2.366  Ein Brief von Jan Gerrits; an den lutherischen Prediger.

Mein sehr geliebter guter Freund! Hiermit will ich Abschied von dir nehmen, denn ich hoffe mich von jetzt an nicht mehr mit dir oder einem andern Menschen aufs Disputieren oder Schreiben einzulassen, indem Paulus sagt: »Entschlage dich des Streites oder ungeistigen Geschwätzes und unnützen Disputierens, denn sie fördern sehr das ungöttliche Wesen, indem ihr Wort wie der Krebs um sich frisst.« Darum begehre ich auch von dir verschont zu bleiben und, meiner Seele nach, vor Gott in Ruhe zu leben. Lebe allezeit wohl.

Siehe, mein guter Freund, hier hast du mein Gewehr und die Waffen meines Glaubens; ich habe mich zum Teile sehr kurz gefasst, aber mit diesen Waffen, und mit nichts anderem, weder mit Eisen noch Stahl, weder mit dem Spieße noch mit dem Schwerte, will ich euch, als das Reich des Antichristen, bestürmen; denn Geist muss mit geistlichen, und Fleisch mit fleischlichen Waffen überwunden werden; darum sage ich mit dem Apostel: »Die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, um alles zu verstören, was sich wider die Wahrheit aufwirft, denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Fürsten und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, mit den Geistern der Bosheit unter dem Himmel.« Darum müssen alle Christen den Harnisch Gottes anziehen, damit sie wider den listigen Anlauf des Teufels stehen, und in allen Dingen bereit sein mögen; denn es sagt auch Petrus: »Seid nüchtern und wacht, denn euer Widersacher, der Teufel, geht um euch her, wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge; demselben widersteht mit festem Glauben.« Das sind unsere Waffen, und wir sind mit ihnen zufrieden.

Erstens weiß ein Christ nichts vom Kriege; denn alles, was ihm zustößt, muss er in Geduld und Beharrlichkeit um des Herrn willen ertragen, indem Christus die Seinen nichts anderes gelehrt hat, als ihre Feinde zu lieben; überdies verbot er es seinen Jüngern, als sie Ihn fragten: »Herr, willst Du, daß wir Feuer vom Himmel kommen lassen und dieses Volk verderben? Nein, sagte er, wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.« Er drohte nicht, als er litt. Diesem Exempel folgen wir nach, mit allem Fleiße, nach unserem schwachen Vermögen, und befehlen also Gott unsere Seelen in seine Gnade, als dem treuen Schöpfer. Daraus kannst du sehen oder verstehen, was wir für ein Volk sind, und welchen Geist wir haben.

Siehe, mein guter Freund, mit diesen meinen Waffen und meinem Gewehre will ich dir entgehen gehen, als ein kleiner, nicht geachteter David dem großen Goliath und kühnen Helden, welcher das Lager Gottes verspottete und beschimpfte, und sich auf seine Kraft verließ, wie du dich auf deine Gelehrtheit verlassest, und auf den Namen Rabbi trotzest; und weil dein Verstand, deine Macht und Kraft hoch geachtet und angesehen ist, so fängst du auch an, mit dem Goliath zu sagen: »Bin ich ein Hund, daß du mit einem Stocke zu mir kommst? Ich kann und will dein Fleisch den Vögeln des Himmels zu essen geben.« Das sagte der Goliath, und du nicht weniger; denn ohne Kraft, sagst du, bin ich betrogen und tot. Ja, mein Freund, ich weiß wohl, daß ich und meinesgleichen von dir allezeit als klein und ungelehrt geachtet werden.

