2.270  Der erste Brief von Joris Wippe, geschrieben an sein Weib, als er von Dortrecht nach dem Haag gesandt wurde.

Die ewige Freude und der Trost, welche kein Ohr gehört, kein Auge gesehen und in keines Menschen Herz gekommen ist, diese Freude und diesen Trost wünsche ich dir, meine allerliebste in Gott geliebte Hausfrau und Schwester im Herrn zum herzlichen Gruße, Amen.

Mein herzlich geliebtes Weib und Schwester im Herrn, ich wünsche dir die Freude des Heiligen Geistes in dein Herz, zum herzlichen Gruße in Gott unserm Heiland und Herrn, welche Freude des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Mäßigkeit, wider alle solche ist das Gesetz nicht; denn die Christo angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden.

Darum, meine liebe eheliche Schwester im Herrn, habe Acht auf dich selbst, damit du mit diesem köstlichen Geiste besamt seiest, denn wie der Same ist, eine solche Frucht gebärt man. Achte nicht die Freude und Vergnügung dieser Welt, denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten; wer aufs Fleisch sät, der wird vom Fleisch das Verderben ernten, wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geiste das ewige Leben ernten. Ach liebe Schwester in dem Herrn! Laß uns Gutes tun ohne Verdruss, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören; weil wir nun Zeit haben, so lasst uns Gutes tun an allen Menschen, am meisten aber unter den Glaubensgenossen; darum halte allezeit an mit Bitten, Wachen und Flehen im Geiste in all deinen Anliegen zum Herrn; lasse deine Züchtigkeit samt deinem Gehorsame und deiner Liebe zu Gott einen Spiegel und Vorbild sein allen unsern lieben Kindern, welche der heilige Herr uns sämtlich gegeben hat zum Lobe und Preise seines Vaters, und spare keinen Fleiß, sie zu unterrichten und zu vermahnen; züchtige sie, damit es der Herr nicht von deiner Hand fordere; wendet aber allen Fleiß an, daß ich euch alle wiedersehen möge in der Auferstehung der Gerechten. Seid zufrieden und richtet allezeit euer Herz und Gemüt auf den lebendigen Gott, denn er wird Witwen und Waisen nicht verlassen, sondern seine Augen sehen auf die Bedrängten, Witwen und Waisen, und seine Ohren auf ihr Gebet. Darum sei geduldig und befiehl dem Herrn alle deine Sachen; er wird nun dein freundlicher Vorsteher sein, wenn du ihm treu bleibst, so wird er dir auch treu sein; es wird an ihm nicht fehlen.

Ferner lasse ich dich wissen, daß mein Herz und Gemüt noch allezeit auf den lebendigen Gott gerichtet ist, und ich hoffe, durch seine große Barmherzigkeit, mich nicht von ihm zu scheiden, warte auch alle Tage auf meine Erlösung; ich dachte, deine Schwester wäre zu rechter Zeit gekommen mein Opfer zu sehen. Ich wusste es eine Zeitlang nicht anders, aber meine Stunde war noch nicht gekommen; der Herr weiß die Seinen zu bewahren bis zur bequemen Stunde. Ach, liebe eheliche Schwester, bitte den Herrn für mich, solange ich dieses arme, schwache Fleisch an mir habe, ich hoffe, deiner auch in meinem Gebete eingedenk zu sein; ich danke dir herzlich im Herrn, daß du mir eine solche freundliche Ermahnung zugesandt hast, denn sie ist eine Speise der Seele, und für das Zeitliche danke ich dir auch.

Hiermit befehle ich dich dem allmächtigen Gott und dem Worte seiner Gnade, Amen. Grüße mir sehr in dem Herrn alle Brüder und Schwestern.

Geschrieben von mir, Joris Wippe, deinem Manne und Bruder im Herrn, gefangen im Haag in Holland um des Zeugnisses Jesu Christi willen.