2.338  Georg Friesen, ein Kistenmacher, und Wilhelm von Keppel, im Jahre 1562.

Dieser Georg Friesen, Kistenmacher, und Wilhelm von Keppel (welch letztere zuvor ein Messpfaffe war) wurden beide im Jahre 1562 zu Köln um der Wahrheit des Evangeliums willen gefangen genommen. Als man nun Wilhelm suchte und fand, ist er gutwillig mit denen, die ihn fingen, gegangen. Sie führten ihn zuerst auf einen Turm der Stadt, aber dort blieb er nicht lange, indem sie ihn in des Grafen Gefängnis brachten, wohin man diejenigen setzte, die zum Tode verurteilt waren. Als er in dieses Gewölbe kam, fand er daselbst den gemeldeten Georg Kistenmacher auch als Gefangenen, welcher sein Bruder im Herrn war und dessen Gesellschaft ihn daher sehr tröstete.

Hier wurden ihnen mancherlei Netze und Stricke gelegt, um ihre Seele zu fangen; hauptsächlich redeten sie viel von der Kindertaufe, von welcher sie sagten, daß sie recht sei; weil sie aber solches mit dem Worte Gottes nicht beweisen konnten, so brauchten sie menschliche Klugheit; aber Gott sei geehrt, hiermit konnten sie dieselben nicht bewegen; bald schmeichelten ihnen die Herren sehr, bald drohten sie ihnen auch mit Marter und Tod; aber die Gefangenen erfreuten sich hierin; auch andere wandten sowohl Schmeicheleien als Drohungen an, aber es konnte die Gefangenen nicht bewegen, sondern ihre Herzen standen durch die Hilfe des Herrn fester als eine Mauer.

Der Graf bot dem Georg Geld an und versprach ihm seine Magd zum Weibe, wenn er von seinem Glauben abstehen wollte; aber Georg wollte nicht von der Wahrheit weichen, sondern sagte zum Grafen: Weder deine Magd noch dein Gut und Geld kann mich zu Gott bringen; aber ich habe etwas Besseres erwählt, darnach will ich mich bestreben. Es kam auch ein kluger Gast zu Wilhelm, der machte ihm schöne Verheißungen und sagte, er wollte ihn mit nach England nehmen. Dieser hätte ihm auch bald das Netz des Betrugs über den Kopf gezogen, wenn ihn der Herr nicht bewahrt hätte.

Als nun die letzte Zeit herannahte, wo man sie zum Opfer zubereiten wollte, wonach sie übrigens sehr verlangten, brachte man beide aus dem Gefängnisse, welches des Grafen Gewölbe war, nach des Grafen Hause in einen Saal, Nachts um 1 Uhr; dort hatten sie mit ihnen mancherlei trotzige und unverschämte Reden, und quälten sie sehr, wozu Georg still schwieg, Wilhelm aber einiges sagte. Dieses währte bis Tagesanbruch, dann eilte man mit diesen beiden Gefangenen nach dem Rheine, wo man sie ertränken wollte.

Als nun Georg sah, daß man früh in der Morgenstunde so eilig mit ihnen nach dem Rheine lief, sagte er zum Grafen: Herr Graf, wo bleibt nun dein Versprechen, welches du uns gegeben hast? Denn du hast gesagt, du wollest uns am hellen Tage töten lassen; aber es kehrte sich niemand an diese Worte, sondern man lief mit ihnen nach dem Rheine, wo man sie umbringen wollte.

Auf solche Weise wurde also die Rede Davids erfüllt, indem er sagt: Sie haben die Frommen heimlich ermordet. Der Herr wolle es ihnen vergeben, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Als sie nun auf das Wasser gebracht wurden, in einem Rachen, hat sich Wilhelm entkleidet und seine Hände auf seine Füße gelegt, um sich binden zu lassen, denn er meinte zuerst nach Hause zu kommen und ertränkt zu werden; aber solches ist ihm nicht widerfahren, denn man ließ ihn seine Kleider wieder anziehen, und sagte, er sollte noch warten.

Deshalb musste Georg zuerst daran und zum Opfer zubereitet werden. Als er zum Tode fertig war, nahm er brüderlichen Abschied von Wilhelm, und sie küssten einander mit dem heiligen Kusse der Liebe.

Hierauf wurde Georg über Bord geworfen und in dem Rheine ertränkt, und hat mit seinem Tode bezeugt, daß er ein Mitgenosse des Leidens Christi sei, damit er auch von seiner Hand (aus Gnaden) die Krone auf dem Berge Zion empfangen und sich mit ihm ewig erfreuen möge.

Als nun Georg ertränkt war, sagte der Scharfrichter zum Wilhelm: Ziehe deine Kleider an, ich will dich ans Land führen und dir dort den Kopf abhauen.

Hierzu war Wilhelm durch Gottes Gnade willig und bereit, und sagte: Ihr könnt mit mir tun, was Gott will und euch zulässt. Als sie aber ans Land kamen, ließen sie ihn frei und ledig. Der Scharfrichter sagte zu ihm: Gehe deiner Straße. Ob sie dieses nun taten, weil Wilhelm ein Pfaffe gewesen war, welchen sie erst hätten entweihen müssen, ehe sie ihn töten konnten, oder ob sie ihn um deswillen lieber in Freiheit gesetzt haben, damit sie solcher Mühe überhoben sein möchten, weiß man nicht.