2.299  Hans Vermeersch, sonst genannt Hans von Macs, wird zu Waesten in Flandern um des Zeugnisses Jesu Christi willen im Jahre 1559 getötet.

Des Hans Vermeersch, sonst genannt Hans von Maes, Bekenntnis, welches er geschrieben hat, als er zu Waesten in Flandern im Jahre 1559 im Gefängnis lag.

Des Jahres 1559 im Oktober wurde ich vor den Ketzermeister gebracht, um daselbst meinen Glauben zu bekennen, welcher, als ich vor ihn kam, mich um mein Alter und um meinen Namen fragte, und wo ich gewesen sei; dann fragte er mich, ob ich wiedergetauft wäre. Ich erwiderte: Ich weiß nur von einer Taufe, wie an die Epheser steht, welche die Taufe der Gläubigen ist. Wie Matthäus und Markus in ihren Evangelien berichten, und wie Petrus, Apg 2,38, zu dem Volke redete, das ihn hörte: Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen in dem Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; diejenigen nun, die sein Wort gerne aufnahmen, ließen sich taufen. Nehmt wahr in demselben Kapitel und überlegt es wohl: Sie brachen das Brot, es kam eine Furcht auf sie, sie waren alle eine Seele und hatten alle Dinge gemein, welches alles ein kleines Kind nicht tun kann. Hierauf fragte er mich, warum ich glaubte, daß das Evangelium wahr wäre; ich antwortete: Weil in dem Munde zweier oder dreier Zeugen alle Worte bestehen; nun aber sind vier Evangelisten, als Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche alle eben dasselbe von einem Christo und Messias zeugen und sprechen, welcher Gottes Sohn ist, und Gott ist sein Vater. Daß aber auch ein Gott sei, kann man leicht an der Schöpfung der Welt und den Zeichen und Wundern wahrnehmen, die wir täglich sehen; dahin gehört, daß das Korn wächst, desgleichen das Gras, Äpfel, Kirschen, Nüsse und dergleichen. Ferner kann man auch merken, daß das Evangelium wahr sei, denn ich habe gelesen, daß Christus sagt: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und euch übel nachreden um meines Namens willen, wenn sie daran lügen; ferner sagt Christus: Ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Menschen. Als ich solches las, glaubte ich es, und nun finde ich es an mir und an andern, daß es wahr sei, und glaube, daß das Evangelium wahr sei. Nun kann ein jeder wissen, sehen und verstehen, daß es so sei, wie Paulus sagt: Alle, die gottselig leben wollen, müssen Verfolgung leiden; darum sage ich: Um aller dieser Zeugen willen, die nicht lügen können, kann man wohl frei werden und sagen, daß das Evangelium wahr sei, ein jeder sehe wohl zu, damit quälten sie mich sehr.

