2.335  Der erste Brief von Jelis Strings.

Gnade, Barmherzigkeit und Friede sei mit euch von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesu Christo, dem Sohne des Vaters in der Wahrheit und Liebe; er wolle euch (die ihr nun eine kleine Zeit Verfolgung leidet) stärken und kräftig machen, und wolle euch verleihen, stark zu werden an dem inwendigen Menschen, und daß Jesus Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, und daß ihr durch die Liebe eingewurzelt und eingepflanzt werden mögt, damit ihr erkennen mögt, mit allen Heiligen Gottes, die Höhe, Tiefe, Länge und Breite seiner Barmherzigkeit, und darin recht wandelt und unbeweglich bleibt bis ans Ende eures Lebens, das wünschen wir euch allen, die den Herrn lieben, zum herzlichen Gruße, liebe Brüder und Schwestern in dem Herrn.

Ferner, nach aller Begrüßung, lassen wir euch wissen, daß es um uns noch sehr wohl steht; der Herr müsse ewig gepriesen sein für seine Gnade; bittet den Herrn für uns, daß er es nach seinem Willen ergehen lassen wolle; wir sind ziemlich tapfer, dem Herrn sei Lob.

Auch ist das meine herzliche Bitte an euch, daß ihr den Schwachen im Glauben von allen Dingen einen rechten Unterschied geben und dieselben in der Versammlung oft ermahnen wollt, denn es ist große Not; sie quälen die Gefangenen so sehr, wenn sie merken, daß sie einfältig sind, ja, noch einmal so viel, als diejenigen, die ihres Glaubens gewiss sind; und auch ihr, die ihr einfältig seid, nehmt es wohl zu Herzen, und schämt euch nicht, wegen eures Seelenheils zu fragen, bis ihr einen guten Unterschied habt, ehe ihr in die Klemme kommt. Nehmt diese Warnung zu Herzen, denn so viel man seines Glaubens gewiss ist, so viel Versicherung hat man. Sirach sagt: Gleichwie ein Haus, das fest ineinander verbunden ist, nicht zerfällt vom Sturmwinde, so auch ein Herz, das seiner Sache gewiss ist, fürchtet sich vor keinem Schrecken. Also, liebe Freude, lasst uns auch bauen auf Jesum Christum; der muss der Grund sein, nämlich sein Wort, denn Christus sagt selbst: »Wer mein Wort hört und tut, dem will ich zeigen, wem er gleich ist: Er ist gleich einem Manne, der sein Haus baute, aber er grub tief, und legte den Grund auf den Felsen, und obschon Sturmwinde und Platzregen daran stoßen, so bleibt es doch stehen, denn es ist auf den Felsen gegründet; wer aber mein Wort hört und nicht tut (sagt Christus), der ist einem törichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baut; wenn nun Platzregen kommen oder Sturmwinde wehen, so fällt es, und sein Fall ist groß.« Merkt, Freunde, er sagt: Er ist groß. Darum, liebe Freunde, grabt tief, das heißt, nach meinem Verstande, untersuchen und wohl beherzigen, damit wir nicht als Törichte erfunden werden; denn Jakobus ermahnt uns auch, daß wir Täter des Wortes sein sollen, und nicht Hörer allein, womit wir uns doch selbst betrügen; denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist, und nicht ein Täter, so gleicht er einem Manne, der sein leibliches Angesicht in einem Spiegel beschaut, und nachdem er sich beschaut hat, davongeht und von Stund’ an vergisst, wie er gestaltet war; wer aber das vollkommene Gesetz der Freiheit durchschaut und darin beharrt, und nicht ein vergesslicher Hörer ist, der wird selig sein; ja Christus Jesus sagt selbst: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren; auch ermahnt uns Johannes, Offenb 1,3: »Selig sind, die da hören die Worte dieser Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist.«

