2.21  Hans von Stotsingen, 1528.

Als dieser Hans von Stotsingen um der evangelischen Wahrheit willen im Jahre 1528 eine Zeitlang zu Elzas-Zabern gefangen gewesen war, ist er zuletzt zum Tode verurteilt worden. Als er zum Richtplatze hinausgeführt wurde, hat er unterwegs an das Volk die nachfolgende Ermahnung gehalten, worauf er daselbst mit dem Schwerte enthauptet worden ist: Nun wenden wir uns in der Not mit dem Gebete zu unserem Gotte, dass er uns aus aller unserer Not erlösen wolle, damit unsere Herzen ihm ein reines Opfer bringen mögen, welches ihm wohlgefällig sein möchte. Unter diesem Opfer verstehe ich meinen ganzen Leib, das Leben, die Haut und die Beine, desgleichen auch Weib und Kinder. Wir sind geneigt, alle unsere Glieder aufzuopfern, wozu uns die Liebe treibt und zwingt. Pharao wollte solches gern verhindern und verwehren, aber wir kehren uns nicht daran und wollen auch nicht davon ablassen, sondern wir wollen für den Herrn unser Opfer bringen und durch seine Hilfe durchdringen. Er wird uns helfen und Beistand leisten. Kommt hierher, liebe Brüder, lasst uns die Sache tapfer angreifen; wir sind nun die Glieder Jesu; er ist unser Herzog; er hat eine herrliche Krone zubereitet, welche er denjenigen, die bis ans Ende beharren, aufsetzen wird. Du kleines Würmlein Jakob, sei mutig und unverzagt, obschon Pharao dir nach dem Leben steht, so ist doch das Leiden gering. Das Rote Meer wird dir offen sein und ob dir Pharao nachjagt, so wird er darin untergehen. Zage nicht, du kleine Herde, denn es ist hier um eine kurze Zeit zu tun, auch ist unser Fleisch ja nichts wert, sondern die Stadt, welche uns Gott im ewigen Reiche zubereitet hat, wo wir den Engeln Gottes gleich sein werden, ist von Wert. Wer kann die Würde bedenken? Solches hat uns Gott zugesagt, ja Gott verheißt uns durch sein Kind Jesum Christum viel Trost und Freude und verspricht uns ewige Ruhe, wenn wir sonst in ihm standhaft bleiben. Aber wir müssen auch den Kelch des Leidens mittrinken und mit seinem Sohne Jesu Christo leiden. Dennoch will er uns erlösen und uns guten Beistand leisten. Wenngleich uns die Heiden töten, so will er uns doch nicht verlassen, sondern ihre Gewalt in Stücke brechen, uns aus ihren Händen reißen und aus Gnaden herrlich krönen. Gott ist der Herr, der da schützen kann. Derselbe ist auch unser Schild, weil wir ihn zum Vater haben; er ist barmherzig und mildreich; wenngleich uns die Menschen vertreiben, so wollen wir doch stets bei ihm bleiben. Seine große Macht ist über uns, er lässt diejenigen, die seinen Bund halten, nicht verzagen; darum, wenngleich man uns lästert und anklagt, so freut euch darüber in eurem Herzen. Werft euer Vertrauen auf Gott, ihr werdet seine Hilfe genießen. Darum fürchtet weder Pein noch Tod; ich sage meinem Gotte Preis und Dank, dass ich ein Opfer geworden bin, wonach mich verlangt hat, denn Sterben ist mein Gewinn. O mein Gott, laß mich das Opfer deines Sohnes Jesu Christi genießen, Amen. Hiernächst hat er den Hals ausgestreckt und ist um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet worden.