Darnach fragten sie mich wegen der römischen Kirche, ob ich nicht glaubte, daß es die rechte Kirche wäre, welche auf den Felsen gebaut ist, der da Christus ist; ich sagte: Nein. Da fragte er mich, welche Kirche ich für die rechte hielte; ich sagte: Die Versammlung der Gläubigen in Christi Namen, wie Christus zu Petrus sagt: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen; das will soviel sagen, die einen solchen Glauben haben, wie Petrus hatte, wie man an den Korinthern wahrnehmen kann, zu welchen Paulus sagt: Was hat der Tempel Gottes für Gemeinschaft mit den Abgöttern? Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, gleichwie Gott spricht: Ich werde ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; deshalb sind alle in Christi Namen versammelte Gläubige die rechte Kirche; ferner fragten sie mich, ob das Sakrament, welches die Kirche in der Messe gebraucht, nicht Fleisch und Blut sei, nachdem es der Priester eingeweiht, und ob es nicht der Leib Christi in Fleisch und Blut sei; ich erwiderte: Wie könnte solches möglich sein, denn es steht in dem 1. Kapitel der Geschichte der Apostel geschrieben, daß er gen Himmel aufgefahren sei, und im siebten Kapitel sagt Stephanus: Ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur rechten Hand Gottes stehen; und Petrus sagt im 1. Briefe, im 3. Kapitel, daß er auferstanden und aufgefahren sei, zur Rechten Gottes in den Himmel; so ist er denn nicht daselbst. Darauf fragte er, ob er denn nicht mächtig genug sei, daselbst durch seine göttliche Kraft zu sein; ich antwortete: Er kann nichts gegen sein Wort. Er ist allmächtig, das bekenne ich, aber gegen sein Wort tut er nichts. Darauf sagten sie ferner, daß er seinen Jüngern seinen Leib gegeben habe, als er mit ihnen sein Abendmahl hielt, wie auch im Texte steht, denn er sagt: Nehmt, esst, das ist mein Leib; aber darauf entgegnete ich, daß er nicht seinen Leib, sondern ein Stück Brot gegeben habe, denn, wie man merken kann, so ist der Leib darauf von Judas in der Juden Hände überantwortet worden, hat gelitten und ist ans Kreuz aufgehängt worden; daher konnte er ja seinen Leib nicht zu essen geben, wie er selbst sagt: Von nun an werde ich nicht mehr von diesem Gewächse des Weinstocks trinken, welches der Wein ist, den er zuvor sein Blut nennt. Lest den 1. Brief an die Korinther, Kapitel 10 und 11, daselbst könnt ihr mehr Erläuterung finden. Er gab also seinen Aposteln nicht seinen Leib, sondern es bedeutete seinen Leib. Darnach fragte er mich, was ich von dem Dienste, den man in der Kirche gebraucht, hielte; ich sagte: Für eine große, abscheuliche Abgötterei; hierauf sagte er: So hältst du es denn für die babylonische Hure? Ich antwortete: Ja, wie Offb 13,4 steht von dem Tiere, das sich anbeten lässt. Wer es nun nicht anbetet oder sein Zeichen empfängt an seine Hand oder an seine Stirn , welches sich Gott widersetzt in seinen Auserwählten. Darauf sagte er mir, daß wir es nicht erweisen könnten, daß unsere Kirche, nämlich die der Wiedertäufer (wie sie dieselbe nannten) vor 40 Jahren gewesen sei, während doch ihre Kirche schon gedauert habe. Ich erwiderte hierauf: Wir setzen unsere Kirche in keine Registerbücher, wie die römische Kirche tut; man würde sie sonst bald finden, denn ein jeder sucht sie zu Grunde zu richten oder zu töten, so wird sie auch, wie die römische Kirche, von dem Kaiser und Könige nicht unterstützt, sondern der Kaiser, König oder Fürst suchen sie mit Fleiß aus dem Wege zu räumen; doch kann ich dir wohl beweisen, daß sie schon von 1559 Jahren her ist, denn Christus ist der Eckstein und ist auch derselbe, seitdem er gekreuzigt ist. Da sagten sie: Ja, die römische Kirche, denn sie ist von Petrus eingesetzt; er war der Erste, nach ihm alle heiligen Päpste, alle heiligen Lehrer, wie Hieronymus, Augustinus, Ambrosius, Bernhardus, welche die vier Doctores der heiligen Kirche sind. Willst du diesen nicht glauben, da es doch gelehrte Männer waren? Antwort: Ich glaube allein an Gottes Wort.

Ferner fragten sie mich, ob ich nicht an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist glaubte, drei Personen und einen wahrhaftigen Gott; ich antwortete: Ich finde in der Schrift nur eine Person; sie fragten, wer es wäre? Ich erwiderte: Christus, den man gesehen und gehört hat; aber den Vater hat niemand jemals gesehen; wer wollte nun sagen können, was er für eine Person sei? Denn er ist unsichtbar; auch hat niemand jemals den Heiligen Geist gesehen; man hat ihn zwar wohl als eine Taube auf Christum herabfahren gesehen, aber eine Taube kann keine Person sein. Da sagten sie: Du glaubst nicht, daß drei Personen sind? Ich sagte: Nein, es sei denn, daß man es mir mit der Schrift erweise; ich bekenne, daß sie drei in Wesen seien, aber doch nur ein wahrhaftiger Gott. Der Vater ist der Sohn nicht, auch ist der Sohn nicht der Heilige Geist; den Vater bekenne ich als den Vater, Jesum Christum als seinen Sohn, der von ihm ausgegangen ist, den Heiligen Geist aber als beides, von dem Vater und von dem Sohne, doch aber unterschieden und ein wahrhaftiger Gott.

