2.265  Janneken und Noele, 1558.

Desgleichen wurde zu Antwerpen um des Glaubens willen ein junges Töchterlein, genannt Janneken, gefangen genommen, welche, als sie vor die Herren kam, ihren Glauben ohne Furcht bekannt hat. Der Markgraf sagte: Janneken, willst du abfallen, so will ich dir gnädig sein; folge mir, dann will ich dir das Leben schenken. Sie aber antwortete: Das Leben, das du mir schenken willst, begehre ich nicht, denn deine Verheißungen sind nichtig und schwankend, wie ein Rohr, und würden mich, wollte ich sie annehmen, nur in größeres Leid stürzen; verflucht sind alle, die auf Menschen vertrauen.

Es war daselbst ein Prediger, Balthasar genannt, der sie überreden wollte, daß Gott im Sakramente wäre; sie aber wollte solches nicht bekennen, sondern sagte: Ihr schändet Gott also in eurem Leibe; lies aber nur das Vaterunser. Und als er es vorlas, sagte sie: Siehst du wohl, du liest hier, daß er im Himmel sei, wie darfst du nun sagen, daß er im Sakramente sei?

Sie wurde vom Schultheißen vor Gericht gefragt, ob sie wiedergetauft wäre. Darauf entgegnete sie: Fragt mich nach meinem Glauben, denselben will ich euch ohne Scheu bekennen, oder schämt ihr euch desselben? Ich bekenne eine Taufe, welche auf den Glauben geschehen muss und die Kinder nicht berührt, wohl aber zuvor eine Besserung des Lebens erfordert. Der Schultheiß sagte: Wir haben genug getan um dich zu gewinnen; hättest du dir zum Abfalle raten lassen wollen, so hättest du wohl getan. Sie antwortete: Ihr habt mein Fleisch geliebt, nicht aber meine Seele; diese hättet ihr gern verschlungen, aber Gott wird sie wie ein Kind aufnehmen und zum Erben machen; und obgleich du jetzt ein Schulze bist in deiner Herrlichkeit, so wirst du es doch endlich im Gerichte Gottes beklagen und wünschen, lieber in der Furcht Gottes ein Schäfer gewesen zu sein. Darauf wurde sie zum Tode verurteilt und ist, als sie ihren Geist in die Hände Gottes befahl, nebst einer andern Frau, Noele genannt, in einer Bütte ertränkt worden.