Siehe, dahin hast du es mit deiner Vermessenheit gebracht, daß ich wohl mit Schleuder und Stein ohne Scheu auftreten, und zu dir, wie zu Goliath, dem Heerführer und Beschützer der Philister, sagen darf: Siehe, du bist zu mir herausgekommen, und verlässt dich auf deinen Spieß und Schild; aber ich komme zu dir im Vertrauen auf Gott, im Namen des Gottes Israel, und will heute dein Fleisch den Vögeln des Himmels zu essen geben, und dich mit deinem eigenen Schwerte töten, nämlich, mit deiner eigenen Schrift oder Disputation, welche mir dienen soll, dich zu überwinden, nicht durch den Geist der Universitäten, oder hohen Schulen, sondern durch Gottes Wort und Kraft, und das in Deutsch, Holländisch und meiner Muttersprache, Gott zur großen Ehre, euch aber zur Schande. Auch wird das stumme tastbare Tier deine Torheit offenbaren, du Bileam hast mich armen Esel so lange geschlagen, bis ich durch Gottes Kraft redete; so lange hast du Goliath mich und das Lager Israels beschimpft und herausgefordert, daß ich dich nun mit deinem eigenen Schwerte töte, was ich nicht getan hätte, wenn du nicht mit solchen scharfen Zähnen zugebissen und deine Feder so scharf gespitzt hättest; wie hätte ich es aber nun unterlassen können? Sollte ich damit einen Undank verdient haben, wie ich wohl vermute, so kannst du dir die Schuld selbst beimessen, denn man kann nicht schweigen und Gottes Wort reden.

O Mann, Mann! Man sollte dir wohl mit Gamaliel raten, daß du Gottes Volk in Ruhe ließest, denn ist das Werk von den Menschen, so wird es wohl vergehen, ist es aber aus Gott, so kannst du es nicht vernichten. Darum magst du wohl zusehen, daß du dich nicht an dem Schwerte des Herrn vergreifst, damit du nicht als ein solcher erfunden werdest, der wider Gott streitet; darum verfolge Jesum von Nazareth nicht länger, und lasse Israel zufrieden.

Um nun auf den Inhalt deines Briefes überzugehen, den du an mich gesandt hast, um alle Gründe und die Beschaffenheit des Glaubens verstehen zu lernen, so finde ich, daß du mich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes grüßest; hierauf antworte ich dir: Weil du dich rühmest ein Christ zu sein, und mich für einen verworfenen Menschen und Ungläubigen hältst und mir beilegst, als wäre ich mit einer falschen Meinung behaftet, so sage ich, daß du nicht recht schreibst, denn Johannes sagt: »Wenn jemand zu euch kommt, und bringt diese Lehre nicht mit, den nehmt nicht zu Hause auf, grüßt ihn auch nicht; denn wer ihn grüßt, der macht sich seiner bösen Werke teilhaftig!« Ferner sagt Paulus: »Wenn sich jemand einen Bruder nennen lässt, und ist ein Ehebrecher und dergleichen, und auch ein Ungläubiger, der soll das Reich Gottes nicht besitzen!« Da sie nun das Reich Gottes nicht besitzen werden, so soll man auch mit ihnen kein Brot essen, zum Verderben ihres Fleisches, damit sie bedenken, wovon sie gefallen sind.

Zweitens: Du nennst mich deinen Bruder; warum bin ich dein Bruder, während wir doch im Glauben verschieden sind? Ist es darum, weil wir alle von Gott dem Vater geschaffen sind? Ich sage nein dazu, denn sollen wir nach dem Geiste und nach der Lehre Christi und der Apostel Brüder sein, so müssten wir einerlei Glauben und einerlei Ordnung haben, und von einem Geiste getrieben werden, worin man aber jetzt eine große Verschiedenheit findet, denn die Bruderschaft müsste aus der himmlischen Wiedergeburt kommen, durch das Gehör des Wortes Gottes, aus dem Irdischen ins Himmlische; diese Bruderschaft wird den Ungläubigen nicht beigelegt, hat auch nicht ihren Ursprung von der fleischlichen Herkunft, wie Paulus den Unterschied klar angibt, indem er sagt: »Zieht nicht an einem fremden Joche mit den Ungläubigen, denn was hat der Gerechte für Gemeinschaft mit dem Ungerechten, das Licht mit der Finsternis, und Christus mit Belial; der Gläubige mit dem Ungläubigen, oder der Tempel Gottes mit dem Götzentempel?« Denn darin besteht die Bruderschaft: »Seid fleißig, die Einigkeit im Geiste zu halten, in einerlei Hoffnung eures Berufs zu bleiben; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.« Merke, ihr seid mit eurer Taufe zufrieden, sie sei durch die Hebamme, Firmung oder dergleichen geschehen, und denkt nicht daran, daß Gott über alle und in uns allen durch sein Wort einen Platz haben will.

