2.25  Neun Brüder und drei Schwestern, 1528.

In diesem Jahre sind zu Pruckhan an der Mauer in Steiermark neun Brüder und drei Schwestern gefangen genommen worden; diese hat man um ihres Glaubens willen zum Tode verurteilt und sie gebunden aus der Stadt nach dem Richtplatze geführt; sie aber waren fröhlich und getrost, sprachen und sagten: Heute wollen wir an diesem Orte um des Wortes Gottes willen leiden und ihm unser Opfer verrichten. Auch redeten sie die Herren von Pruckhan ernstlich mit den Worten an: Sie sollten wissen, dass sie unschuldiges Blut auf sich laden würden. Als man einen Kreis machte, knieten sie alle nieder und baten sämtlich alle zu Gott, dass sie nun dieses ihr Abendopfer vollenden möchten; dann standen sie auf und verfügten sich zum Schwerte; der Scharfrichter war betrübt, denn er tat solches nicht gern. Der Jüngste unter ihnen allen hat seine übrigen Brüder gebeten, dass sie ihn, weil er so wohlgemut und freimütig wäre, zuerst die Pein leiden lassen wollten, worauf er sie geküsst und gesagt hat: Gott segne euch, meine liebsten Brüder, heute werden wir zusammen im Paradiese sein. Also sind diese neun Brüder auf einem grünen Acker enthauptet worden; sie waren so unverzagt, dass man sich wundern musste; sie knieten nieder und vergossen ihr Blut durch des Schwertes Schlag. Die drei Frauen und Schwestern wurden ertränkt; sie wollten nicht von Gott und seiner Wahrheit abfallen. Die Jüngste lachte das Wasser an, welches daselbst viele gesehen haben. Einige hielten dafür, der Teufel habe sie verhärtet, aber andern wurde das Herz bewegt, dass sie auch bekannten, es müsste solches Gott geben, sonst wäre es unmöglich; demnach haben sie die heilige und göttliche Wahrheit ritterlich bekannt.