit von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinigen, und mit der Heiligung in der Furcht Gottes fortfahren, nach dem Geiste, damit wir allezeit dem Herrn dienen und ihn ehren alle Tage unseres Lebens, damit wir von seinen Söhnen und Töchtern sein mögen; denn wenn wir seine Söhne und Töchter sind, so werden wir auch Miterben seines ewigen Reiches sein. So laß uns denn allezeit Sorge tragen, daß wir Ihn allein stets fürchten und Ihm dienen bis ans Ende nach unserm schwachen Vermögen, denn wir können nicht zweien Herren zugleich dienen, Gott und der Welt. Wisst ihr nicht, sagt Jakobus, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft sei; darum, wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Auch sagt Johannes: »Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters, denn alles, was in der Welt ist, nämlich Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt, und die Welt vergeht mit ihren Lüsten; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.« Auch lehrt uns Paulus: »Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen mögt, was der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes sei.«

Darum, meine herzlich geliebte Schwester, laß uns doch diese Welt weder lieb haben noch achten, uns auch der Welt nicht gleichstellen, noch auch nach dieser bösen Welt ein Gelüste haben, um mit ihr in dasselbe unordentliche Leben zu laufen, damit wir mit ihr nicht zu Grunde gehen mögen, sondern laß uns stets fortwandeln den rechten Weg der Wahrheit, in einem neuen Wesen des Lebens dem lebendigen Gott unsere Lebenszeit zu dienen, ohne uns nach Sodoma umzusehen. Laß uns doch stets Acht auf uns haben, und tun, was die heilige Schrift lehrt und ermahnt, damit wir uns ewiglich erfreuen mögen bei Gott, unserm himmlischen Vater, und mit dem Lamme auf dem Berge Zion. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nützlich zur Lehre, zur Besserung, zur Züchtigung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes vollkommen sei, zu allen guten Werken geschickt. So laß uns denn allezeit wohl auf die Heilige Schrift sehen, und dieselbe zur Lehre, Strafe und Besserung annehmen, daß wir uns dadurch zu allen guten Werken zubereiten lassen, und einander stets damit ermahnen, und zusehen, wie uns der Apostel lehrt, wenn er sagt: »Seht zu, liebe Brüder, daß nicht jemand unter euch ein arges ungläubiges Herz habe, das von dem lebendigen Gott abfalle, sondern ermahnt euch selbst alle Tage, solange es heute heißt, daß nicht jemand unter euch durch Betrug der Sünde verstockt werde; denn wir sind Christi teilhaftig geworden, wenn wir anders das angefangene Wesen bis ans Ende fest behalten.« Ach, meine geliebte Schwester, sei doch allezeit standhaft, unbeweglich und überfließend in dem Werke des Herrn, und denke stets daran, daß deine Arbeit nicht vergebens ist in dem Herrn, wie Paulus sagt. Auch sagt Johannes: »Seht euch vor, daß ihr nicht verliert, was ihr erarbeitet habt, sondern vollen Lohn empfangt, denn wer übertritt und nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat keinen Gott; wer aber in der Lehre Christi bleibt, der hat beides, den Vater und den Sohn.« Ach halte doch, was du hast, daß dir niemand deine Krone nehme! Und sei doch allezeit Christo, deinem Bräutigam, bis in den Tod getreu, darum bitte ich dich, mein liebes Schaf, sei allezeit geduldig in all deiner Trübsal und Leiden, und stärke dein Herz, denn des Herrn Zukunft ist nahe; siehe, der Richter steht vor der Türe, und wir preisen selig, die erduldet haben, sagt Jakobus. Darum sei geduldig, und tröste dich mit den Worten Gottes, denn es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Der Friede Gottes, welcher uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat durch die Gnade, behalte die Oberhand in deinem Herzen; diese Gnade tröste eure Herzen und stärke euch in allerlei Wort und gutem Werke; sie mache euch ganz heilig, damit eure Seele und euer Leib bis auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi unsträflich behalten werden möge; er ist getreu, der euch gerufen hat; er wolle es auch tun, und wolle euch Kraft geben nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, und daß ihr durch die Liebe eingewurzelt und gegründet werden mögt (Eph 3,16). Ich bitte den allmächtigen Gott aus dem Grund meines Herzens, daß er dir das gebe und auch mir, und allen, die Ihn fürchten und lieben.

Ach meine liebe auserwählte Schwester, die ich ja von ganzem Herzen wert und lieb habe, ich glaube, ich kann dir es nicht beschreiben, mit welcher ungeheuchelten göttlichen und brüderlichen Liebe ich dich liebe. Ach, halte doch allezeit Stand bei der rechten lauteren Wahrheit und Lehre Christi, wie ich denn durch des Herrn Gnade solche Hoffnung zu dir habe, obgleich ich dir schreibe, daß du es tun sollst.

