2.253  Daniel Verkampt, 1558.

Um dieser Zeit ist auch, nach viel erlittener Verfolgung, zu Kortryck in Flandern um der wahren Bekenntnis des Wortes Gottes willen ein junger Gesell, genannt Daniel Verkampt, gefangen genommen worden, welcher, als er von dem Diakon von Ronse und Polet scharf verhört worden ist, seinen Glauben freiwillig und ohne Scheu bekannt und gesagt hat, er wolle bis an seinen Tod standhaft dabei bleiben, aber von seinen Glaubensgenossen hat er niemand in Ungelegenheit bringen wollen.

Hernach haben Ronse und Polet die Mutter dieses Jünglings vor sich entboten, welche ein kleines altes Weib war, das an einem Stocke ging; als sie nun vor ihnen erschien, haben sie ihr als strafwürdig vorgehalten, daß sie ihren Sohn, den sie als Ketzer befunden, beherbergt hätte und daß sie (nach des Kaisers Befehle) ihres Lebens und ihrer Güter verlustig sei.

Darauf antwortete sie mit sanften Worten: Meine Herren, soll ich Leib und Leben verlieren, weil ich meinen eigenen Sohn, den ich unter meinem Herzen getragen, mit Pein geboren und mit Schmerzen auferzogen habe, zu Zeiten in seiner Not beherbergt habe, da er doch kein Dieb oder Schelm, sondern, wie bekannt, der tugendhafteste Jüngling unseres Dorfes ist, und das nur darum, weil ihr sagt, daß er ein Ketzer sei? Ich meine, wenn der Kaiser hier gegenwärtig wäre, von welchem ihr, wie ihr sagt, einen Befehl habt, er würde sagen, daß ihr seinen Befehl gegen mich missbraucht, und mich loben, weil das mütterliche Herz sich über ihr Kind, welches sonst nichts getan hat, erbarmt habe. Fürwahr, meine Herren, das ist gegen eure geziemende Weisheit und Bescheidenheit, denn wisset, hätte ich in derselben Stunde, als ihr ihn zu fangen kamt, ihn in meinem Leibe vor euch verbergen können, und ich hätte ihn auch abermals neun Monate in meinem Leibe tragen, gebären und auferziehen müssen, wie ich einmal getan habe, Gott weiß es, ich hätte solches gern getan; dieses hat sie so beweglich vorgestellt, daß alle Herren, die daselbst gegenwärtig waren und beisaßen, sie für unschuldig erklärten und sagten, daß sie nichts gegen die Art eines aufrichtigen mütterlichen Herzens getan hätte. Also ist die Mutter frei geworden; der Sohn aber musste die Standfestigkeit seines Glaubens und der Liebe Gottes, die in ihm brünstig entzündet war, mit dem Feuer bezahlen und ist um des Zeugnisses Jesu Christi willen, der ihn auch in ewige Freiheit setzen wird, verbrannt worden.