2.26  Hilgard und Kaspar von Schöneck, ungefähr im Jahr 1528.

Diese beiden sind zu Ries im Fluchttale bei Brixen um der Wahrheit willen enthauptet worden und sind ebenfalls als treue Zeugen Christi gestorben; sie haben die folgende Ermahnung ihren Brüdern hinterlassen:

Merket alle auf und nehmet es zu Herzen, dass Gott alle Sünder, groß und klein, heimsuchen wolle, welche ihn verachten und seinen Namen lästern und nicht an ihr sündhaftes Leben denken. Gott wird einmal schnell aufwachen und seine Kinder erlösen. Wenn man auf die Lehre der Propheten achtet, so sieht man, dass es die letzte Zeit sei und dass Gott in dieser Zeit rufen wird, dass sich die Menschen zu ihm bekehren, nach seinem Willen leben und seine Geboten halten sollen. Wenn sie das tun würden, so würde dem Zorne gesteuert werden und er würde ihr Gott und Vater sein; denn Gott ist wegen seiner großen Güte in seinem Urteile langmütig, darum hütet euch vor Sünden und folget dem Teufel nicht, sondern befreiet euch von der Ungerechtigkeit, so wird euch Gott in dieser letzten Stunde nicht verlassen, denn Gott ist reich und auch barmherzig; bei ihm ist viel Gnade; er vergibt dem Sünder gern, der seine Sünden verlassen will, an Christum glaubt und seinen Namen anruft; diesen wird Gott nicht allein aus Gnaden von seinen Sünden freisprechen, sondern ihm auch freiwillig die ewige Belohnung schenken und geben. Merkt doch auf diese Dinge, o ihr alle, die ihr zu der Gemeinde Jesu Christi gehört und Gottes Kinder geworden seid! Lobt doch Gott mit Jauchzen, jung und alt, groß und klein; ihr, die ihr seinem Wort glaubt, liebt Gott als seine lieben Kinder und wandelt vor ihm mit reinem Herzen, so werdet ihr niemals verlassen, sondern von ihm bewahrt werden. O Gott, der du reich von Gnade bist, bewahre uns, deine Kinder, damit wir uns zu dir halten und diejenigen, die sich dir ergeben haben, nicht zu Schanden werden; führe sie fleißig mit deiner rechten Hand nach dem verheißenen Lande, dem ewigen Himmelreiche. O Gott! Dir sei Ehre in deinem hohen Throne, der du uns durch Christum, deinen Sohn beschenkt und uns deine göttliche Gnade mitgeteilt hast, wodurch wir dich mit Herz und Mund bekennen und uns nicht schämen, diejenigen unsere Brüder zu nennen, die dich in der Wahrheit als einen Vater anrufen. Gelobet sei dein heiliger Name! Amen.

Sebastian Frank erzählt, dass im Anfange die Taufgesinnten sich um viele Taufende vermehrt haben, so dass die Welt einen Aufruhr von ihnen befürchtete; sie sind aber dessen (wie ich höre), schreibt er, unschuldig befunden worden; gleichwohl hat man ihnen, besonders zuerst im Papsttume, mit großer Tyrannei zugesetzt.

Man nahm mit Gewalt gefangen und peinigte sie mit Brennen, mit dem Schwerte, mit Feuer, Wasser und mit mancherlei Gefängnissen, weshalb in wenigen Jahren sehr viele derselben getötet worden sind, welche man in verschiedenen Plätzen getötet hat, denn es sind zu Eynsheim allein an sechshundert umgebracht worden, welche alle als Märtyrer geduldig und standhaft litten.

Vergleiche Seb. Franck’s Beschreibung in seiner Chronik, die alte Auflage, Fol. 55, 109, mit dem alten Opferbuche, Buch 1. Leonh., Buch 7. Ferner den zweiten Teil der Chronik von dem Untergänge der Tyrannen und jährlichen Geschichten, das 16. Buch auf das Jahr 1528, Pag. 1025, Col. 1.