Seht, liebe Freunde, wenn wir sein Wort hören und dasselbe in unsern Herzen bewahren, so gehören uns alle diese Verheißungen der Seligkeit, denn sie sind eine rechte Speise der Seele, womit alle Christen gespeist werden müssen, wenn sie anders leben sollen, denn Christus sagt: »Der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern von einem jeden Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.« Desgleichen sagt auch der Prophet Jeremia Kap 51: Indes enthalte uns dein Wort, wenn wir es kriegen, und dieses dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost. Auch sagt Salomo, Spr 30,5: »Alle Worte Gottes sind durchläutert und sind ein Schild allen denen, die auf ihn trauen.« Darum, liebe Freunde, lasst uns allezeit auf Gottes Wort vertrauen, denn wir werden dadurch nicht belogen. Johannes sagt: »Dieses sind wahrhaftige Worte Gottes: Himmel und Erde werden vergehen, aber Gottes Wort wird nicht vergehen.« O liebe Freunde, lasst uns darauf wohl Acht haben, denn dasselbe wird uns am jüngsten Tage verurteilen; denn Christus sagt: »Ich werde euch nicht richten, sondern meine Worte, die ich geredet habe, werden euch am jüngsten Tage richten.« Liebe Freunde, soll uns dasselbe verurteilen, so müssen wir genaue Untersuchung halten, und uns selbst allezeit prüfen, ob unser Leben mit dem Worte Gottes übereinstimme, darin müssen wir uns recht spiegeln, ob an uns nichts Verdammliches sei; finden wir nun etwas Unreines an uns, so lasst uns nach des Propheten Rat tun, der da sagt: »Wascht euch, reinigt euch, tut euer böses Wesen von meinen Augen, lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun, schafft den Waisen Recht und helft der Witwen Sachen. So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, wenn eure Sünde wie Rosinfarbe ist, so soll sie doch wie Wolle werden.« Er sagt: »Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen; weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwerte gefressen werden, denn der Mund des Herrn sagt es.« Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns nicht ungehorsam sein, auch nicht wider Gott murren, gleichwie Israel, weshalb sie auch verworfen wurden. Heute, wenn wir seine Stimme hören, so lasst uns unsere Herzen nicht verstocken, sondern lasst uns Fleiß anlegen, daß wir die Verheißung, in seine Ruhe einzugehen, nicht versäumen, damit nicht jemand als ein solcher von uns erfunden werde, der draußen bleibe, denn wir sind zur Genüge ermahnt und genötigt, gleichwie auch Israel geschah; aber das Wort der Predigt half ihnen nichts, weil sie nicht fest glaubten; lasst uns aber einen standhaften Glauben haben, gleichwie es Kaleb und Josua hatten, die sich weder vor der großen Gestalt der Kanaaniter, noch vor der Stärke ihrer Städte scheuten, obgleich die Mauern ihrer Städte bis an den Himmel reichten. Versteht es, sie hatten hohe Mauern, die Menschen waren groß wie die Riesen, sie waren aber in ihren Augen nur wie Heuschrecken; aber Kaleb und Josua vertrauten auf Gott, und sagten: »Gott ist mit uns, ihr Schutz ist von ihnen gewichen, wir werden sie wie Brot fressen!« Sie haben auch durch ihren Glauben alles überwunden, und sind ins Land der Verheißung gekommen. So, liebe Freunde, sind auch unsere Feinde groß, stark und ihrer viele; wenn wir aber einen Glauben haben wie Josua und Kaleb, daß wir nicht auf unsere eigene Macht sehen, sondern von uns selbst ausgehen, und uns von ganzem Herzen auf ihn verlassen, so werden wir wohl überwinden, denn David sagt: »Befiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen.« Salomo sagt auch: »Verlasse dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlasse dich nicht auf deine Klugheit, sondern gedenke seiner in allen deinen Wegen, dann wird er deine Gänge fördern!« Ja, Paulus sagt auch: »Euer Wandel sei ohne Geiz, und lasst euch an demjenigen genügen, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: Ich will dich weder verlassen noch versäumen, sodass wir sagen dürfen: Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten, was sollte mir ein Mensch tun?« Ja, David sagt: »Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln, er leitet mich auf grüne Weide, er führt mich zu frischen Wassern, er erquickt meine Seele und leitet mich auf den rechten Weg um seines Namens willen; obgleich ich im finstern Tale wandle, so fürchte ich doch kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stab und Stecken trösten mich.«

