2.37  Anna von Freiburg, 1529.

Diese Anna von Freiburg war in der Furcht des Herrn sehr ernstlich, weil sie aber an Christum glaubte, auch sich auf den Glauben an ihn taufen ließ und dadurch mit Christo aufzustehen und in einem reinen, neuen Leben zu wandeln suchte, so hat ihr Widersacher solches nicht ertragen mögen; darum haben seine Diener diese Anna verfeindet, angeklagt und gefangen genommen und haben sie nach schwerer Pein, die sie erlitten und standhaft ertragen, zum Tode verurteilt, ertränkt und nachher verbrannt; solches ist zu Freiburg im Jahre 1529 geschehen. Als sie sterben sollte, hat sie das nachfolgende Gebet zu Gott getan und nachstehende Ermahnung der Nachwelt hinterlassen:

Ewiger, himmlischer, lieber Vater, ich bitte zu dir aus dem Grunde meines Herzens, laß mich doch nicht von dir weichen, erhalte mich doch in deiner Wahrheit bis an mein Ende. O Gott, bewahre mein Herz und meinen Mund; halte doch Wache über mir, dass ich mich niemals wegen der mir bevorstehenden Trübsal und Angst oder in sonstigen Nöten von dir abwende! Mache mich wohlgemut und fröhlich in meinem Leiden, Ewiger Gott, mein lieber Vater, unterweise und lehre mich, dein armes, unwürdiges Kind, dass ich auf deine Wege und Fußpfade Acht geben möge, o Vater! Das ist mein herzliches Begehren, dass ich durch deine Kraft alle Trübsal, Leiden, Angst und Pein bis zum Tode überwinden möge, und laß mich hierin standhaft sein, o Gott, damit ich von deiner Liebe nicht geschieden werde; es wandeln sehr viele auf diesen Wegen, aber es wird ihnen der Kelch des Leidens zu trinken dargereicht. Auch beschuldigt man uns falscher Lehre, um uns von Christo, unserem Herrn, abzuziehen. Aber, o Gott, ich erhebe meine Seele zu dir, und traue auf dich in allen Widerwärtigkeiten; laß mich nicht zu Schanden werden, damit sich mein Feind nicht über mich auf dieser Erde erhebe. Ich liege zwar bei ihm hier gefangen, aber, o Gott, ich warte deiner von Herzen, mit großem Verlangen, dass du für uns aufwachen und deine Gefangenen erlösen wollest. O lieber himmlischer Vater, rüste uns mit den fünf klugen Jungfrauen aus, damit wir vorsichtig sein und auf den Bräutigam nebst seinen himmlischen Scharen warten mögen. O himmlischer König, speise und tränke uns doch dem Geiste nach mit deiner himmlischen Speise, die niemals vergeht, sondern im ewigen Leben verbleibt; denn wenn du uns würdest deine Speise entziehen, so wäre unser ganzes Tun samt uns umsonst und verloren; aber wir hoffen auf dich durch deine Gnade, dass es uns gelingen werde. Ich zweifle gar nicht an der Macht Gottes, denn seine Gerichte sind zu ehren; er wird denjenigen nicht verlassen, welcher sich im Glauben fest an ihn hält und auf seinen rechten Wegen zu wandeln sucht. O ihr Christen! Freut euch, und seid getrost in dem Herrn Christo Jesu jederzeit, dass er die Liebe und den Glauben in uns vermehren wolle. Gott tröste uns durch sein heiliges Wort, worauf wir fest vertrauen sollen. Ich befehle mich Gott und seiner Gemeinde. Er wolle heute mein Geleitsmann sein, um seines heiligen Namens willen. O mein Vater! Laß solches durch Jesum Christum geschehen, Amen.

Hierauf ist sie freiwillig zum Tode gegangen und ertränkt worden, wie oben gemeldet worden ist.