2.28  Hans Langmantel mit seinem Knechte und seiner Magd, im Jahre 1529.

Hans Langmantel, ein reicher Bürger von angenehmem Geschlechte, hat mit seinem Knechte und seiner Dienstmagd, als die Gemeinden in Deutschland wieder aufgerichtet wurden, die Wahrheit des Evangeliums angenommen und haben von Eifer entflammt, an die Wahrheit geglaubt, das sündhafte Leben verlassen und sich zur Befreiung und Vergebung ihrer Sünden auf den Glauben an Jesum Christum taufen lassen. Sie sind deshalb alle drei gefänglich eingezogen worden und zuletzt, nachdem sie viel Anfechtung und Pein erlitten, um ihres Glaubens willen, welchen sie standhaft bekannten, getötet worden; den Hans Langmantel und seinen Knecht haben sie mit dem Schwerte getötet, die Magd aber im Wasser ertränkt. Als sie noch in strenger Gefangenschaft lagen, haben sie das Nachfolgende als eine Danksagung und ein Gebet, deren sie sich im Gefängnisse bedienten, ihren Brüdern zum Troste, zur Ermahnung und zum Andenken ungefähr im Jahre 1529 zugesandt:

O Gott! Vater vom Himmel, komm mit der Kraft deines Heiligen Geistes und erfreue damit unser Gemüt, Herz und unsere Sinne; gib uns allen dreien ein männlich Gemüt, um in dieser Angst, worin wir sind, zu streiten und zu siegen. Halte uns mit deiner rechten Hand, denn du bist unsere Stärke, streite für uns in dem Streite, und habe acht auf uns in der Not, damit wir im Streite bestehen möchten und nicht zurückweichen, wenn der Streit am heftigsten wird, darum, o Herr, halte doch Wache über uns und bewahre uns in dieser großen Not, da sich die Gottlosen gegen dein Wort aufmachen und uns davon abwendig machen wollen. O Gott, erhalte uns doch in deiner Obhut, damit wir nicht schwach werden und dein Wort fahren lassen. Laß, uns doch die Treue genießen, die du durch deinen Sohn Jesum Christum an uns vollbracht und erwiesen hast, damit wir aber solches stets fleißig betrachten möchten, so sende uns deinen Heiligen Geist und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe; führe du uns, der du dieselbe mit der Tat gelehrt und uns vorgelegt hast, dass wir uns auch darin üben und dieselbe, als deine lieben Kinder unterhalten und ausüben sollen, damit diese Gabe in uns komme und wir in dieser deiner Wahrheit unser Leben darnach einrichten möchten, wozu wir berufen sind, damit Friede und Einigkeit unter uns grünen möge und wir uns untereinander in der Wahrheit aus reinem Herzen lieb haben. Darum, o Gott, laß das Licht deiner göttlichen Klarheit uns erleuchten, damit wir darin wandeln mögen. O Herr! Erhalte uns darin als deine lieben Kinder! Laß uns doch nicht durch die grausame Finsternis dieser Welt, welche mit jeder Art von Untreue die Oberhand bekommen und welches alles den Tod nach sich zieht, ebenfalls verfinstert werden. Du aber, unser Vater, liebest die Billigkeit. In dir ist keine Finsternis, sondern die Welt ist damit verblendet. Du aber bist das ewige Licht, welches durch die Finsternis dringt. Damit wir nun ferner nicht mehr Kinder der Nacht, sondern Kinder des Tages sein mögen, so wache über uns mit deinem Heiligen Geiste und lehre uns mit Lust und Freude nach deiner göttlichen Art in diesem Licht fortgehen. O Gott, wir bitten noch einmal, sende uns zu diesem Zwecke deinen Heiligen Geist, verleihe uns seine Kraft, erneuere unsere Herzen und mache uns stark in dir, damit wir dir im Gehorsam folgen und deinen Namen verherrlichen mögen. Wenn diese Welt sich wider deine Worte empört und dem widerstrebt, dass unsere Seele in allen Trübsalen zu dir seufzt, wodurch sie uns abzureißen suchen, so gib uns, o Herr, dass wir auf deine Hilfe warten und hilf uns zur Überwindung. Gib uns Herr, dass wir uns durch keine Sünde oder Schuld beflecken und nimm von unserm Fleisch den Schrecken hinweg, womit man uns abzuziehen und in diesem Werke aufzuhalten beabsichtigt, damit wir im Streite nicht wanken, wenn man das Todesurteil an uns vollstrecken wird, sondern damit wir dir mit allen Frommen entgegengehen und in dem herrlichen Hochzeitskleide bei der Hochzeit erscheinen, welche deinem Sohne zubereitet ist, wenn Er seine Braut mit ewiger Freude und Lust aufnehmen wird, Herr! Stehe uns doch bei in allen Ängsten und Nöten und in der Todespein; gib uns das Himmelsbrot, sende uns deinen Tröster; denn du Gott bist ein Tröster der Elenden; du machest die Armen reich und stärkest die Schwachen; du kannst die Müden erquicken und den Schwachen Kraft geben, dass sie sich zu dir wenden; durch dich überwinden sie, die sich jetzt zum Streite begeben haben, um für die Wahrheit zu streiten. Hilf uns zum Siege in Christo, deinem Sohne, ja in ihm allein auf dieser Erde. Sei Du allein unser Helfer, beschirme uns mit deinem Schwerte, damit wir sämtlich als deine Helden die Krone erlangen und ewig bei dir sein mögen, Amen.