Darauf fragte er mich, ob Christus sein Fleisch und Blut nicht von Maria angenommen; ich antwortete, man müsste mir solches beweisen. Sie sagten: Er ist von dem Samen Davids; ich entgegnete, daß er sein Fleisch und Blut von Maria angenommen haben sollte, davon meldet die Schrift nichts. Lest Lukas, Kapitel 1, wo der Engel sagte: Du wirst schwanger werden und dann, als Maria antwortete: Wie soll das zugehen, indem ich von keinem Manne weiß?, antwortete der Engel: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; weshalb auch das Heilige, das von dir geboren werden wird, Gottes Sohn genannt werden soll. Diese Worte überlegt; er sagt: Das Heilige; ferner sagt Paulus, daß der erste Adam von der Erde irdisch sei, der zweite aber der Herr selbst vom Himmel; lest im 1. Briefe an die Korinther, Kapitel 15, da werdet ihr es wohl wahrnehmen; auch Hebr 10,5, wo Paulus sagt: Darum da er in die Welt kommt, sagt er: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, aber den Leib hast du mir bereitet; ferner Joh 16,28, wo Christus sagt, daß er von seinem Vater ausgegangen und in die Welt gekommen sei, und noch viel mehr dergleichen Stellen, namentlich im 8. und 9. Kapitel; untersucht die Schrift, das Evangelium Johannes und die Sendbriefe. Da fragte er, ob er keine Wesenheit von Maria angenommen hätte, als Saugen und dergleichen; ich sagte, daß sie ihn aufgeopfert habe, als er geboren ward; sie wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in eine Krippe; ferner findet man, daß sie für ihn Sorge getragen hat, als er verloren wurde, da er zwölf Jahre alt war; sie suchten ihn, als sie von Jerusalem kamen; es steht geschrieben, daß sie ihn mit Fleiß suchten und traurig waren. Da fragte er, ob sie ihn nicht gesäugt hätte. Antwort: Christus sagte (als das Weib sprach: Selig sind die Brüste, die du gesogen hast): Ja, Weib, selig ist der, welcher mein Wort hört und es bewahrt. Frage: Was hältst du davon? Sage deine Meinung! Antwort: Wovon ich keine Auskunft in der Schrift habe, davon darf ich nicht reden; das Gutdünken gilt hier nicht; auch fragte er mich, ob nicht Christus von dem Samen Davids wäre; ich antwortete: Wie sollte er von Davids Samen sein, denn Christus sagt selbst: Wie kommt es, daß ihn David einen Herrn nennt, wenn er sagt: der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. David nennt ihn seinen Herrn, wie kann er denn sein Sohn sein? Darauf wussten sie nicht zu antworten; dann sagte ich: Ich weiß, daß er aus dem Samen Davids geboren ist, aber nicht von dem Samen Davids; sie sagten: Es steht Gal 4, daß er von dem Weibe gemacht worden sei; ich erwiderte: Das lautet übel, daß ein Weib ein Kind machen sollte, sagen nicht alle andern Sprüche, aus einem Weibe geboren; er sagte: Ich wollte wohl mit vierzig Stellen beweisen, daß er von dem Samen Davids sei, aber er wollte es nicht beweisen. Darauf sagte ich: Hat sie ihn vom Heiligen Geiste empfangen, so kann er nicht von Davids Samen sein. Darauf fragte er mich, wohin die Menschen gingen, wenn sie von dieser Welt scheiden; ich erwiderte: Sie entschlafen in dem Herrn, wie die Schrift bezeugt, nämlich die Gläubigen; er fragte, wohin die Seelen gingen; ich antwortete: Paulus spricht: Ich habe vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn; das ist meine Meinung. Da fragte er, wohin die andern Seelen gingen. Antwort: Davon meldet die Schrift nichts, deshalb kann ich auch nicht sagen, wohin sie gehen. Frage: Was dünkt dich davon? Sie gehen irgendwohin. Antwort: Das überlasse ich der Vorsehung Gottes.

