2.319  Joost Joosten zu Beer in Seeland verbrannt, im Jahre unsers Herrn 1560.

Im Jahre 1560 wurde zu Beer in Seeland ein junger Bruder, namens Joost Joosten, aus Goes, einem Städtlein in Seeland, welcher in der lateinischen Sprache sehr wohl erfahren war, gefangen genommen; hiermit hatte es folgende Bewandtnis: Als derselbe Student und ungefähr vierzehn Jahre alt war, ist der König Philipp nach Seeland gekommen, bei welcher Gelegenheit dieser Joost Joosten in der Kirche auf der Orgel den Choral gesungen hat, wie es in der römischen Kirche gebräuchlich ist; es hatte aber der König ein solches Wohlgefallen an dem Singen des Knaben, daß er ihn mit nach Spanien nehmen wollte, weshalb Joost Joosten sich etwa sechs Wochen verborgen hielt, weil er nicht mitziehen wollte. Nachher ist er zum wahren Glauben bekehrt worden und hat sich auf seinen Glauben taufen lassen, und also ein christliches Leben geführt; dieses konnten die Beneider der Wahrheit nicht ertragen, weshalb sie ihn gefangen genommen haben, als er achtzehn Jahre alt war. Er hat viele Anfechtungen ausstehen müssen, und ist einige Male versucht worden, vom Glauben abzufallen; er hat auch mit vier Ketzermeistern über viele Glaubensartikel einen Wortstreit gehalten, welche große Mühe anwandten, ihn zu ihrer Religion zu ziehen. Als sie ihn nun auf solche Weise nicht beikommen konnten, haben sie ihn schrecklich gepeinigt, hauptsächlich mit einem Werkzeuge, genannt eiserne Teerlingen, welche sie ihm an den Knien hineingetrieben, sodass sie an den Knöcheln wieder zum Vorschein kamen. Dieses alles aber hat er mit großer Geduld standhaft ertragen, und den Schatz, den er in einem irdischen Gefäße hatte, treulich bewahrt; darum ist er auch von Herodis Kindern zum Feuer verurteilt worden, welches Urteil sie an einem Montage vor Christtag an ihm vollzogen. Er freute sich sehr im Herrn, als er zum Tode hinausgeführt wurde, und sang, als er in das Strohhäuschen ging, in welchem er verbrannt werden sollte, den letzten Vers des Liedleins, welches er selbst gemacht hatte und welcher so anfängt: »O Herr! Du bist ja stets in meinem Sinn«

Er hat auch sein Glaubensbekenntnis geschrieben, welches einige Bogen stark, aber im Verlaufe der Zeit verloren gegangen ist.