Da du mir aber im Glauben, in der Lehre, im Leben und Geiste entgegen bist, und ich auch dir, warum nennst du mich denn einen Bruder, frage ich noch einmal? Oder bin ich ein Ketzer und Verleumder der Wahrheit, warum meidest du mich nicht, wenn ich ein- oder zweimal ermahnt worden bin? Denn solches ist ein Befehl der Schrift; aber leider, du bist der Schrift, die von Gott eingegeben worden ist, nicht untertänig, sondern erwählst sie zur Verdammnis.

Drittens finde ich in deinem betrüglichen Unterrichtsbriefe, daß man mich allein wegen Irrtums und Missdeutung in der Taufe, ohne einige andere Artikel beschuldigt und verschreit; was soll ich hierzu sagen? Sind denn alle eure Götter dir ein Gräuel? Ist es denn um eure falsche Lehre und Kirchengebräuche geschehen? Aber ich denke: Nein, der betrügliche Gewinn ist dir allzu angenehm, aber ich verstehe deine Absicht gar wohl, denn wenn du mir das eine geraubt hast, so meinst du, das andere auch zu erlangen nach deinem eigenen Worte (in Delft). Ach, was bist du mir für ein Bruder, schön in der Verlockung. Aber mein Lehrer und Meister Christus Jesus hat mich vor dir gewarnt, daß ich klug sein soll, wie die Schlangen, aber einfältig wie die Tauben. Ja, ein solcher Bruder bist du mir, wie der alte lügenhafte Prophet war, welcher den Mann Gottes durch seine Lügen betrogen hat, denn Gott hatte dem Manne Gottes geboten, wider den Altar zu weissagen, und an dem Orte weder Brot zu essen, noch Wasser zu trinken, bis daß du (sagt er) wieder in dein Land kommst. Aber der Schlangensame, der alte Prophet, sprach: Iss Brot mit mir und trinke Wasser. Der Mann Gottes antwortete: Gott hat mir das verboten, aber der Betrüger sagte: Ich bin auch ein Prophet des Herrn wie du, und der Herr hat mit mir geredet, daß du hier mit mir Brot essen und Wasser trinken sollst. Da ging der Mann Gottes mit ihm hinein, und brach das Gebot des Herrn; darum ist er zur Strafe seines Ungehorsams von dem Löwen auf dem Wege getötet worden.

Vor diesem Exempel erschreckt meine Seele sehr, denn wenn ich mit Betrug umgehe und meines Herrn Wort übertrete, so sendet er die Löwen, Drachen und Bären, daß sie die Herrschaft über meine Seele erlangen und sie töten, denn wenn mein Glauben krank wäre und wankte, so wäre ich ein überwundener und gewiss ein toter Mann, aber der Anker meines Glaubens steht fest.

Viertens: Was deine unverständige und mutwillige Grobheit betrifft, indem du deine Kindertaufe mit der Beschneidung des Gesetzes, oder mit dem Bundeszeichen der Kinder Israel beweisen willst, so antworte ich dir: Die Beschneidung, die du von der Taufe verstehst (sagt Paulus), geschieht ohne Hände im Geiste zur Ablegung des sündlichen Fleisches, dessen Lob nicht aus den Menschen ist, wie mit der Hand an Israel geschah, sondern aus Gott; geschieht denn nun eure Kindertaufe im Geiste ohne Hände zur Ablegung des sündlichen Fleisches und der Sünde, die sie doch niemals begangen haben? Denn das Sündhafte abzulegen ist so viel als, wie Paulus sagt, tötet eure Glieder, die auf Erden sind, als Hurerei, Ehebruch, Unreinigkeit, Unkeuschheit, böse Lüste, merke, ob dieses von euren Kindern verstanden werden möge.

Und durch diese eure Kindertaufe veranlasst ihr, daß man uns Wiedertäufer nennt, wiewohl wir einmal und nicht zweimal taufen und uns taufen lassen nach der Wahrheit und dem Befehle, so wie nach dem Gebrauche der Apostel, und damit sind wir wohl zufrieden.