Ach meine allerliebste Schwester, ich hoffe ja auch, durch die große Gnade und Barmherzigkeit des Herrn, alles dasjenige nach meinem schwachen Vermögen selbst zu tun, was ich dir geschrieben habe, denn mein Gemüt und meine Grundsätze sind darin noch unverändert, nämlich lieber mein Leben als die Wahrheit zu lassen, und sollte es auch morgen sein, denn mein Gemüt ist noch bereitwillig, mein Leben für den zu lassen, der es mir gegeben hat, wenn es sich auch ereignen mag, und wenn es auch sein göttlicher Wille ist, daß ich noch lange in eisernen Banden sitzen soll, so will ich es auch um seines heiligen Namens willen gern leiden, denn er hat ja so viel für uns gelitten, und ich kann dem Herrn nicht genug danken und ihn nicht genug loben für seine große Gnade, Barmherzigkeit und Wohltat der Geduld, die er an mir im Gefängnisse erwiesen hat, indem das Liegen in den Banden mich so wenig gehindert hat; ich halte dafür, du werdest es schwerlich glauben, wie wenig es mich gehindert habe. Ich weiß nicht (wie mich dünkt), daß ich Gefangener bin, oder daß es zu lange gewährt, oder daß ich während der Gefangenschaft Leiden ausgestanden; dem Herrn müsse ewig Lob, Preis und Dank sein für seine überfließende Gnade und Barmherzigkeit; aber ich habe wohl bisweilen gewünscht (wenn es hätte sein mögen), bei euch zu sein, wenn es meiner Seele heilsam gewesen wäre, und es der Herr zugelassen hätte, und das größtenteils um der Liebe willen, die ich zu dir habe, und du zu mir, mein liebes Schaf (dem Herrn sei Lob); ich habe mich auch niemals sehr darüber betrübt, weil es um des Herrn Namens willen geschehen ist, und weil ich weiß, daß wir doch einmal hier scheiden müssen, und wenn wir auch hier noch hundert Jahre beisammen waren, so muss doch endlich die Zeit des Abschiedes kommen, und es ist auch besser, ehrlich sterben, als das Gesetz Gottes übertreten und mit Schanden leben, wie in dem zweiten Buche der Makkabäer geschrieben steht; so hat auch Christus gesagt: »Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, der wird es erhalten; wer aber Vater und Mutter, oder Bruder, oder Schwester, oder Weib, oder Kind mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.«

Darum, meine Geliebteste, es muss alles verlassen sein um seines heiligen Willens und Namens willen, wenn es so weit kommt, daß wir gefangen werden und in Bande geraten, wenn wir anders zu seiner Zahl gehören wollen, denn wer nicht allem absagt, was er hat, der kann sein Jünger nicht sein.

Wenn man nun diese Worte überlegt und sie wohl betrachtet, meine herzlich geliebte und sehr werte Schwester, warum sollten wir nicht gern alles verlassen, was wir haben, um des Namens Christi willen? Und warum sollten wir auch betrübt, belästigt oder beschwert sein, wenn uns solches um des Namens Christi, unsers Herrn, willen widerfährt, indem es doch Christus selbst gesagt hat? Ich kann Ihm nicht genugsam danken und Ihn loben für seine große unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit, die er mir täglich erweist, daß mein Gemüt in seinen Vorsätzen so freudig, so fröhlich und ruhig ist in dem Herrn; es steht jetzt so gut mit mir nach dem Geiste, als es jemals gestanden hat (wie mich dünkt); dem ewigen, allmächtigen, barmherzigen Gott müsse ewiges Lob, Preis, Ehre und Dank gesagt sein für seine große Gnade und Güte, daß er mich armen, einfältigen, schwachen, gebrechlichen Knecht durch seinen Heiligen Geist in meinem Gemüte und meinen Vorsätzen so sehr stärkt und tröstet; ich bitte Gott, daß er mich stets stark und kräftig machen und mich durch seinen Heiligen Geist bis ans Ende trösten wolle, so wie auch alle, die Ihn fürchten, und daß er dasjenige geben wolle, was uns allen zu unserer Seelen Heil am nötigsten ist.

Hiermit will ich dich dem Herrn anbefehlen, und für jetzt einen herzlichen Abschied von dir nehmen, mit dem tröstlichen und lieblichen Worte seiner Gnade. Ach, meine geliebteste S. I. H., halte mir doch mein einfaches Schreiben und meine geringe Gabe, die ich von dem Herrn empfangen habe, zu gut; ich habe es aus ungeheuchelter, göttlicher und brüderlicher Liebe getan, die ich zu dir habe, meine liebe auserwählte Schwester, dessen ist der Herr meine Zeuge, der aller Herzen und Nieren kennt und durchforscht, vor welchem alles bloß und entdeckt ist. Ebenso wünsche ich auch alles, was ich hier an dich geschrieben habe, mein liebes Schaf, meinem herzlich geliebten und sehr werten Vater und Bruder aus Grund meines Herzens zu einem herzlichen und freundlichen Gruße und ewigen Andenken, indem ich beide auch herzlich liebe. Bittet alle den Herrn für mich, daß ich es doch ausführen und vollenden möge, was ich zu meiner Seele Heil und zu seinem Preise und Ehre, wie auch zur Erbauung meines Nächsten begonnen habe; ich hoffe, ich werde auch den Herrn (nach meinem schwachen Vermögen) ernstlich für euch bitten; grüßt euch untereinander mit einem Kusse der Liebe; der Friede sei mit euch allen, die in Christo Jesu sind, Amen.

Dieses letzte ist geschrieben im Jahre 1567, den 9. Sept., von mir, Jaques Mesdag, nachdem ich achtzehn Monate um des Zeugnisses Jesu Christi, unsers Herrn, und um des Wortes Gottes und der rechten Wahrheit willen in eisernen Banden in Gefangenschaft gewesen bin. Hiermit nehme ich herzlichen Abschied von euch. Gute Nacht, liebe Freunde.