O liebe Freunde, wo ist ein solcher Gott in Babel zu finden? Er sagt: »Wenn du durchs Feuer gehst, so will ich bei dir sein, damit dich die Flamme nicht anzünden; wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen.« Ja, er sagt: »Berge sollen weichen und Hügel hinfallen, aber meine Barmherzigkeit soll nicht weichen und der Bund des Friedens soll nicht von dir genommen werden, spricht der Herr, dein Erbarmer.« Brüder und Schwestern, haben wir einen solchen Gott, der so in der Not hilft, wer sind wir, daß wir uns vor Menschen und vor Menschenkindern fürchten sollten, die wie Heu vergehen müssen. Ja, es hat Christus selbst gesagt: Fürchtet nicht, die den Leib töten, sondern fürchtet den, der die Macht hat, Leib und Seele in die Verdammnis zu werfen. Seht, Freunde, obgleich uns viel Leiden um Christi willen zustößt, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Darum lasst uns von Herzen uns demütigen und seine Gebote halten, und zu ihm mit Tränen bitten, daß er uns nach seinem Wohlgefallen Barmherzigkeit erweisen wolle, damit, wie wir nun wegen ihres Hochmuts trauern müssen, wir uns auch nach diesem Jammer erfreuen mögen, weil wir nicht den Sünden unserer Väter folgen, die ihren Gott verließen und fremden Göttern nachliefen; deswegen hat sie der Herr in ihrer Feinde Hände gegeben. Darum, liebe Brüder, die ihr die Ältesten seid, tröstet das Volk mit euren Worten, ermahnt sie, daß sie gedenken, daß unsere Vater auf mancherlei Weise versucht worden sind, und mancherlei Anfechtung haben überwinden müssen, damit sie geprüft würden, ob sie Gott von Herzen dienten. Ebenso sind auch Isaak, Jakob und Mose standhaft geblieben und haben viel Elend überwinden müssen; die andern aber, welche die Trübsal nicht annehmen wollten, sondern in Ungeduld wider Gott murrten, sind von dem Verderber und den Schlangen umgebracht worden. Aber lasst uns bedenken, daß wir von Gott zur Besserung und nicht zum Verderben gezüchtigt werden, und daß es eine Strafe ist, welche viel geringer ist, als unsere Sünden; denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er; er stäupt aber einen jeden Sohn, den er aufnimmt; seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie doch alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr keine Kinder, sondern Bastarde. Darum, liebe Freunde, lasst uns eine geringe Zeit in dieser Trübsal geduldig sein, denn das Leiden dieser Zeit ist nicht mit der Herrlichkeit zu vergleichen, die an uns offenbart werden soll. Der Gott aber aller Gnade wolle uns alle stärken, kräftig machen und befestigen, das wünsche ich euch allen zum Gruße; ich, Peter, lasse euch sehr grüßen und begehre von Herzen, daß ihr für meine Hausfrau Sorge tragen wollt, sie hofft ihr Bestes zu tun, wie sie mir gesagt hat; wir bitten euch, daß ihr für uns bitten wollt, daß wir es zu Gottes Preise und zu unserer Seelen Seligkeit ausführen mögen; auch entbieten wir euch, daß Pauwels, wenn er noch nicht seine Wohnung verlassen hat, fortziehe; wir raten euch solches als das Beste, wir könnten wohl mehr Nachricht schreiben, aber wir fürchten, es möchte der Brief nicht in die rechten Hände geraten. Ich, Peter Potvliet, lasse euch sehr grüßen und gebe euch ein Testament, bleibt standhaft und unbeweglich im Werke des Herrn, macht, daß eure Arbeit nicht vergebens sei, seid Gott befohlen. Von mir, Jelis Strings.