Fünftens will ich dich unser Bekenntnis und Ordnung hören lassen, daß unsere Taufe nicht von einer Meinung, sondern von dem Befehle des allerhöchsten Gottes herrührt, dann aber hoffe ich weder mit dir, noch mit sonst jemandem mich durch Schreiben oder Disputieren einzulassen, wie ich dir bereits gesagt habe, denn hochtrabende Klugheit habe ich doch nicht, sondern ein standhaftes Gemüt und festen Glauben meines Grundes. Höre kurzen Bescheid: Von der Beschneidung bekenne ich, daß sie ein Zeichen des Bundes Abrahams gewesen sei, ihm und allem seinem Samen auch ein Eingang zur Gemeinde des Volkes Gottes Israel. Die auswendige Beschneidung Israels ist ein Bild auf die zukünftige inwendige Beschneidung Christi gewesen, wie man klar aus dem Geiste des neuen Testamentes entnehmen kann, wie auch Paulus erzählt: Das ist keine Beschneidung, die auswendig im Fleische geschieht, sondern die Beschneidung des Herzens, das ist die Beschneidung, die im Geiste geschieht, und nicht im Buchstaben oder Gesetze; deren Lob nicht aus den Menschen, sondern aus Gott ist, noch ihr, die ihr in Christo auch beschnitten seid mit der Beschneidung Christi, die ohne Hände geschieht, durch Ablegung des sündlichen Fleisches. Ferner, was ist es doch für ein Volk, das mit ihm durch die Taufe begraben ist? Hört doch, ihr seid auferstanden; wodurch? durch den Glauben; welchen Glauben? was für Glauben haben doch die Gevatterleute, wodurch Gott wirkt, nach eurem Verstande? Merke hier wohl, keine Kinder, sondern Gläubige und Verständige, und dieses soll doch euer stärkster Beweis sein. Ach Freund, löcke nicht mutwillig wider den Stachel, oder es wird dir hart fallen, mit Gott zu reden, und sein Wort und Wahrheit so frech zu vertreiben, denn wenn ihr ja die auswendige Beschneidung habt, und für ein Vorbild auf die Taufe haltet, wohlan, wer macht denn euch Kindertäufer so verwegen, daß ihr sie vor dem achten Tage tauft? Und warum tauft ihr die Mägdlein? Denn nach dem Gesetze wurden sie nicht beschnitten, und hieraus müsste folgen, daß die Mägdlein ohne Taufe bleiben müssten, denn das wahre Wesen muss ja seinen Gang haben.

Nun bist du mit deinen Vorbildern der Taufe ans Ende gekommen; wir aber haben einen bessern Unterricht von den Vorbildern der Taufe, und solche wird uns Paulus und Petrus durch ihren Geist und durch ihr Zeugnis wohl unterhalten helfen. Petrus sagt: Der Eingang durchs Wasser in den Kasten Noahs bedeutet die Taufe; wer mir das leugnen darf, der mag uns auch wohl widersprechen, die wir zwar von ihnen gering und ungelehrt, bei Gott aber für gelehrt gehalten werden.

Unser zweiter Zeuge der Vorbilder der Taufe ist der hohe Apostel Paulus (welcher den Rat Gottes verkündigte), wenn derselbe von dem Ausgange der Kinder Israel aus Ägypten durch das rote Meer redet und daß sie durch Mose unter der Wolkensäule getauft worden sind; solches war ein Vorbild, und uns zur Lehre. Wir aber, die wir von diesem wahren Wesen im Geiste und neuen Testamente sind, bekennen eine klare Ordnung Gottes, Lehre und Gebot, dann die Regel, den Gebrauch und das klare Exempel der Apostel, die Taufe betreffend, und das ist uns Unterweisung genug.

Christi Gebot ist dieses: »Gehet hin in alle Welt, predigt des Evangelium allen Kreaturen, lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe, und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes; wer glaubt und getauft wird, soll selig werden; wer nicht glaubt, soll verdammt sein.« Die Taufe ist zunächst ein Grab der Sünden, ein Eingang in die Gemeinde Gottes, ein Anziehen Christi und ein Entfliehen dem Zorne Gottes, ein Bad der Wiedergeburt, und ein Siegel des guten Gewissens, oder eine Versicherung mit Gott; wer dieselbe verwirft, der verwirft den Rat Gottes. Der Apostel Gebrauch war dieser: »Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl geschehen.«

