2.321  Jons Verbeek, 1561.

Der Markgraf zu Antwerpen ist mit einem großen Haufen Volkes, der mit Prügeln und Stäben wohl versehen war, ausgezogen, und hat Jons Verbeek, einen Diener des Wortes Gottes und seiner Gemeinde, den 7. Juni 1561, gefangen genommen. Als er nun darauf den neunten desselben Monats verhört wurde, hat er sowohl von seinem Glauben als auch von seinem Amte ein freimütiges Zeugnis abgelegt, worüber der Markgraf und die Herren ihr Gespött hatten. Auch wurde er hart gefoltert; aber Gott hat seinen Mund in allem bewahrt, sodass er niemanden in Ungelegenheit gebracht hat, wiewohl man so unbarmherzig mit ihm umging, daß auch ein Strick an seinem Leibe in Stücken riss, und er in vier Tagen zweimal auf die Folter musste, wobei er auch wieder bis aufs Blut gegeißelt wurde. Er hat alles in Geduld erlitten; doch hat er es sehr beklagt, daß sie seine rechte Hand gebrochen, oder durch das Foltern lahm gemacht hätten, sodass er um deswillen nicht schreiben konnte.

Den zwanzigsten Tag des Monats wurde er vor Gericht gebracht; hier fragte ihn der Schultheiß, ob er wiedergetauft wäre. Er antwortete: Fragt mich nach meinem Glauben; dieses habe ich auf dem Steine vor den Herren und vor dem Markgrafen bekannt. Darauf fragte ihn der Schultheiß, was er von der Kindertaufe hielte. Er erwiderte: Ich habe euch bekannt, daß dieselbe nicht von Gott, sondern eine Menschensatzung sei. Der Schultheiß fragte abermals, ob er wiedergetauft sei, und sagte: Sage ja oder nein, denn ich weiß, du wirst nicht lügen; darum sage mir die Wahrheit. Er antwortete: Ich habe mich auf meinen Glauben taufen lassen, wie Christus Mt 28 und Mk 16 lehrt.

Als er nun seinen Glauben, seine Taufe und Lehre bekannt hatte, durfte er nicht weiter reden. Die Herren fällten das Urteil über ihn; unterdessen sagte er zum Volke: Liebe Bürger, ich habe elf Jahre hier gewohnt, und niemand kann über mich klagen, denn ich habe niemandem jemals einen Schaden zugefügt; ebenso kommt auch mein Leben und meine Lehre mit dem Worte Gottes überein. Nach diesen Worten rief ein Bruder: Das ist wahr. Als solches die Büttel hörten, standen sie auf und untersuchten, wer dieser Bruder gewesen sei, aber sie fanden ihn nicht.

Joos sagte: Ach, daß ich mich öffentlich wider die Pfaffen verantworten dürfte, die bei mir auf dem Steine gewesen sind, wie Paulus erlaubt war, vor Agrippa zu tun, aber man verbietet uns das Reden.

Als er vom Gerichte ging, sagte er: Der, welcher Daniel aus der Löwengrube erlöst hat, wird mich auch bewahren, denn was ich leide geschieht um des Herrn Namens und nicht um einer Übeltat willen.

Das ist wahr!, rief ein Bruder. Andere riefen: Streite tapfer, lieber Bruder! Joos sprach: Tapfer und freimütig, liebe Bürger, so müssen alle Kinder Gottes leiden; diesen Weg sind die Heiligen Gottes, die Propheten und so viele fromme Männer gewandelt.

Als er zu dem Häuslein kam und vor der Türe der Hütte stand, in welcher er sein Brandopfer tun sollte, erhob er seine Augen gen Himmel und sagte: O heiliger Vater!, stehe in dieser Not deinem Knechte bei. Der Schinderknecht wollte ihm einen Strick mit einem Knoten in den Mund stecken, um ihn am Reden zu verhindern, aber er hat gleichwohl nicht geschwiegen, denn man hörte ihn rufen: O Herr, du Sohn Davids!, erbarme dich meiner!

Der Scharfrichter verrichtete sein Werk mit Zittern aus Furcht. Als das Feuer angesteckt wurde, rief Joost: O himmlischer Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! O Herr der Heerscharen!, der du mich von meiner Mutter Leibe an abgesondert hast, stehe deinem Knechte in dieser letzten Not bei, da ich um deines Namens willen leide. Er rief auch noch einmal: O himmlischer Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Darauf hat er, uns allen zum Spiegel und Vorbilde, ein ruhiges und eifriges Opfer getan.