Darauf fragte er, was ich von der Auferstehung der Toten hielte; ich erwiderte: Gleichwie an die Korinther, Kapitel 15, im ersten Briefe geschrieben steht, wo Paulus sagt, daß dies Sterbliche das Unsterbliche, und dies Vergängliche das Unvergängliche anziehen soll, und daß eben derselbe Leib wieder auferstehen werde; darauf wusste er nichts zu sagen; dann fragte er mich, wohin die Kinder gingen, die ohne Taufe sterben; ich antwortete: Dahin, wo es Gott gefiel; er fragte, ob sie zur Seligkeit kämen. Antwort: Christus hat die Kinder gesegnet und gesagt, solcher ist das Reich der Himmel. Frage: So sagst du denn, sie seien selig? Antwort: Haben sie das Himmelreich, so sind sie glücklich genug. Frage: Sieh, sie sind verdammt, das ist klar. Antwort: Man liest an die Römer, Kapitel 5, daß wie durch eines Menschen Ungehorsam der Tod kommt, so kommt auch durch eines Menschen Gehorsam das Leben über alle Menschen. Darauf fragte er, ob ich nicht der Obrigkeit Untertan sein wollte. Antwort: Ja, mein Herr, insoweit sie nicht wider Gottes Gebot handelt, denn Petrus sagt, man müsse Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Hierauf fragte er mich, ob ich vor den Herrn nicht schwören wollte. Antwort: Nein. Frage: Man soll der Obrigkeit untertan sein, Paulus und Petrus lehren solches. Antwort: Christus sagt: Ihr sollt keineswegs schwören, weder bei eurem Haupte , sondern eure Worte sollen sein: Ja, das ja ist, und nein, das nein ist, alles was darüber ist, ist vom Bösen; siehe auch 2Kor 1, Jak 5. Dann fragte er, ob wir nicht verbunden wären, die Wahrheit zu sagen. Antwort: Ja, das sind wir. Frage: Sage mir, wer deine Mitgesellen seien. Antwort: Unsern Nächsten zu beschuldigen ist nicht die Wahrheit; Christus lehrt das nicht. Da beschwor er mich bei des lebendigen Gottes Sohn Jesu Christo, daß ich sie ihm nennen sollte; ich erwiderte: Ich achte euer Beschwören nicht, es ist Zauberwerk; darauf sagte er, wir wären verpflichtet, gegen Gottes Gebot zu handeln, wenn wir beschworen würden.

Man quälte mich sehr mit denen, welche den Gichtbrüchigen trugen, und er sagte, seine Sünden seien ihm durch den Glauben derer vergeben worden, die ihn brachten, so auch den Kindern in der Taufe durch des Vaters und der Mutter Glauben; aber es heißt dort nicht, durch den Glauben derer, die ihn brachten, sondern es steht nur daselbst: Als er ihren Glauben sah.

Ich habe aus Liebe so viel geschrieben; wenn ich euch nicht recht geschrieben habe, so nehmt es mir zum Besten auf, wiewohl ich meine, nach der rechten Schrift geschrieben zu haben. Lebt wohl. Ich lasse alle Freunde herzlich grüßen, und bitte, daß sie für mich bitten. Wisst, daß ich guten Mutes sei; gelobt sei der Herr. Die Gnade des Herrn sei mit euch allen, Amen.