In solcher Weise wurden sie zuerst gefragt; fragt dieses die Kinder auch, und wenn sie ja sagen, so ist es gut, denn auf den Glauben haben die Apostel getauft, und auf keine andere Weise. Denn hätte der Kämmerer gesagt: Ich kann nicht glauben, Philippus hätte ihn nicht getauft; aber er sagte: Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist; dieses ist auch mein Glaube und anders nicht. Und abermals, als die Menge zu Jerusalem die Ermahnung Petri hörte, wurden sie ratlos und fragten: Was sollen wir tun? Hört guten Rat: Tut Buße und lasse sich ein jeder im Namen Jesu taufen, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, und die das Wort gern annahmen, ließen sich taufen. Tun eure Kinder ein Gleiches? Dann seid ihr das alte Fundament, denn es mag kein anderes Fundament gelegt werden, als das gelegt ist, welches Christus Jesus ist, sein Wort und Vorbild. Der Stockmeister freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er gläubig geworden war; sind eure Kinder auch gläubig, so ist es gut. Petrus verkündigte es im Hause Cornelius, des Hauptmanns der italienischen Schaar, und der heilige Geist fiel sowohl auf die Heiden, als die Juden. Waren auch Kinder daselbst, auf welche der heilige Geist fiel? Und dieses ist das Wort, warum ich dich fragte, ehe wir voneinander schieden, als der Knecht die Tafel deckte, und du die Worte bezüglich auf die Kindertaufe redetest: Was vom Fleische geboren wird, das ist Fleisch. Da fragte ich, wo denn der Geist bliebe, aber du gabst mir keine Antwort. Johannes sagt: »Der Wind bläst wohin er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt.« Haben denn die Kinder auch ein Gefühl vom heiligen Geiste? Es war ja Nikodemus ein fleischlicher Mensch, und schmeckte nicht, was den Geist Gottes betraf; darum hat ihn Christus auf ein Kind gewiesen, wie Mt 18 auch gemeldet wird. Durch das Wasser wiedergeboren zu werden aus der fleischlichen Art in den Geist, wie Christus selbst sagte (Joh 3): »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß jemand wiedergeboren werde aus Wasser und Geist, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.« Das jemand, was ist das anderes, als wer fleischlich gesinnt ist? Wie Nikodemus zuvor erzählte, denn fleischlich gesinnt sein, ist der Tod; solches sind keine Kinder, denn sie fühlen solches nicht; geistlich aber gesinnt sein, ist Leben und Friede, wie Paulus wohl bezeugt. Auch sagt er zu den Galatern: »Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetze, denn offenbar sind die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Hass, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit; wider solche ist das Gesetz nicht.« Petrus sagt gleichfalls: »So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alles Afterreden, und seid begierig nach der unverfälschten, lauteren Milch, wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch dieselbe zunehmt.« Tue ein Gleiches, lege deinen großen aufgeblasenen Sinn und die Vermessenheit deines Herzens bei Seite, und baue dich auf zu einem lebendigen Steine an dem Hause Gottes, und zu einem heiligen Priestertum, um geistige Opfer zu verrichten, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum, welche Opfer sind die Werke der Gerechtigkeit, und nicht Menschengedichte, Vernunft, oder Einsetzung der äußerlichen Opfer. Siehe, mit diesem Gewissen wandern wir fort; diese Versicherung ist bei uns so teuer und wert geachtet, daß wir auf dieselbe hin, um Christi willen, Gut und Leben verlassen, wovon ihr weit entfernt seid. In Summa: Wir versiegeln den Brief Christi nicht eher, als bis er geschrieben ist; wir säen nicht eher, als bis der Acker wohl gepflügt ist, mit Gottes Geist und Wort; wir fahren nicht eher davon, als bis wir Wind und Wetter haben; ihr aber wollt das Kind von der Mutter haben, ehe es Zeit ist; wir können und mögen die Zeit wohl erwarten, bis es Zeit ist, und das Kind in der Geburt von der Mutter gegeben wird; wer kann zu demjenigen schweigen, was jedermann sieht? Also bekennen wir die Taufe, wie sie in der Schrift ein Gebot des Herrn und ein gewisser klarer Gebrauch der Apostel ist; daneben sehen wir auch scharf ein, was die Taufe für Ursachen habe, warum sie geschehe, welchen Nutzen und Gewinn sie habe, welchem Volke sie zugehöre, welche Zunamen sie in der Schrift habe. Zuerst ein Grab der Sünden, ein Eingang in die Kirche oder Gemeinde Gottes, eine Anziehung Christi, ein Entfliehen dem Zorne Gottes, ein Bad der Wiedergeburt (Tit 3), und ein Siegel des guten Gewissens mit Gott. Wer nun dieselbe verwirft, der verlässt und verwirft Gottes Rat und Worte.

