2.30  Hier folgt noch eine andere tröstliche Ermahnung, welche Georg Blaurock seinen Nachkömmlingen hinterlassen hat.

Gottes Gericht ist recht, welchem sich niemand widersetzen kann; er wird den verdammen, der seinen Willen nicht tut. Aber du, o Herr, bist gütig und erzeigest deine Gnade und nimmst zu deinen Kindern alle diejenigen an, welche sich befleißigen, deinen Willen zu tun. Wir sagen dir billig Lob und Dank durch Jesum Christum, für alle deine Wohltaten und Güte und bitten dich, du wollest uns vor Sünden behüten und bewahren. Der Sünder fällt hier ein schweres Urteil über sich selbst, welches ihn endlich gereuen wird, denn obgleich ihn Gott treulich warnt, so will er gleichwohl von dem sündlichen Leben nicht ablassen. Wenn aber der Herr in seiner Herrlichkeit zum Gerichte kommt, dann wird es den Sünder gereuen, es ist alsdann zu spät, Unschuld zu erwerben; hier lässt er sein göttliches Wort verkündigen und lehret die Menschen, dass sie sich von ihrem sündlichen Leben bekehren, an Christum glauben, sich auf diesen Glauben taufen lassen und dem Evangelium gehorsam seien. Darum, ihr Menschenkinder, lasst ab von euren Sünden und verharrt nicht länger in eurer Verstockung, Krankheit, Gottlosigkeit und Blindheit, weil ihr den Arzt findet könnt, der alle Gebrechen heilen kann und weil ihr seine Hilfe umsonst genießen könnt. Ach, wie elend wird es dem Sünder ergehen, welcher sich jetzt nicht helfen und raten lässt, wenn er von Gott zur ewigen Pein verwiesen wird und darin ewig wird bleiben und leiden müssen. Aber du, o Herr, bist ein gerechter Gott, du wirst niemanden betrügen, sondern du wirst diejenigen vor dem zweiten Tode bewahren, die dich von Herzen lieben. Du, o Herr, bist ein starker Gott, der alle Gottlosen und diejenigen, die deine Kinder hassen und ihnen Leids antun, zur Hölle (welche nun ihren Mund aufgetan) verstoßen wird. Aber deine Barmherzigkeit über diejenigen, die sich bekehren, ist groß und du vergibst ihnen durch Jesum Christum ihre Sünden. Dies ist der Wille Gottes, dass das ganze menschliche Geschlecht Ihn fürchte und liebe, dass sie seinem Sohne Jesu Christi nachfolgen und seine göttliche Lehre halten; aber es beweist der Sünder mit der Tat, dass er sein Gespött damit habe, wenn man ihn zur Liebe Gottes ermahnt, was teuer wird bezahlt werden müssen, denn Gott lässt sich durch keinen Schein betrügen. Der Antichrist droht uns mit großer Schärfe und lästert diejenigen, die Gott fürchten. Darum bitten wir dich, o Gott, stärke deine schwachen Gefäße; aber wir wissen, dass du, um deiner Treue willen uns nicht verlassen wirst, wenn wir alles in Geduld um deines Namens willen ertragen, sondern dass du uns täglich erneuern und stärken willst, damit wir auf deinem schmalen Wege bleiben mögen, wir rufen dich durch Christum, um seines bitteren Leidens willen an, worin wir deine Treue und Liebe erkennen und dieses ist uns tröstlich in unserer Wohlfahrt; darum verlasse uns, deine Kinder, nicht, von nun an bis an unser Ende, sondern reiche uns beständig deine väterliche Hand, damit wir unsern Lauf vollenden mögen; denn wenn wir den Lauf zu Ende gebracht haben werden, so ist die Krone von dem Jünglinge zubereitet, der für uns am Kreuze hing, wo er um unseretwillen großes und schweres Leiden hat ertragen müssen. O Herr, gib, dass wir dankbar sein mögen, damit wir dich, Vater, mit Freuden anschauen mögen. O Vater, du hast uns aus Gnaden erwählt und uns würdig geachtet, uns zu deinem Werke zu gebrauchen, gib doch, dass wir auf den Abend den Lohn mit Freuden empfangen mögen, mache uns doch durch Christum, deinen Sohn, zu dem himmlischen Abendmahle bereit, bekleide uns mit deinem Heiligen Geiste. In diesem Abendmahle wird dein Sohn, unser Seligmacher, uns an der Tafel dienen; ach, wie selig sind sie, die zu deinem Abendmahle berufen sind und in jeder Trübsal bei Christo bis ans Ende beharren, gleichwie er auch für uns standhaft am Kreuze gelitten hat; und so ergeht es auch allen seinen Nachfolgern auf dieser Erde und allen, die ihr Hochzeitskleid bis ans Ende rein behalten; diesen wird der Jüngling die Krone aufsetzen. Wer aber mit diesem Kleide nicht angetan ist, den wird der König scharf anreden, wenn er seine Gäste besehen wird und wird er gebunden an Händen und Füßen, in die tiefste Finsternis geworfen werden. O Herr, gib uns doch, dass wir in rechter Liebe erfunden werden mögen, damit, wenn wir kommen, wir die Türe nicht verschlossen finden, wie es den törichten Jungfrauen ergangen ist, die kein Öl in ihren Lampen hatten und sagten: »Herr tue uns auf,« gleichwohl aber nicht eingehen konnten; sondern, dass wir in einer seligen Wachsamkeit mit den fünf klugen Jungfrauen unsere Zeit zubringen und mit ihnen zur herrlichen Hochzeit der ewigen Freuden eingehen mögen, wenn der König mit seiner Posaune seine Auserwählten berufen und versammeln wird.

Darum, o Zion, du heilige Gemeinde Gottes, merke auf, was du empfangen hast; bewahre dieses fest bis ans Ende und halte dich rein und unbefleckt von Sünden, so wirst du aus Gnaden die ewige Krone empfangen.