2.359  Noch ein Brief von Maeyken Boosers an die Brüder und Schwestern.

O meine herzlich und sehr geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn! Ich grüße euch noch einmal mit des Herrn Frieden, daß derselbe bis in Ewigkeit bei euch bleiben wolle, Amen.

Ich berichte euch, daß diese meine Feinde mich noch allezeit wegen der Taufe quälen; aber von der Menschwerdung Christi sagen sie mir nichts mehr. Der Diakon erzählte ihnen meinen Glauben, und sie fragten mich um nichts weiter, als ob ich glaubte, daß Christus Davids Sohn sei. Ich erwiderte, er wäre der Sohn des lebendigen Gottes. Ach, ach! sprach der Diakon. Die Herren fragten: Steht es nicht geschrieben, aus dem Samen Davids nach dem Fleische? Der Diakon antwortete ihnen, denn ich fand kein sonderliches Gehör; er warf mir öfters vor, daß ich löge, weil ich ihm widersprach, und er mir nicht beweisen konnte, daß die Apostel Kinder getauft hätten. Sie überfielen mich alle zugleich und sprachen, es könne niemand ins Himmelreich kommen, es sei denn, daß er aus Wasser und Geist geboren würde. Sie fragten mich plötzlich, ob ich solches auch bekennte; worauf ich erwiderte: Die Schrift gehört den Kindern nicht, sondern den Alten, die Ohren haben zu hören. Da standen sie auf und sagten: Du hegst eine Meinung.

Nun erwarte ich, meine lieben Freunde, morgen noch einmal vor sie gebracht zu werden. Darum bitte ich euch, ihr wollt den Herrn für mich bitten, daß er meinen Mund zu seinem Preise und zu seiner Ehre regieren wolle. Hiermit will ich euch ewiglich in die Hände Gottes befehlen, und bitte freundlich, ihr wollt mein einfältiges Schreiben zum Besten deuten, denn ich suche sonst nichts, als aus einfältigem Herzen Gott zu gefallen. Ach, möchte ich dem König der Könige und dem Herrn aller Herren in meinem Rufe so gefallen, dann wäre ich gewiss zu einer seligen Zeit geboren. Hiermit Frieden und gute Nacht; nach dieser Zeit nichts mehr. Haltet dieses für einen ewigen Abschied.

Nachher ist Maeyken Boosers zu Doornik zu Asche verbrannt worden, und hat ihre Seele in die Hände des Herrn übergeben.