Sechstens: Daß ich dich grob und schmählich angeredet habe, darauf antworte ich dir:. Siehe (sage ich) mein Herr und Meister hat mich sonst nichts gelehrt, wenn er sagt: »Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, aber von innen reißende Wölfe sind.« Du kamst daher mit einem solchen schönen Scheine, um meine Seele zu ersticken, wie du dich dessen auch gerühmt hast; warum sollte ich denn die Wahrheit nicht reden oder schreiben? Denn du bist doch derjenige, der mich zu verschlingen oder zu zerreißen sucht, ein armes Schaf von der Weide Christi zu locken; nein, nein, davor behüte mich Gott, der oberste Hirte; niemand wird sie aus seiner Hand reißen; wer aber ihr entläuft, das ist eine andere Sache; dennoch bist du fleißig gewesen, und hast meine Seele mit einem scharfen Zahne verwundet, wobei du mich noch einen Bruder nennst. Darum nenne ich dich einen Wolf im Schafskleide, aber bekehre dich jetzt noch und werde ein Lamm. Ach Freund! Warum bist du gekommen?

Siebtens, streutest du vor meine Füße Rosen und Federn, machtest die Bank glatt, daß ich glitschen sollte, und sagtest: Denke ja nicht darauf, was diejenigen sagen werden, die dich ohne die Schrift betrogen haben; siehe doch, ist das ohne die Schrift? Eben, als ob ich auf das Wohlreden der Menschen gebaut hätte. Nein, nein; wäre es an dem Wohlreden gelegen, du hättest mir Stricke genug gelegt; die Werke geben allezeit Zeugnis. Siehe, mein guter Freund, es kommt mir vor, du hättest hiermit genug, nämlich an meinem eigenen Glauben und Bekenntnisse, und ich bitte dich, du wollest die kleinen Kinder nicht so verdammen und richten, und das um der Übertretung Adams willen, damit du nicht verdammt und gerichtet werdest; denn Christus hat uns davon durch seinen Tod erlöst, worüber wir geredet haben, als ich bei dir war. Darum sagt auch Paulus: »Wie durch eines Menschen Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen.« Johannes sagt: »Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt;« und an die Galater: »Christus hat uns von dem Fluche des Gesetzes erlöst.« Ferner an die Epheser, daß er die Feindschaft durch sein Fleisch am Kreuze hinweggenommen habe; überdies hat er ihnen sein Reich verheißen, wenn er sagt: »Lasst die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes,« hat sie auch aufgenommen, gesegnet, ihnen die Hände aufgelegt und gesagt: »Es sei denn, daß ihr das Reich Gottes empfangt als ein Kind, so werdet ihr nicht hineinkommen;« denn wenn er sagt solcher, so ist da kein Unterschied, wie auch Paulus sagt, daß die Juden und Griechen sämtlich unter der Sünde waren. Du aber sonderst sie ab und sagst, es sei allein zu der Juden Kinder geredet, als ob es der Juden Kinder wären. Ich antwortete: Du solltest mir das mit dem Evangelisten beweisen, aber du konntest es nicht, und gabst mir keine Antwort; denn Christus hat seine göttlichen Wunderwerke eben sowohl an der Heiden und Juden Kinder, als an dem heidnischen Weibe und des Hauptmanns Knecht erwiesen, welchen er auch das Zeugnis gibt, daß er solchen Glauben in Israel nicht gefunden habe. Dergleichen Exempel sind mehr und genug.

Zuletzt bitte ich dich, daß du mir mein einfältiges Schreiben zu gut halten wollest, denn es ist Bauernarbeit; hätte ich es besser von Gott empfangen, ich wollte es besser machen; nun aber danke ich Ihm für dasjenige, was er gegeben hat. Gehabe dich wohl.

Unten stand: Ich, Jan Gerrits Ketelaer von Tessel, bekenne nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe, einen Geist und einen Vater unser aller, der über alles und durch alles und in uns allen ist. »Ich komme bald; halte, was du hast, daß dir niemand deine Krone nehme!« (Offb 3) »Ja, komm Herr Jesu!« (Offb 22)