2.312  Claes Felbinger und Hans Leytner, im Jahre 1560.

Im Jahre 1560 ist der Bruder Claes Felbinger, oder Schlosser, ein dienstwilliger Diener des Wortes Gottes, der noch in der Probe stand, mit einem andern Bruder, welcher Hans Leytner hieß, nicht weit von Neumark in Bayern auf den ersten Tag nach Judica, in den Fasten, gefangen genommen worden, als sie um des Glaubens willen sich auf der Flucht befanden. Man hat sie nach Neumark geführt, dort sind sie von dem Richter und seinen Beisitzern zweimal verhört und insbesondere wegen der Kindertaufe gefragt worden; als sie aber klar und deutlich sich erklärten, daß Christus dieselbe nicht befohlen habe, sondern lediglich die Taufe der Erwachsenen, die das Wort Gottes hören, verstehen, glauben und annehmen, so haben sie dieselben des andern Tages früh auf einen Karren gesetzt, und mit Reitern und Trabanten nach Landshut geschickt, wo sie einen jeden in ein besonderes Gefängnis gelegt, und Claes mit einer Kette in demselben festgeschlossen haben. Nachher ist der Rat zusammen gekommen, hat sie vor sich gefordert oder kommen lassen, und viel mit ihnen gehandelt, aber nichts ausrichten können.

Sodann haben sie ihnen zwei Gelehrte, nämlich zwei Predigermönche zugeordnet; dieselben haben mit ihnen vom Sakramente und von der Kindertaufe verhandelt, und warum sie von der päpstlichen Kirche abgegangen wären; die Brüder aber antworteten ihnen aus Gottes Wort, daß sie von derselben ausgehen mussten.

Darum haben sie ihnen nachher mit der Folter zugesetzt und sie sehr ausgespannt, insbesondere, als sie wissen wollten, wo sie geherbergt hätten und wohin ihre Reise ginge. Aber Claes sprach: Wir sind nicht schuldig, euch solche Dinge zu sagen. Sie fragten: Warum? Er antwortete: Weil ihr ihnen ihr Eigentum nehmen, sie darum peinigen und umbringen würdet, und euch daran versündigt. Sollten wir denn diejenigen verraten, die uns Gutes tun? Wir verraten selbst unsere Feinde nicht, warum denn unsere Freunde? Sie sagten: So hören wir denn nicht auf, euch zu peinigen, bis ihr es uns sagt. Sie ließen sie noch lange auf der Folterbank liegen, bis der Scharfrichter selbst für sie bat und sagte: Lasset doch ab, denn wenn sie auch den ganzen Tag gepeinigt würden, so erfahrt ihr doch nichts von ihnen.

Der Richter wurde darauf sehr entrüstet, nannte sie Schelme und daß sie andere verdammten; aber der Bruder Claes sagte: Wir verdammen niemanden, sondern eure Sünden verdammen euch, wenn ihr davon nicht absteht; solches bezeugen wir nach der Wahrheit.

Der Oberrichter fragte: Was ist die Wahrheit? Der Bruder sprach: Du verstehst es doch nicht, wenn ich dir es auch sage, denn du weißt so viel, was Wahrheit ist, als Pilatus, der ebenso fragte.

Nachher hat man zwei Doktoren von den Mönchen, welche neun Meilen abwohnten, zu ihnen gesandt, die auf viele und mancherlei Weise es versuchten, sie von der Wahrheit abzuziehen, die aber damit nichts ausgerichtet haben. In gleicher Absicht sind auch der Kanzler und die Obrigkeit in Landshut einmal zu ihnen gekommen und haben ihnen zugesetzt; sie haben dieselben aber in ihrem Glauben standhaft befunden und haben ihnen mit ihrer falschen Lehre und verführerischen Ratschlägen nichts abgewinnen können.

Darauf sind abermals zwei Pfaffen und auch ein Doktor der Schrift zu ihnen gekommen und haben mit ihnen einen heftigen Wortstreit wegen der Kindertaufe gehalten, aber Claes hat ihnen mit der Heiligen Schrift kräftig widerstanden und sie von sich getrieben.

Nach der Zeit ist der Kanzler mit einigen Predigerherren zu ihnen gekommen, und hat sie mit Frömmigkeit zu bewegen gesucht; aber sie haben allen Pforten der Hölle ritterlichen Widerstand geleistet, weil sie versichert waren, daß sie in der göttlichen Wahrheit ständen, welche sie getreulich und aufrichtig verteidigten und sagten, sie wollten in der Einfalt Christi dabei bleiben. Darauf sagte der Kanzler zu dem Bruder Claes: Bist du einfältig? Das kann ich nicht glauben, ich denke, es sollten wohl hundert vorkommen, ehe einer kommt, der sich so verantworten kann wie du, aber ich halte dich für einen Schwärmer, wie man deren nun viele findet, die ohne richtige Ansichten umherlaufen. Sie haben aber ihren Glauben ohne Scheu bekannt und verteidigt, und Gott gab ihnen solche Weisheit, daß ihnen die andern nicht widerstehen konnten.

Endlich sind sie von den Pilatuskindern zum Tode verurteilt worden. Dem Bruder Claes wurde die Zunge festgebunden, damit er auf dem Richtplatze nicht mit dem Volke reden möchte, doch wurde das Band an der Zunge zuletzt so viel gelöst, daß die beiden Brüder einander zusprechen konnten.

Hans Leytner, der von dem Scharfrichter zuerst vorgenommen, sprach zu dem Claes: Lieber Bruder, wenn du etwa durch meinen Tod erschreckt werden solltest, so tritt lieber zuerst vor, dann will ich bis zuletzt warten; aber der Bruder Claes antwortete: O nein! O nein! Ich entsetze mich nicht darüber. Hierauf streckte Hans seinen Hals unverzagt aus und wurde enthauptet, sodass es Claes unerschrocken und unverzagt ansah, als hätte es ihn nicht betroffen; dann trat er auch vor, kniete nieder und übergab sein Haupt, welches ihm, wie den andern, um seines Glaubens willen abgeschlagen worden ist. Also haben diese beiden der Wahrheit Gottes mit ihrem Blute Zeugnis gegeben, welches den zehnten Tag des Monats Juli 1560 geschehen ist.