2.246  Thomas von Imbroek, im Jahre 1558, den 5. Mai.

Zu Köln am Rheine ist ein gottesfürchtiger Bruder, namens Thomas von Imbroek, der ein Druckerknecht war, im Jahre 1557 um der Wahrheit willen gefangen genommen und auf einen Turm gesetzt worden. Als er wegen der Taufe und der Ehe untersucht worden ist, hat er ihnen mit Gottes Wort so geantwortet, daß sie mit weiteren Fragen von ihm abließen und ihn auf einen andern Turm brachten. Sein Weib schrieb ihm einen Brief und ermahnte ihn, tapfer zu streiten und bei der Wahrheit standhaft zu bleiben. Über solche tröstlichen Worte hat er sich herzlich bedankt, und mit vielen Schriften erwiesen, daß die Gerechten allezeit gelitten hätten, und daß er mit einem guten Gewissen frank und frei vor Gott stände, um demselben nachzufolgen, Weib, Kinder und alle sichtbaren Dinge zu verlassen, Christi Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen, worum er auch bei Gott anhielt, um tüchtig erfunden zu werden. Nachher kamen zwei Pfaffen zu ihm, die mit ihm von der Kindertaufe handelten; sie wurden aber untereinander uneinig, denn der eine wollte die Kinder, die ohne Taufe sterben, verdammt haben, der andere aber gestand ihnen die Seligkeit zu. Sie setzten ihm stark zu, er solle sich bekehren lassen; er aber sagte, dasjenige, was ich behaupte, hat mich die Schrift gelehrt, und wer mich aus derselben eines Besseren belehrt, dem will ich gern folgen. Sie sagten: Du verachtest unsere Gemeinschaft und lassest dich nicht von uns lehren. Er erwiderte: Daß ich eure Kirche verachte und in eure Gemeinschaft nicht komme, geschieht aus dem Grunde, weil ihr eure Kirche nicht rein haltet; denn Hurer und Ehebrecher und dergleichen sind alle bei euch fromme Brüder. Sie fragten auch, warum er seine Kinder nicht taufen ließ. Er antwortete: Die Schrift lehrt uns keine Kindertaufe, und die nach Gottes Wort getauft werden sollen, müssen erst gläubig sein. Darauf sagten sie, daß er ein Ketzer sei, aber sie konnten es nicht erweisen. Dann brachte man ihn auf die Folterbank, wo er scharf verhört, aber nicht gefoltert wurde, obwohl der Scharfrichter alle Dinge dazu in Bereitschaft hatte, denn die Herren wurden uneinig untereinander, und solches ist zu drei verschiedenen Malen geschehen. Nachher wurde er in des Grafen Haus gebracht, der ihn gern freigelassen hätte, wenn er sich nicht vor des Kaisers Befehle und des Bischofs Ungnade gefürchtet hätte. Thomas aber war unverzagt, getrost und bereit, sein Leben um des Namens Christi willen dahinzugeben und so standhaft bei der Wahrheit und an der Liebe Gottes zu bleiben, daß weder Feuer, Wasser, noch Schwert, oder sonst etwas ihn davon abziehen möchte. Als sie ihn wieder aus des Grafen Hause brachten, hat er die ganze Nacht hindurch von des Grafen Volk und andern viel Anfechtung erlitten, die sich unterstanden, ihn zu lehren und zu unterrichten, aber alles umsonst, denn es waren solche, die selbst von Gott nicht unterrichtet oder gelehrt waren.

Endlich wurde er vor das Halsgericht gebracht, wo er in des Grafen Gegenwart, welcher damals sein erstes Gericht hielt, und seinen Stab in der Christen Blut färbte, zum Tode verurteilt worden ist. Also ist er als ein frommer Zeuge Jesu Christi, den 5. März im Jahre 1558, weil er im rechten Glauben standhaft verharrte, enthauptet worden, als er 25 Jahre alt war.

Er hat aus seiner Gefangenschaft Briefe an sein Weib und seine Brüder gesandt (auch ein Bekenntnis seines Glaubens von der Taufe), wovon ein besonderes Büchlein im Drucke erschienen ist, welches für Gottesfürchtige lehrreich und tröstlich ist, wie ihr aus dem Nachfolgenden, welches euch hier mitgeteilt wird, wahrnehmen könnt.